mini|Die Waldshuter Kaiserstraße mit Blick auf das Obere Tor. Am linken Bildrand ist das Rathaus zu sehen mini|Blick vom Vitibuck auf Tiengen mit dem Schloss Tiengen und der katholischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Waldshut-Tiengen (, ) ist eine Doppelstadt im Südwesten Baden-Württembergs unmittelbar an der Schweizer Grenze. Sie ist Kreisstadt und zugleich die größte Stadt des Landkreises Waldshut und ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden.
Geografie mini|Das Rheinufer bei Waldshut mini|Blick ins Tal vom Eschbacher Wasserschloss aus mit dem Kernkraftwerk Leibstadt (Schweiz) im Hintergrund. mini|Klimadiagramm Waldshut-Tiengen Lage Waldshut-Tiengen liegt am Hochrhein, der in diesem Abschnitt durch das Kraftwerk Albbruck-Dogern deutlich aufgestaut ist. Seine nördlichen Ortsteile ragen in den südlichen Schwarzwald hinein. Die Waldshuter Kernstadt liegt etwa zwei Kilometer nordwestlich der Einmündung der Aare in den Rhein, an der Grenze zum Schweizer Kanton Aargau. Die Aare ist der wasserreichste Zufluss des Rheins auf seiner gesamten Strecke.
Tiengen liegt nahe der Einmündung der Wutach in den Rhein am Übergang in den Klettgau. Neben der Wutach sind noch die Flüsse Steina und Schlücht zu nennen, die im Stadtgebiet in die Wutach münden. Daher wurde Tiengen früher auch als „Viertälerstadt“ bezeichnet.
Waldshut-Tiengen ist Teil des Naturparks Südschwarzwald. Waldshut und Tiengen liegen in naturbedingten Englagen. Eine beliebige Stadterweiterung und Neubebauung stößt daher auf natürliche Grenzen, so begann man mit dem Neubau von Stadtteilen in Waldshut auf dem Aarberg und in Tiengen auf dem Vitibuck.
Topografie und Geologie Die Landschaft (Südwestdeutsches Stufenland) grenzt mit dem Rhein (Grundwasserrinne) an das Schweizer Mittelland und ist durch die Gletscher und Schmelzwässer der Eiszeit geprägt worden (Urdonau), während das Gebiet des Schwarzwalds (Hotzenwald) ein Grundgebirge des Kambrium ist. Teils treten auch die Schichten des Trias (Muschelkalk, ehemaliger Gipsabbau bei Tiengen) zu Tage. Es fand auch eine erfolgreiche Geothermiebohrung Waldshut-Tiengen zur Ergründung von Thermalwasser statt.
Bis zum Ende der Riß-Kaltzeit vor rund 200.000 Jahren floss der Ur-Rhein von Schaffhausen westlich durch den Klettgau (Klettgaumulde). Das frühere Flussbett wurde mit Alpenschotter mit seltenen Erratischen oder Juranagelfluhblöcken und Alpenkies (Molasse) aufgefüllt. Ein weiteres Relikt davon ist die „Klettgaurinne“, ein großes Grundwasservorkommen, ein Grundwasserleiter ähnlich dem des Oberrhein-Aquifer, aus dem unter anderem die Kommunen Klettgau, Wutöschingen, Lauchringen und Waldshut-Tiengen ihr Trinkwasser beziehen.
Die Schichten des Waldshuter Mühlsandsteins liegen unmittelbar auf einer eisenführenden Gneisschicht des Grundgebirges auf. Dieses Grundgebirge wird von einem Deckgebirge des Buntsandstein überlagert. Die Schichten des Deckgebirges setzen sich aus dem oben liegenden roten Tonstein der Röt-Formation, darunter liegendem tonigen, roten und violetten Sandstein mit Karneol – einer gebänderten Varietät des Chalcedons – und unten liegendem groben Mühlsandstein zusammen. auf salpeter.net. Abgerufen am 2. Juni 2014. Der Hochrhein liegt in Zone 2 der aktiven Erdbeben Deutschlands. mini|Die Erdbebenzonen am Hochrhein
Klima Der Jahresniederschlag liegt bei 1155 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD
mini|hochkant=1.5|Blick von Full-Reuenthal (über den Rhein) auf Waldshut und das Schmitzinger Tal
Nachbarstädte und -gemeinden Die folgenden Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Waldshut-Tiengen (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen): Dogern, Albbruck, Dachsberg, St. Blasien, Weilheim, Ühlingen-Birkendorf, Wutöschingen, Lauchringen und Küssaberg (alle Landkreis Waldshut) sowie jenseits des Rheins Koblenz, Leuggern und Full-Reuenthal (alle Kanton Aargau/Schweiz).
Stadtgliederung Das Stadtgebiet von Waldshut-Tiengen besteht aus den beiden Kernstädten Waldshut und Tiengen/Hochrhein und den im Rahmen der Gemeindereform in diese beiden ehemaligen Städte eingegliederten bzw. mit diesen beiden Städten zusammengeschlossenen ehemaligen neun Gemeinden Aichen (mit Gutenburg), Breitenfeld, Detzeln, Eschbach, Gurtweil, Indlekofen, Krenkingen, Oberalpfen und Waldkirch (mit Gaiß und Schmitzingen).
Zu Waldshut-Tiengen zählen der Stadtteil Homburg und der Hasenhof bei Breitenfeld (der Weiler Ettikon mit dem nahen Lauffen gehört zum Ortsteil Kadelburg der Gemeinde Küssaberg). Für alle neun ehemals selbständigen Gemeinden wie auch für den zur Gemeinde Waldkirch gehörenden Ortsteil Schmitzingen wurden Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung eingerichtet; das heißt, sie haben jeweils einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat, mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzendem.
Die Namen der Ortschaften sind identisch mit den Namen der früheren Gemeinden bis auf Aichen-Gutenburg (für das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Aichen), Gaiß-Waldkirch (für die beiden Wohnbezirke der ehemaligen Gemeinde Waldkirch) und Schmitzingen (ehemals zur Gemeinde Waldkirch gehörend). Die Zahl der Ortschaftsräte beträgt in allen Ortschaften sechs, in Gurtweil jedoch zehn.
Raumplanung Waldshut-Tiengen bildet ein Mittelzentrum im Bereich des Oberzentrums Lörrach/Weil am Rhein, zu dessen Mittelbereich die meisten Städte und Gemeinden des Landkreises Waldshut (mit Ausnahme von sieben Gemeinden im Raum Bad Säckingen) gehören. Darüber hinaus gibt es grenzüberschreitende Verflechtungen mit den Kantonen Aargau, Schaffhausen und Zürich in der Schweiz.
Geschichte von Waldshut mini|Das sogenannte„Waldshuter Männle“, welches nach 1468 durch ein Ehrenwappen mit dem Habsburger Löwen ergänzt wurde mini|Waldshut um 1580 mini|Hans Thoma: Waldshut 1870 mini|Kaiserstraße mit dem Oberen Tor in den 1950er Jahren
Gründung der Stadt Die erste mittelbare Erwähnung des Ortes Waldshut fand sich in einer 1256 im Kloster St. Blasien ausgestellten Schlichtungsurkunde, in der ein Arnoldo scultheto in Waldishuote aufgeführt wurde.Johann Wilhelm Braun (Bearb.): Urkundenbuch des Klosters Sankt Blasien im Schwarzwald. Von den Anfängen bis zum Jahre 1299. Teil I, 2003, S. 479 ff. Nr. 374. Der Freiburger Historiker Eugen Hillenbrand vermutet eine Gründung im Kontext der Politik der Grafen von Habsburg nahe der Mitte des 13. Jahrhunderts.Eugen Hillenbrand: Die Gründung der Stadt Waldshut in: Waldshut, die habsburgische und vorderösterreichische Stadt. Hrsg. von der Stadt Waldshut-Tiengen, Kunstverlag Josef Fink, 2009, S. 28 ff. Das erste Siegel der Stadt von 1277 mit der Umschrift Sigillum civium in Waldishut zeigte einen Waldhüter, das sogenannte »Waldshuter Männle«, welches nach 1468 durch ein Ehrenwappen mit dem Habsburger Löwen ergänzt wurde.Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Kreises Waldshut. S. 163.
An den Osterfeiertagen 1298 rüstete Herzog Albrecht über zwei Wochen sein Heer vor der Entscheidungsschlacht mit Adolf von Nassau in der Stadt. Der gesamte Proviant des Heeres wurde im erstmals erwähnten Waldshuter Rheinhafen auf 30 große Schiffe verladen.Eduard Maria Lichnowsky: Geschichte des Hauses Habsburg, Schaumburg und Compagnie. Wien 1837, Band 2, S. 124. 1349 wurde ein Pestpogrom an der jüdischen Gemeinde der Stadt verübt.Nürnberger Memorbuch, Eintrag für 1349. Die Waldshuter Rheinbrücke fiel 1375 einem Teil der in den Aargau ziehenden Gugler zum Opfer.Die Stadt am Fluss, Südwestdeutscher Arbeitskreis für Stadtgeschichtsforschung, Thorbecke, 1978, S. 70f. – Das Kloster Königsfelden erhielt als Kompensation für die durch die Gugler verursachten Schäden unter anderem den Kirchensatz von Nieder-Waldshut.Louis Carlen: Forschungen zur Rechtsarchäologie und rechtlichen Volkskunde. Band 17, Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde. Rechtliche Abteilung, Schulthess, Polygraphischer Verlag, 1997, S. 182.
Die Stadt erhielt 1380 von König Wenzel das Privileg eines besonders weitgefassten Asylrechts. Unter den zahlreichen bis 1496 erhaltenen und immer wieder bestätigten Privilegien der Stadt gab es zuvor schon 1358, 1361 und 1363 Privilegien zum Asylrecht.Maria Veronika Miltenberger: Zwischen Treue und Selbstfindung. In: Waldshut, die habsburgische und vorderösterreichische Stadt. Hrsg. von der Stadt Waldshut-Tiengen, Kunstverlag Josef Fink, 2009, S. 52. In der Schlacht von Sempach fiel 1386 der Waldvogt Rudolf von Schönau mit weiteren Angehörigen des Waldshuter Adels und Knechten aus der Stadt.
1388 beteiligte sich ein Waldshuter Kontingent, das die Schlacht bei Näfels verpasst hatte, an der Verteidigung von Rapperswil.Die Berner erobern Nydau im Jahr 1388, Jenni 1828, S. 14. Im Jahre 1411 verließen die letzten Bürger der einst bedeutenden jüdischen Gemeinde im Vorfeld der Wiener Gesera die Stadt. Die Stadt Waldshut verlor 1415 ihre südlichen Verwaltungsbezirke aufgrund der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen. Die Waldshuter Münzprägungen wurden in Zürich verrufen.Runge, Heinrich: Eine Kalendertafel aus den fünfzehnten Jahrhundert. In: Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Meyer und Zeller, Zürich 1857, Band XII, S. 98. Hussitisch gesinnte Bürger der Stadt wurden verfolgt und verbrannt.Vierordt, Carl Friedrich: Geschichte der Reformation im Großherzogthum Baden. Nach großentheils handschriftlichen Quellen bearbeitet. Braun, Karlsruhe 1847, S. 60. Schäden entstanden 1444 durch eine sechswöchige Einquartierung der Armagnaken, zu deren Kompensation die Stadt im Jahr darauf das Privileg des nunmehr zweimal jährlich stattfindenden Marktes erhielt.
Im Waldshuterkrieg wurde die Stadt 1468 sechs Wochen lang von den Eidgenossen beschossen und belagert. An dieses Ereignis erinnert das jährlich begangene Stadtfest, die Waldshuter Chilbi. 1469 wurden die Waldstädte (Waldshut, Laufenburg, Säckingen und Rheinfelden), die habsburgischen Besitzungen im südlichen Elsass sowie die Stadt Breisach pfandweise an das Herzogtum Burgund abgetreten. Fünf Jahre später stieg der Hauptmann von Waldshut Wilhelm Herter von Hertneck in den Burgunderkriegen zum politischen und militärischen Führer der Niederen Vereinigung auf. Ein großer Stadtbrand vernichtete 1492 auf etwa 40 % der Stadtfläche 182 Häuser. Provokationen der in Waldshut stationierten Landsknechte trugen 1499 zum Ausbruch des Schwabenkrieges bei.
Reformation, Dreißigjähriger Krieg und frühe Neuzeit Die Wiedertäufer Die Stadtbewohner schlossen sich 1524 mehrheitlich der Reformation an. 1525 setzte sich unter dem Pfarrer der Oberen Kirche, Balthasar Hubmaier, die täuferisch gesinnte Richtung durch; mit unterschiedlichen Verbündeten scheiterte sie mit ihrem Vorhaben, ihren Weg gegen die Provinzregierung in Ensisheim durchzusetzen. Die Stadt verlor auf lange Zeit wichtige Privilegien. Die täuferischen und die reformierten Bürger wurden enteignet und aus der Stadt gewiesen. Erzherzog Ferdinand von Österreich, in Waldshut vertreten durch Veit Suter und Marx Sittich von Ems, verbündete sich 1529 mit den eidgenössischen katholischen Orten im Waldshuter Vertrag gegen die reformierten eidgenössischen Kantone.