Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Geschichte und den verschiedenen Modellen der Uniformen der deutschen Polizeikräfte.
mini|Hessische Landhusaren als Polizeitruppe, Uniform ab 1769 hellblau. Rekonstruktionen von 1902 von Wilhelm Bader mini|Gendarm zu Pferd der Kgl. hann. Landgendarmerie, ca. 1840 mini|Königlich bayerischer Gendarm zu Pferd um 1840, Mitglied der Gendarmeriekompanie München. Grüne Uniform, schwarzer Tschako. mini|Großherzoglich oldenb. Landdragoner 1865 mit russischer Mütze von 1865
Geschichte Historisch gibt es für grüne und blaue Farben Vorbilder. Im 19. Jahrhundert wurde die Berliner Polizei mit dunkelblauen Uniformjacken eingekleidet. Das Königlich hannoversche Landgendarmeriekorps trug eine Uniform nach Art der hannoverschen Artillerie. Die preußische Gendarmerie erhielt dagegen die grüne Uniformjacke der Armee-Gendarmerie. Nach dem Ersten Weltkrieg sollte eine einheitliche grüne Uniform für die Sicherheitspolizei eingeführt werden, was den Siegermächten zu militärähnlich erschien. Im Dritten Reich wurde eine einheitliche grüne Uniformjacke durchgesetzt. In Abgrenzung statteten einige Bundesländer ihre Polizei nach dem Zweiten Weltkrieg mit blauen Uniformen aus, so trugen in Nordrhein-Westfalen Schutzmänner bis 1955 Dunkelblau., Rheinische Post vom 4. Dezember 2007.
Kaiserreich Deutsches Reich mini|Gendarmen des Herzoglich Gothaischen Gendarmeriekorps 1911. Im Kaiserreich wurden von der Polizei je nach Ländern verschiedene Uniformen getragen. In Teilen Preußens war die Uniform dunkelblau mit langer Hose und einem Lederhelm (Pickelhaube). Der Helm trug auf der Stirnseite ein verschlungenes W (für König Wilhelm), auf die Spitze des Helms war eine Kugel aufgesetzt.
Die dunkelblaue Uniform der Königlichen Schutzmannschaft zu Berlin war bis 1914 auch außerhalb Preußens Vorbild für kommunale Polizeien, zum Beispiel die Stadtpolizei von Oldenburg (Oldb).
Eine Besonderheit war die Husarenuniform der Mecklenburg-Strelitzschen Districts-Husaren. Sie wurde mit nur geringen Variationen von 1798 bis 1905 getragen und dann durch eine Uniform nach dem Vorbild der preußischen Gendarmerie ersetzt.
mini|Polizei-Askari in Deutsch-Ostafrika um 1910|links Deutsche Kolonien Die deutschen Kolonialpolizeien trugen unterschiedliche Uniformen, die jeweils dem Klima der Kolonie angepasst waren. Deutsch-Ostafrika: weiße und khakifarbene Uniformen für deutsche Polizeiangehörige, khakifarbene Uniformen für Polizei-Askaris. Kamerun: ebenso. Deutsch-Südwestafrika: Die Kaiserliche Landespolizei Deutsch-Südwestafrika bestand nur aus Deutschen bzw. Europäern. Sie trugen eine khakibraune Uniform mit grünen Abzeichen sowie einen Schutztruppenhut. Die indigenen Polizeidiener trugen eine schlicht geschnittene Khaki-Uniform. Togo: Wie Deutsch-Ostafrika und Kamerun (siehe auch: Polizeitruppe der Kolonie Togo). Deutsch-Samoa: Die Fita-Fita genannte Eingeborenenpolizei, die nur aus Häuptlingssöhnen bestand, trug indigene Tracht. Kaiser-Wilhelms-Land und andere deutsche Südseekolonien: Weiße Uniformen für deutsche Polizeiangehörige, roter Lendenschurz und khakifarbene Mütze mit Hoheitsabzeichen für indigene Polizeiangehörige. Polizeitruppe Jap: Die indigenen Polizeisoldaten trugen rote Röcke und weiße Blusen sowie blaue Mützen. Kiautschou: Die sogenannte Chinesen-Polizei trug blau-graue Uniformen nach traditionellem chinesischen Schnitt und einen Turban.
Weimarer Republik 1919 wurde in den einzelnen Ländern eine kasernierte Sicherheitspolizei gegründet, die reichsweit einheitlich eine graugrüne Uniform analog der Jägertruppe des Militärs erhalten sollte. Bereits 1920 wurden diese Polizeien je nach Land in Schutzpolizei (zum Beispiel Freistaat Preußen), Landespolizei (Bayern) oder Ordnungspolizei (Hamburg, Freistaat Oldenburg) umbenannt und erhielten eigene Uniformen, die Farben von dunkelgrün bis blaumeliert aufwiesen.
Die bis 1936 weiterhin existierenden Landes-Gendarmerien und Kommunalpolizeien behielten in der Regel die Uniformfarben aus der Kaiserzeit bei, so die Stadtpolizei Oldenburg (dunkelblau) und die Oldenburgische Gendarmerie (graugrün).
Im Freistaat Preußen waren die Ausgehuniformen hellgrün mit schwarzen Schaftstiefeln (oft als Knobelbecher bezeichnet) oder mit hohen Schnürschuhen und Ledergamaschen und hellgrünen Schirmmützen. Zum Dienstanzug wurden dunkelgraue, fast schwarze Tschakos statt der Schirmmützen getragen. Zur Polizei kam der Tschako in Deutschland über Jägereinheiten, die im revolutionären Berlin des Jahres 1919 Polizei-Aufgaben wahrnahmen. Die Uniformjacken (Röcke) besaßen hohe, geschlossene Kragen mit Kragenspiegel. Rangabzeichen wurden auf militärischen Schulterklappen getragen.
Die Röcke der Stadtpolizeien waren blau und die der Schutzpolizei (jäger-)grün. Es handelte sich bei letzterer um die fast unverändert übernommene Felduniform der kgl. preußischen Gardeschützen.
Tschakos setzten sich reichsweit als Kopfbedeckung durch, sie trugen in der Regel den Polizeistern mit dem Wappen des Landes. Lediglich im Freistaat Bayern wurde weiterhin die Pickelhaube getragen.
Nationalsozialismus Eine von Preußen ausgehende Zentralisierung (mit Zentralen in Berlin) und Gleichschaltung der Polizei wurde in der Zeit des Nationalsozialismus formal erst am 17. Juni 1936 durch Führererlass vorgenommen.Karl D. Bracher: Die Deutsche Diktatur: Entstehung, Struktur, Folgen des Nationalsozialismus, KiWi, o. J., o. S.: online. Himmler wurde Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Inneren. Die Ordnungspolizei (OrPo) stand unter dem Kommando von Polizeigeneral (später Generaloberst der Polizei und SS-Oberst-Gruppenführer) Kurt Daluege.
Die Uniformen der Polizei wurden farblich dem generellen Erscheinungsbild des zentralistisch organisierten Staates nach und nach angeglichen (hellgrün und feldgrau), so dass (gewollt) eine hohe Ähnlichkeit mit den Uniformen der Wehrmacht entstand. Auf den ersten Blick unterscheidbar waren die Uniformen der Polizei durch den am linken Ärmel angebrachten „Polizeiadler“, während Soldaten des Heeres den „Wehrmachtadler“ auf der rechten Brustseite der meisten Oberbekleidungsstücke (außer bspw. Mantel oder Pullover) trugen.
Im Zuge der Militarisierung der Polizei wurden auch für die einzelnen Sparten (Dienstzweige) der neu geschaffenen Ordnungspolizei Waffenfarben eingeführt. Waffenfarbe der Schutzpolizei (SchuPo) war hellgrün, der Gemeindepolizeien bordeauxrot (ab 1942: Hellgrün), der Gendarmerie Orange und (ab 1938) der Feuerschutzpolizei Karmesin.
Die Tschakos wurden jetzt statt der Polizeisterne mit den Wappen der Länder mit einem die ganze Frontseite einnehmenden Hoheitsadler mit Hakenkreuz versehen; Polizei-Offiziere trugen den Tschako in mittelbraunem statt schwarzem Leder. Auf Stahlhelmen der Polizei war in der Regel ebenfalls der „Polizeiadler“ aufgebracht.
Nachkriegszeit mini|alt=|Britischer Militärpolizist und deutscher Polizist in Burgsteinfurt, Mai 1945 mini|Volkspolizisten mit Tschako und geschlossenem Kragen, 1955. Sie sind mit dem Sturmgewehr 44 bewaffnet mini|Volkspolizei im letzten Uniformschnitt beim Brandenburger Tor, 1989 Wegen des Materialmangels wurden die Uniformen („Waffenröcke“) der Polizisten oft gekürzt, die Kragenspiegel wurden entfernt. Die hellgrüne Uniform wurde in der britischen Zone dunkelblau umgefärbt. Diese Farbe war oftmals nicht wasserfest, so dass manche deutschen Polizisten in der britischen Zone bei Regen blaue Pfützen hinterließen.
Die Uniformen waren auch in der Folge sehr uneinheitlich: So wurden von der Landespolizei in Hamburg und Berlin blaue Uniformen getragen, während in den anderen Ländern von der staatlichen Polizei grüne Uniformen getragen wurden. Die Stadtpolizeien größerer Kommunen wie z. B. der Stadtpolizei München trugen wiederum blaue Uniformen.
Auch die Kopfbedeckung war sehr unterschiedlich. Es gab verschiedene Varianten von Schirmmützen; in der britischen Zone, in Berlin und der SBZ wurde weiterhin der Tschako getragen.
Deutsche Demokratische Republik In der Deutschen Demokratischen Republik waren die Polizisten bis in die 1960er Jahre ähnlich wie die Polizei des Dritten Reiches gekleidet. Sie trugen noch bis 1962 Tschakos mit Schwarz-Rot-Gold-Insignien und den bis oben zugeknöpften Rock. Die letzte Uniform der Volkspolizei war ein grüner Uniformrock mit offenen Kragen sowie hellgrauem Hemd und grüner Krawatte. An der linken Ärmelseite war das Wappen der Volkspolizei (bei der Schutzpolizei bzw. bei den ABV) und auf den Kragen waren Kragenspiegel aufgenäht. An den Ärmeln, Kragen und Abzeichen war sie mit grünen Biesen versehen. Die Schirmmützen entsprachen mit einem silbernen Eichengespinst um die Hammer- und Zirkel-Kokarde im Ährenkranz abgesehen von der Farbe der NVA-Variante. Die Angehörigen der Verkehrspolizei waren an Schirmmützen mit weißem Bezug zu erkennen. Im Sommer trugen Volkspolizisten hellgraue Blousons. Die Transportpolizei, die für die Reichsbahn zuständig war, trug die gleiche Uniform der Volkspolizei, jedoch in dunkelblauer Farbe. Die Angehörigen des Strafvollzuges trugen Uniformen im selben Farbton, jedoch mit Biesen und Unterlagen der Schulterstücke in mittelgrau. Die Uniform der Wasserschutzpolizei war, deutschen Marinetraditionen entsprechend, marineblau mit zweireihigen Jacken und goldenen Knöpfen jedoch den Kragenspiegeln und Abzeichen der übrigen Volkspolizei.
Bundesrepublik Deutschland mini|hochkant|Städtisches Museum Rosenheim; Uniform der Stadtpolizei mini|Mützen- und Ärmelabzeichen der 16 Landespolizeien sowie des Bundesgrenzschutzes in Deutschland Die Landespolizeien in der Bundesrepublik besaßen bis Ende der 1970er Jahre analog zu ihren Vorgängern in der Weimarer Republik Uniformen in verschiedenen Farben, so Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz grün, Bremen und Hamburg schwarzblau, West-Berlin blau, Schleswig-Holstein dunkelblau, Niedersachsen blau-grau, Baden-Württemberg hellgrau, Bayern dunkelgrün. Bis 1974 existierten in größeren bayerischen Städten wie München, Nürnberg, Augsburg oder Rosenheim noch Kommunalpolizeien, die eigene Uniformen, meist in einem blauen Farbton, besaßen. Der Tschako war in Teilen Deutschlands bis Mitte der 1960er Jahre, in Nordrhein-Westfalen bis Anfang der 1970er Jahre Teil der Dienstuniform.
Die Uniformen und Schulterstücke der Grenzschutzbeamten des Bundesgrenzschutzes unterschieden sich deutlich von denen der Landespolizeien und ähnelten eher den auch in der NVA gebräuchlichen Uniformen und Dienstgradabzeichen, welche in der deutschen Heerestradition standen.
Im Zuge der Polizeireform ab 1972 erhielten die Landespolizeien und der Bundesgrenzschutz neue Uniformen in moosgrün und beige, welche der Modeschöpfer Heinz Oestergaard entwickelt hatte.Elisabeth Hackspiel-Mikosch: Vom bürgerfreundlichen Grün zum respekteinflößenden Blau – Paradigmenwechsel der deutschen Polizeiuniform. In: Sandro Wiggerich, Steven Kensy (Hrsg.): Staat Macht Uniform. Uniformen als Zeichen staatlicher Macht im Wandel? (= Studien zur Geschichte des Alltags 29). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-515-09933-2, S. 99–123. Die alten Uniformen wurden parallel aufgebraucht, so in Niedersachsen bis 1979. Die neue Dienstbekleidung prägte, zusammen mit der charakteristischen grün-weißen Farbgebung der Einsatzfahrzeuge, über 30 Jahre lang das äußere Erscheinungsbild der deutschen Polizei.
Als neue Uniformfarbe der meisten europäischen Polizeien wurde, im Zuge einer EU-weiten Vereinheitlichung ab 2004, stahlblau (RAL 5011) gewählt, in der Regel mit weißen Dienstmützen. Die Bundespolizei begann Ende 2005 mit der Umstellung auf die neue blaue Polizeiuniform. Seit Ende 2018 sind alle deutschen Beamten mit der neuen Uniform eingekleidet.
Moosgrün/Beige Uniform mini|Beamte der Berliner Polizei in alter Uniform (2002) mini|Beamte des Musikkorps des Bundesgrenzschutzes in der alten Uniform (1961) mini|Beamte des Bundesgrenzschutzes in alter Uniform (1987)