mini|Lebendbild

Mercenaria mercenaria ist eine Muschelart aus der Familie der Venusmuscheln (Veneridae) in der Ordnung der Venerida. Die Art ist an der nordamerikanischen Ostküste von kommerzieller Bedeutung als Meeresfrucht.

Merkmale Das stark gewölbte Gehäuse ist gleichklappig, aber ungleichseitig; die nach vorne eingewölbten Wirbel liegen vor der Mittellinie. Die Adultgröße beträgt 60 bis 130 mm, selten bis 150 mm. Der leicht variable Umriss ist annähernd eiförmig (subovat) oder auch annähernd dreieckig (subtrigonal), mit einem langen, steilen, schwach konvex gekrümmten hinteren Dorsalrand und einem steiler abfallende, kürzeren und konkav gewölbten vorderen Dorsalrand. Der hintere Dorsalrand geht mit einer kleinen Winkeländerung in den gerundeten oder auch leicht abgestutzten Hinterrand über. Der vordere Dorsalrand geht in den eng gerundeten Vorderrand über. Vorderrand und Hinterrand gehen ohne deutliche Änderung der Krümmung in den weit gerundeten Ventralrand über.

Die hervortretende, breite, herzförmige Lunula erstreckt sich über den Großteil des vorderen Dorsalrands und weist strahlenförmige Rippen auf. Die Area (Schildchen) ist dagegen nur undeutlich ausgeprägt. Das Ligament ist erhaben und zieht sich fast über die Hälfte des Dorsalrands.

Das Schloss weist drei Hauptzähne (Kardinalzähne) pro Klappe auf. In rechter und linker Klappe haben der mittlere und der hintere Zahn eine mehr oder weniger deutliche Längsgrube (sind gespalten oder bifid). Es sind keine Seitenzähne (Lateralzähne) vorhanden. Der Bereich oberhalb der hinteren Hauptzähne wirkt rau, als wäre ein Zahn abgebrochen. Die beiden Schließmuskeln (bzw. deren Narben in der Schale) sind in etwa gleich groß. Allerdings ist die hintere Schließmuskelnarbe etwas kräftiger als die vordere Narbe. Die dreieckige, flache Mantelbucht nimmt nur etwa ein Drittel der Klappenlänge ein.

Die Schale ist dick, massiv und schwer. Die Farbe der Außenseite variiert von schmutzigweiß, über grau bis braungrau. Gelegentlich sind nahe den Schalenrändern auch rotbraune Zickzackmuster ausgebildet. Die Innenseite der Klappen ist weiß, größere ventrale Partien können auch violett bis purpurrot getönt sein, ebenso die hintere Schließmuskelnarbe. Die Skulptur besteht aus konzentrische Linien, die am Vorderrand und am Hinterrand kräftiger werden, und eher als Rippen bezeichnet werden sollten. Auch im Wirbelbereich sind diese konzentrischen Linien recht kräftig. Sie stehen im Wirbelbereich meist deutlich weiter auseinander als in den Gehäuserändern. Dafür kann der mittlere Teil der Klappe bei adulten Exemplare mehr oder weniger glatt und sogar etwas glänzend werden. Der innere Rand der Ventralseite und der Vorderrand und vordere Dorsalrand (bis zum Wirbel) sind fein gekerbt. Das Periostrakum ist dünn und matt.

Die Tiere besitzen einen kräftigen Grabfuß, und zwei Siphonen, die deutlich aus dem Gehäuse herausragen.

Geographische Verbreitung, Lebensraum und Lebensweise Das Verbreitungsgebiet der Art war ursprünglich die Atlantikküste Nordamerikas bis Florida. Sie wurden aus kommerziellen Gründen auch an die Pazifikküste Nordamerikas (Humboldt Bay, Kalifornien) und nach Frankreich (Bretagne) und England eingeführt. In den 1960er Jahren wurde die Art zur Aquakultur auch an die französische Mittelmeerküste, später auch an die italienische Mittelmeerküste eingeführt. In der Bretagne gibt es noch kleine Wildbestände, die jedoch keine kommerzielle Nutzung erlauben, höchstens als Beifang.

Die Tiere sind Flachgräber in groben, aber schlickigen Sedimenten der Gezeitenzone bis etwa 10 m Wassertiefe. Sie sind Suspensionsfiltrierer. Die Tiere sind protandrische Hermaphroditen, d. h. sie sind zuerst Männchen und ändern später das Geschlecht zu weiblich. Die Weibchen produzieren je nach Größe zwischen 0,8 bis 40 Millionen Eier, die wie die Spermien der Männchen im Spätfrühling/Frühsommer ins freie Wasser abgegeben werden, wo dann die Befruchtung stattfindet. Die Tiere können ein hohes Alter bis zu 40 Jahre erreichen.

Kommerzielle Bedeutung Die Art ist an der amerikanischen Ostküste von großer Bedeutung für die örtliche Fischerei. Sie wird dort Quahog genannt. Der größte Teil der Anlandungen stammt jedoch aus Aquakulturen, die Wildfänge sind vor allem wegen früherer Überfischung stark zurückgegangen. 2019 wurden 10,7 Millionen pounds Fleischgewicht geerntet (pound = 454 g), also knapp 4900 t.

Mercenene In den 1960er Jahren wurden in Leber und Kristallstiel von Mercenaria mercenaria eine Substanz nachgewiesen, die Mercenene genannt wurde und die antitumorale Effekte in Labor- und Tierversuchen zeigte. Allerdings gelangte die Substanz über Labor- und Kleinstudien nicht hinaus. Eine Synthetisierung der Substanz gelang nicht und klinische Tests in größerem Stil konnten nicht durchgeführt werden. Auch in einer neueren Studie wurde eine hemmende und regressionsfördernde Wirkung von Mercenene auf die Krebszelllinie Sarkom 180 im klassischen Maustumor-Modell (Krebs-2-Karzinom) bei Swiss-Albino-Mäusen festgestellt.

Taxonomie Die Art wurde bereits von Carl von Linné als Venus mercenaria erstmals wissenschaftlich beschrieben. Es ist quasi die Typusart der Gattung Mercenaria Schumacher, 1817, da die formale Typusart Mercenaria violacea Schumacher, 1817 ein jüngeres Synonym von Mercenaria mercenaria (Linné, 1758) ist. Die Art ist auch die Typusart von Crassivenus G. H. Perkins, 1869, die somit ein jüngeres Synonym der Gattung Mercenaria ist. Aufgrund der Variabilität der Gehäuse existieren zahlreiche Synonyme. Außerdem wurden zahlreiche Varietäten aufgestellt. MolluscaBase listet folgende Synonyme der Artgruppe: †Mercenaria cancellata Gabb, 1860 (Miozän), Mercenaria fulgurans Tryon, 1865, Mercenaria rutila (Sternheimer, 1957), Mercenaria rutila var. rarilineata Sternheimer, 1957, Venus (Venus) cyprinoides Anton, 1838, Venus mercenaria var. alba Dall, 1902, Venus mercenaria var. antiqua A. E. Verrill, 1875, Venus mercenaria var. notata Say, 1822, Venus mercenaria var. radiata Dall, 1902, Venus mercenaria var. subradiata K. van W. Palmer, 1927, Venus notata Say, 1822, Venus obliqua Anton, 1837 und Venus submercenaria K. van W. Palmer, 1927.

Literatur S. Peter Dance, Rudo von Cosel (Bearb. der deutschen Ausgabe): Das große Buch der Meeresmuscheln. 304 S., Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1977, ISBN 3-8001-7000-0 (S. 270) Peter Graham Oliver, Kevin Thomas (Bilder): Bivalved seashells of the Red Sea. 330 S., Wiesbaden, Hemmen u. a., 1992, ISBN 3-925919-08-2 (S. 187/88) Argyro Zenetos, Serge Gofas, Giovanni Russo, José Templado: CIESM Atlas of Exotic Species in the Mediterranean. Vol.3 Mollusca. CIESM (Frédéric Briand, Hrsg.), Monaco, 2003, ISBN 92-990003-3-6 (hier S. 292/293, Text online)

Online FAO/W. Fischer, M. Schneider, M.-L. Bauchot (Red.): Fiches FAO d'Identification des espèces pour les besoins de la pêche. Méditerranée et Mer Noire - Zone de Pêche 37 - Volume 1: Végétaux et Invertébrés. Rome, 1987. FAO, hier S. 511. Marine Bivalve Shells of the British Isles: Mercenaria mercenaria (Linnaeus, 1758) (Website des National Museum Wales, Department of Natural Sciences, Cardiff)

Einzelnachweise Bo Leng, Xiao-Dan Liu, Qing-Xi Chen: Inhibitory effects of anticancer peptide from Mercenaria on the BGC-823 cells and several enzymes. FEBS Letters, 579(5): 1187-1190, 14 February 2005,

Carl von Linné/Carolus Linnaeus: Systema naturæ per regna tria naturæ, secundum classes, ordines, genera, species, cum characteribus, differentiis, synonymis, locis. Tomus I. Editio decima, reformata. Salvius, Holmiæ/Stockholm, 1758. Online bei Biodiversity Heritage Library, hier S. 686.

MolluscaBase: Mercenaria mercenaria (Linnaeus, 1758)

Northern Quahog: Aquaculture

NOAA Fischeries: Northern Quahog

Mary Rosarii Schmeer: Growth-Inhibiting Agents from Mercenaria Extracts: Chemical and Biological Properties. Science, 144 (3617): 413-414, 24 Apr 1964,

Weblinks

Kategorie:Venusmuscheln Kategorie:Veneridae