mini|Bauhaus Tischleuchte KAISER idell Mod. 6551, Christian Dell, 1930er Jahre
Christian Dell (* 24. Februar 1893 in Offenbach am Main; † 18. Juli 1974 in Wiesbaden) war Silberschmied, Lehrer für Industriedesign und Meister am Weimarer Bauhaus.
Leben 1907 bis 1911 absolvierte Dell die Silberschmiedelehre bei J. D. Schleißner in Hanau, daneben besuchte er die staatliche Zeichenakademie Hanau. 1912/13 studierte er an der Großherzoglich Sächsischen Kunstgewerbeschule Weimar bei Henry van de Velde. 1918 bis 1920 wurde Dell zum Militärdienst herangezogen. Von 1922 bis 1925 war er Werkmeister der Metallwerkstatt am Bauhaus in Weimar. Dort arbeitete er u. a. mit Marianne Brandt zusammen bei der Gestaltung von Leuchten für die industrielle Produktion.
1926 übernahm Dell die Leitung der Metallwerkstatt der Frankfurter Kunstschule (Städelschule). 1933 erfolgte die Entlassung auf Druck der Nationalsozialisten. Walter Gropius bot ihm mehrmals an, in die USA zu gehen. Dell ging ins innere Exil und blieb in Deutschland. Später kehrte er zu seinen Anfängen zurück, fertigte Silberwaren und eröffnete 1948 in Wiesbaden ein Juweliergeschäft, das er bis 1955 betrieb. Danach zog er sich bis zu seinem Tode 1974 völlig ins Privatleben zurück.
Ab 1926 entwarf Dell seine ersten Leuchten die in Serie gefertigt wurden unter dem Handelsnamen "Rondella". Gefertigt wurden die Leuchten zunächst von der Vogel & Co. GmbH in Niederursel. Richard Franke, ein Kaufmann aus Frankfurt übernahm in der Anfangszeit den Vertrieb. Ende 1928 wurde die Rondella Beleuchtungskörperfabrik GmbH gegründet, zunächst mit Sitz in Oberursel, dieser wurde aber bereits im Juli 1929 nach Frankfurt verlegt. Anfang 1929 folgte Dells zweiter Leuchtenentwurf unter dem Namen "Rondella Polo", die ebenfalls von der Rondella Beleuchtungskörperfabrik GmbH hergestellt wurde.Frankfurter Register No. 1, Beilage in „Das Neue Frankfurt“, Frankfurt, Heft 1, 1928
Firmenkartei der IHK Frankfurt, Hessisches Wirtschaftsarchiv, Darmstadt
Dells dritte Leuchtenserie wurde unter der Bezeichnung "Dell-Type·K" von Chr. Zimmermann GmbH in Frankfurt ab 1929 gefertigt und vertrieben. Die Lizenzvereinbarung über Herstellung und Vertrieb wurde am 18. April 1929 geschlossen.Frankfurter Register Nr. 8, Beilage zu „Das Neue Frankfurt“ 1929, Heft 7/8
Dt. Reichsanzeiger 14.3.31, S. 17, Umwandlung der Firma Chr. Zimmermann in eine GmbH.
Für die Kontakt AG in Frankfurt entwickelte Dell eine Gelenkleuchte aus Isolierstoff. Die Kontakt AG wurde Anfang der 1920er Jahre gegründet und stellte zunächst Schalter und Einrichtungen für die Elektroinstallation in Kooperation mit der Heinrich Römmler AG in Spremberg her. Römmler hatte den Isolierpressstoff "Hares" entwickelt, bei dem es sich, wie beim heute bekannteren "Bakelit" um einen duroplastischen Kunststoff auf Phenolharz-Basis handelt. Erste Leuchten wurden von der Kontakt AG 1929 angeboten. 1930 folgte die Vorstellung der ersten Isolierstoff-Gelenkleuchte, deren Entwurf von Christian Dell stammen soll. In der Literatur wird diese Gelenkleuchte oft unter dem Namen Sigma geführt, eine Bezeichnung die in den Unterlagen des Herstellers jedoch nie Verwendung fand. Die Isolierstoff-Gelenkleuchte fand große Verbreitung und wurde in leicht veränderten Ausführung auch in der UdSSR produziert. Über Lizenzvereinbarungen ist nichts überliefert.Patentschrift Nr. 575493, Klasse 21f, Gruppe 58, ausgegeben am 11. Mai 1933, depatisnet.dpma.de
Am bekanntesten sind heute die Modelle für Gebr. Kaiser & Co. in Neheim-Hüsten (berühmt unter dem Namen „Kaiser-Idell“), die er um 1933/34 entwarf und die in großen Stückzahlen auch in der Nachkriegszeit noch produziert wurden.
Meldungen über eine Entwurfstätigkeit Dells für die Firmen Koranda in Wien und Molitor (Otto Müller AG in Leipzig) werden in der Literatur und im Netz immer wieder genannt. Nach heutigem Forschungsstand bestand jedoch keine Verbindung zwischen Dell und diesen Firmen. Es existieren keinerlei Belege für eine Zusammenarbeit mit Koranda und Molitor.
Leuchten
Literatur Bauhaus-Archiv, Klaus Weber: Die Metallwerkstatt am Bauhaus. Ausstellung im Bauhaus-Archiv, Museum für Gestaltung, Berlin, 9. Februar – 20. April 1992. Kupfergraben, Berlin 1992, ISBN 3-89181-405-4. Peter M. Kleine, Klaus Struve (Hrsg.): „Idee Christian Dell“. Einfache, zweckmäßige Arbeitsleuchten aus Neheim. Katalog zur Ausstellung in der Sparkasse Arnsberg-Sundern. Verein zur Förderung des Museums für Licht und Beleuchtung, Arnsberg 1996, ISBN 3-928394-13-4. Beate Alice Hofmann: Christian Dell. Silberschmied und Leuchtengestalter im 20. Jahrhundert. Katalog zur Ausstellung im Museum Hanau, Hanau 1996, ISBN 3-926011-32-7. Marion Godau, Bernd Polster: Design-Lexikon Deutschland. DuMont, Köln 2000, ISBN 3-8321-4429-3. Günter Lattermann: Bauhaus ohne Kunststoffe? – Kunststoffe ohne Bauhaus? In: form+zweck. 20, 2003, 35. Jahrgang, S. 110–127, ISBN 3-935053-03-7. Günter Lattermann: Christian Dell und die Römmler AG in Spremberg. In: Ulrike Kremeier und Ulrich Röthke (Hrsg.): Das Bauhaus in Brandenburg: Industriedesign und Handwerk im Zeichen der Moderne. Brandenburgische Kulturstiftung Cottbus 2019, ISBN 978-3-942798-11-2, S. 72–93. Sabine Philipp (Hrsg.): Christian Dell. arnoldsche, Stuttgart 2026, ISBN 978-3-89790-758-4
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Lehrer am Bauhaus Kategorie:Silberschmied Kategorie:Industriedesigner Kategorie:Person (Neues Frankfurt) Kategorie:Person (Offenbach am Main) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1893 Kategorie:Gestorben 1974 Kategorie:Mann