mini|Trinkwasser aus der Glasflasche mini|hochkant=1.4|Anstehen nach Wasser (März 1920 Kapp-Putsch) mini|hochkant=2.1|Länder, in denen Leitungswasser auch von Touristen ohne Bedenken getrunken werden kannDie Karte beruht auf der Quelle Where Is the World's Most Dangerous Drinking Water? (kommerzielle Webseite qssuplies.co.uk, Stand März 2023), die Angaben des US-amerikanischen Center for Disease Control and Prevention (CDC) (Destinations list, wwwnc.cdc.gov) und des Environmental Performance Index (EPI) (Unsafe drinking water, epi.yale.edu, Stand 2022) verwendet. Die Einschätzungen des EPI beruhen wiederum auf Daten der Global Burden of Disease (GBD) study des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME)
Trinkwasser ist Wasser für den menschlichen Bedarf. Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel, es kann nicht ersetzt werden (Eingangs- und Leitsatz der DIN 2000). Daher ist es ein besonders zu schützendes Gut und ein Teil der Daseinsfürsorge. Die Wasserbeschaffung, Aufbereitung und Verteilung von Trinkwasser ist Aufgabe der Wasserwirtschaft.
Definition und Anforderungen Als Trinkwasser ist jedes Wasser definiert, das zum
Trinken, zum Kochen, zur Zubereitung von Speisen und Getränken oder insbesondere zu den folgenden häuslichen Zwecken bestimmt ist: Körperpflege und -Reinigung, Reinigung von Gegenständen, die bestimmungsgemäß mit Lebensmitteln in Berührung kommen (Gläser, Geschirr, Besteck) oder Reinigung von Gegenständen, die bestimmungsgemäß nicht nur vorübergehend mit dem menschlichen Körper in Kontakt kommen (Kleidung, Wäsche)twin Nr. 9, DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e. V., Bonn.
Trinkwasser ist Süßwasser mit einem so hohen Reinheitsgrad, dass es – gemäß den definierten Güteanforderungen – für den menschlichen Gebrauch als geeignet eingestuft ist, insbesondere zum Trinken und zur Speisenzubereitung. Trinkwasser darf nur die Stoffe oder Organismen enthalten oder in bestimmten Mengen enthalten, für die es entweder keine Grenzwertfestlegungen gibt oder für die festgelegte Grenzwerte nicht über- oder unterschritten werden. Nicht enthalten sein dürfen z. B. krankheitserregende Mikroorganismen. Mineralstoffe sollten in einer Mindestkonzentration enthalten sein. Keine Grenzwertfestlegungen gibt es für viele chemische Schadstoffe (s. Schadstoffbelastung). Anforderungen der Keimfreiheit am Entnahmeort (Verbraucher) erzwingen unter bestimmten Bedingungen (Gewinnungsort, Leitungslänge) dauerhafte oder bedarfsgerechte Desinfektionsmaßnahmen, was (etwa durch Chlorungsverfahren) innerhalb o. g. Grenzwerte chemische Kontamination impliziert.
Die Güteanforderungen an Trinkwasser sind in Deutschland in der DIN 2000, in der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) und in der „Allgemeinen Verordnung für die Versorgung mit Wasser“ (AVBWasserV) festgelegt.Die EU- und WHO-Richtlinien für Trinkwasser legen teilweise andere Parameter zugrunde und haben Empfehlungscharakter, siehe Vergleich der Trinkwassernormen der WHO, der EU und Deutschlands.
Wasser ist in Deutschland kein Mangelartikel und kann in ausreichenden Maß dem Wasserdargebot entnommen werden. Im Gegensatz zu anderen natürlichen Ressourcen wird Wasser nicht verbraucht, sondern nur gebraucht. Es kann dabei verunreinigt werden und ist dann eventuell mit Schadstoffen belastet. Die gesamte Wassermenge der Erde in allen Aggregatzuständen bleibt gleich, lediglich die Verteilung zwischen den Umweltkompartimenten ändert sich. Nur eine äußerst geringe Menge des Wassers entweicht als Wasserdampf aus der Lufthülle in das Weltall.
Wasserbedarf Der Wasserbedarf des Menschen variiert je nach körperlicher Verfassung, Körpermasse, Aktivität, Umgebungstemperatur, Umgebungsluftfeuchtigkeit und anderen Faktoren. Der Mensch nimmt Wasser in Form von Getränken und Speisen zu sich und gibt es mit Urin, Kot, Schweiß und Atemluft ab. Wasser entsteht im Körper beim oxidativen Abbau von organischen Nahrungsstoffen.
Die WHO gibt bei „hohem Bedarf“ eine Trinkwasserbedarfsschätzung von etwa zwei Litern je Tag für einen 60 kg schweren Erwachsenen und von einem Liter für ein Kind mit 10 kg Körpergewicht an. Der Flüssigkeitsbedarf kann ergänzend durch Trinken ausreichender Mengen von Saft, Milch oder Kaffee gedeckt werden und variiert individuell stark.Mythen, an die selbst Mediziner glauben. In: Spiegel Online.
Leitungswasser wird zudem für weitere Zwecke, wie Wäschewaschen, Toilettenspülung, Körper-, Geschirr- und Wohnungsreinigung verwendet. In den letzten Jahrzehnten wurde mit einem Verbrauch an Trinkwasser von 120 bis 140 Liter pro Tag und Einwohner gerechnet. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Trinkwasser ist in Deutschland laut einer Statistik des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) durch einen bewussten Umgang mit Wasser seit 1990 kontinuierlich gesunken.
In anderen Ländern ist der Verbrauch teilweise weitaus höher. Der Gesamtwasserverbrauch in Italien wird mit 260 Litern pro Tag und Einwohner angegeben. In der Wüstenstadt Dubai, wo Trinkwasser üblicherweise durch Meerwasserentsalzung hergestellt wird, lagen in den 2010er Jahren die Werte pro Kopf bei über 500 Liter je Tag für den gesamten Verbrauch. Dort wird ebenso wie für den hohen Stromverbrauch eine Verbrauchssenkung angestrebt.Dubai will Strom- und Wasser-Verbrauch verringern. In: Dubai Report. 18. Februar 2008, abgerufen am 6. März 2011.
mini|hochkant=1.8|Grundwasserentnahme durch Brunnen in verschiedenen Tiefen und Grundwasserleitern mini|hochkant=1.5|Schema eines Wasserversorgungsnetzes mit Trinkwassergewinnung aus einem See, Aufbereitung im Wasserwerk, Zwischenspeicherung im Wasserturm, Nutzung, sowie Abwasserreinigung im Klärwerk (im Uhrzeigersinn).
Quellen Trinkwasser wird dem Wasserdargebot entnommen und kann aus verschiedenen Quellen gewonnen werden:
Hyporheische Zonen und Grundwasserleiter mittels Brunnen Niederschlag, einschließlich Regen, Hagel, Schnee, Nebel usw. Oberflächenwasser wie Quellen, Flüsse, Bäche und Gletscher Meerwasser (entsalzt) Biologische Quellen wie Pflanzen Wasserversorgungsnetze Atmosphärische Wassererzeuger Urin, feuchte Abfälle, Abluft und feuchter Boden – durch Destillation
Zu den Bedrohungen für die Verfügbarkeit von Wasserressourcen gehören: Wasserknappheit/Wasserkrisen, Wasserverschmutzung, fehlende Aufbereitung oder Wasserfilter, Wasserkonflikte, unzureichende Brunnentiefe, Dürreperioden und Überförderung sowie der Klimawandel.
Qualität des Trinkwassers mini|Trinkwasseraufbereitung mit Ultrafiltration zur Entfernung von Keimen und Trübungen mini|Kontrolle von Trinkwasser
In Deutschland,Öko-Irrsinn Mineralwasser. In: Der Spiegel. Nr. 39, 22. September 2014, S. 44. Österreich, der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden ist Trinkwasser das am intensivsten kontrollierte Lebensmittel und im Normalfall uneingeschränkt zum Verzehr geeignet.
Probleme bei der Qualität des Trinkwassers aus Grundwasser können in der Regel durch die ordnungsgemäße Ausweisung von Schutzgebieten vermieden werden. Teilweise ist die Unterschutzstellung in Gebieten mit intensiver konventioneller landwirtschaftlicher Nutzung jedoch nicht ausreichend. Insbesondere durch zu starke Gülledüngung oder durch alte Kläranlagen und den dadurch verursachten Nitrateintrag in das Grundwasser kann das daraus gewonnene Trinkwasser für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich sein. In diesen Fällen muss der Wasserversorger die Nitratkonzentration durch Aufbereitung, tiefere Brunnen und Kooperationen mit der Landwirtschaft senken.
Wasser aus Uferfiltrat kann Schadstoffe aus Kläranlagen oder Industrieeinleitungen enthalten. Schadstoffe können im „Normalbetrieb“ oder durch Unfälle in Gewässer gelangen. Wasserversorger an den großen Flüssen Deutschlands sind zu Vorfeldkontrolle und zur Bereitstellung redundanter Techniken zur Wasseraufbereitung übergegangen. Medikamente und andere pharmakologisch wirksame Stoffe, beispielsweise Röntgenkontrastmittel oder Sexualhormone, können durch den Wasserkreislauf in das Trinkwasser gelangen und zu systemischen Risiken führen.
Für Trinkwasser bestehen im deutschsprachigen Raum höhere Qualitätsanforderungen als für industriell abgepacktes Mineralwasser und Tafelwasser. Es gilt als das am besten untersuchte Lebensmittel. Trinkwasser und Tafelwasser muss im Gegensatz zu natürlichem Mineralwasser nicht „ursprünglich rein“ sein, darf also aufbereitet und vermischt werden. So darf mit Kohlenstoffdioxid versetztes Trinkwasser – unabhängig von Qualität und Mineralstoffgehalt – in Gaststätten nicht als Mineralwasser angeboten werden.
In anderen Ländern ist die Trinkwasserqualität mangels Aufbereitung und Überwachung häufig schlechter. In beliebten Urlaubsgebieten wie Spanien und Portugal variiert angeblich teilweise die Qualität des Leitungswassers von „als Trinkwasser geeignet“ bis „beim Verzehr in großen Mengen gesundheitsgefährdend“.Meike von Lojewski (20. Juli 2015) In China sind 60 bis 80 Prozent des Grundwassers schwer verschmutzt und nicht mehr als Trinkwasser geeignet.D. Wang, X. Chen, J. Zhang, Y. Zhong, R. Liu, P. Ding: Geographic information system-based health risk assessment of rural drinking water in Central China: a case study of You County, Hunan. In: Environ Monit Assess. Band 193, Nr. 2, 27. Jan 2021, S. 89. PMID 33501618 In Europa ist das Trinkwasser in aller Regel zum Kochen geeignet.
Durchschnittliche Zusammensetzung Die am häufigsten im Trinkwasser gelösten Mineralstoffe sind die Kationen Calcium (Ca2+), Magnesium (Mg2+) und Natrium (Na+) und die Anionen Carbonat (CO32−), Hydrogencarbonat (HCO3−), Chlorid (Cl−) und Sulfat (SO42−). Die Summe der Konzentrationen von Calcium und Magnesium wird als Wasserhärte bezeichnet.
Schadstoffbelastung In Einzelfällen können erhöhte Belastungen des Trinkwassers mit Schadstoffen (beispielsweise Arsen, Barium, Blei, Cadmium, Chlorid, Eisen, Kupfer, Nitrat, Phosphat, Uran, Zink) beim Endverbraucher vorkommen.Übersicht: Schadstoffe im Trinkwasser Im März 2013 berichtete das ZDF über erhöhte Belastung des Trinkwassers mit chemischen Abfällen wie Antibiotika, Pestiziden oder Desinfektionsmitteln. In der Ostschweiz wurden 300 Trink- und Grundwasserproben genommen, in denen sich zeigte, dass der offizielle Höchstwert des krebserregenden Pestizids Chlorthalonil in über 10 % der Proben überschritten wurde. Arzneistoffe sind ebenfalls zu finden.Fritz H. Frimmel: Heil-Lasten. Springer-Verlag, 2006, ISBN 3-540-33638-9, S. 207 (). Grenzwerte legt (in Deutschland) die Trinkwasserverordnung fest, doch für viele Schadstoffe existieren noch keine Grenzwertfestlegungen.
Zum Schutz der Trinkwasserquellen wurden die Gefahrenklassen PMT und vPvM eingeführt.
Blei Verantwortlich für erhöhte Bleianteile im Trinkwasser können alte Bleileitungen in der Hausinstallation sein. Die Stiftung Warentest fand bei der Auswertung von 20.000 Trinkwasseranalysen aus dem Zeitraum von 1994 bis 2004, aus Zapfhähnen in Haushalten, bei fünf Prozent der Proben mehr als 25 Mikrogramm je Liter (µg/l) Blei. Ein erhöhtes Risiko bestand demnach in ostdeutschen Regionen, in Schleswig-Holstein und in den Großräumen Hamburg, Bremen, Bonn und Frankfurt.Umweltkarte „Blei im Trinkwasser“ der Stiftung Warentest Der Grenzwert gemäß TrinkwV liegt bei 10 µg/l. Trinkwasseranalysen können klären, ob die eigene Hausinstallation betroffen ist.
Mit Stand 2021 werden in den USA bis zu 20 Millionen Menschen mit Wasser aus Bleileitungen versorgt.M. J. Brown, S. Margolis: Lead in drinking water and human blood lead levels in the United States. In: MMWR. Suppl. 61, Nr. 4, 10. Aug 2012, S. 1–9. PMID 22874873
Arsen und Fluorid