Die Bahnstrecke Parchim–Neubrandenburg oder Mecklenburgische Südbahn ist eine Bahnstrecke im Süden des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. Sie wurde von der Mecklenburgischen Südbahn-Gesellschaft betrieben, die 1894 in der Friedrich-Franz-Eisenbahn-Gesellschaft aufging. Heute ist der Abschnitt Möllenhagen–Neubrandenburg abgebaut, während die übrige Strecke von Parchim bis Waren (Müritz) von der Regio Infra Nord-Ost GmbH betrieben wird.

Geschichte Mecklenburgische Südbahn Um die Bahnstrecke Ludwigslust–Parchim nach Osten bis zum Anschluss an die Friedrich-Franz-Eisenbahn in Neubrandenburg in Mecklenburg-Strelitz zu verlängern, gründete sich 1883 die Aktiengesellschaft Mecklenburgische Südbahn-Gesellschaft in Parchim. Anteilseigner waren die Städte Parchim, Lübz, Waren (Müritz), Penzlin und Neubrandenburg, die Norddeutsche Bank in Hamburg sowie die Lokaleisenbahn-Betriebs-Gesellschaft in Hamburg. Am 20. Juli 1883 wurde die Konzession von Mecklenburg-Schwerin und am 2. August 1883 von Mecklenburg-Strelitz erteilt.

Der Güterverkehr wurde auf beiden Strecken am 20. Januar 1885 eröffnet, der Personenverkehr folgte eine Woche später am 28. Januar 1885. Ursprünglich sollte die Lokaleisenbahn-Betriebs-Gesellschaft aus Hamburg die Strecke betreiben. Die Betriebsführung ging später auf die Centralverwaltung für Secundairbahnen Herrmann Bachstein in Berlin über.

Der Verkehr auf der Strecke hatte überwiegend lokalen Charakter. Bis 1888 wiesen die Bilanzen der Gesellschaft ein negatives Ergebnis auf.

Im Laufe der Verstaatlichungsbemühungen der Mecklenburgischen Regierung erwarb diese zum 1. April 1894 die Mecklenburgische Südbahn gleichzeitig mit der Lloydbahn und gliederte sie in die Großherzoglich Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn ein. Dabei wurden deren acht Lokomotiven übernommen.

Betrieb in Staatseigentum Nach der Gründung der Deutschen Reichsbahn 1920 übernahm diese den Betrieb auf der Strecke, auf der ab 1939 die verkehrstechnische Anbindung an das Munitions- und Sprengstoffwerk Malchow erfolgte. Nach Kriegsende 1945 wurden die Abschnitte Karow–Malchow und Kargow–Neubrandenburg als Reparationsleistung abgebaut. 1946 begann von Kargow aus ein Wiederaufbau in Richtung Neubrandenburg, allerdings nur bis Möllenhagen. Dieser Abschnitt wurde im Juni 1947 wiedereröffnet. Am 1. Juni 1968 wurde die Lücke zwischen Karow und Malchow geschlossen. Der Personenverkehr auf der nunmehrigen Stichstrecke nach Möllenhagen wurde 1970 eingestellt, die Strecke aber für den Güterverkehr zum heutigen Durtrack-Betonwerk, einem großen Produzenten von Betonschwellen, weiterbetrieben.

Nach dem Jahr 1994 Seit dem 1. Juni 1996 ist die Strecke von Kargow bis Möllenhagen ein Bahnhofsgleis des Bahnhofs Kargow. Der abgebaute Abschnitt von Möllenhagen nach Neubrandenburg dient heute als Radwanderweg. Der Abschnitt Kargow–Möllenhagen wird vom Güterverkehr zum Betonschwellenwerk Möllenhagen genutzt. Er wird überwiegend von der DB Cargo Deutschland abgewickelt. Der Personenverkehr auf dem Abschnitt Parchim–Waren–Kargow und weiter in Richtung Neustrelitz wurde von Dezember 2002 bis Dezember 2014 durch die ODEG betrieben.

Die Prignitzer Eisenbahn Infrastruktur GmbH (PEI) pachtete zum 1. März 2008 die Gleisanlagen des Streckenabschnitts von Karow (Meckl) bis Waren (Müritz) von der DB NetzMärkische Allgemeine Zeitung, 26. Februar 2008, später kam sie auch in den Besitz des Unternehmens. Seit dem 10. Juli 2012 betreibt die RegioInfra Gesellschaft mbH (RIG) diesen Abschnitt. Die RegioInfra hatte die PEI rückwirkend zum 1. Januar 2012 übernommen.Bahn-Report, 5/2012, S. 34. Im Dezember 2012 wurde der Haltepunkt Inselstadt Malchow eröffnet, der etwas südlich des Bahnhofs Malchow in günstigerer Lage zum Stadtkern liegt. Der alte Bahnhof wird von Reisezügen seitdem nicht mehr bedient, aber weiterhin für Zugkreuzungen genutzt.Bahn-Report 6/2012, S. 35

Ebenfalls im Dezember 2012 wurde allerdings das Angebot auf der Strecke östlich von Lübz aufgrund von umfangreichen Sparmaßnahmen des Landes Mecklenburg-Vorpommern im SPNV deutlich reduziert. Da verschiedene Verbindungen vormittags und in den Abendstunden gestrichen wurden und die übrigen oft sehr schlecht mit langen Wartezeiten auf einander abgestimmt waren, existierte seitdem kein durchgehender Zweistundentakt mehr.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern zog im März 2012 die Ausschreibung des „Loses Parchim“ zurück, zu dem auch der Verkehr auf der Südbahn gehört, um Einsparpotenzial zu ermitteln. Am 13. September 2013 verkündete Verkehrsminister Schlotmann die Einstellung des Schienenverkehrs auf dem größten Teil der Strecke. Zwischen Malchow und Parchim fahren seit Dezember 2014 Busse. Auf der Strecke von Hagenow nach Parchim verkehrt die Linie R3 weiterhin. Nur zwischen Inselstadt Malchow und Waren werden noch Züge durch das Land Mecklenburg-Vorpommern bestellt, wobei sich das Angebot auf sechs Fahrtenpaare am Tag beschränkt. DB Regio betreibt diese Züge unter der Linienbezeichnung RB15. Selten verkehren außerdem noch Güterzüge zum Bundeswehrdepot, welches östlich von Warenshof über einen eigenen Gleisanschluss verfügt.

Angesichts der Einstellung des SPNVs und anstehender Investitionen erklärte DB Netz den Streckenabschnitt zwischen Parchim und Karow nicht mehr wirtschaftlich betreiben zu können und schrieb diesen deshalb Ende Januar 2014 zur Abgabe an andere Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU) aus.Bahn-Report 2/2014, S. 33 Anfang Dezember 2014 übernahm die Regio Infra Nord-Ost (RIN) den Streckenabschnitt Parchim – Karow von DB Netz.

Seit August 2016 transportiert DB Cargo Holz nach Malchow Bauhof.

Nach Abbestellung des Abschnittes Inselstadt Malchow – Parchim ab 14. Dezember 2014 übernahm zunächst die mit der RIN in einer Unternehmensgruppe verbundene Hanseatische Eisenbahn (HANS) eigenwirtschaftlich den SPNV zwischen Inselstadt Malchow und Parchim. Jedoch stellte HANS den Verkehr wieder zum 30. April 2015 ein, da eine finanzielle Unterstützung durch das Land und die Landkreise ausblieb und da der parallele Busverkehr eine Konkurrenz darstellte.

Im Sommer 2017 wurde durch den Fahrgastverband Pro Bahn an vier Wochenenden, anlässlich des Malchower Volksfests und zur Plauer Badewannen-Rallye, ein kleiner Saisonverkehr auf der Südbahn sowie auf der Strecke Güstrow–Plau bestellt. Rund 600 Fahrgäste nutzten dieses Angebot. Es wurde für die kommenden Jahre eine finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand angestrebt. Mit Hilfe eines Zuschusses vom Landkreis Ludwigslust-Parchim konnte das Angebot im Sommer 2018 auf sechs Wochenenden erweitert werden. Auch 2019 wurde der Saisonverkehr an vier Sommer-Wochenenden angeboten, wobei es zusätzlich an sieben Donnerstagen ein Zugpaar von Parchim zur Landesgartenschau Wittstock mit Umstieg in Pritzwalk gab.

Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2017 ging die Aufgabenträgerschaft des Regionalverkehrs auf dem Restabschnitt Inselstadt Malchow – Waren in die Verantwortung des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte über. Das Land Mecklenburg-Vorpommern zahlt in den nächsten zehn Jahren einen jährlichen Zuschuss von zunächst 650.000 Euro, der später auf 420.000 Euro abgesenkt werden soll. Der Landkreis plante, die Verkehrsleistungen ab Dezember 2019 für einen Zeitraum von acht Jahren zu vergeben.

Während der Bauarbeiten im Bahnhof Waren (Müritz) wurde die Strecke zwischen Malchow und Waren für 13 Wochen gesperrt (vom 6. April bis 20. Juli 2019). Es fanden Arbeiten für die Einrichtung des technisch unterstützten Zugleitbetriebs (ZLB) statt.

Auf einem zehn Kilometer langen Abschnitt soll besonders breitbandiger öffentlicher Mobilfunk sowie Technik für den zukünftigen Bahnbetriebsfunk FRMCS erprobt werden. Deren Inbetriebnahme wurde im Februar 2024 bekanntgemacht. Testfahrten waren ab Frühjahr 2024 geplant, Ergebnisse sollten bis Ende 2024 vorliegen. Das Vorhaben wird inzwischen unter dem Titel GINT XT fortgeführt.

Bemühungen zur Wiederaufnahme des Personenverkehrs Die Regio Infra Nord-Ost GmbH & Co. KG gab am 3. April 2019 bekannt, die Strecke zwischen Parchim und Malchow stilllegen zu wollen. Am 18. November 2019 teilte die Landesregierung mit, dass man sich mit der Eigentümerin geeinigt hat, die Strecke zu erhalten und die Attraktivität beispielsweise durch zusätzliche Verkehre in der Sommersaison zu steigern.

Ab 21. Mai 2020 wurde der Verkehr zwischen Malchow und Parchim an den Wochenenden bis 30. August wieder aufgenommen. Einerseits wurden drei Zugpaare aus Waren über Malchow nach Karow verlängert. Andererseits verkehrten ebenfalls drei Zugpaare als saisonale Linie RB 19 zwischen Parchim über Karow nach Plau am See an der Bahnstrecke Güstrow–Meyenburg. Dies wurde im Jahr 2021 fortgesetzt.

Im Jahr 2022 ging die Aufgabenträgerschaft des Regionalverkehrs zwischen Inselstadt Malchow und Waren zurück an das Land Mecklenburg-Vorpommern. Im Zuge dessen wurde, neben zusätzlichen Fahrten zwischen Waren und Malchow, auch der Saisonverkehr ausgeweitet: Seitdem wird die in der Regel auf die RB 14 nach Hagenow Stadt durchgebundene RB19 im Zweistundentakt angeboten. Die nun auch von der ODEG betriebene RB15 Waren(Müritz)-Inselstadt Malchow wird seitdem ebenfalls zweistündlich an saisonalen Wochenenden bis Plau am See verlängert, wobei in Karow die Fahrtrichtung geändert wird. In Karow und Lübz finden dabei Zugkreuzungen statt. Der Saisonverkehr beginnt jedes Jahr im Mai und endet meist im September. Auch an den Osterfeiertagen wird der Saisonverkehr angeboten.

Im Jahr 2022 einigten sich die Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern des Weiteren darauf, in einem Gutachten, welches im Jahr 2023 in Auftrag gegeben wurde, eine mögliche Reaktivierung des täglichen SPNV auf der mecklenburgischen Südbahn und der Bahnstrecke Meyenburg-Güstrow sowie einen Ausbau der Bahnstrecke Neustadt–Meyenburg zu untersuchen.

Ebenfalls 2023 wurde der neue Haltepunkt Malchow-Krebssee in Betrieb genommen, welcher von den saisonal verlängerten Zügen der RB15 bedient wird. Zudem wird der Abschnitt Inselstadt Malchow - Alt Schwerin seitdem in den Sommerferien auch Montags bis Freitags bedient.

Im August 2025 wurden die Ergebnisse der Untersuchung zur Reaktivierung des Personenverkehrs der Öffentlichkeit präsentiert. Laut des Gutachtens sei die Reaktivierung des täglichen Verkehrs inklusive Ausbau der Bahnstrecke in zwei Ausbauvarianten wirtschaftlich. Eine erste Variante sieht eine Ertüchtigung der Südbahn auf bis zu 120 km/h in Kombination mit einem Ausbau der Bahnstrecken Neustadt-Meyenburg und Meyenburg-Güstrow auf bis zu 160 km/h vor. Ein derartiger Ausbau der betrachteten Strecken würde 650 Mio. Euro kosten und erreicht ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,15. In dieser Variante wurde eine durchgehende, stündliche Regionalbahn von Hagenow Stadt über Parchim bis Waren unterstellt. Eine mit 228 Mio. Euro Investitionskosten günstigere Variante mit einem höheren Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,46 sieht einen Ausbau auf lediglich 80 km/h auf allen in der Untersuchung betrachteten Strecken vor. Hierbei würden jeweils stündlich eine Regionalbahn Parchim-Inselstadt Malchow und eine Regionalbahn Waren (Müritz)-Plau am See verkehren. In beiden Varianten sind Akku-Züge vorgesehen. Eine Realisierung könne nach Entscheidung für eine der Varianten Mitte der 2030er-Jahre erfolgen.

Verkehr Seit dem Fahrplanjahr 2022 betreibt die ODEG sämtliche Verkehrsleistungen auf der Mecklenburgischen Südbahn: +LinieVerlaufVerkehrszeitenEingesetzte Fahrzeugetäglicher VerkehrSaisonverkehr (Ostern, Mai bis September)RB15Waren (Müritz) - Inselstadt Malchow120120Regio-Shuttle RS1Inselstadt Malchow - Alt Schwerin -Mo–Do: 120 (nur Sommerferien) Freitags: 120 (nur Sommerferien, sonst ein Zugpaar)

Sa, So: 120Alt Schwerin - Karow (Meckl.) - Plau am See -Freitags: ein Zugpaar Sa, So: 120RB19(Hagenow Stadt -)Parchim - Karow (Meckl.) - Plau am See -Freitags: ein Zugpaar Sa, So: 120Regio-Shuttle RS1

Streckenbeschreibung Streckenverlauf