Die Echte Edelraute (Artemisia umbelliformis), auch Silber-Edelraute oder Silberraute genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Artemisia in der Familie der Korbblütler (Asteraceae oder früher Compositae).

Merkmale Die aromatisch duftende, seidenhaarige Pflanze wird fünf bis fünfzehn Zentimeter hoch und wächst als kurzrasige, mehrjährige und krautige Pflanze. Die gestielten Laubblätter sind als Grundblätter doppelt dreiteilig und als Stängelblätter gefingert.

Die gelben Röhrenblüten stehen in 3 bis 5 Millimeter großen, rundlichen Köpfchen in einer lockeren, beblätterten Traube beieinander; die inneren Hüllblätter besitzen einen dunkelbraunen, häutigen Rand.

Blütezeit ist von Juli bis September.

Die Chromosomenzahl der Art ist 2n = 34.

mini|Echte Edelraute (Artemisia umbelliformis) mini|Artemisia umbelliformis subsp. eriantha

Vorkommen Als Standort werden Fels- und Moränenschutt, Felsspalten, oft windexponierte Stellen auf kalkarmen, aber basenreichen Gesteinen in Höhenlagen zwischen 1300 und 3700 Meter bevorzugt. Die Echte Edelraute ist eine Charakterart des Androsacetum vandellii.

Die Echte Edelraute ist in den Gebirgen Mittel- und Südwesteuropas verbreitet. Sie kommt vor in Spanien, Frankreich, Italien, in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Polen, der Slowakei, auf der Balkanhalbinsel, in Bulgarien und Rumänien. In Österreich ist die Pflanze zerstreut bis selten in der Steiermark, Oberkärnten, Salzburg, Tirol und Vorarlberg anzutreffen. In den Allgäuer Alpen steigt sie am Linkerskopf in Bayern bis zu 2400 m Meereshöhe auf. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 5 (sehr hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 1 (alpin und nival), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Systematik Artemisia umbelliformis wurde 1783 von Jean-Baptiste de Lamarck in Encyclopédie Méthodique: Botanique. Band 1, Seite 262, erstbeschrieben. Synonyme sind Artemisia gabriellae , Artemisia laxa und Artemisia mutellina non 1774.

Man kann folgende Unterarten unterscheiden: Artemisia umbelliformis subsp. umbelliformis: Sie kommt in Spanien, Frankreich, Italien, in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich vor. Artemisia umbelliformis subsp. eriantha (Syn.: Artemisia eriantha ): Sie kommt in Spanien, Frankreich, Italien, auf der Balkanhalbinsel, in Polen, der Slowakei und in Rumänien vor.

Trivialnamen Im deutschsprachigen Raum werden oder wurden für diese Pflanzenart, zum Teil nur regional, auch die Trivialnamen Edelrauten (Kärnten, Augsburg), Genippkraut (Schweiz), Schneppi und Wildnisskraut (Kärnten) verwendet.Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 44, online.

Besonderheiten, Gefährdung und Schutzmaßnahmen Die Echte Edelraute ist als Schmuck- und Heilkraut begehrt, dadurch selten und teils ausgerottet geworden. Die Bergbauern verwendeten sie als Hausmittel (Volksarzneipflanze) gegen Fieber, Lungen- und Rippenfellentzündung, als magenstärkendes Mittel und zum Würzen von Likör. Zum Schutz der Art wird diese in Kultur gezogen, um die Wildbestände zu schonen.

Literatur Xaver Finkenzeller: Alpenblumen. München 2003, ISBN 3-576-11482-3.

Einzelnachweise

Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 944. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 611.

Weblinks

Thomas Meyer: Edelraute Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben) Abbildungen

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