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Die Firma Wellner war ein Großproduzent von Bestecken und metallenem Tafelgeschirr, sie hatte zwischen 1854 und 1958 ihren Hauptsitz in Aue in Sachsen. In der DDR-Zeit, von 1958 bis nach 1990 wurde an gleicher Stelle unter dem neuen Namen Auer Besteck- und Silberwarenwerke (ABS) die Erzeugnispalette weiter produziert und teilweise ausgebaut. Seit zirka 1993 gibt es eine Nachfolgefirma, die seit 2001 in einer neuen Manufaktur im Nachbarort Schneeberg Teile des bisherigen Sortiments mit kleiner Belegschaft auf Originalmaschinen weiter produziert.Website der Wellner-Fabrik in Schneeberg; abgerufen am 30. Sept. 2014. Der Gebäudekomplex in Aue wurde leergezogen und die Stadtverwaltung suchte lange Zeit Nachnutzer. In das ehemalige Verwaltungsgebäude von Wellner zog das 1990 neu gebildete Landratsamt mit einer Beschäftigungsgesellschaft ein. Die Fabrikhallen wurden bis auf einen Trakt größtenteils abgerissen. Der erhaltene Teilkomplex steht nun unter Denkmalschutz und wird schrittweise saniert, eine neue Nutzung bzw. neue Mieter werden gesucht.

Die historischen Gebäude der Bestecke- und Silberwarenfabrik Wellner in Auerhammer, bestehend aus dem Verwaltungsgebäude und zwei Produktionsgebäuden, sind aufgrund ihrer Bedeutung als Beispiel einer Bergbaufolgeindustrie, basierend auf der Entdeckung des Neusilbers (Argentan) eine assoziierte Stätte der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, welche seit 2019 zum UNESCO-Welterbe gehört.Die Bestecke- und Silberwarenfabrik Wellner auf der Website der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří

Unternehmensgeschichte mini|links|hochkant=0.5|Schutzmarke auf den Besteck­teilen: "3 Zwerge bzw. 3 Männel" mini|hochkant|Aktie über 1000 Mark der Sächsischen Metall­waren-Fabrik August Wellner Söhne AG vom 23. September 1913

Von der Gründung 1854 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Das Unternehmen wurde 1854 in Aue von Christian Gottlieb Wellner in vorhandenen Gebäuden des Auerhammers als Argentanfabrik gegründet. Stetige Erweiterungen der Produktionsanlagen und der Belegschaft führten zu einer florierenden Firma, die metallene Haushaltsartikel wie Löffel aus Argentan herstellte, aber auch Pfeifendeckel. Der Sohn und spätere Hauptunternehmer Carl August Wellner führte das Unternehmen ab 1858 erfolgreich weiter und schuf Zweigniederlassungen und Vertretungen in Deutschland und sogar in anderen europäischen Ländern. Zum Firmenkonsortium Wellner gehörte im Zeitraum 1886 bis 1919 auch das Messingwerk Niederauerbach. Im Jahr 1892 übergab Carl August seinen Kindern die Leitung des Unternehmens, die es in eigene Fabriken aufspalteten. Am 23. September 1913 wurde die Privatfabrik in eine AG umgewandelt. Der zweite Sohn von Christian Wellner, Gottlieb Wellner, gründete in Aue die Besteckfabrik, die mit eigenen Neusilberprodukten unter GOWE (=Gottfried Wellner) auf den Markt kam. Daher wurden die Produkte der AG dann mit Original Wellner gemarkt.Abbildungen mit Beschreibung (engl.) auf der Website der Association Of Small Collectors Of Antique Silver (ASCAS).Heinz Poller: Vor 160 Jahren begann Wellner sein Lebenswerk. In: WochenspiegelBekanntmachungen, 24. Sept. 2014, S. 4.

Der Firmengründung durch Christian Gottlieb Wellner war die Gründung einer Argentan-/Alpacca-Besteckfabrik durch Christian Friedrich Hutschenreuter im Jahr 1852 vorausgegangen. Hutschenreuter war der Schwiegersohn von Christian Wellner und produzierte zunächst auf dem Hof seines Wohngebäudes (Wettinerstraße 124) unter dem Markenzeichen CFH und einem Steinbock. Er stellte auch weitere Produkte für die Tafel her wie etwa Kerzenleuchter.Auktion auf www.beyars.com für einen Kerzenleuchter von C. F. Hutschenreuter aus dem Jahr 1930; abgerufen am 30. Sept. 2014.

In den Jahren des Ersten Weltkrieges fehlten dem Unternehmen Wellner zahlreiche männliche Arbeitskräfte, was zu einer vermehrten Einstellung von Frauen führte, die Industriearbeiterin entstand auch hier. Außerdem wurde von Staats wegen die Herstellung kriegswichtiger Erzeugnisse wie Hülsen für Gewehrmunition und Granaten gefördert, die bisherige Erzeugnispalette musste verringert werden.

Zur Firma Wellner gehörte im Zeitraum 1886 bis 1919 auch das Messingwerk Niederauerbach, das nach der Übernahme den Namen Sächsisches Messingwerk Chr. G. Wellner und ab 1892 den Namen Sächsisches Messingwerk Chr. G. Wellner Söhne erhielt. Das Messingwerk im heutigen Rodewisch. Es behielt vom Auerhammer Werk weitgehende Unabhängigkeit.

Von 1918 bis zur Enteignung 1946 Nach dem Ende des Krieges wurde die Produktion von Bestecken und Tafelgeschirr in größerem Umfang wieder aufgenommen. Sogenannte Halbzeuge und Halbfabrikate wie Blechtafeln, Drähte, Stangen und Stäbe kamen neu hinzu. Die Fabrik konnte sich immer mehr vergrößern und auf dem Weltmarkt etablieren. Bis in die Mitte der 1920er Jahre waren schließlich 36 Schmelzöfen, sechs Walzstraßen, viele Drahtziehanlagen, Pressen, Stanzen und Kleinmaschinen im Einsatz. Innerbetrieblich wurden neue Abteilungen wie Schnitt- und Stanzenbau, Schriftstempelfabrikation, Tischlerei, Bauabteilung, Kraftfahrzeugreparaturwerkstatt, Eisengießerei und Dampfhammerwerk für eine eigene Maschinenbauanstalt gebildet. Etwa 6.000 Personen erzeugten 300.000 Tonnen Neusilber, von dem die Hälfte im eigenen Werk zu Endprodukten weiterverarbeitet wurde. Bestecke aus erstmals produziertem rostfreien Edelstahl kamen auch in das Sortiment. In den Zeiten der Weltwirtschaftskrise bis etwa noch 1932 ging der Absatz von Bestecken stark zurück und nur die Finanzhilfe von Großbanken konnte den Konkurs der Fabrik abwenden.Information von Jana Hecker, Pressereferentin und Stabsleiterin der Stadtverwaltung Aue vom Mai 2009 und vom Oktober 2021.

Im April 1933 stellte die Firma der Amtshauptmannschaft Schwarzenberg in Zschorlau ein nicht mehr genutztes Fabrikgebäude mit Einrichtungsgegenstände sowie Baumaterialien kostenlos zur Einrichtung des Konzentrationslagers Zschorlau zur Verfügung.

Ab 1934 verbot eine neue Reichsverordnung den Export von Neusilber-Erzeugnissen, was zu einer Produktionsverringerung führte. Einschneidende Änderungen traten durch den Zweiten Weltkrieg ein. Diesmal mussten Produktionsstrecken so verändert werden, dass darauf Hülsen für Flak-Geschosse entstehen konnten. Außerdem kamen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene zum Einsatz. Der Firmenname lautete bis zum 1. November 1941 Sächsische Metallwarenfabrik August Wellner Söhne AG, danach August Wellner Söhne AG.

Aufteilung und Wiederaufnahme der Produktion als Volkseigener Betrieb mini|Herstellermarke der VEB Auer Besteck- und Silberwarenwerke (ABS) Nach den Enteignungen 1946 und dem Abbau der großen Produktionsanlagen als Reparationszahlungen an die Sowjetunion konnte ab den 1950er Jahren wieder mit der Produktion von Tafelbestecken begonnen werden. Der Firmenmantel von Wellner wurde 1950 nach Frankfurt am Main verlagert und dort ab 1958 als GmbH weitergeführt. Die Enteignung der Fabrikbesitzerfamilie 1946 führte auch zum Übergang der insgesamt 16 Immobilien in den Besitz der Stadt Aue. mini|Tafelgeräte von ABS auf einer Schautafel am Wellner-Gebäude, 2004 Die Fabrik in Aue erhielt den Namen Auer Besteck- und Silberwarenwerke (ABS). Sie wurde als DDR-Schwerpunktbetrieb ausgebaut sowie das Stammwerk des Kombinats Unimewa (Universalmetallwaren). Um 1970 erzeugten rund 900 Menschen metallenes Tafelgeschirr, das auch wieder erfolgreich exportiert wurde.

Wellner ab 1990 mini|Wellner ABS GmbH (Schneeberg) Nach der deutschen Wiedervereinigung kaufte Herbert Hillebrand den Betrieb von der Treuhand. Die Besteckherstellung am Standort Aue wurde 1995 aufgegeben, allein die Lohnkosten waren doppelt so hoch wie der Umsatz.Zeit der Sieger Weil es keine Käufer für den Komplex gab und auch kein weiteres Geld in die Gebäude gesteckt werden sollte, blieb es bei Sicherungsarbeiten im Auftrag der Stadtverwaltung Aue.

Infolge der Produktionsaufgabe am Standort Aue beanspruchten zwei neu gegründete Firmen einen Teil des Namens für ihr Unternehmen, da sie auch Besteck beziehungsweise Tafelgeschirr produzieren – und zwar Wellner/ABS GmbH in Schneeberg, In: Freie Presse, 24. Mai 2009. und Wellner Silber GmbH mit Sitz in Aue. Als geistiger Nachfolger in der Tradition der Wellner-Werke und der Auer Besteck- und Silberwarenwerke produziert einzig die Firma Wellner/ABS GmbH die altbekannten Wellner-Dekors wie Mozart und die Gesamtpalette der früheren ABS- und Porzellanbestecke. Die Bedeutung der Marke Wellner in der Gegenwart lässt sich an der Vielfalt der Fälschungen erkennen, die sich nach wie vor neben den Premium-Tafelbestecken am Markt befinden.Abbildungen von Wellner Design-Fälschungen unbekannten Ursprungs und 4 Original-Wellner-Tafelbesteckdekors aus dem Hause Wellner/ABS GmbH Schneeberg.

Architektur Produktionshallen Bauten in den 1880er Jahren und kurze Gebäudebeschreibung Anstelle der ursprünglichen Schmelzhüttenfabrik ließ Carl August Wellner einen völlig neuen Fabrikhallenkomplex errichten, dessen erster Teil 1884 eröffnet wurde. Im Jahr 1897 wurde mit einem Fabrikgebäude ein weiterer Teil in Betrieb genommen. Zur Sicherung der Produktion entstanden im Jahr 1900 eine eigene Neusilbergießerei und ein eigenes Walzwerk.

mini|Uhrenturm auf dem Fabrikgebäude, 2008 Die meist vierstöckigen mehrflügeligen Gebäude standen auf einer Fläche zwischen Wettinerstraße, Auerhammerstraße, Industriestraße und Marie-Müller-Straße. Samt freier Hofflächen nahm die Fabrik rund 20.000 Quadratmeter ein. Die Architekten hatten die Fassaden der typischen Industriehallen mit vielen Schmuckdekors versehen, die sich häufig auf die Produktion bezogen. Auch ein Uhrentürmchen mit Bronzegeläut wurde aufgesetzt. Das Geläut war bei Bernhard Zachariä in Leipzig hergestellt worden.Erik Kiwitter: Wie holten die Ganoven die Glocken aus dem Turm?; In: Freie Presse, 2. November 2012. Vermutlich dienten die Uhrenglocken zur Verkündung der Arbeitsschichten, sie schlugen alle Viertelstunden.

Nach Leerzug Das denkmalgeschützte imposante Gebäudeensemble stand seit den 1990er Jahren so gut wie leer, es gab jedoch verschiedene Nutzungskonzepte. Die Stadtverwaltung favorisierte die Einrichtung eines Technikums in den Gebäuden, in dem Mittelschüler aus der Region zentral und praxisnah auf das Berufsleben vorbereitet werden und sich beispielsweise an unterschiedlichen Maschinen ausprobieren können. Für die Gebäudesanierung und den Erwerb moderner Maschinen wurden elf Millionen Euro Fördermittel vom Freistaat Sachsen veranschlagt. Im Mai 2009 erfolgte eine Vorort-Besichtigung durch Ministerpräsident Stanislaw Tillich, der sich von der Machbarkeit und Sinnfälligkeit des Projekts Technikum überzeugte. Doch der sächsische Staat lehnte ab., In: Freie Presse, 29. Mai 2009.

Im Zusammenhang mit der Liquidation der Firma und der ungewissen Zukunft der Fabrikgebäude wurden im November 2011 die Turmuhr und das Schlagwerk auf dem Glockenboden abgestellt. Die schweren Glocken von je 100 Kilogramm mit einem Durchmesser von 40 Zentimetern und der Inschrift der Leipziger Firma Bernhard Zachariä wurden daraufhin gestohlen.Julia Heinke: Historisches Bronzegeläut aus altem Fabrikturm verschwunden: Wer hat Aue die Glocken geklaut?, In: www.chemnitz.Bild.de; abgerufen am 9. November 2012. Die Diebe konnten nicht ermittelt werden.Auskunft bei einer öffentlichen Besichtigung des Baudenkmals im Mai 2015 vom Auer Baustadtrat.

Abrissbeschluss 2013 mini|Giebel mit dem Elefant