Die Hochschule Darmstadt, University of Applied Sciences (h_da) (von der Gründung 1971 bis 2006 Fachhochschule Darmstadt) ist eine staatliche Fachhochschule für Angewandte Wissenschaften in Darmstadt. Sie gehört zu den zehn größten in Deutschland. Sie hat als eine von dreien in Hessen in bestimmten Fachbereichen ein eigenständiges Promotionsrecht. Die Hochschule ist Teil des IT-Clusters Rhein-Main-Neckar und Mitglied des Verbands Hochschulen für Angewandte Wissenschaften Hessen.

Geschichte mini|hochkant|Hochhausgebäude (C10) der Hochschule Darmstadt

Die Fachhochschule Darmstadt ging aus mehreren Einrichtungen hervor, deren Geschichte bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen und wurde in ihrer heutigen Rechtsform 1971 gegründet. Im Wintersemester 1876/77 begann die Hessische Landesbaugewerkschule Darmstadt unter der Trägerschaft des Großherzogtums Hessen mit dem Unterricht. Später entwickelte sich daraus die Ingenieurschule für Bauwesen Darmstadt. Hierauf gehen die Fachbereiche Architektur und Bauingenieurwesen der heutigen Hochschule zurück. Der Fachbereich Gestaltung hat seine Ursprünge in den 1907 gegründeten Großherzoglichen Lehr-Ateliers für angewandte Kunst, seit 1950 Werkkunstschule Darmstadt. Als Städtische Maschinenbauschule Darmstadt, später Ingenieurschule für Maschinenwesen, entstand 1919 der Vorreiter des Fachbereichs Maschinenbau. 1941 wurde die Abteilung Chemotechnik an der Städtischen Handelsschule Darmstadt eingerichtet; die Abteilung ist über die Staatliche Chemieschule – Ingenieurschule im heutigen Fachbereich Chemie und Biotechnologie aufgegangen.Hochschule Darmstadt (2015) Hochschule Darmstadt – Wurzeln und Wachstum; aktualisiert am 18. August 2015; verfügbar online; abgerufen am 30. August 2015. Eine weitere Vorgängereinrichtung ist die Fachschule für sozialpädagogische Berufe.

Die Ingenieurschule für Bauwesen Darmstadt, die Staatliche Ingenieurschule für Maschinenwesen und die Staatliche Chemieschule wurden 1968 zusammengelegt. Aufgrund des Gesetzes über die Fachhochschulen im Lande Hessen wurde am 1. August 1971 die Fachhochschule Darmstadt gegründetHochschule Darmstadt (2015) Hochschule Darmstadt – Wurzeln und Wachstum; aktualisiert am 18. August 2015; verfügbar online; abgerufen am 30. August 2015., die 2000 die Fachhochschule Dieburg übernahm. 2006 wurde die Fachhochschule Darmstadt in Hochschule Darmstadt, University of Applied Sciences umbenannt.

Promotionsrecht Als erstes Bundesland räumte Hessen seit 2016 den dortigen Fachhochschulen unter bestimmten Voraussetzungen in Bezug auf die Forschungstätigkeit das Recht ein, auch ohne Zusammenarbeit mit einer Universität oder gleichgestellten Hochschule allein oder gemeinsam im Rahmen von „Promotionszentren“ zu promovieren. Zusammen mit der Hochschule Fulda, der Hochschule Rhein-Main und der Frankfurt University of Applied Sciences betreibt die Hochschule Darmstadt ein Promotionszentrum für Angewandte Informatik, an dem Studierende November 2017 promoviert werden können. Seit 2019 gehört die Hochschule Darmstadt dem 2017 von den drei oben genannten Hochschulen gegründeten Promotionszentrum für das Fach Soziale Arbeit an. Seit März 2019 betreibt die Hochschule Darmstadt ein eigenes Promotionszentrum im Bereich Nachhaltigkeitswissenschaften.

Hochschule mini|Altes Logo der Fachhochschule Darmstadt (FHD) mini|h_da Logo am Gebäude A12

Die Hochschule Darmstadt ist in den letzten zehn Jahren von etwa 10.000 auf ca. 17.000 Studierende (Wintersemester 2018/19) angewachsen. Einen Schwerpunkt bilden Studierende der Ingenieur- und Informationswissenschaften, aber auch Media und Wirtschaft sind vielvertretene Fachbereiche.

Der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften bietet Studiengänge in Informationsrecht, Wirtschaftspsychologie, Angewandten Sozialwissenschaften und im Risiko- und Nachhaltigkeitsmanagement an. Einmalig ist der am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften angesiedelte Interdisziplinäre Studienbereich Sozial- und Kulturwissenschaften (SuK; früher: sozial- und kulturwissenschaftliches Begleitstudium) der Hochschule Darmstadt. Seit der Gründung der Hochschule bildet das SuK Bestandteil der studentischen Ausbildung und wird von einer interdisziplinär zusammengesetzten Organisationseinheit innerhalb des Fachbereichs ausgerichtet.

Die Hochschule ist im Bereich der berufsbegleitenden Weiterbildung tätig. Das auf die Anforderungen der Wirtschaft intensiv zugeschnittene Studienangebot richtet sich somit auch verstärkt an Berufstätige, so wie der Studiengang „Internationale Betriebswirtschaftslehre“. Ferner kann man an der Darmstädter Hochschule auch an Weiterbildungsprogrammen der Informatik teilnehmen, die in Zusammenarbeit mit der französischen Hochschule Conservatoire national des arts et métiers (CNAM) angeboten werden. Das Bachelorstudium Internationale Betriebswirtschaftslehre ist in vier Jahren berufsbegleitend möglich.

Die Hochschule Darmstadt verfügt über mehrere Standorte in Darmstadt sowie Dieburg. Auf der Mathildenhöhe lernen die Kommunikations- und Industrie-Studierenden; der Fachbereich Soziale Arbeit befindet sich in der Stadtmitte; die übrigen Darmstädter Fachbereiche sind auf dem Hochschulgelände im Verlegerviertel (Schöfferstraße, Haardtring) untergebracht. In Dieburg wird in innovativer Atmosphäre Wirtschaft oder Medien gelehrt.

Zum Wintersemester 2006/2007 wurde die Anzahl der Fachbereiche von 15 auf 12 verringert. Das Lehrangebot wurde weiter ausgebaut. Der Standort in Dieburg wurde bis 2007 zu einem Zentrum für Medien, Information und Journalismus erweitert. Das Hochhaus C10 wurde 2011 durch das Berliner Architekturbüro Staab Architekten energetisch saniert. Für die Gestaltung erhielten die Architekten dafür den Deutschen Fassadenpreis für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF) 2013.fvhf.de

Campus Darmstadt Der Campus Darmstadt liegt hauptsächlich am Hochhaus in der Schöfferstraße und in wenig entfernten, ehemaligen Dugena-Gebäuden am Haardtring 100. Hier finden sich die Fachbereiche Architektur, Bauingenieurwesen, Chemie und Biotechnologie, Elektrotechnik und Informationstechnik, Gesellschaftswissenschaften, Informatik, Maschinenbau und Kunststofftechnik, Mathematik und Naturwissenschaften. Zudem befinden sich hier mehrere Mensen, die Verwaltungsbüros von AStA, Medienzentrum, International Office, Student Service Center sowie das Zentrum für Forschung und Entwicklung.

Campus Mathildenhöhe Der Campus Mathildenhöhe ist mit der kleinste Campus der Hochschule, hebt sich aber durch seine unmittelbare Nähe zum Hochzeitsturm, dem Wahrzeichen der Stadt Darmstadt, im Besonderen hervor. An diesem Campus findet sich der Fachbereich Gestaltung mit seinen Studiengängen Industrie- und Kommunikations-Design sowie Fotografie.

Campus Dieburg mini|Hauptgebäude auf dem Campus Dieburg

Der seit dem Jahr 2000 zur Hochschule Darmstadt gehörende Standort Dieburg (vorher: Fachhochschule Dieburg) wird auch gelegentlich als „Wirtschafts- und Mediencampus“ bezeichnet. In der ehemaligen Ingenieur-Akademie sind die medialen sowie die wirtschafts- und informationswissenschaftlichen Studienangebote konzentriert. Dazu gehören die Bachelor-Studiengänge Animation & Game, Augmented and Virtual Reality Design, Betriebswirtschaftslehre, Informationswissenschaften, Interactive Media Design, International Media Cultural Work, Motion Pictures, Onlinejournalismus, Onlinekommunikation und Sound, Music and Production. An Masterstudiengänge werden Betriebswirtschaftslehre, Informationswissenschaft, Expanded Media sowie Media, Technology and Society angeboten. Die Forschungs- und Entwicklungsprojekte des Mediencampus werden im Institut für Kommunikation und Medien (ikum) gebündelt. Außerdem hat am Campus ein Kompetenzzentrum für Social Media und E-Learning, der eBusiness-Lotse Darmstadt-Dieburg, seinen Sitz.

Ausland Die Hochschule Darmstadt unterhält Beziehungen zu insgesamt etwa 80 Hochschulen im Ausland, mit denen in den Bereichen Lehre und Forschung zusammengearbeitet wird. Allein mit zehn Partnerhochschulen in den Staaten Osteuropas pflegt die Hochschule Darmstadt Kontakte. Zur Unterstützung dieser Aktivitäten bietet die Hochschule Darmstadt ein Sprachenprogramm an. Das Programm umfasst neben den Amtssprachen der Europäischen Union auch spezielle Angebote für ausländische Studierende und Vorbereitungskurse, die zu international anerkannten Zertifikaten führen.

Im Rahmen der international ausgerichteten Studienprogramme bietet die Hochschule Darmstadt ihren Absolventen und denen anderer Hochschulen in der Elektrotechnik die Möglichkeit, in einem 15-monatigen Vollzeitstudium den international anerkannten Titel „Master of Science“ (M.Sc.) zu erwerben. Im Rahmen dieses Studiums können Fach- und Führungskompetenzen im Fachgebiet „Electrical Engineering / System Design and Technology“ erworben werden, wie sie von Ingenieuren in leitenden Positionen auf dem europäischen Arbeitsmarkt verlangt werden.

Seit November 2020 ist die Hochschule Darmstadt Teil der Initiative European University of Technology (EUt+), bei der sie mit sieben weiteren Partnerhochschulen in Europa und von der EU-Kommission gefördert daran arbeitet, die „Europäischen Hochschule“ als neuen Hochschultyp zu prägen.

Werte

Innovation Die h_da ist aktiv an der Weiterentwicklung der Digitalisierung beteiligt. Vertreten wird dieser Schwerpunkt in den Forschungszentren ‚Applied Computer Science Research‘, ‚Digital Communication and Media Innovation Research Center‘ und der Mitarbeit im ‚National Research Center for Applied Cybersecurity (ATHENE)‘ sowie dem ‚Hessian Center for Artificial Intelligence (hessian.ai)‘.

Im Bereich Nachhaltigkeitsentwicklung ist die Hochschule mit ihrem Promotionszentrum für Nachhaltigkeitswissenschaften Vorreiter in Deutschland. Dieses ist eng vernetzt mit den hochschuleigenen Forschungszentren ‚Sustainable Processes and Procedures‘ und ‚Materials and Process Technology‘. Die Forschungen tragen maßgeblich zum EUT+ Programm ‚European Sustainability Science Lab‘ bei.

Die Hochschule Darmstadt ist durch seine Institutionen, Forschungszentren und Initiativen Innovationstreiber und Impulsgeber in Mobilität und Energie, und trägt zur Weiterentwicklung wissenschaftlich basierter Möglichkeiten und der Projektverwirklichung sowie Beratung öffentlicher und privater Akteure bei. Unter der Leitung der h_da wurden der erste hessische Radschnellweg und der kommunale Radlieferdienst LieferradDA implementiert. Im Labor für Elektromobilität wird an elektrischen Antrieben und Batteriemanagement, Wasserstoff sowie Brennstoffzellen geforscht. Im Kontext erneuerbarer Energien arbeitet die h_da unter anderem an der optimierten Nutzung der Netzinfrastruktur, dem Einsatz von Eisen als Energiespeicher oder modernen Wasserrädern. Die Projekte sind von der inter- und transdisziplinären sowie wirtschafts- und praxisnahen Arbeitsmethode der Hochschule geprägt.

Demokratie Die Hochschule Darmstadt setzt sich für Meinungsfreiheit, Toleranz und ein demokratisches Miteinander ein. Unter der Antidiskriminierungsstelle werden kontroverse Debatten wie die um den Gazakrieg in akademischem Umfeld thematisiert. Der Campus und seine Mitglieder sei ein ‚safe space‘ (Prof. Dr. Meron Mendel, Direktor des Anne Frank Bildungszentrums), in dem eine friedliche und demokratische Diskussionsbasis verwirklicht werde (Prof. Dr. Arnd Steinmetz, Präsident der h_da).

Familienfreundlichkeit Die Hochschule Darmstadt wurde 2015, 2019 und 2023 vom Hessischen Ministerium des Inneren, für Sicherheit und Heimatschutz (HMdI) als ‚familienfreundliche Hochschule Land Hessen‘ ausgezeichnet. Dies zeichnet sich auch am umfangreichen Angebot berufsbegleitender sowie dualer Studiengänge sowie zahlreichen Betreuungs- und Unterstützungsinitiativen aus.

Pionierarbeit