Die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) ist ein deutsches, öffentlich-privates Unternehmen der Entsorgungsbranche in Frankfurt am Main. Die Gesellschaft ging 1995/96 aus dem früheren Amt für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung der Stadt Frankfurt am Main hervor. Heute ist FES das größte Entsorgungsunternehmen in der Rhein-Main-Region und bietet Dienstleistungen um die Entsorgung und Flächenreinigung für Kommunen, Industrie, Handel, Gewerbe und Privatkunden an.

Tätigkeitsfelder miniatur|Seitenlader Müllwagen der FES Frankfurt miniatur|Müllheizkraftwerk der FES Frankfurt

Der größte Kunde von FES ist die Stadt Frankfurt am Main. Das Unternehmen übernimmt: Einsammeln, Entsorgen und Verwertung von Restmüll, Altpapier, Bioabfall, Verpackungsabfall, Altglas, Sperrmüll, Grünschnitt, Altholz, Altmetall, Wertstoffen Sonderabfallentsorgung/Schadstoffsammlung Fäkalienentsorgung Behälter- und Containerdienst Reinigungsleistungen (Kommunale Stadtreinigung, Flächen- und Objektreinigung, Grünpflege, Laub- und Winterdienst, Betrieb und Reinigung öffentlicher Toiletten) Werksentsorgung Entsorgungsmanagement Verkehrsmaßnahmen Veranstaltungsservice sonstige Dienstleistungen

Gebühren Die Festlegung und der Einzug der Gebühren für die Abfallentsorgung und die Straßenreinigung werden durch die Stadt Frankfurt am Main in Satzungen festgelegt.Abfallgebührensatzung der Stadt Frankfurt am Main abgerufen am 25. Feb. 2020

Gesellschafter Das Unternehmen wurde 1995 von der Stadt Frankfurt am Main als alleiniger Gesellschafterin gegründet. Mit Wirkung zum 1. Januar 1998 übernahm Remondis, heute das größte deutsche Entsorgungsunternehmen, einen Minderheitsanteil von 49 % an FES, gemeinsam mit der Führung des operativen Geschäfts der Gesellschaft. Vorangegangen war eine Ausschreibung dieses Minderheitsanteils, an der sich neben deutschen Entsorgungsunternehmen auch mehrere Gesellschaften aus dem europäischen Ausland beteiligt hatten. Im Sommer 2020 erneuerten die Stadt Frankfurt und Remondis die Partnerschaft, womit Remondis weiterhin zu 49 % Anteilseignerin bleibt.

FES ist somit ein gemischtwirtschaftliches Unternehmen, auch Private-Public-Partnership (PPP) genannt.

Geschichte Hauptsitz Luisenhof Die FES nutzt den Luisenhof im Frankfurter Stadtteil Bornheim als Hauptsitz. Der Luisenhof war einst ein mittelalterlicher Militärposten vor den Toren der Stadt, der zugleich Patrizierfamilien als ländliches Refugium diente. Im Jahr 1837 kam das damals zerfallende Anwesen in den Besitz der Familie Rothschild. Diese schuf den bis heute erhaltenen Günthersburgpark und errichtete ein klassizistisches Sommerschlösschen. Mayer Carl von Rothschild erbaute 1866 den „Luisenhof“ als Ersatz für den baufälligen Ökonomiehof der Burg und benannte ihn nach seiner Frau Louise. Im Jahr 1889 erwarb die Stadt Frankfurt am Main den Gutshof aus Rothschilds Erbe und errichtete dort noch im selben Jahr ihren Fuhrpark. Seitdem dient der Luisenhof als Verwaltungssitz und Depot der Müllabfuhr und Straßenreinigung. Zum 1. Januar 1996 bezog die FES den Standort.Die Geschichte des Luisenhofs in Frankfurt Bornheim, Sabine Hock (FES 2006)

Meilensteine vor Gründung FES 1855 erteilte die Stadt Frankfurt am Main Bauern die ersten Aufträge zur Abfuhr von Unrat. Das städtische Fuhramt nahm 1873 seinen Betrieb auf. Mit einem stadteigenen Fuhrpark fuhr es Haus- und Straßenkehricht ab. Den Luisenhof erwarb die Stadt 1889.

Das Stadtreinigungsamt wurde 1954 ein eigenes Dezernat. Weitere Fortentwicklungen waren die Errichtung einer Abfallverbrennungsanlage in der Frankfurter Nordweststadt 1965, die Einführung der Altpapiertonne im Stadtgebiet Frankfurt 1986 und die Einführung der Gelben Tonne im Stadtgebiet Frankfurt 1992. Erste flächendeckende mobile Sonderabfallsammlungen gab es ab 1988. Zum 31. Dezember 1999 erlosch das Amt für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung.

Meilensteine ab Gründung FES Nach Ende des Amts für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung wurde 1995 die FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH gegründet, die zum 1. Januar 1996 ihren operativen Betrieb aufnahm. 1998 übernahm REMONDIS 49 % von FES. Im gleichen Jahr wurde die Biotonne im Stadtgebiet Frankfurt eingeführt, ein Jahr später nahm die Bioabfallbehandlungsanlage ihren Betrieb auf.

FES erwarb 2000 die Abfallumladeanlage im Frankfurter Osthafen. Zugleich wurde die Schlackeaufbereitungsanlage auf die Deponie Flörsheim/Wicker verlegt und die Flughafen-Service GmbH zur Entsorgung der Abfälle des Flughafens Frankfurt gegründet. Mit der FES Abfallmanagement und Service GmbH (FAS) als Tochter von FES folgte 2002 eine weitere Neugründung. 2003 nahm die neue Altpapiersortieranlage ihren Betrieb auf. FES übernahm im gleichen Jahr die Mehrheitsanteile der Frankfurter Fußwegreinigung Dr. Feiler & Co.

Die Abfallverbrennungsanlage wurde 2004–2009 im laufenden Betrieb saniert und in Müllheizkraftwerk Frankfurt am Main umbenannt. Als Betreibergesellschaft wurde 2006 die MHKW GmbH gegründet. Weitere Neuerungen gab es 2005 bei der Schlackeaufbereitungsanlage, die nachgerüstet und optimiert wurde, und 2006 bei der Gewerbeabfallsortieranlage, die im Frankfurter Osthafen ihren Betrieb aufnahm. Die Frankfurter Fußwegreinigung Dr. Feiler & Co. wurde in diesem Jahr zur 100%igen Tochter von FES und firmierte als FFR GmbH.

2008 wurde die Schlackeaufbereitungsanlage abermals modernisiert. Das FES-Servicecenter bezog 2009 neue Räumlichkeiten auf dem Liebfrauenberg.

Unternehmensverbund Die FES-Gruppe umfasst folgende Gesellschaften:

FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) FFR GmbH (100 %)Die FFR ist der größte Anbieter für privaten Winterdienst in Frankfurt am Main. Darüber hinaus betreut die Gesellschaft die Geschäftsfelder Flächen- und Objektreinigung, Grünpflege, Baustellenservice (Verkehrsleit- und Absperrmaßnahmen) sowie Veranstaltungsservice (Frischwasser, Abwasser, Reinigung, Absperrung usw.) bei Großveranstaltungen. FES Abfallmanagement- und Service GmbH (FAS) (100 %)Die Hauptaufgabe von FAS ist die Leerung der Gelben Tonne in verschiedenen Kommunen des Rhein-Main-Gebiets. Zudem werden in einigen Umland-Gemeinden u. a. Restmüll, Sperrmüll, E-Schrott, Altpapier, Altglas und Grünschnitt abgefahren. Weitere Geschäftsfelder sind der Containerdienst für gewerbliche Kunden und die Abfallentsorgung von Großkunden. RMB Rhein-Main Biokompost GmbH (RMB) (100 %)Seit 1999 verwertet RMB biologisch abbaubare Abfälle aller Art. Sie betreibt im Frankfurter Osthafen eine Bioabfallbehandlungsanlage, die die Verfahren Vergärung und Tunnelrotte kombiniert. Aus Bioabfall werden nährstoffreicher Kompost und gleichzeitig ökologisch saubere Energie gewonnen. Der unter dem Markennamen „humerra“ erzeugte Kompost ist besonders hochwertig und trägt das RAL-Gütesiegel. Das beim Vergärungsprozess entstehende Biogas wird im eigenen Blockheizkraftwerk in Wärme und Strom umgewandelt. Die gewonnene Wärme und elektrische Energie decken den Bedarf der Anlage vollständig. Darüber hinaus wird der über den Eigenbedarf hinaus produzierte Strom in das öffentliche Versorgungsnetz eingespeist. Flughafen-Service GmbH (FSG) (33,3 %)FSG ist ein Gemeinschaftsunternehmen der FES mit der Fraport AG und der Meinhardt Städtereinigung & Co. KG. Die Gesellschaft erbringt Entsorgungsleistungen für den Frankfurter Flughafen und den Flughafen Hahn. Müllheizkraftwerk Frankfurt am Main GmbH (MHKW) (50 %)MHKW ist ein Gemeinschaftsunternehmen von FES mit der Mainova AG und betreibt seit 2007 das sanierte Müllheizkraftwerk in der Frankfurter Nordweststadt. Rhein-Main Solarpark GmbH (RMS) (50 %) TRAPP Handelsgesellschaft mbH (TRAPP Handel) (50 %) TRAPP Handel ist ein Gemeinschaftsunternehmen der FES und der KG Ludwig Melosch Vertriebs-GmbH & Co. TRAPP Handel ist im internationalen Handel hochwertiger Altpapiersorten aktiv.

Die Unternehmen der FES-Gruppe sind Mitglieder der Entsorgergemeinschaft der Deutschen Entsorgungswirtschaft e. V.

Betriebene Anlagen FES betreibt mehrere Abfallbehandlungsanlagen sowie hauseigene Werkstätten:

AltpapiersortieranlageDie Anlage wurde 2003 errichtet. Ihr technisches Kernstück ist das optoelektronische Sortierverfahren. Dieses erkennt mittels hochauflösender Kameratechnik und CMYK-Sensorik Kartons und durchgefärbte Papiere sowie Störstoffe. Die verschiedenen Papierqualitäten werden zu Ballen gepresst oder als lose Ware an die Papierindustrie weitergeleitet. Kapazität: 130.000 t pro Jahr. AbfallumladeanlageDie Anlage dient vorrangig der Sicherstellung der geregelten Abfallbeseitigung in der Rhein-Main-Region bei Ausfällen der Müllverbrennungsanlagen in Frankfurt und Offenbach. Außerdem werden in der Anlage z. B. Sperrmüll, Holz, Kunststoffe und Bauabfälle abgeladen, ihrer Verwertbarkeit gemäß separiert und anschließend in die verschiedenen Verwertungswege disponiert. Umlademenge: 160.000 t pro Jahr. Bioabfallbehandlungsanlage(siehe Unternehmensverbund: RMB) GewerbeabfallsortieranlageDie Anlage bietet insbesondere Gewerbekunden, die Abfälle nicht getrennt erfassen können, einen Weg zur umweltgerechten Entsorgung. Die Abfallsortierung erfolgt in einem automatisierten, mehrstufigen Verfahren und mittels Einsatz von optischen Erkennungsmethoden. Die gewonnenen Rohstoffe werden der stofflichen Verwertung zugeführt. Kapazität: 75.000 t pro Jahr. MüllheizkraftwerkAbfallverbrennungsanlage und Heizkraftwerk wurden zeitgleich, aber organisatorisch getrennt ab 1965 zur Fernwärmeversorgung des neuen Frankfurter Stadtteils Nordweststadt errichtet und seitdem mehrfach nachgerüstet. Seit 1999 werden auch Gewerbeabfälle thermisch verwertet. Im Zuge von Sanierungsarbeiten, die 2009 abgeschlossen wurden, wurden beide Anlagenteile zu einem voll integrierten Müllheizkraftwerk zusammengefasst. Kapazität: 525.000 t pro Jahr. SchadstoffkleinmengenlagerDas Schadstoffkleinmengenlager dient zur Zwischenlagerung von schadstoffhaltigen Abfällen aus der Hausmüllsammlung und aus dem Gewerbe. Die verschiedenen Sonderabfälle werden in transportgerechte Einheiten zusammengefasst und von hier aus ihrer eigentlichen Beseitigung in einer Sonderabfallentsorgungsanlage transportiert. Umschlagsmenge: durchschnittlich 350 t pro Jahr. SchlackeaufbereitungsanlageDie Verbrennungsschlacken aus dem Müllheizkraftwerk Frankfurt am Main und weiteren Müllverbrennungsanlagen werden von FES auf dem Gelände der Deponie Flörsheim/Wicker in einer eigenen Anlage aufbereitet. Die auf diese Weise gewonnene Feinschlacke wird im Deponiebau verwendet. Grobe Bestandteile werden auf der Deponie abgelagert, Unverbranntes wird zurück in die Abfallverbrennungsanlage transportiert. Im Zuge der Aufbereitung werden eisenhaltige Metalle und Nichteisenmetalle separiert und der stofflichen Verwertung zurückgeführt. Kapazität: 350.000 t pro Jahr. Kfz-WerkstattFES unterhält eine der größten Werkstätten für Nutzfahrzeuge in der Rhein-Main-Region, um die Ausfallzeiten der eigenen Entsorgungs- und Reinigungsfahrzeuge und damit die vorzuhaltende Fahrzeugreserve zu minimieren. Behälter-WerkstattDie Behälterwerkstatt führt Reparaturen an den Abfallsammelbehältern sowie die gesetzlich vorgeschriebenen Überprüfungen durch.

FES-Leistungen in Zahlen

Die FES (2019) 700.000 Tonnen transportierte Abfälle im Jahr, davon allein 294.000 Tonnen von privaten Haushalten in Frankfurt am Main, Leerung von 45.400 Mülltonnen pro Tag 29.000 Leerungen öffentlicher Papierkörbe pro Woche, Reinigung von 31 Mio. Quadratmeter öffentlicher Fläche pro Woche, Reinigung von 2500 Sinkkästen in der Woche, Winterdienst auf 1250 Straßenkilometern, betreibt 31 öffentliche Toiletten in Frankfurt am Main.

Nachhaltigkeit