Der Kreis Ahaus war ein von 1816 bis 1974 bestehender Kreis im Regierungsbezirk Münster. Mit jenem gehörte er zunächst zur preußischen Provinz Westfalen, ab 1946 schließlich zu Nordrhein-Westfalen. Von 1953 bis 1969 lautete seine Bezeichnung Landkreis Ahaus. Seine Kreisstadt war Ahaus. Zum 1. Januar 1975 ging der Kreis Ahaus im neuen Kreis Borken auf.

Geographie Nachbarkreise Der Kreis Ahaus grenzte 1974 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Grafschaft Bentheim, Steinfurt, Coesfeld und Borken. Im Westen und Nordwesten grenzte er an die niederländischen Provinzen Gelderland und Overijssel.

Geschichte Über Jahrhunderte gehörte das Gebiet des Kreises Ahaus als Amt Ahaus zum Hochstift Münster, bis dieses durch den Reichsdeputationshauptschluss am 25. Februar 1803 aufgelöst wurde. Es folgten die Fürsten zu Salm-Kyrburg, bis Kaiser Napoleon durch Senatsbeschluss vom 13. Oktober 1810 den Bereich zum französischen Staatsgebiet erklärte. Die Franzosenzeit dauerte bis zur Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813, nach der die Franzosen fluchtartig die besetzten deutschen Gebiete verließen. Mit der Schlussakte des Wiener Kongresses vom 9. Juni 1815 wurde der westfälische Bereich dem Königreich Preußen zugeschlagen. Nach seiner Gründung im Jahre 1816 war der Kreis bis 1843 in die acht Bürgermeistereien Ahaus, Gronau, Nienborg, Ottenstein, Schöppingen, Stadtlohn, Vreden und Wessum eingeteilt. Mit der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen wurden in den Jahren 1843 und 1844 die Bürgermeistereien in Ämter überführt.Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen vom 31. Oktober 1841 (PDF; 1,6 MB) Der Kreis war danach in die folgenden Ämter und Gemeinden gegliedert: Amt Gemeinden amtsfrei Ahaus, Stadtlohn und Vreden Ammeloe Ammeloe Gronau Dorf Epe, Kirchspiel Epe und Gronau Legden Asbeck und Legden Nienborg Heek und Nienborg Ottenstein Alstätte und Ottenstein Schöppingen Eggerode, Stadt Schöppingen und Kirchspiel Schöppingen Stadtlohn Almsick, Estern-Büren, Hengeler-Wendfeld, Hundewick und Wessendorf Südlohn Südlohn Wessum Dorf Wessum und Kirchspiel Wessum Wüllen Ammeln und Wüllen

Das Amt Südlohn wurde 1883 in das Amt Stadtlohn eingegliedert. Die Stadt Gronau wurde 1897 amtsfrei; der Rest des Amtes Gronau bildete seitdem das Amt Epe. Im Jahre 1907 wurde die neue Gemeinde Oeding aus Südlohn herausgelöst. Am 1. April 1934 wurden die Gemeinden Dorf Epe und Kirchspiel Epe zur neuen Gemeinde Epe vereinigt. Noch im selben Jahr wurden die Ämter Ammeloe und Epe aufgehoben. Die Ämter Ottenstein und Wessum wurden 1935 zum Amt Wessum-Ottenstein vereinigt. Am 1. April 1936 wurden die Gemeinden Dorf Wessum und Kirchspiel Wessum zur neuen Gemeinde Wessum vereinigt. Am 1. August 1964 wurde aus den Gemeinden Almsick, Estern-Büren, Hengeler-Wendfeld, Hundewick und Wessendorf die Gemeinde Kirchspiel Stadtlohn neu gebildet. Im selben Jahr wurde das Amt Wessum-Ottenstein in Amt Wessum umbenannt. Die Zahl der Ämter des Kreises verminderte sich bis in die 1960er Jahre auf sechs.

Durch das Gesetz zur Neugliederung von Gemeinden des Landkreises Ahaus und das Gesetz über den Zusammenschluß der Gemeinden des Amtes Schöppingen wurden am 1. Juli 1969 die Gemeinden des Kreises neu gegliedert:Gesetz über den Zusammenschluß der Gemeinden des Amtes Schöppingen Wüllen und Ammeln wurden in die Stadt Ahaus eingegliedert. Die Gemeinden Wigbold Nienborg und Heek wurden zur neuen Gemeinde Heek zusammengeschlossen. Legden und Asbeck wurden zur neuen Gemeinde Legden zusammengeschlossen. Die Gemeinde Kirchspiel Stadtlohn wurde in die Stadt Stadtlohn eingegliedert. Südlohn und Oeding wurden zur neuen Gemeinde Südlohn zusammengeschlossen. Vreden und Ammeloe wurden zur neuen Stadt Vreden zusammengeschlossen. Die Gemeinden Wigbold Schöppingen, Kirchspiel Schöppingen und Eggerode wurden zur neuen Gemeinde Schöppingen zusammengeschlossen. Die Ämter Legden, Nienborg, Schöppingen, Stadtlohn und Wüllen wurden aufgelöst. Der Kreis Ahaus umfasste nun zwölf Städte und Gemeinden. Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Ahaus.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.

Am 1. Januar 1975 wurden im Rahmen des Münster/Hamm-Gesetzes weitere Gemeinden fusioniert und der Kreis Ahaus aufgelöst: Ahaus, Alstätte, Ottenstein und Wessum wurden zur neuen Stadt Ahaus zusammengeschlossen. Gronau (Westf.) und Epe wurden zur neuen Stadt Gronau (Westf.) zusammengeschlossen. Das Amt Wessum wurde aufgelöst. Der Kreis Ahaus wurde mit dem bisherigen Kreis Borken, der kreisfreien Stadt Bocholt, der Stadt Isselburg (vormals Kreis Rees) sowie den Gemeinden Erle (vormals Kreis Recklinghausen) und Gescher (vormals Kreis Coesfeld) zum neuen Kreis Borken zusammengeschlossen.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1819 34.738 1832 38.245 1858 40.823 Statistische Nachrichten über den Regierungs-Bezirk Münster 1858, S. 3 1871 35.752 1880 35.552 1890 39.123 1900 47.372 1910 54.781 1925 64.636 1939 78.677 1950 97.286 1960 103.400 1970 119.300 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1973 124.200 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975

Politik Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946 In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene.

Stimmenanteile der Parteien in Prozent

Jahr CDU SPD DZP FDP BHE KPD 1946 64,6 19,8 9,8 4,0 1948 40,8 23,6 33,2 2,4 1952 50,3 16,2 18,9 4,2 8,4 2,0 1956 53,0 19,3 17,8 3,3 6,6 1961 68,5 18,2 6,3 7,0 1964 65,3 22,1 6,5 6,1 1969 66,0 26,5 3,8 3,7

Landräte 1816–1823: Clemens Mersmann (landrätlicher Kommissarius) 1823–1833: Ernst von Westhoven (bis 1827 landrätlicher Kommissarius, dann Landrat) 1833–1856: Theodor von Heyden 1856–1859: Julius von Hülst 1859–1860: Jakob von Hilgers 1860–1874: Maximilian von Kerckerinck zur Borg 1874–1878: Walther Herwig 1878–1881: Wilhelm Scheffer 1881–1882: Wilhelm Riedesel zu Eisenbach 1882–1895: Gustav Gärtner 1895–1920: Friedrich von Schorlemer-Alst 1920–1944: Felix Sümmermann 1945: Clemens von Oer (kommissarisch, von der britischen Militärverwaltung eingesetzt) 1946–1968: Bruno Vagedes, CDU 1968–1974: Franz Skorzak, CDU

Am 1. Januar 1975 wurde Franz Skorzak erster Landrat des „neuen“ Kreises Borken.; Bezirksregierung Münster; abgerufen am 13. September 2012

Gemeinden mini|hochkant=2|Der Kreis Ahaus im Jahr 1845 Anfang der 1960er Jahre war der Kreis aus den folgenden Gemeinden zusammengesetzt:

Amtsfreie Gemeinden Ahaus, Stadt Ammeloe Epe Gronau, Stadt Stadtlohn, Stadt Vreden, Stadt Ämter und amtsangehörige Gemeinden Amt Legden Asbeck Legden Amt Nienborg Heek Wigbold Nienborg Amt Schöppingen Eggerode Kirchspiel Schöppingen Wigbold Schöppingen Amt Stadtlohn Almsick Estern-Büren Hengeler-Wendfeld Hundewick Oeding Südlohn Wessendorf Amt Wessum Alstätte Ottenstein Wessum Amt Wüllen Ammeln Wüllen

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen AH zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1974 ausgegeben. Seit dem 1. Februar 2013 ist es aufgrund der Kennzeichenliberalisierung im Kreis Borken erhältlich.

Quelle

Weblinks

Einzelnachweise

Literatur Aloys Börner: Der Kreis Ahaus. Die Post, Berlin 1893 (). Heinrich Bremer: Der Kreis Ahaus (= Kreis- und Stadthandbücher des Westfälischen Heimatbundes, Band 18). Münster 1953.

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