Apolo Anton Ohno (* 22. Mai 1982 in SeattleSherman Hollar: Apolo Anton Ohno in der Encyclopædia Britannica, abgerufen am 27. Dezember 2021; Joseph Layden: All about Apolo! 2002, S. 8. Uschan (S. 15) und Rafferty-Osaki (S. 890) nennen abweichend Federal Way als Ohnos Geburtsort., Washington) ist ein ehemaliger US-amerikanischer Shorttrack-Eisschnellläufer. Zwischen 2002 und 2010 gewann er acht Medaillen bei Olympischen Winterspielen, darunter zwei goldene.

Ohno begann seine sportliche Karriere Mitte der 1990er-Jahre und errang 1997 im Alter von 14 Jahren seinen ersten von elf nationalen Meistertiteln. 2002 wurde er bei den Winterspielen in Salt Lake City Olympiasieger im 1500-Meter-Rennen, vier Jahre später gelang ihm in Turin über 500 Meter der gleiche Erfolg. Mehr als zehn Jahre lang gehörte Ohno der Shorttrack-Weltspitze an und gewann in dieser Zeit unter anderem dreimal den Mehrkampf-Gesamtweltcup sowie 2008 den Weltmeistertitel im Mehrkampf. Die letzten Wettkämpfe seiner Laufbahn bestritt er bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver, wo er mit drei weiteren Medaillen zu einem der historisch erfolgreichsten US-amerikanischen Teilnehmer an Winterspielen wurde.

In den Vereinigten Staaten besaß Ohno auch dank verschiedener Fernsehauftritte – etwa einem Sieg in der Show Dancing with the Stars 2007 – große Beliebtheit und trug zur Popularisierung der Randsportart Shorttrack bei. Insbesondere in Südkorea wurde er hingegen vor allem wegen einer Kontroverse um seinen ersten Olympiasieg kritisch gesehen und zwischenzeitlich stark angefeindet. Nach seinem Karriereende arbeitete Ohno unter anderem als Kommentator für NBC und investierte in verschiedenen Geschäftsfeldern. 2019 wurde er in die United States Olympic & Paralympic Hall of Fame aufgenommen.

Sportliche Laufbahn Anfänge Apolo Anton Ohno wuchs in Federal Way in der Metropolregion Seattle als Sohn des alleinerziehenden Friseurs Yuki Ohno auf, der in Seattle einen Salon betrieb.Apolo Anton Ohno & Alan Abrahamson: Zero regrets : be greater than yesterday. 2010, S. 11; 18–19. Sein Vater meldete ihn als Sechsjährigen zunächst in einem Schwimmclub an und nahm ihn wenig später zur Rollschuhbahn mit, wo Ohno mit dem Quad- und Inlineskaten anfing. Sowohl im Schwimmen als auch im Inlineskating feierte er als Kind Erfolge: Mit zwölf Jahren wurde er in seiner Altersklasse Meister des Staates Washington im Brustschwimmen und hielt nationale Inline-Rekorde.Michael V. Uschan: Apolo Anton Ohno. 2011, S. 22–23. Die Übertragung der olympischen Shorttrack-Wettkämpfe 1994 weckte Ohnos Interesse an der Eislaufdisziplin. Gemeinsam mit seinem Vater reiste er in den folgenden Jahren für Trainings und Wettkämpfe unter anderem nach Eugene und Vancouver, wo er sich an den zur internationalen Spitze gehörenden kanadischen Shorttrackern orientierte.Rebecca Aldridge: Apolo Anton Ohno. 2009, S. 21–23. Mit 13 Jahren belegte Ohno im Januar 1996 den vierten Rang bei der nationalen Qualifikation für die Juniorenweltmeisterschaften. Er stand dabei in direkter Konkurrenz zu Athleten, die bis zu fünf Jahre älter waren. Ohnos Leistungen – verbunden mit drängenden Nachfragen seines Vaters, der nach weiteren Fördermöglichkeiten für seinen Sohn suchte – überzeugten den für das US-Juniorenteam verantwortlichen Trainer Patrick Wentland, den Nachwuchsathleten am Lake Placid Olympic Center aufzunehmen, obwohl er das festgelegte Mindestalter von 15 Jahren noch nicht erreicht hatte. Im Sommer 1996 zog Ohno nach Lake Placid, um dort gemeinsam mit dem Junioren-Nationalkader zu trainieren.Rebecca Aldridge: Apolo Anton Ohno. 2009, S. 24–25; Michael V. Uschan: Apolo Anton Ohno. 2011, S. 28–30.

Unter Wentlands Anleitung verbesserte Ohno seine EislauftechnikApolo Anton Ohno & Alan Abrahamson: Zero regrets : be greater than yesterday. 2010, S. 54–58. Ohno beschreibt Wentland in seiner 2010 erschienenen Autobiographie als strengen Übungsleiter, der ein intensives Training verfolgte. Gleichzeitig habe er ihm aber auch den schmalen Grat zwischen zu hartem Training und Flow nähergebracht. und entschied im März 1997 mit 14 Jahren die US-Meisterschaften der Erwachsenen für sich. Er triumphierte vor dem mehrfachen Olympiateilnehmer Andy Gabel und qualifizierte sich für den amerikanischen Nationalkader, der bei Jeroen Otter in Colorado Springs trainierte. Bei Ohnos erster WM-Teilnahme einen Monat nach dem nationalen Meistertitel verpasste er als 19. eine vordere Platzierung. Enttäuscht und von der Saison erschöpft legte Ohno im Sommer gegen Otters Rat eine halbjährige Trainingspause ein, die er in Seattle verbrachte und in der er deutlich an Gewicht zunahm. Im Januar 1998 platzierte er sich unter 16 Teilnehmern auf dem letzten Rang bei der nationalen Olympiaausscheidung und verpasste damit die Qualifikation für die Winterspiele in Nagano.Michael V. Uschan: Apolo Anton Ohno. 2011, S. 32–35. Er baute sein Training in den Folgemonaten neu auf – zunächst am Juniorenstützpunkt in Lake Placid, dann wieder in Colorado Springs, wo mittlerweile Patrick Wentland die Betreuung des Nationalkaders übernommen hatte. Zudem arbeitete er mit einem Sportpsychologen zusammen. Im November 1998 gewann Ohno in Székesfehérvár über 1000 Meter vor dem amtierenden Olympiasieger auf dieser Strecke, dem Südkoreaner Kim Dong-sung, zum ersten Mal ein Rennen im Shorttrack-Weltcup. Zwei Monate später wurde er in Montreal als erster US-Amerikaner Shorttrack-Juniorenweltmeister.Michael V. Uschan: Apolo Anton Ohno. 2011, S. 39–43.

Ab 1999 festigte Ohno stetig seine Position als führender US-amerikanischer Shorttracker.S.L. Price: Launch of Apolo. In: Sports Illustrated. 4. Februar 2002. Er siegte regelmäßig bei nationalen Meisterschaften im Mehrkampf (bis 2009 insgesamt elf Mal)Steckbrief von Apolo Anton Ohno auf speedskatingmuseum.org. Abgerufen am 9. Dezember 2021. Ohno wurde 1997, 1999 sowie von 2001 bis 2009 durchgehend US-Meister. und stellte US-Rekorde über 500 Meter sowie 1500 Meter auf. Im Training löste sich Ohno Anfang der 2000er-Jahre für einige Zeit weitgehend vom Nationalteam und arbeitete mit anderen Trainern zusammen, weil er die Betreuung der neuen leitenden Trainerin Sue Ellis als wenig förderlich empfand. In seiner 2002 erschienenen Autobiographie schrieb er, Ellis habe vollkommen andere Trainingsschwerpunkte gesetzt, als er es gewohnt gewesen sei: Sie habe vor allem Krafttraining und Anhebung der Laktatschwelle in den Fokus gestellt, während seine Konzentration auf Radfahren und Herz-Kreislauf-Training lag.Apolo Anton Ohno & Nancy Ann Richardson: A journey : the autobiography of Apolo Anton Ohno. 2002, S. 83–85. In der Saison 2000/01 entschied Ohno zwölf Weltcup-Einzelrennen und drei Mehrkämpfe für sich. Am Saisonende stand er an der Spitze der Weltcup-Gesamtwertung im Mehrkampf (vor dem mehrfachen Weltmeister Li Jiajun aus China) sowie der 500-Meter-, 1000-Meter- und 1500-Meter-Klassements. Bei den Weltmeisterschaften 2001 in Jeonju gewann Ohno hinter Li die Silbermedaille im Mehrkampf mit einem Streckensieg im abschließenden 3000-Meter-Rennen und wurde zudem gemeinsam mit Rusty Smith, Daniel Weinstein und Ron Biondo zum ersten Mal Staffelweltmeister.Apolo Anton Ohno & Alan Abrahamson: Zero regrets : be greater than yesterday. 2010, S. 104–108.

Olympische Winterspiele 2002 mini|links|Ohnos bei den Winterspielen 2002 getragene Schlittschuhe, ausgestellt im National Museum of American History Im Dezember 2001 qualifizierte sich Ohno mit mehreren Streckensiegen bei den nationalen Auswahlrennen für die Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City. Über 1500 Meter stellte er dabei mit einer Zeit von 2:13,728 Minuten einen Weltrekord auf.Associated Press: Ohno Sets World Record at Speedskating Trials. In: Los Angeles Times. 16. Dezember 2001. Abgerufen am 17. Januar 2022. Nach den Wettkämpfen warf der nicht qualifizierte Tommy O’Hare Ohno und Rusty Smith vor, das abschließende 1000-Meter-Rennen absichtlich gegen ihren Freund Shani Davis verloren zu haben, um Davis die Olympiateilnahme zu ermöglichen. Ein Schlichter sprach die beschuldigten Athleten im Januar 2002 von jeglichem Fehlverhalten frei. O’Hare hatte seine formelle Beschwerde bereits zuvor zurückgezogen.Brian Cazeneuve: In: Sports Illustrated. 13. Februar 2002; Selena Roberts: OLYMPICS; Complaint Withdrawn; Skaters Are Cleared. In: The New York Times. 25. Januar 2002, S. D5.

In Salt Lake City gewann Ohno die Silbermedaille im 1000-Meter-Rennen und wurde Olympiasieger über die 1500-Meter-Distanz. Das 1000-Meter-Finale endete mit einem Sturz der führenden vier Läufer Li Jiajun, Ohno, Ahn Hyun-soo und Mathieu Turcotte in der letzten Kurve vor dem Ziel. Der abgehängte Australier Steven Bradbury profitierte von dem Zwischenfall und überquerte die Ziellinie als Erster, gefolgt von Ohno, der sich nach dem Sturz aufrichtete, dann wieder fiel und auf Händen und Füßen über die Ziellinie rutschte. Damit gewann er die Silbermedaille.The Most Unexpected Gold Medal In History - Steven Bradbury | Salt Lake 2002 Winter Olympics auf dem YouTube-Kanal der Olympischen Spiele (3:05 Minuten); David Wallechinsky: The complete book of the Winter Olympics, 2009, S. 143; John Slack: Not Sporting: The Short Track Racing Incident. In: David Straub (Hrsg.): Anti-Americanism in democratizing South Korea. 2015, S. 138–140. Die Schuld für den Sturz sahen koreanische Medien zumindest teilweise bei Ohno (neben dem disqualifizierten Chinesen Li Jiajun), während US-Kommentatoren auch den Koreaner Ahn als Verursacher betrachteten. Das 1500-Meter-Rennen wurde ab der Wettkampfhälfte vom Südkoreaner Kim Dong-sung angeführt. Ohno setzte sich in der vorletzten Runde hinter Kim an die zweite Stelle. In der letzten Runde schickte er sich an, den Koreaner zu überholen, brach das Manöver aber ab – mutmaßlich weil Kim ihn blockiert hatte – und hob die Hände in die Luft. Kim erreichte das Ziel vor Ohno als Erster, wurde aber kurz danach wegen cross-tracking (= Behinderung von Ohno durch Kreuzen seines Laufweges) vom Schiedsrichter James Hewish disqualifiziert. Unter dem Beifall des überwiegend amerikanischen Publikums bekam Ohno den Olympiasieg zugesprochen. Die Entscheidung zog ein kontroverses Echo nach sich. Während Ohno sie als eindeutig richtig ansah und Unterstützung etwa vom Bronzemedaillengewinner Marc Gagnon erhielt, bestritt insbesondere die südkoreanische Presse ein Foul Kims. Stattdessen unterstellten einige Zeitungen Ohno Schauspielerei und unsportliches Verhalten („Hollywood action“): Er sei nicht schnell genug gewesen, um Kim zu überholen, seine Geste des Handhebens sei ein Trick gewesen, um die Aufmerksamkeit des Schiedsrichters und des Publikums auf sich zu ziehen.Rachael Miyung Joo: Transnational Sport: Gender, Media, and Global Korea. 2012, S. 53–54; John Slack: Not Sporting: The Short Track Racing Incident. In: David Straub (Hrsg.): Anti-Americanism in democratizing South Korea. 2015, S. 141–145. Slack zitiert neben koreanischen Medien auch The Times of London sowie japanische und italienische Stimmen, die sich kritisch mit der Jury-Entscheidung auseinandergesetzt hätten.

Das Koreanische Olympische Komitee protestierte erfolglos beim Internationalen Olympischen Komitee, bei der Internationalen Eislaufunion und beim Internationalen Sportgerichtshof gegen die Disqualifikation Kims. Ohno erhielt nach dem Wettkampf mindestens 40 Morddrohungen per E-Mail und stand für den Rest der Winterspiele unter Polizeischutz.John Slack: Not Sporting: The Short Track Racing Incident. In: David Straub (Hrsg.): Anti-Americanism in democratizing South Korea. 2015, S. 146–147. Er blieb in den verbliebenen beiden Wettkämpfen ohne Medaille: Über 500 Meter wurde er im Halbfinale wegen Behinderung eines Gegners disqualifiziert, im Staffelfinale stürzte sein Mannschaftskollege Rusty Smith, das US-Team belegte letztlich den vierten Rang.Michael V. Uschan: Apolo Anton Ohno. 2011, S. 59–60.

Entwicklung und Erfolge zwischen 2002 und 2010