mini|Luftbild von Westen nach Osten mini|Blick auf Bretten vom Burgwäldle mini|MarktplatzBretten (, lokal Südfränkisch Bredde, , offizielle Zusatzbezeichnung seit 1. Oktober 2023: MelanchthonstadtBretten wird ab Oktober offiziell zur Melanchthonstadt. In: bretten.de, abgerufen am 1. Oktober 2023.) ist eine Stadt im westlichen Kraichgau, etwa 23 km nordöstlich von Karlsruhe in Baden-Württemberg. Sie ist nach Bruchsal und Ettlingen die drittgrößte Stadt des Landkreises Karlsruhe und bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Seit 1. Januar 1975 ist Bretten Große Kreisstadt. Mit der Nachbargemeinde Gondelsheim hat Bretten eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart. Berühmtester Sohn der Stadt ist der Kirchenreformator und Luther-Zeitgenosse Philipp Melanchthon.
Geographie mini|hochkant=2|Blick vom Stiftskirchenturm auf die nördliche Kernstadt Lage Bretten liegt im Kraichgau auf der Wasserscheide zwischen Walzbach und Saalbach im Südwesten bis ins Kraichbachtal im Nordosten. Die Stadt liegt etwa 17 km nördlich von Pforzheim und 39 km südwestlich von Heilbronn. Das Saalbachtal ist seit dem Mittelalter die südliche Hauptverkehrsachse durch den Kraichgau (die nördliche führt über Sinsheim) zwischen dem Odenwald im Norden und dem Schwarzwald im Süden von Norden/Nordwesten/Westen nach Südosten. In ihm verlaufen die wichtige B 35 und die Eisenbahnstrecke nach Stuttgart.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Bretten. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt: Knittlingen, Neulingen und Königsbach-Stein (alle Enzkreis) sowie Walzbachtal, Gondelsheim, Bruchsal, Kraichtal und Oberderdingen (alle Landkreis Karlsruhe).
Stadtgliederung Das Stadtgebiet Brettens bilden die Kernstadt sowie die neun Stadtteile Bauerbach, Neibsheim und Büchig im Norden, Diedelsheim, Rinklingen und (etwas entfernt) Dürrenbüchig im Westen, Gölshausen im Nordosten sowie Ruit im Süden und der kleinste Brettener Stadtteil Sprantal im Südwesten.
Zum Stadtteil Bauerbach gehört das Haus Hagenmühle. Zur Kernstadt Bretten gehören der Weiler Hetzenbaumhöfe, die Orte Kupferhälde und Ölmühle im Ruiter Tal (vormals Sägmühle), die Mühle Bergmühle und die Höfe Salzhofen und Schwarzerdhof. Zum Stadtteil Rinklingen gehören die Häuser Beim Bahnhof Bretten, Reiterle und Talmühle. Zum Stadtteil Ruit gehören der Weiler Rotenbergerhof und das Haus Talmühle.
In Bretten aufgegangen ist die Ortschaft Weißhofen, des Weiteren liegt im Gebiet der Kernstadt die Flur Geilsheimer Wiesench, deren Name auf eine Wüstung schließen lässt. Im Stadtteil Büchig bei Bretten und teilweise auch in der Stadt Kraichtal liegt die Wüstung Giegelnberg. Im Stadtteil Neibsheim liegt die Wüstung Randelstein.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 68–73.
Innerhalb der Kernstadt werden noch Wohngebiete mit eigenem Namen unterschieden, die von den ursprünglichen Flur- oder Landschaftsnamen abgeleitet werden (zum Beispiel Hausertal, Kupferhälde, Rechberg oder Wanne).
Raumplanung Bretten bildet ein Mittelzentrum am Ostrand des Verbands Region Karlsruhe, deren Oberzentrum die Stadt Karlsruhe ist. Zum Mittelbereich Bretten gehören neben der Stadt Bretten noch die Gemeinden Gondelsheim, Kürnbach, Oberderdingen, Sulzfeld und Zaisenhausen des Landkreises Karlsruhe sowie das zum Landkreis Enzkreis gehörende Knittlingen.
Geologie Die Altstadt Brettens (etwa 170 m) liegt im Kraichgau auf einer nach Süden exponierten Hangverflachung einer relativ breiten Talmulde, die sich hier beim Zusammenfluss der Flüsschen Salzach (von Süden) und Weißach (von Osten) tektonisch unterstützt gebildet hat. Salzach und Weißach bilden ab Bretten die Saalbach, die bei Bruchsal in das Oberrheinische Tiefland eintritt und bei Philippsburg in den Rhein fließt. Die Nähe des Rheins führte zu hoher Reliefenergie, die dem Teil des Kraichgaus um Bretten herum zu einem abwechslungsreichen Landschaftsbild, dem „Brettener Hügelland“, verhalf. Sein Charakteristikum ist die gewöhnlich bis etwa 200 cm mächtige Lössdecke auf Muschelkalk („verdeckter Karst“), die aber durch Bodenerosion erheblich gefährdet ist. Die Flurbereinigung hat einige wenige Hohlwege bestehen gelassen. Der südliche Gemarkungsbereich gehört zur Bauschlotter Platte und zeigt noch in Teilen das Landschaftsbild des offenen Karstes mit Dolinen und Schlucklöchern (meistens unter Wald) und der Heckenlandschaft in der offenen Flur. Zwischen Bretten und Pforzheim befindet sich mit der Katharinentaler Senke eines der größten oberirdisch abflusslosen Gebiete Deutschlands.
Schutzgebiete
Insgesamt 839,5 Hektar der Gemeindefläche stehen in elf Landschaftsschutzgebieten unter Schutz. Von Norden nach Süden sind dies: Bauerbach- und Kraichbachtal Seegrund Kalkofen Streuobstwiesen zwischen Bauerbach und Flehingen Brettener Kraichgau (Lohnwald und Talbachniederung Neibsheim, Kuckucksberg und Aspe Büchig, Waldwingert Bauerbach, Großmulte Gölshausen, Weinberg Dürrenbüchig, Sprantal und Salzachtal Ruit) Gölshausener Niederung Weckerlesbrünnle Diedelsheimer Talaue Kupferhälde Rechberg In den Brunnenwiesen
Darüber hinaus hat Bretten mit sieben Teilgebieten Anteil am FFH-Gebiet Mittlerer Kraichgau. Der Südosten der Gemeindefläche ist zudem Teil des Naturparks Stromberg-Heuchelberg.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|hochkant=2|Bretten 1645 auf einem Kupferstich von Matthäus Merian mini|hochkant|Marktplatz mit Melanchthonhaus mini|hochkant|Marktbrunnen
Im Jahr 767 wurde der Ort als Villa Breteheim im Lorscher Codex erstmals erwähnt. Im 12. Jahrhundert war er Vorort der Kraichgaugrafen von Lauffen und um 1120 Marktflecken. Die Siedlung gelangte 1158 an die Grafen von Eberstein. 1254 wurde Bretten erstmals als „Stadt“ erwähnt. 1349 kam Bretten als Reichspfandschaft zur Kurpfalz, pfälzischer Vogt des Oberamtes Bretten war unter anderem Weiprecht I. von Helmstatt. Pfalzgraf Philipp verlieh Bretten 492 vier Jahrmärkte. Der bedeutende Humanist und Reformator Philipp Melanchthon wurde 1497 im Haus seines Großvaters Johann Reuter am Brettener Marktplatz geboren.
Die Kurpfalz wurde im Jahr 1500 zu einem Teil des Kurrheinischen Reichskreises. Bretten wehrte sich 1504 erfolgreich gegen die Belagerung durch Ulrich von Württemberg mit 30.000 Mann. Das Peter-und-Paul-Fest, das 1934 erstmals in einem größeren Rahmen gefeiert wurde, dient bis heute als Erinnerung daran.
Bretten wurde 1689 während des Pfälzer Erbfolgekriegs zerstört, danach begann der sofortige Wiederaufbau einiger Häuser, die heute noch stadtbildprägend sind.
Aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses wurde Bretten im Jahr 1803 Bretten badisch und Sitz eines Amtes, das 1813 um das aufgelöste Amt Gochsheim erweitert wurde.
1822 wurde die Brettener Synagoge errichtet.
Nach dem ersten Eisenbahnanschluss an der Bahnlinie Bruchsal–Bretten–Mühlacker 1853 wurde Bretten 1879 nach Fertigstellung der Kraichgaubahn Karlsruhe–Bretten–Eppingen–Heilbronn Eisenbahn-Knotenpunkt. Von 1897 bis 1903 wurde das Melanchthon-Gedächtnishaus am Marktplatz durch Nikolaus Müller und den Stadtrat Georg Wörner erbaut.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Bezirksamt Bretten 1936 aufgelöst. Die Stadt und ihr Umland kamen zum Bezirksamt Karlsruhe und Neibsheim zum Bezirksamt Bruchsal. In der Reichspogromnacht wurde die Synagoge 1938 zerstört. Durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt, die 1939 5.623 Einwohner zählte zu 2 % zerstört.
In der Zeit von 1971 bis 1975 kam es zur Eingliederung von neun Nachbargemeinden. Damit überschritt die Einwohnerzahl die 20.000-Grenze, worauf die Stadt den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt stellte, was die baden-württembergische Landesregierung dann mit Wirkung vom 1. Januar 1975 beschloss.
Seit 1990 finden in Bretten die Heimattage Baden-Württemberg statt. Nach der Eröffnung der Stadtbahnlinie von Karlsruhe nach Bretten im Jahr 1992 wurde 1994 die Stadtbahnlinie von Bruchsal nach Bretten eröffnet
Das Melanchthonjubiläum im Jahr 1997 mit rund 80 Veranstaltungen fand internationale Beachtung.
2001 fand die Enthüllung des Mahnmals zur Deportation jüdischer Mitbürger im Stadtpark statt. Zum 1250. Geburtstag der Stadt im Jahr 2017 war auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu Gast.
Religionen mini|hochkant|Stiftskirche Bretten mini|hochkant|Kirche St. Mauritius im Ortsteil Neibsheim mini|Jüdischer Friedhof
Das Gebiet der Stadt Bretten gehörte wohl seit der Stadtgründung, jedoch mit Sicherheit seit 1283 zum Bistum Speyer und war dem Archidiakonat St. Guido in Speyer unterstellt. Ab 1536 traten Täufer auf und ab 1540 fasste die Reformation Fuß. War die Stadt ab 1556 zunächst lutherisch, so wandte sie sich Ende des 16. Jahrhunderts mehrheitlich dem reformierten Bekenntnis zu. Ab 1685 gab es aber auch wieder eine lutherische Gemeinde. Beide Gemeinden vereinigten sich 1822 zu einer protestantischen Gemeinde, zumal das Großherzogtum Baden, zu dem Bretten seit 1803/06 gehörte, 1821 die Union beider Bekenntnisse eingeführt hatte. Bretten wurde Sitz eines Dekans, dessen Verwaltungsbezirk, der Kirchenbezirk Bretten, sich im Laufe der Geschichte mehrmals veränderte. Auch die meisten Stadtteile Brettens wurden früh protestantisch, und so gehörten zum Evangelischen Kirchenbezirk Bretten, bevor er 2015 mit dem Bezirk Bruchsal vereinigt wurde, insgesamt 26 Kirchengemeinden, darunter die sieben Kirchengemeinden der Stadt Bretten (Bretten, Diedelsheim, Dürrenbüchig, Gölshausen, Rinklingen, Ruit, Sprantal). Die Protestanten in den Stadtteilen Büchig und Neibsheim werden von der Kirchengemeinde Gondelsheim und im Stadtteil Bauerbach von der Kirchengemeinde Kürnbach aus mitversorgt.
In Bretten selbst gab es aber trotz Einführung der Reformation weiterhin Katholiken. Im Jahr 1705 betrug deren Zahl 133 gegenüber 520 Lutheranern und 390 Reformierten. Die Stadtteile Bauerbach, Büchig und Neibsheim blieben bis heute überwiegend katholisch; sie gehörten vor 1803 zum Bistum Speyer. Gehörten alle Katholiken zunächst noch zum Bistum Speyer und ab 1810 zum Generalvikariat Bruchsal, so wurden sie 1827 dem Erzbistum Freiburg zugeordnet, das seinerzeit für das Großherzogtum Baden neu errichtet wurde. Bretten wurde später Sitz eines Dekanats, dessen Dekanatsbüro sich bis zum 31. Dezember 2007 in Eppingen befand. Zu ihm gehörten die Pfarrgemeinden der Stadt Bretten und des gesamten Umlands. Seit 2008 gehört Bretten zum Dekanat Bruchsal. Die Pfarrgemeinden innerhalb der Stadt Bretten sind zu den beiden Seelsorgeeinheiten Bretten-Stadt und Bretten-Land zusammengefasst. Zu Bretten-Stadt gehört die Pfarrgemeinde St. Laurentius, deren Pfarrkirche von 1936 bis 1938 erbaut wurde, mit ihren beiden Filialkirchen St. Elisabeth (Wohngebiet Wanne, Fertigstellung der Kirche 1965) und St. Stephanus Diedelsheim (Fertigstellung der Kirche 1991). Zur Seelsorgeeinheit Bretten Land gehören die Pfarrgemeinden der Stadtteile Bauerbach (Kirche St. Peter), Büchig (Heilig-Kreuz-Kirche) und Neibsheim (Kirche St. Mauritius, erbaut 1791/92, mit Filialkirche Guter Hirte, Gemeinde Gondelsheim).
Neben den beiden großen christlichen Kirchen bestehen in Bretten auch noch Gemeinden verschiedener Freikirchen, darunter eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten), eine Gemeinde der Volksmission entschiedener Christen e. V. und das ICF Kraichgau (eine überkonfessionelle christliche Freikirche). Auch die Neuapostolische Kirche und die Zeugen Jehovas sind in Bretten vertreten.