Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF, , ) ist eine Stiftung zur Forschungsförderung im Auftrag des Bundes. Finanziert wird die Stiftung durch Beiträge des Bundes.
Der SNF fördert im Auftrag des Bundes die Forschung in allen wissenschaftlichen Disziplinen. Dazu unterstützt er Forschungsprojekte, wissenschaftliche Karrieren, thematische Forschungsprogramme sowie die nationale und internationale Vernetzung der Forschung. Der SNF ist die wichtigste öffentliche Förderorganisation für Grundlagenforschung in der Schweiz.
Ein Forschungsrat aus rund 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist zuständig für die Vergabe der Fördermittel in kompetitiven wissenschaftlichen Evaluationsverfahren.
2025 verfügte der SNF über einen Bundesbeitrag von 1.2 Mia. Franken, den er in 2400 neue Forschungsprojekte investiert hat.
Organisation Der SNF ist eine privatrechtliche Stiftung mit einem öffentlich-rechtlichen Förderungsauftrag. Der SNF gliedert sich in Stiftungsrat, Forschungsrat, Delegiertenversammlung und die Geschäftsstelle. Die Geschäftsstelle wird von einer Geschäftsleitung geführt. mini|Organigramm SNF (Stand 2025)
Stiftungsrat Als oberstes Organ sorgt der Stiftungsrat für die Wahrung des Stiftungszwecks und fällt Entscheide auf strategischer Ebene. Er besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Schweizer Universitäten und (Fach-)Hochschulen sowie der Akademien der Wissenschaften Schweiz. Den Vorsitz des Stiftungsrats wählt der Bundesrat. Präsidiert wird der Stiftungsrat seit 2020 von Alt-Nationalrat Jürg Stahl.
Präsidentinnen und Präsidenten des Stiftungsrats
Seit 2020 : Jürg Stahl 2018–2019 : Felicitas Pauss (ad interim) 2012–2018 : Gabriele Gendotti 2008–2011 : Hans Ulrich Stöckling 1999–2007 : Fritz Schiesser 1995–1998 : Ralf Hütter 1991–1994 : Jean Cavadini 1987–1990 : Alfred Schmid 1983–1986 : Jean-François Poudret mini|Leitung des SNF (Stand 2026): Katrin Milzow (Co-Direktorin), Torsten Schwede (Präsident des Forschungsrats), Jürg Stahl (Präsident des Stiftungsrats) und Thomas Werder Schläpfer (Co-Direktor).
Forschungsrat Der Forschungsrat setzt sich 30 bis 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen, die mehrheitlich an schweizerischen Hochschulen tätig sind. Er beurteilt dem SNF unterbreitete Gesuche und entscheidet über die Vergabe der Fördergelder. Unterstützt wird der Forschungsrat von zahlreichen Evaluationsgremien mit rund 1000 Milizmitgliedern. Der Forschungsrat ist auch für die Gestaltung der Förderpolitik zuständig.
Seit 2025 präsidiert Torsten Schwede, Bioinformatiker an der Universität Basel, den Forschungsrat. Der Forschungsrat ist in sechs verschiedene Komitees gegliedert:
Komitee für Förderpolitik (Policy-Komitee) Programmkomitee Projekte Programmkomitee Karrieren Programmkomitee Internationale Zusammenarbeit Programmkomitee Langzeitforschung und Infrastrukturen Programmkomitee Thematische und lösungsorientierte Forschung
Präsidentinnen und Präsidenten des Forschungsrats
Torsten Schwede, seit 2025 Matthias Egger, 2017–2024 Martin Vetterli, 2013–2016 Dieter Imboden, 2005–2012 Heidi Diggelmann, 1997–2004
Delegiertenversammlung mini|Gebäude der Geschäftsstelle in Bern am Wildhainweg 21 (2020) 2024 ist mit der Delegiertenversammlung ein neues Organ dazugekommen: Sie vertritt die Interessen der Forschenden und verschiedener Organisationen aus der Wissenschaft. Sie besteht aus 40 Vertreterinnen und Vertreter der Hochschulen und weiterer Forschungsinstitutionen, der Akademien der Wissenschaften Schweiz und Organisationen des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Geschäftsstelle Die Geschäftsstelle unterstützt und koordiniert die Tätigkeiten von Stiftungsrat, Forschungsrat und Forschungskommissionen. Sie ist zuständig für alle administrativen Aufgaben sowie für die nationale und internationale Vernetzung und Kommunikation des SNF. Zudem führt sie die Evaluationsverfahren der Fördergesuche durch. Die Geschäftsstelle hat ihren Sitz in Bern.
Forschungsförderung Der SNF fördert im Auftrag des Bundes die Forschung in allen wissenschaftlichen Disziplinen. Er begutachtet von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eingereichte Forschungsgesuche und unterstützt nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewählte Projekte.
Projekt- und Karriereförderung Der mit Abstand grösste Beitrag an Fördergeldern fliesst in die Projektförderung. Der SNF unterstützt dafür Forschende mit einer Projektidee bei der Umsetzung des Vorhabens.
Neben der Projektförderung fördert der SNF auch Karrieren mit verschiedenen Fördergefässen, dabei werden Forschende mit einem Salär oder Stipendium bei ihrem Vorhaben unterstützt. Sie ermöglichen es den Forschenden, selbstständig ein Projekt zu planen und, in gewissen Fällen, ein Team von Forschenden in der Schweiz zu leiten.
Postdoc.Mobility Das Postdoc.Mobility-Stipendium des SNF ist ein Förderinstrument für Postdoktoranden in der Schweiz. In der akademischen Landschaft wird es als das Schweizer Äquivalent zum europäischen Marie-Curie-Programm (MSCA) angesehen. Die Erlangung dieses Stipendiums ist aufgrund strenger Selektionskriterien mit hohen Hürden verbunden. Neben einer herausragenden akademischen Leistungsbilanz und der Originalität des Forschungsprojekts wird von den Bewerbenden gefordert, dass der geplante Auslandaufenthalt an einer renommierten Institution im Ausland einen entscheidenden Karriereschritt darstellt.
Forschungsprogramme Ein weiterer Schwerpunkt ist die Förderung über bestimmte Programme: Im Gegensatz zur Projekt- und Karriereförderung werden dafür thematische oder organisatorische Rahmenbedingungen durch den SNF vorgegeben.
Der Bundesrat lanciert die Nationalen Forschungsprogramme (NFP) und die Nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS) und beauftragt den SNF mit deren Durchführung.
Nationale Forschungsprogramme (NFP)
Die Nationalen Forschungsprogramme (NFP) leisten wissenschaftliche Beiträge zur Lösung aktueller Herausforderungen von nationaler Bedeutung. Innerhalb eines Programms werden die Forschungsprojekte im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel koordiniert. Um eine möglichst grosse Wirkung zu erzielen, haben die Zusammenarbeit und der Austausch mit Akteuren aus der Praxis einen hohen Stellenwert. Die NFP dauern bis zu fünf Jahre und sind mit fünf bis 30 Millionen Franken dotiert. Von 1975 bis 2026 hat der Bund 87 Nationale Forschungsprogramme lanciert.
Thematische Vorschläge für Nationale Forschungsprogramme können von verschiedenen Akteuren eingebracht werden. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) sammelt diese Vorschläge, holt Stellungnahmen der Bundesämter ein und unterbreitet darauf basierend dem Bundesrat entsprechende Empfehlungen. Der SNF prüft die Vorschläge im Auftrag des SBFI auf ihre wissenschaftliche und organisatorische Machbarkeit und erarbeitet die Programmkonzepte. Auf dieser Grundlage entscheidet der Bundesrat über die Lancierung der Programme.
Nationale Forschungsschwerpunkte (NFS)
Mit den Nationalen Forschungsschwerpunkten (NFS) wird die Stellung des Forschungsplatzes Schweiz in für die Zukunft von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft wichtigen Bereichen erhalten und nachhaltig gestärkt. Dies erfolgt durch die Förderung exzellenter Forschung sowie den Aufbau zusätzlicher Lehr- und Forschungskapazitäten. Die NFS sind an einer oder mehreren Hochschulen verankert und bestehen aus einem Kompetenzzentrum sowie einem nationalen und internationalen Netzwerk. Ein Nationaler Forschungsschwerpunkt wird während zehn bis zwölf Jahren mit 20 bis 60 Millionen Franken durch den SNF sowie durch Eigenmittel der Hochschulen und Drittmittel unterstützt.
Weitere Förderinstrumente Ferner gibt es auch Förderung im Bereich der Wissenschaftskommunikation wie das Agora-Förderprogramm und ergänzende Massnahmen, mit welchen der SNF z. B. die Förderung von Wissenschaftlerinnen oder die Vereinbarkeit von Familie und Forschungstätigkeit unterstützt.
Ergänzend engagiert sich der SNF in der internationalen Zusammenarbeit mit Organisationen und Forschungsprogrammen und finanziert wissenschaftliche Tagungen.
Open Access Der SNF finanziert die Veröffentlichung von Publikationen (hauptsächlich Dissertationen und Habilitationsschriften).
Seit 2023 schreibt der SNF für alle von ihm geförderten wissenschaftlichen Artikel vor, dass diese umgehend zugänglich werden müssen (open access) und eine freie Creative-Commons-Lizenz mit Namensnennung verwenden müssen. Begründet wird dies so: «wissenschaftliche Artikel werden in erster Linie digital verbreitet und gelesen. Die Forschenden wie auch der SNF haben ein Interesse daran, dass das Wissen so breit wie möglich gestreut und so vielfältig wie möglich genutzt wird.»
Gleichstellung, Vielfalt und Inklusion Der SNF unternimmt verschiedene Massnahmen zur Förderung von Frauen und anderer in der Forschung untervertretener Gruppen. 2024 verabschiedete er dafür die «Gleichstellung, Vielfalt und Inklusion» (GVI-Vision). Darin macht es sich der SNF zur Aufgabe, den Themen Gleichstellung, Vielfalt und Inklusion in allen Fördergefässen Rechnung zu tragen. Dies geschieht einerseits durch eine speziellen Berücksichtigung dieser Themen bei den Auswahlverfahren: andererseits bietet er Förderinstrumente und ergänzende Massnahmen an, welche die Karrieren von untervertretenen Gruppen in der Forschung gezielt unterstützen.
Schon vor der Verabschiedung der GVI-Vision gab es verschiedene Instrumente und Programme zur Förderung von Frauen und Gleichstellung. Dazu gehören z. B. die seit 1991 vergebenen Marie Heim-Vögtlin-Beiträge, ein Programm zur Förderung von Frauen in der Forschung. Sie wurde 2017 durch das Programm PRIMA () ersetzt, das wiederum 2021 in andere Karriereprogramme überführt wurde; das Budget wird weiterhin ausschliesslich für Frauen eingesetzt.
Darüber hinaus verantwortete der SNF von 2020 bis zu ihrer Auflösung 2025 die Datenbank AcademiaNet für exzellente Wissenschaftlerinnen mit der Zielsetzung, den Frauenanteil in wissenschaftlichen Führungspositionen zu erhöhen.
Wissenschaftspreise und Bilderwettbewerb Der SNF vergibt vier Wissenschaftspreise bzw. ist an ihrer Vergabe beteiligt: Mit dem Marie Heim-Vögtlin-Preis werden Nachwuchsforscherinnen für herausragende Leistungen gewürdigt. Der Preis Optimus Agora zeichnet innovative Projekte der Wissenschaftskommunikation aus. Zudem wählt der SNF im Auftrag der Marcel Benoist Stiftung die Preisträgerinnen und Preisträger für den Schweizer Wissenschaftspreis Marcel Benoist aus. Den Latsis-Preis verleiht der SNF im Auftrag der Latsis Foundation jährlich an junge Forschende unter 40.
Neben den Wissenschaftspreisen schreibt der SNF auch einmal jährlich einen Bilderwettbewerb aus. Prämiert werden Bilder, welche die Arbeit von Forscherinnen und Forschern auf ästhetische und treffende Art und Weise sichtbar machen.
Forschungsmagazin Horizonte Das Magazin Horizonte wird seit 1988 vom Schweizerischen Nationalfonds und den Akademien der Wissenschaften Schweiz herausgegeben. Die unabhängige Redaktion berichtet viermal jährlich über die neusten Ergebnisse und Erkenntnisse aus allen Disziplinen der Wissenschaft: von der Biologie und Medizin über sozial- und kulturwissenschaftliche Themen bis zu Mathematik und Naturwissenschaften. Zudem werden forschungspolitische Fragen von internationaler Bedeutung erörtert. Horizonte richtet sich an ein breites, an wissenschaftlichen Fragen interessiertes Publikum und ist kostenlos im Abonnement erhältlich sowie als digitale Version frei zugänglich.
Geschichte
Entstehung des Schweizerischen Nationalfonds (1930–1952)