mini|hochkant=1.64|Gesamte Burganlage, Nord oben (Siehe Text) mini|Die Gegend auf einer Karte 1865Die Edo-jō (jap. , dt. „Burg Edo“) in Chiyoda, dem Zentrum Tokios, war die größte japanische Burg Japans und Sitz des Tokugawa-Shōgunats während der Edo-Zeit von 1603 bis 1867. Heute ist sie Teil des Kaiserpalast Tokio, der Sitz des Tennō.
Entstehung Die Burg war 1457 von dem Militärstrategen Ōta Dōkan im heutigen Tokio, dem damaligen Edo, angelegt worden, verfiel aber nach dessen Tode. Tokugawa Ieyasu, der sich von Toyotomi Hideyoshi 1590 die Provinzen um die Tokio-Bucht hatte übertragen lassen, entschloss sich, diese Burg zu erneuern. Die Sengoku-Zeit war zwar vorbei, trotzdem war es immer noch notwendig, sich und seine Familie zu sichern. Dafür muss Ieyasu die abgelegene, auf einer Bergnase über der Tokio-Bucht gelegene Burg gerade richtig erschienen sein. Für einen Ausbau des dazugehörigen Fischerdorfes zu einer Burgstadt (Jōkamachi) war die hügelige, wasserarme Gegend dabei weniger geeignet.
Die Burganlage Nachdem Ieyasu 1600 nach der Schlacht von Sekigahara die Macht im Lande übernommen hatte, wurde Japan von dieser Burg aus regiert, die nun weiter ausgebaut wurde. Die Burg (auf dem Plan rot umrandet) folgte dem Muster der Zeit und bestand aus dem zentralen Bereich – Honmaru () (im Plan orange umrandet) auf der Bergnase – und einer Reihe von Vorburgen. Burg und Vorburgen waren durch Gräben, Wälle und an wichtigen Punkten durch Wehrtürme (Yagura) und gesicherte Toranlagen (Mon) geschützt.
Vor der eigentlichen Burg erhielten die wichtigsten Gefolgsleute ihre Anwesen, die ebenfalls durch Gräben, Mauern und Tore geschützt waren. Im Plan sind dies 8, 9 und 10, die auf der entsprechenden Kiri-ezu als „Go-kuruwa-nai daimyō kōji“ () ausgewiesen sind.Das Gebiet 9 ist das Marunouchi-Viertel mit dem Hauptbahnhof Tokio bei der 9. Die Gesamtanlage, also Burg und Daimyō-Residenzen, wurde von einem Graben umschlossen, der ebenfalls nur durch gesicherte Tore zu passieren war, dem UchiboriEin weiterer Ringgraben ist der „Äußere Graben“ (), der den Innenbereich der Stadt umschließt. Das entspricht dem heutigen Chiyoda-Bezirk ohne Kanda. ().
Der Honmaru Der Honmaru wurde ganz von der ausgedehnten Hauptresidenz ausgefüllt. Diese brannte während des Meireki-Großbrandes 1657 ab, war aber schon 1659 wiederhergestellt. 1858 brannte die Residenz wieder vollständig ab, wurde aber zumindest teilweise wieder aufgebaut. Am Anfang der Meiji-Zeit wurde die Residenz zwar abgerissen, aber durch überlieferte Pläne ist der Aufbau überliefert. Sie war einstöckig angelegt und enthielt viele Innenhöfe. Die Burg hatte, wie bei Fürstenresidenzen üblich, einen vorderen Teil (1a) (), der die Audienzräume, eine Nō-Bühne und die Privatgemächer des Shōgun umfasste. In einem abgetrennten Teil dahinter (1b) befanden sich die Wohnräume der Frau, die der Konkubinen und der Dienstmädchen sowie die Küchenräume, Speicher etc. Dieser Bereich, gewöhnlich Oku („der hintere [Teil des Hauses]“), hieß hier wegen seiner Größe Ōoku (). Männern war ohne Erlaubnis der Zutritt strengstens verboten.
Die anderen Maru Das unterhalb des Honmaru liegende Ni-no-maru (; 2) enthielt eine kleine Residenz mit einer Nō-Bühne. Das schmale San-no-maru (; 3) bildete den äußersten Schutz der Burg. Im Nishi-no-maru (; 4) befand sich eine zweite große Residenz. Sie brannte 1838 und 1852 vollständig und 1862 teilweise ab. 1863 erfolgte ein provisorischer Wiederaufbau. Weiter befand sich im Nishi-no-maru auf der Momijiyama Anhöhe die umfangreiche Bibliothek des Shōguns. Auch Grabstätten der Familie befanden sich dort (5). Der Fukiage Bereich (; 6) bestand aus Grünanlagen und enthielt eine Reitbahn. Im Kita-no-maru (; 7) residierten nach 1700 die beiden Gosankyō-Familien Tayasu und Shimizu. Seit dieser Zeit gehörte dieser Bereich nicht mehr zur Burg.Die dritte Familie der Gosankyō, Hitotsubashi, erhielt ein Anwesen an der namensgebenden Brücke in der Nähe.
Der Tenshukaku Ursprünglich gehörte zur Residenz der übliche Tenshukaku (), der Hauptturm einer japanischen Burg. Er wurde 1606 an der höchsten Stelle des Honmaru, hinter dem Ōoku am Nordende (im Plan violettes Viereck) mit 5 Stockwerken auf einer steinernen Basis () von 36,5 m × 33 m errichtet. Es sind Pläne des (letzten) Tenshu überliefert, die ihn mit über 50 m Höhe ausweisen. Damit war er der höchste Tenshu in Japan. Er musste 1622 und 1637 repariert bzw. neuerrichtet werden, erhielt einmal weißen Verputz und beim zweiten Mal eine dunkle Holzverkleidung.
Nach der Zerstörung des Tenshu beim Meireki-Großbrand 1657 verzichtete man auf einen Wiederaufbau des aufwändigen Bauwerks, zumal das Tokugawa-Shōgunat nach der Vernichtung der Toyotomi 1615 nicht mehr in Frage gestellt wurde. Japanische historische Filme (Jidaigeki), wie etwa „Abarembo Shogun“, die in Edo spielen, zeigen die Burg oft mit einem Tenshu, der allerdings von der Burg Himeji stammt. Die Vereinigung „Edo-jō saiken o mezasu kai“ () hat es sich zum Ziel gemacht, zumindest den Tenshu der Burg wieder historisch getreu zu rekonstruieren.
Der Zwischenfall am Matsu no Ōrōka mini|Modell mit Blick über einen Innenhof auf den Matsu no Ōrōka und auf die Rückseite des Ōhiroma (links)Der Matsu no Ōrōka () war ein Verbindungskorridor im Honmaru zwischen dem Empfangsbereich, dem Shiroshoin (), und dem Audienzsaal Ōhiroma (). Sein Name leitet sich von den bemalten Shōji, Schiebetüren, mit Kiefernmotiven ab. Am 21. April 1701 zog Asano Naganori in diesem Korridor sein japanisches Kurzschwert, ein Wakizashi, und verletzte Kira Yoshinaka aus Ärger über dessen absichtlich falsche Beratung am Hofe. Dies führte zu den Ereignissen, die als die „Geschichte der 47 Rōnin“ bekannt wurden. Der Korridor selber existiert nicht mehr; an der vermuteten Stelle im Südwestlichen Teil des Honmaru steht heute ein Gedenkstein ().
Die Burg nach der Meiji-Restauration 1868 Als 1867 durch die Meiji-Restauration der letzte regierende Shōgun, Tokugawa Yoshinobu, seine Macht verlor, einigten sich der Vertreter der kaiserlichen Truppen Saigō Takamori und der Unterhändler des Shōgunats Katsu Kaishū auf eine friedliche Übergabe der Stadt und der Burg.Nicht alle Shogun-treuen Samurai waren damit einverstanden. So kam es zu Kämpfen um den Ueno-Hügel mit dem Kanei-ji. Die Burg wurde zunächst in Tōkei-jō () umbenannt, dann 1869, als sie Sitz der Kaiserhofes wurde, in Kōjō (). Die Hauptresidenz war schon am Ende der Edo-Zeit nicht mehr bewohnbar gewesen. So übernahm der Tennō die vorhandene Residenz im westlichen Teil der Burg, im Nishi-no-maru. Diese Residenz brannte jedoch am 5. Mai 1873 ab und der Tennō zog um in die nahe gelegene ehemalige Residenz des Kii-Zweiges der Tokugawa. Erst 15 Jahre später, 1888, konnte die neue Residenz () bezogen werden. Der östliche und nördliche Teil der ehemaligen Burganlage wird vielfältig genutzt und ist der Öffentlichkeit zugänglich. 1963 wurde die Burg zur Besonderen historischen Stätte (Tokubetsu shiseki) erklärt.
Erbe Viele Orte in Tokio haben ihren Namen von der Burg Edo. „Ōtemachi“ („Stadt vor dem Haupttor“), „Takebashi“ („Bambusbrücke“), „Uchibori-dōri“ („Straße am Inneren Graben“) und „Marunouchi“ („in der Umschließung“) sind Beispiele.
Bildergalerie
Literatur Oleg Benesch und Ran Zwigenberg: Japan’s Castles: Citadels of Modernity in War and Peace. Cambridge, 2019, ISBN 978-1-108-48194-6. Tokyo-to rekishi kyoiku kenkyukai (Hrsg.): Tokyo-to no rekishi sanpo (jo). Yamakawa, 2001, ISBN 4-634-29130-4. Murai Masao: Edo-jō. Chuko shinsho 45. Chuokoronsha, 1964, ISBN 4-12-100045-5.
Weblinks
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Burg in Japan Kategorie:Bauwerk in Chiyoda Kategorie:Besondere historische Stätte Kategorie:Erbaut in den 1450er Jahren Kategorie:Burg in Asien