mini|Andreas Meyer-Landrut, 1989
Bruno Andreas Meyer-Landrut (* 31. Mai 1929 in Reval) ist ein ehemaliger deutscher Diplomat. Er war ab 1983 Staatssekretär im Auswärtigen Amt und zuletzt Leiter des Bundespräsidialamtes.
Leben Andreas Meyer-Landrut wurde 1929 in Estland als Sohn des promovierten Papierfabrikanten Bruno Meyer-Landrut (1892–1973) und dessen Ehefrau Käthe Winter (1902–1991) in eine deutsch-baltische Industriellenfamilie geboren und wuchs zunächst in Katharinenthal (heute: Kadriorg, Stadtbezirk von Tallinn) auf.Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who, XX. Ausgabe, Lübeck 1978, S. 1128. Sein Vater war dort Vorstandsmitglied eines Zellstoffwerkes.Baltischer Biographischer Index. Bearbeitet von Axel Frey. Band 2: J-Q. München 1999, S. 607. Von Herbst 1936 bis November 1939 besuchte Meyer-Landrut in Reval eine private deutsche Vorschule. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Familie aufgrund des Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrags aus Estland in das besetzte Polen umgesiedelt – zunächst nach Posen, 1940 nach Leslau an der Weichsel, wo Meyer-Landrut bis Januar 1945 die staatliche Oberschule besuchte. Gegen Ende des Krieges floh die Familie von dort nach Westdeutschland und ließ sich in Bielefeld nieder.
Nach dem Abitur am Ratsgymnasium Bielefeld im März 1950 studierte Meyer-Landrut zunächst Rechts- und Staatswissenschaften, dann Slawistik, Soziologie und Osteuropäische Geschichte an der Georg-August-Universität Göttingen und der Universität Zagreb (Jugoslawien). 1955 wurde er in Göttingen mit einer von Maximilian Braun betreuten Dissertation über die nationale Funktion des Zagreber Theaters im Rahmen der kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklung des kroatischen Volkes während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Dr. phil. promoviert.
1955 trat Meyer-Landrut ins Auswärtige Amt ein. Zu seinen Auslandsposten gehörten Brüssel, Tokio und Brazzaville, wo er an die Spitze der Botschaften trat. Aufgrund seiner Sprachkenntnisse gehörte er bald zu den Russlandspezialisten im diplomatischen Dienst. Insgesamt fünfmal war er auf Posten an der deutschen Botschaft in Moskau, zuletzt 1980 bis 1983 sowie von 1987 bis 1989 als Botschafter. Er nahm somit eine Schlüsselstellung bei der Annäherung zwischen der Bundesregierung unter Helmut Kohl und der sowjetischen Führung unter Michail Gorbatschow während der Perestroika ein. In dieser Zeit setzte er sich besonders auch für die Russlanddeutschen ein.
Von 1984 bis 1986 war er unter Hans-Dietrich Genscher beamteter Staatssekretär des Auswärtigen Amts in Bonn. Von 1989 bis 1994 war er als beamteter Staatssekretär Chef des Bundespräsidialamtes unter Richard von Weizsäcker. Nach dem Ende seiner Beamtenkarriere leitete er bis 2002 die Moskauer Repräsentanz der DaimlerChrysler AG. Auch übernahm er den Vorstandsvorsitz des Deutsch-Russischen Forums.
Familie und Privatleben Andreas Meyer-Landrut ist evangelisch und in zweiter Ehe mit Natali Somers verheiratet.The International Who’s Who 2017. Milton Park, New York 2016, S. 1480. Aus seiner ersten Ehe mit Johanna „Hanna“ Karatsony von Hodos hat er eine 1960 geborene Tochter und einen 1962 geborenen Sohn.The International Who’s Who 2004. Europe Publications, London 2003, ISBN 1-85743-217-7, S. 1131.Who’s Who in Germany 1996. Band 2. Zürich 1996, S. 1128. Er ist der Onkel des Diplomaten Nikolaus Meyer-Landrut und der Großvater der Popsängerin Lena Meyer-Landrut.
Meyer-Landrut wohnte in Bonn und lebt heute in Moskau und Berlin. Neben Deutsch spricht er Russisch, Serbokroatisch, Englisch, Französisch und Schwedisch. Er betätigt sich im Reitsport, besuchte Lehrgänge unter anderem in Warendorf und Wülfrath und ist Träger des Silbernen Reitabzeichens sowie Richter bis zu Klasse M. Zudem engagiert sich Meyer-Landrut in der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Dort hatte er den Vorsitz des Bereiches Persönliche Mitglieder von 1985 bis 2001. Seit 2001 ist er Ehrenvorsitzender der Persönlichen Mitglieder.Deutsche Reiterliche Vereinigung:
Auszeichnungen 1978: Bundesverdienstkreuz am Bande 1982: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse 1986: Großkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik 1987: Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1990: Großkreuz des Ordens des Infanten Dom Henrique 2000: Marienland-Kreuz II. Klasse (Estland) 2002: Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für sein Lebenswerk zur Annäherung von Deutschen und Russen
Publikationen Die „Kroatische Wiedergeburt“ im Spiegel der Entwicklung des Zagreber Theaters 1832–1861. Dissertation, Universität Göttingen, 1955. Mit Gott und langen Unterhosen. Erlebnisse eines Diplomaten in der Zeit des Kalten Krieges. Edition q, Berlin 2003, ISBN 3-86124-573-6 (russische Ausgabe: „С Богом! И оденься потеплее!“ – Моя дипломатическая миссия в России. Международные отношения, Москва 2005, ISBN 5-7133-1248-8).
Literatur Meyer-Landruth, Andreas. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 839.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Chef des Bundespräsidialamtes Kategorie:Deutscher Botschafter in der Republik Kongo Kategorie:Deutscher Botschafter in der Sowjetunion Kategorie:Person (Daimler AG) Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband Kategorie:Träger des Verdienstordens der Italienischen Republik (Großkreuz) Kategorie:Träger des Ordens des Infanten Dom Henrique (Großkreuz) Kategorie:Träger des Ordens des Marienland-Kreuzes (II. Klasse) Andreas Kategorie:Beamteter Staatssekretär (Bundesrepublik Deutschland) Kategorie:Deutsch-Balte Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1929 Kategorie:Mann