mini|hochkant|Horst Bosetzky (2011) Horst Otto Oskar Bosetzky (* 1. Februar 1938 in Berlin; † 16. September 2018 ebenda) war ein deutscher Soziologe und Schriftsteller. Er wurde einer breiteren Öffentlichkeit vor allem durch seine Kriminalromane bekannt. Horst Bosetzky veröffentlichte auch unter dem Pseudonym -ky.
Ausbildung, Werdegang als Soziologe mini|Horst Bosetzky: Lesung zum Buch König vom Feuerland in Zeuthen (2016) Horst Bosetzky kam in einer „Klinik am grünen Strand der Spree“ in der Lindenstraße im Berliner Bezirk Köpenick auf die Welt.Mein Berlin. In: Süddeutsche Zeitung, 17. September 2018. Es handelte sich um die private (Geburts-)„Klinik Dr. Tismer“ in der Lindenstraße 34, siehe auch Horst Bosetzkys Erlebnisbericht West-Berlin. Erinnerungen eines Inselkindes. Jaron, Berlin 2013, ISBN 978-3-89773-708-2, S. 15; zur einzigen Klinik in der Lindenstraße (Nr. 34): Urte Verlohren: Krankenhäuser in Groß-Berlin. Die Entwicklung der Berliner Krankenhauslandschaft zwischen 1920 und 1939. Be.bra wissenschaft, Berlin 2019, ISBN 978-3-947686-26-1, S. 304. Er wuchs im West-Berliner Bezirk Neukölln auf, wo er zwischen 1946 und 1951 die 31. Volksschule besuchte, die heutige Rütli-Schule. Nach abgeschlossener Lehre zum Industriekaufmann bei Siemens studierte er zwischen 1963 und 1968 Volks- und Betriebswirtschaft, Soziologie und Psychologie an der Freien Universität Berlin. Zur Finanzierung seines Studiums schrieb er einige Kriminalgeschichten für Heftserien. 1964 trat er der SPD bei. 1969 wurde er in Soziologie promoviert (Thema: Grundzüge einer Soziologie der Industrieverwaltung – Möglichkeiten und Grenzen der Betrachtung des industriellen Großbetriebes als bürokratische Organisation), war Assistent von Renate Mayntz und forschte zur Soziologie von Verwaltung und Organisation.
Von 1973 bis 2000 war Bosetzky Professor für Soziologie an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege der Stadt Berlin.Hendrik Werner: Tatort Bramme. In: Weser-Kurier vom 1. Februar 2018, S. 23. Er gilt in der Organisationstheorie als ein Hauptvertreter des Ansatzes der Mikropolitik. Dieser Ansatz betont besonders die Rolle von Macht in der Organisation. Er prägte die Organisationsforschung besonders durch die Zusammenfassung mikropolitischer Prozesse in der Organisation in prägnanten Begriffen wie die kameradschaftliche Bürokratie, das Don-Corleone-PrinzipSighard Neckel/Monica Titton: Eine Hand wäscht die andere. Horst Bosetzky: »Das Don-Corleone-Prinzip in der öffentlichen Verwaltung« In: Sighard Neckel, Ana Mijić, Christian von Scheve, Monic Titton: Sternstunden der Soziologie. Wegweisende Theoriemodelle des soziologischen Denkens, Campus-Verlag, Frankfurt am Main/New York 2010, ISBN 978-3-593-39181-6, S. 253–267. oder den Prinz-von-Homburg-Effekt.
Literarisches Schaffen Bosetzkys literarische Schwerpunkte waren Kriminalromane sowie historische Romane mit Bezügen zu seiner Heimatstadt Berlin und der eigenen Biographie. Er nutzte zuweilen die fiktive norddeutsche Kleinstadt Bramme als kleinbürgerlich-dominantes Reihenhausmilieu, in dem er einige seiner Protagonisten des Öfteren auftreten ließ. Bosetzky erklärte dazu: „Ich wollte Karriere machen bei Hans Koschnick im Stab und deshalb die Stadt nicht belasten. Deshalb habe ich den Ort Bramme erfunden, der die soziale Wirklichkeit von Bremen hat.“ Es folgten, parallel zu seiner Fachhochschullaufbahn, viele weitere literarische Werke.
Im Jahr 1971 legte Bosetzky seinen ersten Kriminalroman vor. Bereits dort nutzte er, wie für die nachfolgenden, aus Rücksicht auf seine berufliche Position an einer Hochschule, das Pseudonym „‑ky“. Unter diesem ließ er in einer großen Anzahl seiner Krimis Oberkommissar Mannhardt die Rolle des Ermittlers einnehmen. Wenn auch unter Pseudonym, so doch den Soziologen nicht verleugnend, sind gerade seine ersten Kriminalromane dem Zeitgeist der 1970er Jahre verpflichtet und formulieren im linken Jargon Gesellschaftskritik. Horst Bosetzky wurde damit neben Hansjörg Martin, Richard Hey und Michael Molsner stilbildend für die so genannten Sozio-Krimis, die sich in jener Dekade als neue deutsche Krimis von anderer Kriminalliteratur abzuheben und neben der reinen Unterhaltung auch die besonderen sozialen Hintergründe der handelnden Personen sowie allgemeine Aspekte der gesamtgesellschaftlichen Situation und deren Auswirkungen zu beleuchten suchten.
Verfilmt wurden seine Kriminalromane Einer von uns beiden (1972, Regie: Wolfgang Petersen u. a. mit den Schauspielern Jürgen Prochnow und Klaus Schwarzkopf) und Kein Reihenhaus für Robin Hood (1979), der zudem mit dem Preis für den besten deutschsprachigen Kriminalroman und in Frankreich mit dem Prix Mystère de la critique ausgezeichnet wurde. Dessen Filmpremiere nutzte Bosetzky 1981, um nach jahrelangen Spekulationen das Pseudonym „‑ky“ offenzulegen. 1984 wurde noch Feuer für den großen Drachen (1982) mit Peter Sattmann, Ulrike Luderer und Erdal Merdan für das Fernsehen verfilmt, 1986 außerdem der Kriminalroman Die Klette, den er zusammen mit Co-Autor Peter Heinrich geschrieben hat.
In den 1970er Jahren verfasste Bosetzky zudem Hörspiele und in den 1980er Jahren Drehbücher für das Fernsehen, unter anderem für Serien wie Detektivbüro Roth, SOKO 5113 und Ein Fall für zwei, aber auch Fernsehspiele wie Die Klette und Happy End durch drei, ferner Kurzerzählungen für die Krimi-Jahresbände der Blauen Reihe des Heyne Verlags. mini|Horst Bosetzky und Rengha Rodewill Buchvorstellung (2015)
Ein weiterer literarischer Schwerpunkt ergab sich aus seiner Verbundenheit mit Berlin. So begann er 1995 mit dem Roman Brennholz für Kartoffelschalen eine mehrbändige Familiensaga, in der sich autobiographische Elemente des Autors mit der allgemeinen Zeitgeschichte verbinden. Zu dem im frühen 20. Jahrhundert beginnenden und bis in die 1980er Jahre reichenden, in Berlin spielenden Kettenroman Es geschah in Berlin des Jaron Verlags, mit der Hauptfigur Kriminalkommissar Kappe (später sein Neffe, dann dessen Sohn), trug Bosetzky elf der 35 Bände bei. Seine Berlin(be)kenntnisse finden sich darüber hinaus in Geschichten über die Berliner Straßen-, S- und U-Bahn, sowie dem Nachschlagewerk Das Berlin-Lexikon (zusammen mit Jan Eik). mini|Horst Bosetzkys Grabstein auf dem Friedhof Stubenrauchstraße in Berlin-Friedenau
Bosetzkys Erinnerungen an seine Kindheit im Berlin der Nachkriegsjahre: ‑ky’s Berliner Jugend – Erinnerungen in Wort und Bild, in Zusammenarbeit mit der Fotografin Rengha Rodewill, wurden 2014 veröffentlicht.Facetten-Magazin Neukölln vom 10. März 2015 2017 erschien ein achtteiliges Video-Interview über seine Erinnerungen an Kindheit und Jugend in der Reihe Berliner Kindheiten, 2018 der 20-minütige Porträtfilm Bosetzky (Regie: Kristof Kannegießer).
Horst Bosetzky verstarb im September 2018 und wurde am 18. Oktober 2018 auf dem Friedhof Schöneberg III, Berlin Bezirk Tempelhof-Schöneberg beigesetzt. Seine Grabstätte befindet sich auf Feld 17/13.Horst Bosetzky auf Kulturigo Online-Zeitung, abgerufen am 24. Oktober 2018.
Ämter und Funktionen Von 1991 bis 2001 war Bosetzky Vorsitzender und Sprecher des Syndikats, der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren. Ebenso gehörte er 2002 zu den Gründungsmitgliedern des bundesweiten Autorenkreises Historischer Roman Quo Vadis, dessen erste Vollversammlung im November 2002 in Kulmbach stattfand. Er war Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS) und vom Mai 2000 bis Juni 2014 Vorsitzender des Landesverbandes VS Berlin.
Bibliographie Romanhefte Silber Kriminalroman (Zauberkreis, Rastatt) John Taylor – Der Mörder stirbt im Hafen. Silber Krimi 498, 1963, . John Taylor – Der letzte Zeuge stirbt nicht. Silber Krimi 570, 1964, . John Taylor – Der Mörder mit dem echten Alibi. Silber Krimi 599, 1964, .
Geheimauftrag für John Drake (Wolfgang Marken, Köln) Zwei Whisky mit Gift. John Drake 70. 1964, . Die Nacht der roten Tiger, John Drake 77, 1964, . Mörder in der Geisterbahn. John Drake 91, 1965, . Wer singt muß sterben. John Drake 106, 1965, . Der Bleistift mit der Todesschrift. John Drake 116, 1965, . Der Satan zahlt mit Diamanten. John Drake 147, 1966, . Zwanzigtausend sollen sterben. John Drake 165, 1966, . Überstunden für den Henker. John Drake 179, 1966, . Der Mordboss läßt die Erde beben. John Drake 201, 1967, Der Mann, der Mörder machte. John Drake Nr 218, 1967, . Der Tod fliegt schneller als der Schall. John Drake 237, 1968, . Party in der Folterkammer. John Drake 277, 1968, .
Einzelromane Aus der Traum. Heyne, München 1983, ISBN 3-453-01742-0. Die sieben Häupter. (Gemeinschaftsroman von 12 Autoren). Aufbau-Verlag (Aufbau-Taschenbuch 2077), Berlin 2004, ISBN 978-3-7466-2077-0. Das Duell des Herrn Silberstein. (Historischer Roman um den Bau der Berliner Neuen Synagoge). Jaron, Berlin 2005, ISBN 978-3-89773-526-2. Die Liebesprüfung. dtv 24512, München 2006, ISBN 978-3-423-24512-8. Das Attentat auf die Berliner U-Bahn. (Historischer Roman um Siemens und den Bau der Berliner Hochbahn). Jaron, Berlin 2015, ISBN 978-3-89773-773-0. Kempinski erobert Berlin. (Biographischer Roman um den Weinhändler und Gastronomen Berthold Kempinski). Jaron, Berlin 2019, ISBN 978-3-89773-862-1. Rumbalotte. Jaron, Berlin 2010, ISBN 978-3-89773-634-4. Der König vom Feuerland. August Borsigs Aufstieg in Berlin. (Biographischer Roman um den Gründer der Borsigwerke). Jaron, Berlin 2019, ISBN 978-3-89773-863-8. Skandal um Zille. (Historischer Roman um den Grafiker Heinrich Zille). Jaron, Berlin 2013, ISBN 978-3-89773-721-1. Turnvater Jahn. (Biographischer Roman um den Turnvater Friedrich Ludwig Jahn). Jaron, Berlin 2014, ISBN 978-3-89773-755-6.
Geschichte Brandenburgs Die unglaublichen Abenteuer des fabelhaften Orlando Im Feindeslager. Anno 1157. Jaron, Berlin 2011, ISBN 978-3-89773-827-0. Im Kloster. Anno 1190. Jaron, Berlin 2011, ISBN 978-3-89773-828-7. Wie Berlin und Brandenburg wurden, was sie sind. – Unglaubliche Geschichten aus dem Mittelalter. Im Lotterbett. Anno 1245. Jaron, Berlin 2011, ISBN 978-3-89773-829-4. Im Operationssaal. Anno 1280. Jaron, Berlin 2012, ISBN 978-3-89773-830-0. Im Unterholz. Anno 1325. Jaron, Berlin 2012, ISBN 978-3-89773-831-7. Im Palast. Anno 1348. Jaron, Berlin 2012, ISBN 978-3-89773-832-4. Im Verlies. Anno 1415. Jaron, Berlin 2013, ISBN 978-3-89773-833-1. Im Wasser der Spree. Anno 1448. Jaron, Berlin 2013, ISBN 978-3-89773-834-8. Otto mit dem Pfeil im Kopf. Phantastische Geschichten um die Entstehung von Berlin und Brandenburg. Jaron, Berlin 2015, ISBN 978-3-89773-790-7. Der letzte Askanier. (Historischer Roman über den falschen Waldemar, 14. Jh.) Argon, Berlin 1997, ISBN 978-3-87024-358-6.
Familiensaga Diese nicht in chronologischer Reihenfolge erschienene Familiensage umspannt den Zeitraum der Jahre 1717 bis 2005. Brennholz für Kartoffelschalen. (Zeitraum 1946–1952) Argon, Berlin 1995, ISBN 978-3-87024-312-8. Capri und Kartoffelpuffer. (Zeitraum 1952–1957) Argon, Berlin 1997, ISBN 978-3-87024-375-3. Champagner und Kartoffelchips. (Zeitraum 1957–1970) Argon, Berlin 1998, ISBN 978-3-87024-452-1. Tamsel. (Zeitraum 1717–1817) Jaron, Berlin 1999, ISBN 978-3-89773-007-6. Taschenbuchtitel: Hoch zu Ross. dtv #20466, München 2001, ISBN 978-3-423-20466-8. Quetschkartoffeln und Karriere. (Zeitraum 1970–1981) Argon, Berlin 2000, ISBN 978-3-87024-482-8. Zwischen Kahn und Kohlenkeller. (Zeitraum 1920–1947) Jaron, Berlin 2001, ISBN 978-3-89773-039-7. Zwischen Barrikade und Brotsuppe. (Zeitraum 1844–1918) Jaron, Berlin 2003, ISBN 978-3-89773-069-4. Küsse am Kartoffelfeuer. (Zeitraum 1981–2000) Argon, Berlin 2004, ISBN 978-3-87024-611-2. Die schönsten Jahre zwischen Wedding und Neukölln. (Zeitraum 1952–2003, die Geschichte der Gerda Neutig) Jaron, Berlin 2006, ISBN 978-3-89773-548-4. Bratkartoffeln oder Die Wege des Herrn. (Zeitraum 2003–2005) Jaron, Berlin 2008, ISBN 978-3-89773-571-2.