Arahitogami (japanisch oder auch ) ist ein japanischer Begriff, mit der wörtlichen Bedeutung „Kami, der als Mensch erscheint.“ Der erste Beleg für den Begriff ist im Kojiki aus dem 8. Jahrhundert.

Im Shintō ist die Verehrung der Seelen Verstorbener als Kami üblich. Im Gegensatz dazu wird hier eine noch lebende Person bereits als Kami verehrt. Im in der Meiji-Zeit begründeten Staats-Shintō wurde diese Bezeichnung für den Tennō (Kaiser) verwendet, um seine Göttlichkeit zu unterstreichen.

Die Göttlichkeit des japanischen Kaisers wurde vom Shōwa-tennō in seiner auch als Ningen-sengen ( „Erklärung der Menschlichkeit“) bezeichneten Neujahrserklärung 1946 zurückgewiesen und erklärt, die Bande zwischen ihm und seinem Volk hätten von jeher auf Vertrauen und Zuneigung und nicht auf Legenden und Mythen basiert. Dabei wurde allerdings statt Arahitogami der weniger geläufige Ausdruck Akitsumikami (, aber auch , , oder ) verwendet:

Manche Kritiker sind der Auffassung, der Tennō habe mit dieser Zurückweisung nur eine übernatürliche Qualität für sich verneint, die er tatsächlich, auch nach shintōistischen Vorstellungen nie besessen habe, um den christlichen Vorstellungen eines Gottes zu genügen, von denen man annahm, die Besatzer hätten sie in ihrer Forderung nach der Zurückweisung des Göttlichkeitsstatus gemeint. Eine weitere Position von Kritikern ist, dass es gar nicht in der Macht des Tennō gelegen habe, seine Göttlichkeit im Sinne einer Kami-Natur (, shinkaku-sei) qua Abstammung von Amaterasu zurückzuweisen, da es sich dabei um ein historisches Faktum handele.

In der japanischen Verfassung von 1947 hat der Tennō nur noch die Rolle eines Symbols des Staates. Er ist weiterhin der oberste Priester im Shintō. In der privat abgehaltenen Zeremonie Dajiō-sai (; früher auch Ōnihe-no-matsuri) wird ein namentlicher Tennō – nach der (säkularen und staatlichen) Thronbesteigung (, sokui no rei) – auch wirklich zu einem Tennō, in dem er zusammen mit Amaterasu Reis kostet und dabei ihren Geist verkörpert. Er wird dadurch unter anderem zum Akitsumikami. Diese Zeremonie ist allerdings seit Kriegsende keine staatliche (, kokuji kōi) mehr, sondern hat nur noch religiöse Funktion. Radikale Tennōisten und Nationalisten (wie die rechtsextremen Uyoku, aber auch konservative Politiker und Shintōisten) fordern allerdings die neuerliche Verstaatlichung des Dajiō-sai. Dagegen sprechen momentan Artikel 20 und 89 der Verfassung.

Weblinks

Text des Ningen-sengen – Japanisch und Englisch

Einzelnachweise

Kategorie:Shintō Kategorie:Religion (Japanisches Kaiserreich) Kategorie:Japanische Gottheit Kategorie:Japanische Phrase