Engelbert Rehling (* 29. Juni 1906 in Düpe; † 25. November 1976 in Aachen) war ein deutscher katholischer Geistlicher des Missionsordens Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria, der 1941 aufgrund seiner kritischen Haltung zum nationalsozialistischen Regime im KZ Dachau inhaftiert wurde.
Leben Kindheit und Jugend Engelbert Rehling wurde als fünftes Kind von Bernhard Franz Rehling und Antonia Rehling, geborene Tanklage, in Düpe bei Steinfeld (Oldenburg) geboren. Sein Vater betrieb eine Werkstatt für Landmaschinen. Engelbert Rehling wuchs in einer tiefchristlich geprägten Familie auf. Von seinen vier lebenden Geschwistern – vier weitere verstarben im Kindbett – traten zwei seiner Schwestern in die Kongregation der Salzkottener Franziskanerinnen ein. Engelbert Rehling entschied sich hingegen für den Missionsorden der „Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria“ (OMI). Der Orden war 1816 von dem französischen Geistlichen Eugen von Mazenod gegründet und als rein französischer Orden konzipiert worden. 1880 wurden die meisten französischen Orden per Gesetz zu Auflösung oder Emigration gezwungen. Ein Teil der französischen Oblaten ging in das niederländische Valkenburg aan de Geul. Im dortigen Missionskolleg der Oblaten St. Karl wurden auch Deutsche aufgenommen, so dass hier der deutsche Zweig des Ordens entstand.
Engelbert Rehling muss sich recht früh entschieden haben, dem Orden der Oblaten beizutreten, denn schon 1921, also mit knapp fünfzehn Jahren, kam er ins Oblatenjuniorat nach St. Karl im niederländischen Valkenburg, wo er bis zur Beendigung seiner Gymnasialstudien im Jahre 1927 blieb. Nicht bekannt ist, ob Engelbert Rehling diese Entscheidung allein getroffen hat, oder ob er von seinen Eltern dazu gedrängt wurde, die sonst keine Möglichkeiten sahen, ihrem Sohn eine weiterführende Schulbildung und ein Hochschulstudium zu ermöglichen. Engelbert Rehling begann sein Noviziat am 30. April 1927 im Kloster Maria Engelport, wo er am 1. Mai 1928 die Ersten Gelübde ablegte. Es folgte ein theologisches und philosophisches Studium an der Ordenshochschule der Oblaten in Hünfeld bei Fulda, wo er am 1. Mai 1931 seine Ewigen Gelübde ablegte. Hier fanden nach den Niederen Weihen auch am 24. Dezember 1932 die Weihe zum Diakon und am 9. April 1933 die Weihe zum Priester statt.
Tätigkeit als Volksmissionar 1934–1941 Ab 1934 war Pater Engelbert Rehling, der als ein „sehr kontaktfreudiger Priester und Prediger“ beschrieben wird, als Volksmissionar tätig, was ihn im Laufe seiner 43 Priesterjahre „durch fast alle westdeutschen Oblatenklöster führen sollte“. Ein Einsatz im Ausland kam aufgrund seiner schwachen Gesundheit nicht in Betracht. Pater Rehling schrieb 1972 im Rückblick über seine Arbeit als Volksmissionar während der NS-Zeit:
„Als gläubiger Christ, als Priester und Prediger stand ich von Anfang an im Kampfe und im Widerspruch gegen die Machthaber des Dritten Reiches. Kein Wunder, dass das auch in der Verkündigung des Wortes Gottes seinen Ausdruck fand. […] Ich hätte mich ja ins Mauseloch verkriechen und mich zu den stummen Fischen zählen können. Nie im Leben habe ich meine Natur verleugnet.“
Es war somit nur eine Frage der Zeit, bis Pater Rehling in Konflikt mit dem NS-Regime geriet. Zu einem ersten Konflikt kam es 1935 in Kapellen/Erft. Hier hielt Pater Rehling, in Vertretung für Pfarrer Kessel, am 17. Februar 1935 im Hochamt die Predigt über das Thema Kann man auf Erden wahrhaft glücklich werden? Am folgenden Tag meldete der Ortsgruppenleiter der NSDAP an die Kreisleitung der NSDAP in Neuss, Pater Rehling habe in seiner Predigt gesagt: Glücklich „kann der Mensch auf Erden nicht werden, auch nicht durch ‚Kraft durch Freude‘, fragt sie nur, die eine solche Tour schon mitmachten.“ Weiterhin soll er gesagt haben: „Auch den führenden Köpfen der heutigen Regierung braucht ihr keinen Glauben zu schenken, man will uns die Zehn Gebote aus dem Herzen reißen, sie passen nicht für die arische Rasse, sondern man sagt, sie wären für die Juden bestimmt. Auf den Versammlungen werdet ihr diese Redewendung sicher schon oft gehört haben.“
Der Fall ging von der Kreisleitung weiter an die Gauleitung der NSDAP in Düsseldorf, die ihn wiederum am 13. März „mit der Bitte um Kenntnisnahme und Untersuchung der Angelegenheit“ an die Staatspolizeileitstelle Düsseldorf weiterleitete. Diese beauftragte am 17. März den Landrat in Moers mit der Untersuchung des Falls, der ihn wiederum an den Landrat in Grevenbroich weiterleitete. Dieser hörte dazu am 2. April zwei Zeugen. Beide Zeugen „sind aus eigener Veranlassung zu dem Ortsgruppenleiter der NSDAP gekommen und haben den Vorfall gemeldet.“ Sie bestätigten zwar, dass Pater Rehling gesagt habe, man könne das wahre Glück nicht durch Kraft durch Freude finden, konnten aber zu den Zehn Geboten, über die Rehling gepredigt hatte, keine klare Angabe machen.
Am 7. Mai 1935 wurde Pater Rehling in Grevenbroich vernommen. Er sagte aus, die beanstandeten Äußerungen seien „offenbar von den Kirchenbesuchern falsch verstanden worden.“ Das Wort „Regierung“ habe er nie gebraucht. In Bezug auf die zehn Gebote habe er nie von der „arischen Rasse“ gesprochen. Zwar stand im Manuskript der Predigt der Satz: „Aber für einen echten (Deutschen) arisch Deutschen passen doch keine Judengesetze.“ Dieser Satz war jedoch durchgestrichen, und Pater Rehling bestand darauf, zwar einen sinngemäß ähnlichen Satz gebraucht, das Wort „arisch“ aber nicht verwendet zu haben. Er könne in den beanstandeten Äußerungen „nichts Unrechtes erblicken, insbesondere glaube er sich gegen die gesetzlichen Bestimmungen dadurch nicht vergangen zu haben.“ Das gegen ihn eingeleitete Strafverfahren wegen Beleidigung wurde daraufhin eingestellt. Nach einem Aktenvermerk der Staatspolizeileitstelle Düsseldorf vom 3. Oktober 1941 geschah dies, weil „er die ihm zur Last gelegten Äußerungen bestritt und Zeugen, die seine Äußerungen beanstandeten, nicht mehr ermittelt werden konnten.“ Viel wahrscheinlicher erscheint dagegen, dass der Fall Rehling ganz einfach verschlampt wurde und dies auf diese Weise nachträglich vertuscht werden sollte. Die Ursache hierfür könnte in dem großen Mangel an geeigneten Fachkräften liegen, unter dem die Gestapo in den ersten Jahren zu leiden hatte.
Zu einem weiteren Konflikt kam es 1937 „wegen angeblich kritischer Predigtäußerungen“ während einer Missionswoche vom 16. bis 30. Mai 1937 in Hüls bei Krefeld. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP in Hüls hatte seine Schwägerin „zu einer Anzeige gedrängt.“ Fast ein ganzes Jahr lang musste Pater Rehling Vorladungen und Verhöre über sich ergehen lassen, die die Polizei in Bedburdyck bei Neuss im Auftrag des Sondergerichts Düsseldorf durchführte. Der Prozess wegen eines Vergehens nach dem „Heimtückegesetz“ wurde am 9. Mai 1938 aufgrund des nach dem Anschluss Österreichs erlassenen Straffreiheitsgesetzes vom 30. April 1938 eingestellt.
Pater Rehling kam dabei die innen- und außenpolitische Lage zugute. Am 13. Juli 1936 hatte das Justizministerium mit Hinblick auf die Olympiade angeordnet, Strafverfahren mit religionspolitischem Hintergrund einzustellen. Die Anordnung wurde zwar als Reaktion auf die Enzyklika Mit brennender Sorge Papst Pius’ XI. vom 14. März 1937, in der er gegen die Behinderung der Kirche in Deutschland durch das NS-Regime protestierte, am 7. April 1937 wieder aufgehoben, aber schon im Juli 1937 wieder in Kraft gesetzt. Hitler bereitete sich auf Krieg vor und ging daher größeren Konflikten mit der katholischen Kirche zunächst aus dem Weg: „Das Problem sollte in Zukunft geräuscharm gelöst werden.“
In den folgenden Jahren hielt Pater Rehling neben Volksmissionen auch religiöse Wochen und Einkehrtage ab, „vor allem für Soldaten, die in den Krieg mussten.“ Erschwert wurde seine Arbeit durch die Auflösung des Aachener Klosters der Oblaten Mitte Juli 1941 im Zuge des „Klostersturms“.Christian Frieling: Priester aus dem Bistum Münster im KZ. 38 Biographien. Aschendorff, Münster 1992, S. 157. Die Gestapobeamten, die ohne Vorwarnung eines Tages nachmittags gegen 14 Uhr zum Kloster kamen, forderten die Ordensmitglieder auf, das Kloster innerhalb von vier Stunden zu räumen. Die Oblaten durften nur einige persönliche Gegenstände mitnehmen, sämtliche Lebensmittel wurden beschlagnahmt. Die Gestapobeamten durchstöberten auch die Briefe und die geschriebenen Predigten der Geistlichen, wobei Pater Rehling nur knapp der Verhaftung entging. Ein Beamter fand den Brief eines Soldaten, in dem stand: „Freue dich über jeden Tag, den du noch nicht beim Barras sein brauchst.“ Der Beamte unterstellte ihm, dem Soldaten diesen Gedanken eingegeben zu haben. Er ließ ihn jedoch mit den Worten „Eines Tages werde (!) wir Sie doch bekommen!“ frei. Das Kloster sollte nach der Vertreibung seiner Bewohner den Obdachlosen des ersten großen Luftangriffs auf Aachen vom 10. Juli 1941 als Unterkunft zur Verfügung gestellt werden.
Anfang September 1941 übernahm Pater Rehling eine Urlaubsvertretung bei Pastor Bernhard Werschmann in Kaldenhausen bei Duisburg. Dabei kam es zu einem Zwischenfall mit dem Postboten Lehnhoff, der den Pater provozierend mit dem Hitlergruß grüßte, den dieser jedoch nicht erwiderte. Später schimpfte Lehnhoff „im Postgebäude auf die katholische Kirche und ihre Pfaffen, die nicht einmal den deutschen Gruß kennen.“ Pater Rehling verbat sich diese Angriffe, woraus sich ein Streit zwischen ihm und dem Postboten entwickelte:
„Lehnhoff aber wurde immer heftiger. Er kam auf den Überfall auf Polen zu sprechen und darüber, dass sein Junge, der bei der SS war, gefallen sei. Ich erwähnte, dass gerade die SS-Formation nicht zimperlich in der Kriegführung wäre, dass sie verschiedene polnische Mitbrüder einfach an die Wand gestellt hätte. Bei der Bösartigkeit dieses Postboten konnte das nicht gut gehen. Nach einigen Tagen wurde nach mir gefahndet. Eine Anzeige von Lehnhoff war erfolgt. Er war in der Gemeinde als fanatischer Nationalsozialist bekannt.“
Pater Rehling wurde zur Last gelegt, er habe öffentlich gesagt: „Die SS-Verfügungstruppen sind viel schlimmere Horden als die Bolschewisten. Unsere Stukas sind Massenmörder.“ Nach der Aussage Lehnhoffs bei der Gendarmerie hatte Pater Rehling den Streit angefangen und behauptet „unsere Stukas, das sind keine Kriegsgeräte, das sind ? (dieser Ausdruck ist mir [Lehnhoff] entfallen) aber er hörte sich sehr niederträchtig an.“ Auch habe Pater Rehling „alles in recht bissigem Ton“ gesagt. Der von Lehnhoff als Zeuge angegebene Küster Michael Erkelenz, der nebenbei auch in der Poststelle Kaldenhausen arbeitete, beteuerte gegenüber dem Meister der Gendarmerie in Rumeln, „hoch und heilig, dass er von dem allen nichts gehört habe, und er weiß auch überhaupt nichts.“ Daher wurde der Küster auch gar nicht erst vernommen, „da von vornherein feststeht, dass E. (Erkelenz) nichts aussagen will.“