mini|450px|Das Wasserstraßenkreuz Minden mini|450px|Wasserstraßenkreuz Minden
Am Wasserstraßenkreuz Minden wird der Mittellandkanal am Nordostrand der ostwestfälischen Stadt Minden in Nordrhein-Westfalen in fast 400 Meter langen Trogbrücken über die Weser geführt. Der Kanalspiegel befindet sich etwa 13 Meter über dem der Weser. Das Wasserstraßenkreuz befindet sich innerhalb eines 174 km langen schleusenfreien Abschnitts des Kanals. An die Weser ist der Kanal über zwei kurze Verbindungskanäle mit Schleusen (davon die Sparschleusen Schachtschleuse Minden und Weserschleuse Minden) angeschlossen. Für Mittellandkanal, Weser und die beiden Verbindungskanäle ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mittellandkanal / Elbe-Seitenkanal zuständig.
Außer in Minden gibt es – ebenfalls im Mittellandkanal – das Wasserstraßenkreuz Magdeburg mit auch einer Trogbrücke. Beide sind die einzigen nicht höhengleichen Wasserstraßenkreuze in Deutschland.
Geschichte Der preußische Staat sah Ende des 19. Jahrhunderts die Notwendigkeit, eine Wasserstraßenverbindung zwischen Rhein, Weser und Elbe und damit eine West-Ost-Wasserstraße nördlich der Mittelgebirge zu schaffen. Ministerialdirektor und Wasserbauingenieur Leo Sympher wurde beauftragt, die Planungen zu übernehmen. Daraus folgend wurde am 1. April 1905 das Gesetz zum Bau des Mittellandkanals unter dem damaligen Namen „Rhein-Weser-Kanal“ vom Dortmund-Ems-Kanal im Westen bis Hannover im Osten beschlossen. Der Bau wurde trotz erheblicher Schwierigkeiten im Ersten Weltkrieg bis 1916 abgeschlossen.6. Vom Rhein bis zur Elbe – Der Mittellandkanal im deutschen Kanalnetz Autoren: Hans Garz mit einem Beitrag von Eckhard Schinkel., abgerufen am 8. August 2026
1911–1914 wurde die Kanalbrücke zur Überführung des Mittellandkanals über das Wesertal gebaut.Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mittellandkanal / Elbe-Seitenkanal: Kanalbrücken, abgerufen am 8. Juni 2026 Am 5. Dezember 1920 wurde die Fortsetzung des Kanals nach Osten bis zur Elbe beschlossen. Neben der wirtschaftlich nötigen Binnenwasserstraße spielte bei Planung und Bau zunehmend auch die Beschaffung von Arbeit in wirtschaftlich schwierigem Umfeld eine Rolle. Leo Sympher schied zu diesem Zeitpunkt aus dem aktiven Dienst aus.Denkschrift des Wasser- und Schifffahrtsamtes Minden zu Leo Sympher
Die 1915 eröffnete erste Brücke des Mittellandkanals über das Wesertal wurde 1998 durch eine zweite Brücke mit größerem Profil nördlich der ersten ergänzt. Sie sollte den neuen größeren Großmotorgüterschiffen die Passage ermöglichen, auf deren Profil der Mittellandkanal inzwischen ausgebaut wurde. Die alte Brücke darf seit diesem Zeitpunkt nur noch von Sportbooten benutzt werden. Der Verkehr der Berufsschifffahrt findet nur noch über die neue Brücke statt. Die Stadt Minden hat die alte Kanalbrücke 1987 in ihre Denkmalliste als stadtbildprägendes Denkmal eingetragen.Amtage: das Wasserstraßenkreuz Minden, abgerufen am 2. Juni 2026
Geographie mini|Der Mittellandkanal kreuzt die Weser
Da die Westhaltung des Mittellandkanals zwischen dem Dortmund-Ems-Kanal bei Bergeshövede und der Schleuse Anderten in Hannover eine gleichbleibende Wasserspiegelhöhe besitzt, musste die 174 km lange schleusenlose Strecke über alle Geländeunebenheiten ausgleichend hinweg geführt werden. Dies gelang im Normalfall durch Dammbau und Einschnitte in die Landschaft. Lediglich das Wesertal bei Minden und das Leinetal bei Seelze erforderten eine erweiterte Baukonstruktion. Zudem musste in Minden die Überführung einer Wasserstraße über eine andere Wasserstraße und die Verbindung derselben untereinander ermöglicht werden. In Minden wird der Mittellandkanal deshalb in Trogbrücken über die Weser geführt. Das Profil der Brücken entspricht dem Rechteckprofil des Kanals. Der Wasserspiegel des Kanals liegt rund 13 m über dem Weserwasserspiegel und etwa 10 m über dem Gelände.Entwicklung und Bedeutung des Wasserstraßenkreuzes Minden, Hrsg.: Dipl.-Ing. Henning Buchholz, Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Minden; abgerufen am 8. August 2026
Kanalüberführung Die Brücken des Wasserstraßenkreuzes Minden überspannen das eigentliche Wesertal und ermöglichen so den gleichbleibenden Wasserspiegel des Mittellandkanals über die Eintalung hinweg. Dazu wird der Mittellandkanal in einer Trogbrücke über das Wesertal geführt. Die zunächst gebaute alte Brücke ist inzwischen durch eine neue Brücke ersetzt worden und wird nur noch für die Sportschifffahrt benutzt. Der Dienstweg kann weiterhin durch Personen und Radfahrer benutzt werden.
Alte Kanalbrücke
mini|Die alte Kanalbrücke
Die Alte Kanalbrücke wurde 1914 unter Leitung der Ingenieure Heinrich Küster und Gereke fertiggestellt.Baukunst NRW: Das Wasserstraßenkreuz Minden, abgerufen am 30. März 2016. Sie ist 370 m lang und in massiver Bauweise in Beton erstellt. Die Schiffe fahren in einem Trog über die Weser, der eine Wasserspiegelbreite von 24 m und eine Wassertiefe von 3 m hat.Amtage: Das Wasserstraßenschifffahrtskreuz Minden, abgerufen am 22. März 2017. Seitlich wird der Trog durch einen Betriebsweg ergänzt, der in den Seitenteilen der Brücke aufgelegt ist.
Die Kanalbrücke überspannt die Weser mit zwei Strombögen, die Schifffahrt auf der Weser nutzt den östlichen davon. Für den Hochwasserabfluss stehen sechs weitere Bögen zur Verfügung, so dass es dort auch bei extremem Hochwasser zu keinem Wasserstau kommen kann.WSA Mittellandkanal-ESK: Kanalbrücken: Zuständigkeitsbereich Minden abgerufen am 18. Oktober 2020 Die Brückenlager am Ufer werden durch quadratische Türme flankiert, die ein Treppenhaus enthalten.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde am 4. April 1945 die Brücke von den aufs östliche Ufer zurückweichenden deutschen Truppen gesprengt. abgerufen am 30. März 2016 Dadurch stürzten die beiden Strombögen in die Weser, und der Hauptpfeiler wurde beschädigt. Die Weser wurde aufgrund der im Wasser liegenden Trümmer aufgestaut und floss durch die Flutbögen. Um diesen Wasserdruck zu kanalisieren und eine Notdurchfahrt für die Weserschifffahrt zu ermöglichen, wurde ein Umflutkanal durch die westlich vorgelagerten, stehen gebliebenen Flutbögen gegraben. Dadurch wurde es möglich, den Schiffsverkehr auf der Weser wiederherzustellen. Die zerstörte Brücke wurde 1947–49 in Stahlbeton wieder aufgebaut. Am 18. Februar 1949 wurde die wieder instand gesetzte Kanalbrücke über die Weser dem Verkehr erneut übergeben. Reste des Umflutkanals wurden jahrzehntelang als Marina genutzt.
Neue Kanalbrücke
mini|Blick auf (im Hintergrund) die neue (links) und alte Kanalbrücke (rechts) über die Weser mini|Die neue Kanalbrücke, Blick von Norden
Da die alte Kanalbrücke keine ausreichenden Abmessungen für einen Verkehr von Großmotorgüterschiffen besitzt, wurde als Teil des Mittellandkanalausbaus ab Oktober 1993 im Zuge einer sogenannten Zweiten Fahrt über die Weser eine neue Kanalbrücke gebaut. Die Abmessungen der neuen Brücke wurden durch die erforderlichen Querabschnittsabmessungen des Brückentroges von 42 m Wasserspiegelbreite und 4 m Wassertiefe und der Einhaltung eines Lichtraumprofils für die Weserschifffahrt (30 m Breite, 4,50 m Durchfahrtshöhe) bestimmt. Damit können Schiffe mit einem Meter mehr Tiefgang die Brücke passieren und sich auch begegnen.
Die neue Kanalbrücke wurde nördlich der alten mit einem Achsabstand von 50 m errichtet. Die Pfeiler der neuen Brücke stehen in der Flucht der Pfeiler der alten, um einen ungehinderten Hochwasserabfluss der Weser zu gewährleisten.
Für den Überbau wurde ein rechteckiger, stählerner Kanaltrog von 341 m Länge gewählt. Er überbrückt die sechs Flutöffnungen mit Stützweiten von je 36,50 m und die zwei Stromöffnungen mit Stützweiten von je 54,44 m. Die Gesamtlänge des Bauwerks beträgt 398 m. Die Stahlkonstruktion mit der Masse von 7800 t wurde im Herstellerwerk in 234 Teilen vorgefertigt. Die insgesamt 18 Schüsse wurden in je 13 Teilen überwiegend per Binnenschiff zur Baustelle angeliefert, auf einer Montageplattform ausgerichtet und verschweißt und im Taktschiebeverfahren von Westen nach Osten eingebaut. Die Baukosten betrugen rund 85 Millionen DM. Eröffnet wurde die Brücke am 25. August 1998 durch den damaligen Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann.Ibbenbürener Volkszeitung am 26. August 1998:„Neue Brücke über die Weser freigegeben“
Verbindungskanal Nord zur Weser mini|Blick vom Mittellandkanal auf die Schachtschleuse im Verbindungskanal
Der Verbindungskanal Nord zur Weser (VKN) (Nordabstieg) am Wasserstraßenkreuz Minden stellt westlich der Kanalbrücke die kürzeste Verbindung zwischen dem Mittellandkanal bei km 101,6 und dem linken Ufer der Weser bei km 206,3 her. Er ist 1,2 km, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes lang und enthält zwei parallele Schleusen, die Schachtschleuse und die Weserschleuse, als Erweiterung für größere Schiffsbauformen. Von seinem Unterwasser zweigt der Abstiegshafen ab, an dessen Ende sich der Bauhafen befindet. Er zählt zur Wasserstraßenklasse IV.
Schachtschleuse Minden
Die Schachtschleuse überwindet den Höhenunterschied von etwa 13 m zwischen Mittellandkanal und Weser. Sie wurde in den Jahren 1911–1914 mit einer nutzbaren Kammerlänge von 82 m und einer Breite von 10 m als massives Bauwerk errichtet.
Um den Wasserverbrauch möglichst gering zu halten, wurden beidseitig der Schleusenkammer in vier Ebenen übereinander 16 geschlossene Sparbecken angeordnet. Diese können 7.300 m³ des Wassers aus der Schleusenkammer aufnehmen. Beim Abwärtsschleusen werden 4.000 m³ zur Weser abgelassen; beim Aufwärtsschleusen müssen diese 4.000 m³ dem Kanal entnommen werden. Bei den wechselnden Wasserständen der Weser beträgt die Fallhöhe der Schleuse maximal 13,20 m. Die Füllung oder Entleerung der Kammer dauert im Mittel sieben Minuten. Das Untertor der Schleuse ist ein Hubtor. Es besitzt ein Gewicht von 63 t und ist als geschweißte Stahlkonstruktion ausgebildet. Seine Gegengewichte befinden sich in den charakteristischen Hubtürmen am Unterhaupt der Schleuse. Das Obertor ist ein Klapptor und als genietete Stahlkonstruktion ausgebildet.
In den Jahren 1988/89 erfolgte nach einer Betriebszeit von mehr als 70 Jahren eine Grundinstandsetzung der Schachtschleuse. Hierbei erfolgte unter anderem die Neugestaltung des Oberhauptdrempels, wodurch die Nutzlänge der Schleusenkammer auf 85 m vergrößert wurde. Damit können Europaschiffe die Schleuse nutzen. Die Bauausgaben für die Grundinstandsetzung betrugen 10,4 Millionen DM.
Weserschleuse Minden
Im Rahmen der Ausbaupläne der Mittelweser auf die neue Größenklasse Großmotorgüterschiffe (Länge 110 m) soll auch der Nordabstieg an diese Schiffsgröße angepasst werden. Dazu wird die Schachtschleuse durch die östlich parallele Weserschleuse Minden ergänzt bzw. durch diese dann später ersetzt werden. 2009 begannen die Bauarbeiten, nach ersten Planungen sollte die 139 m lange und 12,50 m breite Schleuse 2015 fertiggestellt werden, der Bau verzögerte sich dann bis 2017. Nach einem halben Jahr Probebetrieb wurde sie im Frühjahr 2017 dem Betrieb übergeben.Mindener Tageblatt vom 1. Oktober 2016: Trockenübungen an der neuen Weserschleuse, abgerufen am 8. Oktober 2016.
Für eine Schleusung verbraucht die Weserschleuse 25.000 m³ Wasser, der Wasserverbrauch soll durch offene Sparbecken um mehr als 60 Prozent niedriger ausfallen.
Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtete Schachtschleuse sollte nach Eröffnung der Weserschleuse vorerst weiter betrieben werden, da sie wegen ihrer geringeren Größe auch einen geringeren Wasserverbrauch hat, und somit wirtschaftlicher zu betreiben ist.
Verbindungskanal Süd zur Weser