mini|Eleonora als 23-Jährige Eleonora von Toledo (* 1522 in Toledo; † 17. Dezember 1562 in Pisa), auch Eleonora di Toledo (ital.) oder Leonor de Toledo (span.), entstammte der spanischen Adelsfamilie der Toledo und war durch ihre Heirat mit Cosimo I. de’ Medici, mit dem sie in glücklicher Ehe lebte, von 1539 bis zu ihrem Tod Herzogin von Florenz. Sie übte einen beträchtlichen politischen Einfluss aus, war wiederholt während der Abwesenheit oder Krankheit ihres Gatten Regentin des Herzogtums und förderte großzügig Künstler wie Agnolo Bronzino. Auch begünstigte sie die Ansiedlung der Jesuiten in Florenz und gründete mehrere Kirchen. Als kluge Geschäftsfrau verbesserte sie die finanziellen Verhältnisse der Medici erheblich. Zwei ihrer Söhne, Francesco und Ferdinando, folgten ihrem Vater Cosimo als Herzöge von Florenz.

Leben Abstammung; Jugend mini|Eleonoras Vater Pedro Álvarez de Toledo, Vizekönig von Neapel Eleonora Álvarez de Toledo war die zweite Tochter des späteren Vizekönigs von Neapel, Don Pedro Álvarez de Toledo aus dem Haus Álvarez de Toledo, und seiner Gattin Maria Osorio Pimentel, 2. Markgräfin von Villafranca. Nachdem ihr Vater im September 1532 zum Vizekönig von Neapel ernannt worden war, kam sie im Juni 1534 zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Isabel ebenfalls nach Neapel. Am dortigen glänzenden Hof ihres Vaters, wo die strenge spanische Etikette herrschte, verbrachte Eleonora ihre Jugendjahre. Obwohl über ihre Ausbildung wenig bekannt ist, dürfte sie eine der angesehenen Stellung ihrer Familie entsprechende und stark katholisch geprägte Erziehung erhalten haben. Dennoch hatte sie eine sephardische Jüdin, Benvenida Abravanel, zur Lehrerin, die zusammen mit ihrem Gatten Samuel zu den einflussreichsten Mitgliedern der neapolitanischen jüdischen Gemeinde gehörte. Zwischen Eleonora und Benvenida Abravanel entwickelte sich eine langfristige Freundschaft, die auch nach Eleonoras späterem (1539) Umzug in die Toskana fortbestand.Carlos José Hernando Sánchez: Toledo, Leonor de. In: Diccionario biográfico español. Madrid 2009–2013 (Online-Version).

Heirat Damals suchte der erst kurz zuvor als Herzog von Florenz an die Macht gekommene Cosimo I. de’ Medici eine Braut. Durch eine einträgliche und prestigeträchtige Heirat wollte er nützliche politische Allianzen schmieden, um seine u. a. durch Intrigen florentinischer Exilanten am französischen Hof gefährdete Herrscherstellung zu sichern. Dabei strebte er insbesondere eine enge Verbindung zu Kaiser Karl V. an, der ihm am ehesten seinen Verbleib als Herrscher von Florenz sowie die ebenfalls bedrohte Unabhängigkeit des Herzogtums selbst garantieren konnte. Zuerst hielt er vergeblich um die Hand einer unehelichen Tochter des Kaisers, Margarethe von Parma, an, die zuvor mit seinem ermordeten Vorgänger und Vetter Alessandro de’ Medici vermählt gewesen war. Nachdem auch andere Eheprojekte, u. a. eine anvisierte Heirat mit Vittoria Farnese, gescheitert waren, bat Cosimo den Kaiser durch Gesandte, ihm eine adlige, schöne und reiche Spanierin als Braut auszuwählen. Als die Entscheidung Karls V. noch ausstand, bot der Vizekönig von Neapel, Pedro de Toledo, eine seiner Töchter als Braut für Cosimo an und ersuchte den Kaiser durch den von ihm entsandten Juan de Figueroa um die Zustimmung zu diesem Heiratsplan. Doch nicht alle kaiserlichen Agenten in Italien unterstützten ein Bündnis Karls V. mit dem Medici-Herzog. Der Marquès de Aguilar, neuer kaiserlicher Botschafter beim Heiligen Stuhl, wies auch auf die Möglichkeit der Abberufung des neapolitanischen Vizekönigs hin, in welchem Fall die Ehe Cosimos mit einer von dessen Töchtern ihre politische Relevanz verlieren würde. Doch schließlich wurde die Knüpfung familiärer Bande zwischen dem Herzog von Florenz und dem Vizekönig von Neapel definitiv beschlossen.

Pedro de Toledo wollte zunächst seine älteste Tochter Isabel mit Cosimo verheiraten. Der florentinische Herzog war jedoch durch seinen Bevollmächtigten in Rom, Agnolo Niccolini, gewarnt worden, dass Isabel hässlich und geistlos sei. Infolgedessen bestand Cosimo darauf, ihre jüngere Schwester Eleonore von Toledo ehelichen zu dürfen. Möglicherweise hatte er sie bereits 1535 gesehen, als er mit Alessandro de’ Medici Neapel besucht hatte. Zwei in seinem Auftrag im Februar 1539 nach Neapel gereiste Gesandte, Luigi Ridolfi und Iacopo de’ Medici, erreichten in einmonatigen Verhandlungen den Abschluss eines Ehevertrags. Dieser wurde am 29. März 1539 unterschrieben und sah u. a. die Zahlung einer Mitgift von 20.000 Scudi durch den Vater der Braut vor, während Cosimo sich verpflichtete, Eleonore zwei Geschenke im Gesamtwert von 30.000 Scudi zu machen. Am selben Tag fand Eleonores Heirat per procurationem statt.

Eleonore bemühte sich, ihre Lese- und Schreibkompetenz in italienischer Sprache zu steigern, indem sie die ihr von Cosimo geschickten Briefe ohne fremde Hilfe zu lesen versuchte. Am 11. Juni 1539 verließ sie Neapel auf dem Seeweg, um sich auf die Reise zu ihrem Bräutigam zu machen. Begleitet wurde sie von ihrem Bruder García, ihren Cousins Pedro und Gutierro de Toledo und zahlreichen spanischen Rittern und Hofdamen, darunter einigen sehr vertrauenswürdigen Gefolgsleuten des Vizekönigs. Die den Hochzeitszug transportierende Flotte bestand aus sieben Schiffen, die von Neapel nach Livorno segelten, wo sie am Morgen des 22. Juni anlegten. Dort bereitete Onofrio Bartolini de’ Medici, Erzbischof von Pisa, Eleonore und ihrem Gefolge einen festlichen Empfang. Von Livorno brach Eleonore noch am selben Tag nach Pisa auf und traf auf halbem Weg zu dieser Stadt auf ihren Bräutigam. Das Herzogspaar begab sich dann zusammen mit Eleonores spanischem Gefolge und den Cosimo begleitenden florentinischen Aristokraten zur in Poggio a Caiano gelegenen Medici-Villa, wo es einige Tage verweilte, bis die Vorbereitungen für seinen festlichen Einzug in Florenz genügend weit gediehen waren. Dieser erfolgte am 29. Juni 1539, wobei Eleonore und Cosimo von der Porta al Prato zur Basilica di San Lorenzo schritten, wo ihre persönliche Trauung stattfand. Danach begannen die mehrere Tage dauernden Hochzeitsfeierlichkeiten in der Medici-Villa an der Via Larga. Auf der im großen Hof des Palastes errichteten, überdachten und von kostbaren Wandteppichen gesäumten Bühne wurde eines der ersten großen Hofspektakel im Florenz des 16, Jahrhunderts veranstaltet. So wurde u. a. Antonio Landis fünfaktige Komödie Il Commodo mit Musik von Francesco Corteccia aufgeführt. Agnolo Bronzino und andere Florentiner Künstler steuerten prächtige Bühnenbilder bei. Diese Festlichkeiten, zu denen auch üppige Bankette gehörten, wurden in einem später gedruckten Brief des Gelehrten Pier Francesco Giambullari an den florentinischen Gesandten am kaiserlichen Hof, Giovanni Bandini, beschrieben.

Cosimo wollte mit diesen glänzenden Festen die kulturellen Aktivitäten in Florenz wiederbeleben, die nach der langen Belagerung der Stadt durch kaiserlich-päpstliche Streitkräfte (1529–30) zum Erliegen gekommen waren, sowie ferner die Sympathie der Florentiner erwerben. Doch wurde letzteres Ziel nicht im gewünschten Umfang erreicht, da laut dem Chronisten A. Marucelli da San Gallo viele Untertanen Cosimos dessen Heirat mit Eleonora ablehnten, die sie für eine „spanische Barbarin“ und Feindin von Florenz hielten. Daher war die Herzogin zunächst als Ausländerin im Volk unbeliebt. Immerhin bedeutete die Eheschließung für Cosimo eine Steigerung seines politischen Prestiges. Durch seine Verbindung mit dem mächtigen spanischen Adelshaus der Toledos stieg er zu einem bedeutenden Herrscher im Reich Karls V. auf. Der Kaiser schätzte die Loyalität des Medici-Herzogs und betrachtete ihn als wichtige Stütze seiner Machtausübung in Italien. Pedro de Toledo unterstützte seinen Schwiegersohn u. a. auch durch Lieferung von neapolitanischem Getreide, wenn in Florenz Lebensmittelknappheit herrschte. Ein Teil des Gefolges, das Eleonora nach Florenz begleitet hatte, eine Gruppe spanischer Damen und Pagen, die Eleonore seit ihrer Kindheit in Neapel betreut hatte, blieb weiterhin dauerhaft im Dienst der Herzogin. Dazu gehörten vor allem Eleonoras ältere Kammerzofe María de Contreras, sowie Pedro de Solís, ein früherer Diener des Vizekönigs, der Eleonore bei deren außerhalb ihrer offiziellen Pflichten liegenden Angelegenheiten unterstützen sollte.

Eheleben und Nachkommen mini|Eleonoras Ehemann Cosimo I. de’ Medici Trotz des politischen Arrangements von Eleonoras Heirat verlief die Ehe mit Cosimo I. de’ Medici glücklich. Die Eheleute brachten einander Zuneigung und Wertschätzung entgegen. Cosimo blieb der Gattin während der gesamten Ehe treu. Dies war die Ausnahme unter den damaligen fürstlichen Ehen. Aufgrund ihrer vielen Kinder sicherte sie den Fortbestand des vom Aussterben bedrohten Hauses Medici. Das von Cosimo für die Gattin gewählte Motto Cum pudore laeto fecunditas (Fruchtbarkeit mit heiterer Keuschheit) spielte auf ihre zahlreiche Nachkommenschaft und eheliche Treue an.Konrad Eisenbichler: The cultural world of Eleonora di Toledo: duchess of Florence and Siena. 2004, S. 1 f.; 7; 10. Gemäß seinen politischen Absichten betonte der Herzog seine familiären Tugenden wiederholt öffentlich; er verglich sich gern mit Augustus und dessen propagierter Wiederherstellung der familiären Werte nach den Bürgerkriegswirren in der Endzeit der Römischen Republik, während Eleonora sich als Inkarnation der Juno darstellen ließ. Neben dem bereits erwähnten Motto wurden weitere Devisen für die Herzogin gewählt, die das beispielhaftes Bild als Ehefrau und Mutter hervorhoben, so in der Florentiner Akademie u. a. das Motto famam servare memento (Bedenke, den Ruhm zu bewahren), die sie unter dem Namen Ardente Alterata (Durch in Liebe entbrannt sein verändert) frequentierte.

Eleonora und Cosimo hatten elf Kinder, von denen fünf Söhne und drei Töchter das Erwachsenenalter erreichten: Maria (* 3. April 1540; † 19. November 1557), verlobt mit Alfonso II. d’Este, starb vor der Hochzeit Francesco (* 25. März 1541; † 19. Oktober 1587), Großherzog der Toskana Isabella (* 31. August 1542; † 16. Juli 1576), ⚭ 1558 Paolo Giordano I. Orsini Giovanni (* 28. September 1543; † 20. November 1562), Bischof von Pisa und Kardinal Lucrezia (* 7. Juni 1545; † 21. April 1561), ⚭ 1558 Alfonso II. d’Este Pietro (Pedricco) (* 10. August 1546; † 10. Juni 1547) Garzia (* 5. Juli 1547; † 12. Dezember 1562), starb an Malaria Antonio (*/† Juli 1548) Ferdinando (* 30. Juli 1549; † 3. Februar 1609), Großherzog der Toskana Anna (* 19. März 1553; † 1. August 1553) Pietro (* 3. Juni 1554; † 25. April 1604), ermordete seine Gattin Eleonora di Garzia di Toledo

Herzogin von Florenz mini|Eleonora von Toledo und ihr Sohn Giovanni, Gemälde von Agnolo Bronzino, 1545 Nach ihrem Einzug in Florenz wohnte Eleonora von Toledo mit ihrem Gemahl Cosimo de’ Medici zunächst im an der Via Larga gelegenen Palazzo Medici, der aber für Eleonoras zahlreiche meist spanische Hofdamen, Pagen und Diener nicht genügend Platz bot. Im Mai 1540, kurz nach der Geburt ihrer ältesten Tochter Maria, zogen Eleonora und Cosimo in den Palazzo della Signoria um, der renoviert und nunmehrige Hauptresidenz des Herzogspaars wurde. Das für Eleonora bestimmte Appartement des Palasts war mit einer Kapelle mit biblische Szenen darstellenden Fresken von Bronzino ausgestattet. Auch prangte in diesem Raum das Doppelwappen der Familien Medici und Toledo als Symbol des von diesen Geschlechtern eingegangenen Bündnisses. Laut einer Inventarliste von 1553 wurden die in dem Palazzo gelegenen Räumlichkeiten von Cosimos Mutter Maria Salviati nach deren Tod (1543) von Eleonoras jüngstem Bruder Luis de Toledo und ihrem Onkel Francisco de Toledo bewohnt. 1549 erwarb die Herzogin den am Arno gelegenen Palazzo Pitti als neue Sommerresidenz der Medici. 1550 beauftragte sie Niccolò Tribolo, hinter diesem Palazzo die monumentalen Boboli-Gärten anzulegen, die für die Öffentlichkeit unzugänglich waren.