Herzogswalde ist ein Ortsteil der sächsischen Stadt Wilsdruff im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Der Ortsteil hat den Status einer Ortschaft nach der Sächsischen Gemeindeordnung und damit gemäß ihrer Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.
Er wurde am 1. Januar 1974 nach Mohorn eingemeindet, mit dem der Ort am 1. August 2000 zur Stadt Wilsdruff kam. Der Ortsteil hat den Status einer Ortschaft nach der Sächsischen Gemeindeordnung und damit gemäß ihrer Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.
Geographie Geographische Lage Herzogswalde liegt eingebettet in ein Tal am nördlichen Rand des Tharandter Waldes zu Füßen des Landberges (). Der durch den Ort fließende „Herzogswalder Bach“ entwässert im Westen des Orts in die Triebisch.
Nachbarorte
Geschichte mini|Pfarrhaus und Kirche um 1900 miniatur|Die Kirche von Herzogswalde mini|Jagdschloss Herzogswalde
Über die Gründung von Herzogswalde gibt es keinen bestimmten Nachweis. Es ist aber anzunehmen, dass es schon mehrere Jahrhunderte vor der Reformation bestanden hat. 1428 wird es villa Hartigiswalde genannt. Danach folgten 1435 Hertigswalde, 1475 Hertchiszwalde, 1557 Hertißwalde, 1597 Hertzwalda und seit 1723 trägt es den heutigen Namen Herzogswalde. Der Ortsname bedeutet Walddorf.
1445 erwarb die Familie von Schönberg Herzogswalde und Limbach. Die Poststation im ehemaligen Erbgericht (heute Standort Gasthaus zur alten Tankstelle) bestand vom Ende des 17. Jh. bis zur Verlegung im Jahre 1833 nach Tharandt am Postkurs Dresden – Freiberg (– Nürnberg) im Zuge der Alten Frankenstraße bzw. Hofer Chaussee (heute B 173). In den Jahren 1762–1763 wurde die Dorfkirche neu erbaut, nachdem schon einige Jahre vorher der Turm fertiggestellt wurde. Ebenfalls im Jahr 1763 wurde die Orgel eingebaut, die von Johann Georg Schön (1706–1764), einem Meisterschüler Gottfried Silbermanns (1683–1753), geschaffen wurde. Am 11. November 1813 wurde im Zuge der Befreiungskriege in Herzogswalde eine Kapitulation von dem österreichischen Oberst Rothkirch, dem russischen Oberst Murawiew und den französischen Obersten Mariou und Victor abgeschlossen und bekannt gegeben, die aber nicht ratifiziert wurde.
Bezüglich der Grundherrschaft war Herzogswalde bis ins 19. Jahrhundert geteilt. Der östliche Teil gehörte als Streubesitz zum Rittergut Limbach im Oberamt Dresden. Der westliche Teil gehörte als Streubesitz um 1551 zum Rittergut Krummenhennersdorf bzw. ab 1696 zum Rittergut Ober-Reinsberg im Kreisamt Meißen.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 46 f. und 50 f. Ab 1836 gehörte der Meißnische Anteil des Orts als Exklave kurzzeitig zum Kreisamt Freiberg.Herzogswalde als Ort im Kreisamt Freiberg, Buch "Handbuch der Geographie", S. 618f. 1856 wurde Herzogswalde dem Gerichtsamt Wilsdruff und nach Trennung von Justiz und Verwaltung im Jahr 1875 der Amtshauptmannschaft Meißen angegliedert.
Erst im 19. Jh. entstand das neogotische Schloss der Herren von Schönberg, die im Ort 500 Jahre (1445–1945) ansässig waren, unter Einbeziehung von Teilen eines Bauernhofes, unweit des Rittergutes. Zwischen 1899 und 1972 hatte der Ort Anschluss an die Schmalspurbahn Freital-Potschappel–Nossen.
Herzogswalde wurde am 1. Juli 1950 zunächst aus dem Landkreis Meißen in den Landkreis Dresden umgegliedert und wurde im Juli 1952 Teil des neugeschaffenen Kreises Freital im Bezirk Dresden, der 1994 im Weißeritzkreis und 2008 im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge aufging. Am 1. Januar 1974 wurde der Ort nach Mohorn eingemeindet.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt Seit der Vereinigung der Gemeinde Mohorn mit der Stadt Wilsdruff am 1. August 2000 ist Herzogswalde ein Ortsteil der Stadt Wilsdruff.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2000
Herzogswalde ist nach wie vor landwirtschaftlich geprägt. Sehenswert ist neben der Kirche auch das Jagdschloss mit seinem Park, in dem einige seltene Bäume gedeihen. Der Ort hat einen 18-Loch-Golfplatz sowie einen 9-Loch-Par-3-Kurzplatz.
Gedenkstein alternativtext=Erinnerung an eine junge jüdische Frau, die bei Herzogswalde ermordet wurde; Foto Juni 2026.|mini|Erinnerung an den Todesmarsch, der auch durch Herzogswalde ging; Foto Juni 2026. alternativtext=Diese Tafel informiert zu Einzelheiten des Todesmarsches und des Todes der ungarischen Jüdin; Foto Juni 2026.|mini|Infotafel am Denkmal für den Todesmarsch; Foto Juni 2026. Der längste und verlustreichste Todesmarsch der Hitlerzeit begann im Januar 1945 in Schlesiersee und Grünberg in Schlesien und führte über Helmbrechts in Bayern nach Wallern in Südböhmen. Nach 800 km wurden die noch lebenden jüdischen Frauen Anfang Mai von der US-Armee befreit. In Herzogswalde konnte im Februar 1945 eine Frau flüchten und sich verstecken. Sie wurde entdeckt und von Hitlerjungen totgeschlagen. Zu DDR-Zeit wurde an der B 173 westlich von Herzogswalde am Abzweig nach Helbigsdorf ein Gedenkstein errichtet. Durch das rote Dreieck auf diesem Stein machte die DDR – wie bei ähnlichen Gedenkstätten in der DDR – aus der ermordeten Jüdin eine Antifaschistin. Im Oktober 2024 wurde neben diesem Gedenkstein eine Informationstafel aufgestellt. Diese Tafel informiert über Einzelheiten des Todesmarsches und des Todes der jungen ungarischen Jüdin. Diese Gedenkstätte ist eine der wenigen Orte auf ca. 400 km Todesmarsch durch Sachsen, die an Leiden und Sterben dieser jüdischen Frauen erinnert.
Persönlichkeiten Franz von Schönberg (1795–1861), Kammerherr und Rittergutsbesitzer Joseph Sperlich (1845–1914), Landgerichtspräsident, Mitglied des Deutschen Reichstags Donald von Schönberg (1854–1926), Rittergutsbesitzer und Hofbeamter Hagen Wend (* 1943), Geistlicher der Neuapostolischen Kirche
Literatur
Weblinks
Ortsteil Herzogswalde In: Webauftritt der Stadt Wilsdruff.
Einzelnachweise
Kategorie:Ortsteil von Wilsdruff Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) Kategorie:Ort im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Kategorie:Waldhufendorf Kategorie:Gemeindeauflösung 1974