mini|FREMO-Jahrestagung 2003 in Calw – verschiedene Modellbahn-Modulanlagen in einer Dreifeldturnhalle

Von der Kinderspielzeugeisenbahn zur Modelleisenbahn Von den Anfängen der Modelleisenbahn – oder damals eher Spielzeugeisenbahn – gibt es bis heute eine durchgehende Tendenz zu mehr Orientierung am Vorbild. Da eine Modelleisenbahn jedoch auch heute teilweise als Spielzeug dient, gibt es heute unter den Anhängern eine sich immer weiter verschärfende Lagerbildung in Spielbahner, für die das Ganze ein hochwertiges Spielzeug ist, „Nietenzähler“, die das Vorbild so exakt wie möglich nachbilden wollen, und Sammler, welche die Modelle entweder rein zum Selbstzweck sammeln, oder aber auf eine Wertsteigerung hoffen. Obgleich die Grenzen beider Gruppen oft nicht streng gezogen werden können, ist die Toleranz für die jeweils andere Gruppe sehr schwach ausgeprägt.

Die Entwicklung auf den britischen Inseln ist spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 2010er-Jahre völlig von der in Kontinentaleuropa abgekoppelt und wird daher hier nicht behandelt. In den letzten Jahren gleichen sich die englischen Hersteller zunehmend an die kontinentaleuropäischen Normen an, so dass viele neuere Modelle aus England auch problemlos auf hiesigen Modellbahn-Anlagen einsetzbar sind.

Historische Entwicklung der Spielzeug- und Modelleisenbahn

Die klassischen Spiel- und Modelleisenbahnen wurden bereits Anfang des 20. Jahrhunderts für die Nenngröße 1 im Maßstab 1:32 und 0 im Maßstab 1:45 in größerem Umfang gebaut. Bekannte Hersteller waren u. a. Bassett-Lowke, Bing, Carette und Märklin. Bedingt durch den begrenzten häuslichen Platz, konnten Fahrzeuge, Gebäude und anderes Zubehör aber meist nur vereinfacht nachgeahmt werden. Die Lokomotiven und Wagen wurden meist stark verkürzt und mit vereinfachten Achsfolgen gebaut. Dennoch gab es Lokomotiven und Wagen die maßstäblich nachgebaut wurden, diese waren aber teuer und nur einem begrenzten Käuferkreis vorbehalten.

Die wirtschaftliche Entwicklung

Insbesondere im deutschsprachigen Raum war die Modellbahn in den 1960er und 1970er Jahren ein Massen-Hobby bei älteren Kindern; insbesondere Jungen im Schulalter besaßen sehr häufig eine Modellbahn, die sich hierbei über den Hersteller – in Westdeutschland Märklin, Trix oder Fleischmann – definierte. Die Systeme dieser drei waren in weiten Teilen zueinander inkompatibel und die Sortimente überschaubar. Einen Sonderfall stellte im deutschsprachigen Raum die Situation in der DDR dar, wo bis zur Wirtschafts- und Währungsunion 1990 eine staatlich gelenkte Spielzeugindustrie mit mehreren in Kombinaten zusammengefassten Herstellern Modelleisenbahnen herstellte.

Im Laufe der Zeit kamen weitere Anbieter auf den Markt, darunter Jouef, Kleinbahn, Liliput, Lima und Roco. All diese Anbieter übernahmen das 1948 von Kleinbahn eingeführte Zweileiter-Gleichstromsystem, das heute international dominiert. Märklin konnte sein Mittelleiter-Wechselstromsystem in Westeuropa halten, viele Anbieter boten und bieten ihre Modelle hierfür angepasst an. Trix passte sich hingegen in den 1970er Jahren selbst an das Zweileiter-Gleichstromsystem an, während ihr eigenes Dreileiter-Gleichstromsystem an Bedeutung verlor.

Viele der neuen Anbieter setzten auf niedrigere Preise. Insbesondere bei Kleinbahn, Lima oder Jouef wurden diese durch eine schon für die damalige Zeit sehr einfache Detaillierung erreicht; bei Roco durch eine begrenzte Abwärtskompatibilität. Durch die preiswerteren Angebote leisteten diese Unternehmen vor allem in den 1970er und 1980er Jahren einen heute kaum mehr nachvollziehbaren Beitrag für Einsteiger in das Hobby Modelleisenbahn.

Auf die aufkommende Informationstechnik reagierten die Hersteller in den 1980er Jahren durch die Markteinführung von Systemen, bei denen mehrere Züge, so diese mit einem entsprechenden Dekoder-Baustein ausgestattet sind, unabhängig voneinander gesteuert werden können. Dabei entwickelten diverse Hersteller eigene, zu den anderen Anbietern stets inkompatible Systeme. Zudem war eine solche Steuerung anfänglich sehr teuer (der Preis einer Modell-Lokomotive erhöhte sich um bis zu 70 % mit dem Dekoder-Baustein, wenn er ab Werk eingebaut war; für die Umrüstung im Fachhandel kamen neben den Hardwarekosten noch etwa 30 % des Preises als Arbeitskosten hinzu; die Basisgeräte waren in der Anschaffung sehr teuer) und – systembedingt – nur begrenzt abwärtskompatibel. Eine Steuerung über einen PC war möglich; derartige Systeme spielen jedoch bis heute kaum eine Rolle. Im Laufe der Zeit wurden zwar die Kosten geringer und bei der Zahl der angebotenen Systeme setzte eine Marktbereinigung ein, trotzdem ist die Ausrüstung von Fahrzeugmodellen mit Dekodern weiterhin teuer und nicht unproblematisch für den Betrieb.

Zu den steigenden Ansprüchen an die Detaillierung kam in den 1970er Jahren auch die Aufteilung des Marktes nach dem dargestellten Vorbildzeitraum hinzu. War bisher stets das derzeit Aktuelle als Vorbild interessant gewesen, blieb später der Zeitraum von 1950 bis 1970 der dominierende Vorbildzeitraum – entsprechend der erlebten Kindheit der meisten Modellbahner.

Neue Hobby-Modelleisenbahner gibt es jedoch immer weniger. Immer wieder vorgebrachte Gründe hierfür sind vor allem in den Preisen, die Jahr für Jahr teilweise deutlich über der Inflationsrate stiegen, und der zunehmenden Verbreitung von Spielkonsolen und PCs in den Haushalten zu suchen. Diese Gründe sind jedoch nicht durch Untersuchungen belegt.

Weiterhin sind Berührungspunkte junger Menschen in Deutschland mit den Vorbildern der Deutschen Bahn wegen des stark zugenommenen Individualverkehrs und der Stilllegung vieler Strecken in der Fläche (6467 km zwischen 1990 und 2019)Knapp 6500 Kilometer Bahnstrecke in Deutschland seit 1990 stillgelegt, auf welt.de weniger geworden. Als Gegenbeispiel kann – mit Einschränkungen – Japan gelten, wo die Shinkansen-Expresszüge bei Kindern und Jugendlichen einen sehr hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad aufweisen. Zudem ist dort Bahnfahren für die meisten Schüler eine Alltäglichkeit. Bezeichnend ist daher, dass die japanischen Modellbahnhersteller trotz ebenfalls weit verbreiteter Computerspiele und dank gelungener Marketingstrategien weitgehend krisenfrei sind.

Eine Werbung für Modelleisenbahnen außerhalb der Fachpresse findet heute praktisch nicht mehr statt – in der Vergangenheit waren dagegen Anzeigen der großen Hersteller in Mickey-Mouse-Magazinen oder in der Vorweihnachtszeit gar im Spiegel üblich.

Darüber hinaus teilen sich die Käufer zunehmend in drei Gruppen auf: einerseits Spielzeugeisenbahner, für die nur der Spielwert der Modelle zählt, Detaillierung hingegen zumeist eher als unnötige Preistreiberei und unnötige Defektquelle angesehen wird; anspruchsvolle Modelleisenbahner, die versuchen, eine Vorbildsituation so genau wie möglich nachzubilden und dabei auch auf kleinste Details achten; sowie Sammler, die eine vielfältige Zahl von Modellen sammeln möchten, und teilweise auf eine Wertsteigerung hoffen. Die Hersteller versuchten, alle drei Gruppen zufriedenzustellen, woraus Modelle entstanden, die teuer, anfällig und kompromissbehaftet sind. Dieser Trend hält bis heute an.

Beginnend Mitte der 1990er Jahre, verstärkt aber ab Mitte der 2000er Jahre zeigten diese veränderten Rahmenbedingungen dramatische Wirkungen. Zunächst gingen die Stückzahlen der produzierten Modelle zurück, was noch durch knappere Gewinne und deutliche Preissteigerungen aufgefangen wurde, zuletzt brachen dann aber bei einigen wichtigen Anbietern die Umsätze zusammen.

Die Hersteller reagierten auf die reduzierten Stückzahlen nahezu ausschließlich durch das Erhöhen der Preise, bei weiterer Auffächerung der Angebote. Einsparpotentiale wie Fertigung in Niedriglohnländern oder Managementreformen innerhalb der Firmen wurden lange Zeit völlig ausgelassen und werden es teilweise heute noch. Einige kleinere Hersteller setzten diese Punkte jedoch wiederum sehr massiv um, wodurch sie in das gewohnte Preisgefüge eingreifen und so Zweifel an den Preisen der anderen Hersteller aufkommen lassen. Einen ähnlichen Effekt hatten Vergleiche mit England oder den USA, wo ebenfalls teilweise höhere Detaillierung und Ausstattung für deutlich geringere Preise angeboten wurde.

Manche Konsumenten geben den Kosten für die Entwicklung technischer Eigenschaften, die sie selbst nicht benötigen, die Schuld oder haben kein Interesse oder keine Ressourcen, ihre bestehenden Anlagen an neuere Entwicklungen anzupassen, so dass die Abwärtskompatibilität mit teilweise sehr alten Normen, besonders im Bereich der Räder, erhalten bleiben muss; andererseits aber auch Kunden befriedigt werden wollen, die hier auf dem aktuellen Stand der Technik und absoluter Maßstäblichkeit bestehen. Die Sammler wiederum wünschen sich mitunter die Realisierung seltener oder exklusiver Modellvarianten, die von vornherein nur in extrem kleinen Stückzahlen absetzbar sind. Seitens der Hersteller wurde versucht, beide Gruppen durch die gleichen Produkte zu bedienen, was im Endeffekt zu teuren und anfälligen Kompromissmodellen führte, die keinen wirklich zufriedenstellen.

In der Folge dieser Entwicklung stiegen die Umsätze für Modelleisenbahnen zwar zunächst, jedoch bei immer geringeren Margen. Vor allem ab 2005 sanken dann auch die Umsätze der etablierter Anbieter massiv. Bereits in den 1990er Jahren übernahm zunächst die italienische Firma Lima eine Reihe von Anbietern, die oftmals durch das Angebot technisch nicht mehr zeitgemäße Modelle in finanzielle Schieflage geraten waren, wie Arnold, Rivarossi und Jouef. Infolge der Akquisitionen und aufgrund überhöhter Preisvorstellungen kollabierte jedoch der gesamte Lima-Konzern Anfang des neuen Jahrtausends. Der britische Hornby-Konzern, der die Lima-Gruppe nach ihrer Insolvenz übernommen hat, beginnt zögerlich, die nun teils nicht mehr dem Stand der Technik entsprechenden Modelle wieder auf den Markt zu bringen.

Im Jahre 1996 wurde die Firma Trix durch Märklin übernommen. Ab 2005 gerieten die Anbieter Märklin, Roco, LGB, Klein Modellbahn, Mehano und Fleischmann in finanzielle Schieflage. Märklin wurde von Finanzinvestoren übernommen, übernahm dann selbst LGB, musste jedoch Anfang 2009 Insolvenz anmelden, aus der das Unternehmen nach dem 21. Dezember 2010 einen Neustart angehen konnte.

Roco und später Fleischmann gingen in der neu gegründeten Modelleisenbahn Holding auf. Klein Modellbahn stellte den Betrieb ein, und Mehano verlagerte die Produktion aus Slowenien nach China. Einzig das ostdeutsche Unternehmen Piko zeigte sich unter den großen Anbietern weitgehend stabil.

Im traditionellen Spielwarenfachhandel und in den Kaufhäusern führt die Modelleisenbahn nur noch eine bescheidene Randexistenz – viele Kunden werden in spezialisierten Fachgeschäften bedient, deren Angebot breiter ist und als qualitativ besser gilt, deren Zahl aber auch beständig geringer wird. Ähnlich wie in vielen anderen Branchen verlagert sich der Handel zunehmend ins Internet und konzentriert sich auf eine immer kleiner werdende Zahl an immer größer werdenden Online-Shops.

Ab Mitte der 2000er-Jahre

In den ersten Jahren nach der Insolvenz des damals drittgrößten Anbieters Roco im Sommer 2005 war in der gesamten Branche ein Umdenken zu erkennen. Die Hersteller fingen wieder an, über die Preise miteinander zu konkurrieren, anstatt jede Lücke im Sortiment mit einem exklusiven aber oftmals kompromissbehafteten Modell zu füllen. In den meisten westeuropäischen Ländern hat diese Entwicklung vorübergehend dazu geführt, dass die Hersteller ihre Modelle erst dann ankündigten, wenn diese nahezu serienreif waren; anderenfalls hätte die Konkurrenz das gleiche Modell sofort ebenfalls minimal günstiger angeboten. Dies führte zu einigen interessanten Veränderungen, so verzichtete selbst Märklin hier auf größere Kompromisse, die für die sonst in den Vordergrund gestellte Abwärtskompatibilität zu alten Gleissystemen und Gewohnheiten erforderlich gewesen wären.