rechts| („japanische Grammatik“) Die Grammatik der japanischen Sprache hat folgende charakteristische Eigenschaften: Es ist eine agglutinierende Sprache, Affixe werden in Hiragana separat geschrieben und als Partikeln bezeichnet. Die Satzstellung ist SOP (Subjekt – Objekt – Prädikat); das Prädikat steht am Ende des Satzes bzw. Nebensatzes. Die Funktion aller anderen Glieder im Satz wird durch Partikeln markiert. Thema und Subjekt sind gleichwertig und werden durch unterschiedliche Partikeln markiert, ein Satz kann sowohl Thema als auch Subjekt enthalten. Die Wortstellung ist linksverzweigend, das heißt, beschreibende Elemente werden meist vor das gesetzt, was sie bestimmen. Die Sprache besitzt ein komplexes System der Höflichkeitsebenen. Sie tendiert zu indirekten Formulierungen und Ellipsen (Auslassung von Satzteilen).

Von den modernen Sprachen ist die Grammatik der koreanischen Sprache am ähnlichsten, obwohl sich beide Sprachen vom Wortschatz stark unterscheiden. Daher sind sich die Sprachwissenschaftler uneinig, ob beide Sprachen in eine Familie einzuordnen sind oder nicht.

Die japanische Sprache wird als SOP-Sprache klassifiziert, allerdings ist diese Einteilung nicht völlig zutreffend. Das Prädikat steht zwar immer an letzter Stelle, allerdings hat nicht jeder japanische Satz ein Subjekt. Oft wird durch das Thema ausgedrückt, wo in einem deutschen Satz ein Subjekt stände und die Subjektpartikel ga markiert in manchen Konstruktionen ein Objekt. Da Thema, Subjekt und Objekt durch Partikeln eindeutig markiert sind, kann außerdem deren Reihenfolge verändert werden.

Beispielsätze in diesem Artikel sind meist in der Grundform, also im informellen Stil gehalten.

Textbestandteile Satzbau Texte ( bunshō) bestehen aus Sätzen ( bun), die wiederum in Satzglieder ( bunsetsu) unterteilt werden. Im Schriftbild verwendet das Japanische, ähnlich wie Chinesisch und früher Koreanisch, keine Leerzeichen. Stattdessen wird eine Abgrenzung durch den Wechsel zwischen sinntragenden Wörtern in chinesischen Schriftzeichen und Katakana auf der einen und angehängten grammatischen Elementen in Hiragana auf der anderen Seite erzeugt. Sind die sinntragenden Elemente ebenfalls in Hiragana gehalten, muss der Leser die zugrunde liegenden grammatischen Strukturen erkennen und danach den Satz unterteilen.

In den folgenden Beispielen sind die Satzglieder durch senkrechte Striche voneinander getrennt. Text in Kapitälchen gibt dabei die grammatische Funktion der jeweiligen Partikeln an:

taiyō ga | higashi no | sora ni | noboru Sonne Subjekt | Osten Possessiv | Himmel Lokativ | aufgehen. Prädikat Die Sonne geht im Himmel des Ostens auf.

Bei der Transkription in lateinische Schrift gibt es mehrere Möglichkeiten, Satzbestandteile abzugrenzen. Die erste ist, Leerzeichen nur zwischen Satzgliedern zu setzen. taiyōga higashino sorani noboru.

Die zweite ist, sinntragende und grammatische Bestandteile durch Bindestriche zu trennen: taiyō-ga higashi-no sora-ni noboru.

Die übliche Vorgehensweise ist jedoch, sinntragende Bestandteile und Partikeln als einzelne Wörter ( tango) aufzufassen und wie oben durch Leerzeichen zu trennen. taiyō ga higashi no sora ni noboru. Lediglich Hilfsverben, die so weit abgeschliffen sind, dass sie nicht mehr als solche zu erkennen sind, wie die Endung des perfekten Aspekts - -ta, werden nicht als eigenständige Wörter betrachtet und daher nicht vom Verb getrennt.

Das Prädikat Das Prädikat steht im japanischen Satz immer am Satzende. Als Prädikat können vier unterschiedliche Wortarten verwendet werden: Verben und i-Adjektive können alleine das Prädikat bilden, Substantive und na-Adjektive benötigen dazu eine Kopula (zur Erklärung der Wortarten siehe unten):

Prädikat Beispiel alleinstehendes Verb Chichi wa hon o kau. („Der Vater kauft ein Buch.“) alleinstehendes i-Adjektiv Hon wa takai. („Das Buch ist teuer.“) Substantiv + Kopula da Haha wa sensei da. („Die Mutter ist Lehrerin.“) na-Adjektiv + Kopula da Gakusei wa shinsetsu da. („Der Schüler ist freundlich.“)

Da das Japanische eine agglutinierende Sprache ist, werden Tempus (Zeit), Aspekt, Modus, Diathese (Aktiv/Passiv) und Negation (Verneinung) überwiegend durch Anhängen von Suffixen und Hilfsverben an das Prädikat gebildet. Durch andere Satzbestandteile wird das Verb dagegen nicht verändert, im Gegensatz zu flektierenden Sprachen („gehen“ – „ich gehe“).

Agglutinierende Sprachen sind durch ihren systematischen Aufbau sehr regelmäßig, im Gegensatz zu flektierenden Sprachen, die oft eine Vielzahl von unregelmäßigen Verben aufweisen. Die einzigen unregelmäßigen Verben im Japanischen sind suru (tun) und kuru (kommen).

Konjunktionen und Nebensätze Ein Nebensatz kann über zwei Arten in einen japanischen Satz eingefügt werden. Bei der ersten Methode wird an das Prädikat des Nebensatzes eine Konjunktion angehängt.

kyō wa | samui kara | tebukuro o hameru. heute | kalt weil | Handschuhe anziehen. (wörtlich übersetzt) Heute ziehe ich, weil es kalt ist, Handschuhe an.

Hauptunterschied zwischen Satz und Nebensatz ist, dass ein Thema nicht im Nebensatz gesetzt werden kann, also kein darin vorkommen kann. Das kyō wa aus dem obigen Satz gehört daher nicht zum Nebensatz, sondern zum Hauptsatz.

haha ga | tsukuru ryōri wa | sekai de | ichiban da. Mutter Subjekt | gemachtes Essen Thema | Welt auf | Nummer Eins. (wörtlich übersetzt) Das Essen, das meine Mutter kocht, ist das beste der Welt.

Wortarten Im Japanischen werden die folgenden Wortarten unterschieden.

(jiritsugo)selbst. Vollwörter(katsuyōgo)flektierbare Wörter (dōshi) Verba (keiyōshi)Qualitativa, „i-Adjektive“ (keiyōdōshi) verbale Qualitativa, „na-Adjektive“(hikatsuyōgo)unflektierbare Wörter (meishi) Nomina (daimeishi) Pronomina (sūshi) Numeralia (fukushi) Adverbia (rentaishi) Attributiva (setsuzokushi) Konjunktionen (kandōshi) Interjektionen(fuzokugo)abhängige Hilfswörter flektierbare Wörter (jodōshi) Verbalsuffixe unflektierbare Wörter (joshi) Postpositionen

Verba und Qualitativa (i- und na-Adjektive) werden gemeinsam auch als yōgen () bezeichnet, Nomina, Demonstrativa und Numeralia gemeinsam auch als taigen (). In manchen Darstellungen werden unter dem Begriff taigen sogar alle unflektierbaren selbständigen Vollwörter zusammengefasst. Die Terminologie ist nicht völlig festgesetzt: Sowohl zwischen deutschen Lehrbüchern als auch zwischen japanischen gibt es leichte Unterschiede. Die oben angegebene Klassifikation findet sich in Hashimoto Shinkichi: kokugohōyōsetsu (dt. Grundriss der [jap.] Landessprache), 1934.

Unveränderliche Im Japanischen sind alle Wortarten außer Verben und Adjektiven unveränderlich. Möglich ist aber das Anhängen von z. B. Partikeln oder Präfixen, um grammatische Funktionen auszudrücken; mehr hierzu siehe unten.

Nomen Das japanische Nomen wird nicht, wie etwa im Deutschen, dekliniert. Genus und Numerus werden nicht markiert, der Kasus wird ausschließlich durch Anhängen von Kasuspartikeln ausgedrückt. Einen Artikel gibt es in der japanischen Sprache nicht.

Zum Ausdruck des Honorativs (höfliche Form) können einem Nomen Honorativpräfixe vorangestellt werden.

Pronomina

Anders als beispielsweise in den europäischen Sprachen gibt es im Japanischen keine grammatischen Pronomen. Allerdings gibt es Substantive, die ausschließlich oder überwiegend anstelle der fehlenden Pronomen treten. Hierbei ist aber zu beachten, dass es sich beim Japanischen um eine sogenannte Pro-Drop-Sprache handelt. Das bedeutet, dass Pronomen nur dann verwendet werden, wenn die Aussage ansonsten nicht aus dem Kontext ersichtlich wäre.

Plural Das Japanische kennt keine Pluralmarkierung in unserem Sinne und unterscheidet somit auch nicht zwischen zählbaren und nicht zählbaren Substantiven. hito kann sowohl einen einzelnen Menschen, eine beliebige Anzahl Menschen oder den Menschen im Allgemeinen bedeuten; eine genauere Unterscheidung ist hier nur durch eine zusätzliche Beschreibung oder den Kontext zu erschließen. Wenn es notwendig ist, die Menge näher zu bestimmen, muss dies durch zusätzliche Bestimmungen im Satz geschehen, zum Beispiel takusan (沢山) = „viele“.

Eine kleine Anzahl von Nomen besitzt Kollektivformen, in dem das Wort verdoppelt wird. (hitobito) lässt sich recht passend als „Menschenmenge“ wiedergeben, yamayama macht aus „Berg“ ein „Gebirge“. Im Gegensatz zum deutschen Plural, der schon bei der Anzahl zwei einsetzt, bezeichnen diese Formen eine unbestimmte, zusammenhängende größere Menge.

Weiterhin gibt es insgesamt vier Suffixe, mit denen sich der Plural bei Menschen ausdrücken lässt: -tachi (höflicher: -gata, informell: -ra, pejorativ: -domo)

EinzahlMehrzahlkodomo = Kindkodomo-tachi = (die) Kindersensei = Lehrersensei-gata = (die) Lehrerkare = erkare-ra = sie (Mz. Männl.)oni = Dämononi-domo = die Dämonen

Partikeln siehe auch: Partikel (japanisch)

Um die Funktion von Nomen im Satz zu kennzeichnen, werden ihnen Partikeln nachgestellt.

Aufzählungspartikeln Die wichtigsten Aufzählungspartikeln sind to für eine vollständige Aufzählung, ya für eine unvollständige Aufzählung und ka mit der Bedeutung „oder“. Ebenfalls zu dieser Kategorie gehört nado, das an das letzte Glied einer unvollständigen Aufzählung angehängt die Bedeutung „beispielsweise“ oder „und so weiter“ trägt.

Kasuspartikeln und Postpositionen Die Kasuspartikeln und Postpositionen übernehmen die Aufgaben der Fälle und Präpositionen in europäischen Sprachen. Sie folgen direkt dem Nomen. wa (Schriftzeichen steht sonst für die Silbe ha)Satzthema; bereits bekanntes Subjekt gaSubjekt im NebensatzSubjekt, das zuvor noch nicht erwähnt wurde noPossessiv (Genitiv)Subjekt eines Attributivsatzes (alternativ zu ga) niAngabe des EmpfängersAngabe des Agens im Passiv und Verben des Erhaltens (Von wem?)Angabe des Bewegungsziels (Wohin?) (Teilweise alternativ zu e)Ortsangabe (Wo?) (bei einigen Verben)Angabe eines ZeitpunktesAdverbialisierung o (Schriftzeichen steht sonst für die Silbe wo)Akkusativobjekt deOrtsangabe (Wo?) (bei den meisten Verben)Instrumental (Womit?)Angabe des Grundes (Weswegen?) toKomitativ (Mit wem?) e (Schriftzeichen steht sonst für die Silbe he)Angabe der Bewegungsrichtung (Wohin?) karaAngabe des Startpunktes (Ab wann/wo?) madeAngabe des Zielpunktes (Bis wann/wohin?) yoriAngabe des Vergleichspartners

Modalpartikeln Die Modalpartikeln folgen den Kasuspartikeln/Postpositionen. Die Kasuspartikeln wa und o entfallen oft, ga eher selten.

wa kennzeichnet das Thema oder dient der Kontrastierung.

mo bedeutet „auch“.

Veränderliche Flexion und Konjugation Im Japanischen werden vier Wortarten flektiert: Verben, Hilfsverben, i-Adjektive und na-Adjektive. Bei der Flexion bleibt der Stamm unverändert, nur die Endung verändert sich. Die gebildete grammatische Form wird dann durch das Hilfsverb, die Kopula oder die Partikel bestimmt, die an das konjugierte Verb angehängt wird. Numerus, Genus oder Person werden im Japanischen nicht markiert.

Das klassische Japanisch kennt sechs Konjugationsstufen. Beim Wechsel zum modernen Japanisch sind zwei davon zusammengefallen (Shūshikei und Rentaikei), während sich durch Lautverschiebung zusätzliche Form (Shikōkei, z. B. yomou und Onbinkei, z. B. yonde) gebildet hat. Je nach Autor hat die japanische Grammatik deshalb sechs oder sieben Konjugationsstufen. Die unten verwendete Nummerierung entspricht der japanischen Schulgrammatik. Da es keine standardisierte deutsche Übersetzung der japanischen Begriffe gibt, sind sie hier unter dem japanischen Namen gelistet.

Mizenkei (), „Indefinitform“, unselbständige Verbanschlussform; dient dem Anschluss von Jodōshi, insbesondere der Verneinung -nai Shikōkei () „Intentionalform“, zum Anschluss des Jodōshi u. (Diese Form wird aus historischen Gründen manchmal unter der Mizenkei mit eingeordnet. Die Shikōkei wird manchmal auch Onbinkei genannt, was zur Verwechslung mit der Onbinkei der Ren'yōkei, z. B. yonde, führt.)