Die Zeittafel Tibet gibt in Stichpunkten einen Überblick über die Geschichte Tibets.

Vor- und Frühgeschichte vor ca. 160.000 Jahren: der fossile Xiahe-Unterkiefer eines Denisova-Menschen ist der älteste Beleg für die Anwesenheit von Individuen der Gattung Homo in Tibet vor ca. 10.000 Jahren: paläolithische Stätten von Duogeze (Xainza) und Zhabu (Rutog) in TibetFahu Chen, Frido Welker, Chuan-Chou Shen, […] und Jean-Jacques Hublin: A late Middle Pleistocene Denisovan mandible from the Tibetan Plateau. In: Nature. Online-Vorabveröffentlichung vom 1. Mai 2019, doi:10.1038/s41586-019-1139-x vor ca. 7000–5000 Jahren: paläolithische Kultur am Südufer des Sees Sêrling Co in den Kreisen Xainza und Baingoin 3200–2000 v. Chr.: neolithische Kharro-Stätte im Stadtbezirk Karub

6.–10. Jahrhundert vor 600: Überall im tibetischen Hochland kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Königen.Thomas Laird: Tibet – Die Geschichte meines Landes. Der Dalai Lama im Gespräch mit Thomas Laird (Frankfurt am Main, Scherz 2006), ISBN 3-502-15000-1. Die ältesten tibetischen Schriften belegen die Existenz eines Herrscherhauses Shang Shung. ca. 618–649: König Songtsen Gampo besteigt den Yarlung-Thron und festigt die erste geschichtlich nachweisbare Monarchie in Tibet. Reichserweiterung nach Westen (Guge), Nepal und Nordosten (bis zum Kokonor-See). Zeitweilige Ausdehnung auch bis Chinesisch-Turkestan und auf die heutigen chinesischen Provinzen Gansu und Sichuan. 635–649: Nachdem die Tibeter einige Grenzstämme zwischen China und Tibet geschlagen haben, welche bis zu diesem Zeitpunkt als Puffer zwischen den beiden Staaten dienten, folgen nun kriegerische Auseinandersetzungen mit China. Durch die Heirat von Kaiser Songtsen Gampo mit der chinesischen Prinzessin Wen Cheng werden diese beigelegt. 677: Nach dem Tod Songtsen Gampos folgen weitere kriegerische Auseinandersetzungen mit den Chinesen, wobei es insgesamt zu sechs belegten schriftlichen Verträgen kommt, die wechselnd von China und Tibet gebrochen wurden. Zu dieser Zeit beherrscht Tibet das gesamte Tarimbecken. 747: Der legendäre Inder Padmasambhava führt den Buddhismus in seiner tantrischen Form in Tibet ein. Er errichtet in Samye das erste buddhistische Kloster. Rasche Verbreitung der buddhistischen Lehre (Anhänger formieren sich später zur Schule der Nyingmapa). 763: Die Tibeter erobern vorübergehend die chinesische Hauptstadt Chang’an (heute: Xi’an). 821: Thri Relpacen unterzeichnet den endgültigen Friedensvertrag mit Tang-China, in dem beide Seiten einander als ebenbürtig anerkennen. 836–842: Buddhistenverfolgung unter König Lang Darma und Wiederaufleben der alten schamanistischen Bön-Religion. 842: Der Mönch Lhalung Pelgyi Dorje reitet nach Lhasa und tötet dort Lang Darma mit einem Pfeil. 866: Die letzten Nachkommen Songtsen Gampos wandern nach Ngari ab und Tibet zerfällt in zwei konkurrierende Reiche. Eine Zeit des Chaos folgt. 978: Die ersten buddhistischen Mönche kehren aus den Provinzen Kham und Amdo nach Zentraltibet zurück.

11.–16. Jahrhundert 11. Jahrhundert: Es bilden sich die drei heute noch bestehenden buddhistischen Schulen Nyingma, Sakya und Kagyü. Um 1050: Dromtönpa gründet die Schule der Kadampa. Ihr Sitz ist das 1056 nördlich von Lhasa gegründete Kloster Radreng. Um 1060: Entstehung der Schule der Kagyüpa. 1073: Gründung des Klosters Sangphu Ne'uthog (tib.: gsang phu ne'u thog), der ältesten Klosterschule Tibets, etwa 20 km südlich von Lhasa. Gründung des Klosters Sakya in Tsang. Die anfangs noch stark von Lehren der Nyingma-Schule beeinflusste Sakya-Schule war anfangs nur eine unbedeutende buddhistische Schule ihrer Zeit. 1189: Gründung des Klosters Tshurphu als Basis der Karma Kagyüpa-Schule im zentraltibetischen Raum. 1268: Die Mongolen erobern vollständig das Gebiet des heutigen Tibet, das bis zu diesem Zeitpunkt kein einheitliches Staatsgebilde war. Kublai Khan verleiht den Äbten der Sakya-Klöster die Lehnsherrschaft über Tibet (Vizekönigtum). 1290: Ein tibetischer Aufstand gegen die Fremdherrschaft der Mongolen wird blutig niedergeschlagen, wobei 10.000 Tibeter das Leben verlieren. 1368: Mit dem Zusammenbruch der Yuan endet die Vorherrschaft der Sakya. 1400–1600: Hochblüte der tibetischen Klosterkultur. 1409: Tsongkhapa (1357–1419) gründet das Kloster Ganden (östlich von Lhasa) und die Schule der Gelugpa, die sich bald zum wichtigsten religiösen und politischen Faktor entwickelt. 1445: Errichtung des Klosters Trashilhünpo in Samzhubzê, späterer Sitz des Penchen Lama. 1447 Der Astronom Phugpa Lhündrub Gyatsho vollendet sein berühmtes astronomisches Werk Padma dkar-po’i zhal lung 1556: Bei den seit 1450 andauernden internen Scharmützeln setzen sich die Fürsten der Provinz Tsang mit ihrem Zentrum Xigazê durch und werden zu den Königen Zentraltibets. 1578: Sönam Gyatsho, der dritte Großabt der Gelugpa, erhält vom mongolischen Herrscher Altan Khan den Titel „Dalai Lama“ verliehen. Die Mongolen nehmen die buddhistische Lehre an. Erst nach diesem Treffen wird den beiden Vorgängern von Sönam Gyatsho posthum der Titel „Dalai Lama“ verliehen.

17.–18. Jahrhundert 1601: Der vierte Dalai Lama bricht mit einer Abteilung berittener Krieger nach Lhasa auf und wird dort von den Gelugpa im Rahmen einer prunkvollen Zeremonie als vierter Dalai Lama eingesetzt, wodurch erstmals ein Mongole das hohe Amt des Herrschers von Tibet führen durfte. 1605: Ein hinter den Kagyüpa stehender Machthaber entsendet eine Streitmacht nach Lhasa um die ostmongolische Kavallerie des vierten Dalai Lama zu vertreiben. 1617: Der heute noch im tibetischen Buddhismus als „großer Fünfter“ bekannte Ngawang Lobsang Gyatsho (1617–1682) wird geboren und sollte um 1630 das politisch zersplitterte Tibet unter sich vereinen, Institution des Dalai Lama grundlegend reformieren, in Tibet einen hierokratischen „Kirchenstaat“ einführen, die Vorherrschaft der Gelugpa durchsetzen und den mächtigen Potala-Palast in Lhasa, der neuen Hauptstadt Tibets, erbauen lassen. Bis 1959 sollten die Dalai Lamas sowohl die geistigen als auch die politischen Führer Tibets bleiben. 1642: Im Frühsommer zieht der 5. Dalai Lama in Samzhubzê ein, das mithilfe der Mongolen erobert wurde und besteigt den Thron das getöteten Königs von Tsang Karma Tenkyong Wangpo (tib.: karma bstan skyong dbang po; 1606–1643). 1650: Errichtung der Institution des Penchen Lama. 1653: Der 5. Dalai Lama besucht den Qing-Hof in China. 1678: Herrschaft des Regenten Desi Sanggye Gyatsho verheimlicht. 1682: Tod des 5. Dalai Lama Ngawang Lobsang Gyatsho. Regent Desi Sanggye Gyatsho verheimlicht den Tod bis 1696. 1683–1706 6. Dalai Lama Tshangyang Gyatsho. 1697: Inthronisation des 6. Dalai Lama 1705: Lhabsang Khan, Herrscher der Qoshot Mongolen, erobert Lhasa, wobei der Regent Desi Sanggye Gyatsho getötet wird. Lhabsang Khan setzt den 6. Dalai Lama Tshangyang Gyatsho ab und installiert Yeshe Gyatsho (tib.: ye shes rgya mtsho) als „rechtmäßigen“ 6. Dalai Lama; Tshangyang Gyatsho wird nach China deportiert und stirbt unterwegs. 1709: Die Mandschu senden den ersten kaiserlichen Repräsentanten nach Lhasa. 1717: Einfall der Dsungaren unter Tshewang Rabten. Die Dsungaren erobern Lhasa, töten Lhabsang Khan und errichten eine Terrorherrschaft, plündern und zerstören über 500 Nyingma-pa Klöster, darunter Dorje Drag und Mindrölling. Tagtsepa übernimmt die Leitung der tibetischen Regierung. 1720: Der 7. Dalai Lama wird nach einer militärischen Intervention der Mandschu bzw. Chinas unter Kangxi mit Unterstützung der Tibeter im Potala-Palast inthronisiert. Tagtsepa wird hingerichtet. Einrichtung einer provisorischen Militärregierung unter chinesischer Führung in Lhasa. 1721 Übernahme der Regierungsmacht in Tibet durch einen Ministerrat (tib.: bka' shag) unter der Führung Khangchennes. 1723: Abzug der chinesischen Garnison aus Lhasa. 1727 Ermordung Khangchennes durch Mitglieder des Ministerrates unter Führung von Ngaphöpa Dorje Gyelpo (tib.: nga phod pa rdo rje rgyal po) und Lumpane Trashi Gyelpo (tib.: lum pa nas bkra shis rgyal po). Beginn des tibetischen Bürgerkriegs. 1728 Miwang Pholhane Sönam Tobgye beendet siegreich den tibetischen Bürgerkrieg. Eine von ihm herbeirufene chinesische Armee rückt in Lhasa ein. Ngaphöpa Dorje Gyelpo und Lumpane Trashi Gyelpo werden hingerichtet. Der 7. Dalai Lama wird für sechs Jahre nach Garthar (tib.: mgar thar) in der Nähe von Lithang ins Exil gebracht. 1729 Übernahme der Regierungsgewalt in Tibet durch Miwang Pholhane Sönam Tobgye. 1735 Der 7. Dalai Lama kehrt nach Lhasa zurück. 1747 Tod des Miwang Pholhane Sönam Tobgye. Übernahme der Macht durch seinen Sohn Gyurme Namgyel. 1750 Ermordung Gyurme Namgyels durch die chinesischen Ambane. Lobsang Trashi organisiert eine Revolte in Lhasa gegen die chinesische Vorherrschaft. Beginn des kurzen Interregnums des Gashi Pandita Gönpo Ngödrub Rabten. 1751 Hinrichtung von Lobsang Trashi. Ankunft einer chinesischen Besatzungstruppe unter General Cereng. Der 7. Dalai übernimmt die Regierungsgewalt in dem neuorganisierten mandschu-chinesischen Protektorat Tibet. 1751–1910: Die Kaiser der mandschu-chinesische Qing-Dynastie üben die Schutzherrschaft über die Tibet aus. 1757 Tod des 7. Dalai Lama. Übernahme der Regierungsgewalt durch den 1. Demo-Regenten Ngawang Jampel Deleg Gyatsho. 1777 Tod des 1. Demo-Regenten. Übernahme der Regierungsgewalt durch den 1. Tshemön Ling-Regenten Ngawang Tshülthrim (tib.: tshe smon gling ngag dbang tshul khrims; 1721–1791). 1786 Berufung des 1. Tshemön Ling-Regenten nach Peking. 1788 Erster militärischer Einfall der Gurkha in Tibet. 1789 Übernahme der Regierungsgewalt durch den 1. Tatshag-Regenten Yeshe Lobsang Tenpe Gönpo (tib.: rta tshag ye shes blo bzang bstan pa’i mgon po; 1760–1810). 1792: Zur Zeit des achten Dalai Lama wird der zweite militärische Einfall der Gurkha in Tibet mit Hilfe der von Kaiser Qianlong entsandten chinesischen Armee zurückgeschlagen.

19.–21. Jahrhundert 1876: Am 27. Mai wird der 13. Dalai Lama im südöstlichen Tibet geboren und sollte im Laufe seines Lebens eine Politik der Reformen führen. 1890: Die Briten handeln mit Vertretern von Mandschu-China, welches die Regierungsgewalt über Tibet beansprucht, einen Vertrag aus und legen die Grenzen zwischen Tibet und Sikkim im Sikkim-Tibet-Vertrag fest, wogegen die Tibeter jedoch vorgehen, als sie die neu gesetzten Grenzpfähle herausreißen. 1894: Der Statthalter des Chinesischen Kaisers in Tibet (Amban) wird vom Dalai Lama vertrieben. Mandschu-China bezeichnet diese Aktion als illegale Abspaltung Tibets von China. Da der Dalai Lama in dieser Aktion jedoch von Großbritannien unterstützt wird, kann die Mandschu-Regierung nichts gegen diese Vertreibung des Statthalters unternehmen. 1897: Der Dalai Lama ist sich seiner politischen Macht so sicher, dass er es nicht länger für nötig hält die Repräsentanten des Mandschu-Kaisers bei der Ernennung von Beamten zu konsultieren. 1902: Der indische Vizekönig Curzon sieht die Interessen Großbritanniens bedroht, da er in Tibet russische Truppen und Waffen vermutet. Oberst Francis Younghusband marschiert in Tibet ein, konnte jedoch niemals etwas dergleichen finden. 1904: Die Briten marschieren unter dem Deckmantel einer Handelsmission mit 3000 Mann in Tibet ein und treffen auf dem Weg nach Lhasa auf eine schlecht ausgerüstete tibetische Armee, die lediglich 1500 Mann vorweisen kann. Es kommt zu einem Massaker und die meisten tibetischen Soldaten finden durch die Maxim Guns der Briten den Tod. Am 2. August treffen die Briten in Lhasa ein, das zuvor von dem Dalai Lama verlassen wurde, der Richtung Mongolei floh. Im Vertrag von Lhasa, der durch ein Zusatzabkommen von 1907 auch für China verbindlich wird, legt Großbritannien die tibetischen Grenzen fest und beansprucht Handelsprivilegien.