mini|Kiki Kogelnik in den frühen 1960er-Jahren, New York Kiki Kogelnik (* 22. Jänner 1935 in Graz; † 1. Februar 1997 in Wien) war eine austro-amerikanische Künstlerin. Ihr Werk umfasst Malerei, Skulptur, Grafik, Keramik, Installation (Kunst) und eine Auseinandersetzung mit ungewöhnlichen Materialien, wie Schaumstoff, Vinyl, Bombenhülsen. Kogelnik wird als eine der wenigen aus Österreich stammenden Vertreterinnen und Vertreter der Pop Art bezeichnet, auch wenn sie sich selbst nicht als Pop-Art-Künstlerin betrachtete. Seit 1962 lebte und arbeitete sie in New York, verbrachte aber auch regelmäßig Zeit in Wien und Bleiburg.
Leben und Werk Kogelnik verbrachte ihre Kindheit und Jugend weitestgehend in Bleiburg.
1950er-Jahre Kogelnik begann ihre künstlerische Ausbildung 1954 in Wien an der Hochschule für Angewandte Kunst und wechselte im Jahr darauf an die Akademie der bildenden Künste Wiens. Bereits während der Jahre an der Akademie gehörte Kogelnik gemeinsam mit Arnulf Rainer, Wolfgang Hollegha, Josef Mikl, Markus Prachensky und Maria Lassnig zum Kreis der jungen Avantgarde um die Galerie St. Stephan (ab 1964 Galerie nächst St. Stephan) unter der Leitung von Msgr. Otto Mauer. Ihren offiziellen künstlerischen Start erlebte sie nach dem vierjährigen Studium an der Akademie. Der erste umfangreiche Abschnitt des Werkes von Kiki Kogelnik umfasst die abstrakten Bilder. Sie nahm an ersten Gruppenausstellungen der Galerie teil und präsentierte abstrakte Werke, die zum Teil von Serge Poliakoff der École de Paris beeinflusst waren. 1959 und 1960 verweilte Kogelnik immer wieder längere Zeit in Paris und befreundete sich mit dem amerikanischen Künstler Sam Francis, der sie zu ihrer Übersiedlung nach Amerika bewog. Die Phase ihrer abstrakten Bilder ist im Wesentlichen mit der Übersiedlung nach New York 1962 abgeschlossen.
1960er-Jahre mini|Kiki Kogelnik, Female Robot, 1964, Öl und Acryl auf Leinwand, 123 × 184 cm. Kiki Kogelnik Foundation Sechsundzwanzigjährig entschließt sich Kiki Kogelnik zu einem längeren Aufenthalt in den Vereinigten Staaten. Sie reiste erstmals im April 1961 für drei Wochen nach New York City und, nach einem weiteren Jahr in Europa, verbrachte sie 1962 die Sommermonate in Santa Monica, Kalifornien. Im Herbst 1962 zog sie endgültig nach New York City. In den New Yorker Ateliers stieß sie überall auf die Werke des abstrakten Expressionismus. Sie trennte sich von ihrer bisherigen Malweise. Die Pop-Art war gerade dabei, sich als Stil zu institutionalisieren, doch bei weitem nicht die beherrschende Auffassung. Dort wurde sie Teil einer eng befreundeten Künstlergruppe, der Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, Andy Warhol, Larry Rivers, Tom Wesselmann und andere angehörten. „Pop became a way of life“,Michael Lüthy, Das Konsumgut in der Kunstwelt. Shopping: Ausstellungskatalog, Schirn Kunsthalle, Frankfurt 2002 und durch ihre extravaganten Outfits und Kopfbedeckungen wurde Kogelnik selbst zum wandelnden Happening. Kogelniks Arbeit in dieser Zeit war stark von den Farben und Materialien der Pop Art beeinflusst, und sie produzierte zahlreiche bunte, euphorische Space-Art-Werke. Im Gegensatz zu den Pop-Art-Künstlern vermied sie die Verherrlichung des Kommerzes und die Darstellung alltäglicher Objekte, obwohl sie bekannterweise Plastik und das Künstliche als Thema bevorzugte. Zusammenfassend kann man sagen, dass sie nicht ganz die bunten, glamourösen Gemälden an der Werbeästhetik der internationalen Entwicklungen der 1960er-Jahre reflektierte.
In den frühen 1960er-Jahren begann Kogelnik lebensechte Schablonen ihrer Künstlerfreunde aus Packpapier auszuschneiden, um sie danach auf die Leinwand ihrer Gemälde zu übertragen. Diese Schablonen wurden in den 1970er-Jahren als die Hangings zu eigenständigen Kunstwerken aus Vinyl, die auf Warenhausständern präsentiert wurden. 1966 heiratete Kogelnik in London den Onkologen George Schwarz. Nach der Geburt ihres Sohnes Mono kehrte sie 1967 nach New York zurück. 1969 konzipierte Kogelnik ein Moonhappening in der Wiener Galerie nächst St. Stephan. Während der Liveübertragung der Mondlandung von Apollo 11 produzierte sie eine Serie von 500 mondthematischen Siebdrucken. Die Pop-Related Paintings haben Kiki Kogelnik ein knappes Jahrzehnt beschäftigt. Mit den „Hangings“ um 1970, ausgeschnittenen menschlichen Figuren, ist diese Periode abgeschlossen.
1970er-Jahre Hangings – Uniformität und Gesichtslosigkeit
Die um 1970 zuerst aufgetretenen „Hangings“ stellen den Abschluss von Kikis Periode der Pop-Related Works dar. Anderseits markieren sie auch das Ende der Euphorie: der Glaube an eine ausschließlich durch den Forscherdrang und Pioniergeist legitimierte Weltraumfahrt war durch das Aufdecken der handfesten militärischen Interessen an ihr erschüttert. Die Herstellungstechnik der „Hangings“ geht auf die Kultivierung eines Arbeitsschrittes bei der Vorbereitung der Gemälde zurück. Die lebensgroßen menschlichen Figuren entsprachen den Schablonen, die sie zur Übertragung der Gestalt in die Bildfläche angefertigt hatte. Anstelle des Packpapiers waren die nun aus dicker, bunter Vinylfolie. Kurz nach den dreidimensionalen Prototypen, 1971, kam es zur Rückübersetzung der „Hangings“ in das Medium Malerei, ohne dass die ikonografische Disposition dadurch verändert wurde.
Frauenbilder
Kiki Kogelnik bediente sich der Bildersprache der Gebrauchsgrafik und auch die Kostümierung ihrer Aktionsträger wirkte, als wäre sie alten Modejournalen entnommen. Ihre Körperhaltungen basierten auf gezielter Selbstinszenierung, auf der Wiederholung anerkannter Gesten, die, erst von Stars geprägt und dann von anonymen Mannequins verbreitet, in das allgemeine Gestenvokabular übergingen. Ihre Womenwerke befassten sich mit der Kritik der Rolle der Frau in der Werbung. Wie im Text von der Kunsthalle Krems berichtet wurde: “Auf die erste Welle des Feminismus antwortet Kogelnik in den 1970er-Jahren mit Frauenbildern, in denen sie weibliche Klischees auf ironische Weise demontiert und sexuelle Attribute und Schönheitsideale der Medienwelt paraphrasiert.” Feministische Themen mit Ironie, Humor und cooler Pop-Ästhetik anzugehen, war einzigartig in Kogelniks Arbeit zu dieser Zeit. 1974 begann sie gelegentlich mit Keramik zu arbeiten und benutzte die plastische Form als Erweiterung der Bildfläche.1978 produzierte sie den 16-mm-SW-Kurzfilm CBGB mit dem Schriftsteller und Punkmusiker Jim Carroll in einer Rolle.
1980er- bis 1990er-Jahre In den 1980er-Jahren fingen zerstückelte menschliche Körper, Alltagsgegenstände und Zeichen an, Kogelniks Bilder zu füllen. Im Werkzyklus „Expansions“ benutzte sie keramische Elemente, die zusammen mit der Leinwand als Gesamtwerke gezeigt wurden. In späteren Werken wurde der menschliche Körper immer mehr fragmentiert und manipuliert, bis in den 1990er-Jahren ein Großteil der Arbeiten sehr abstrahierte Gesichter zeigte. In dieser Zeit produzierte Kogelnik auch eine Serie von Glasskulpturen, Zeichnungen und Grafiken, in denen sie Kommerz und dekorative Themen im Bereich der Kunst kommentieren wollte, eine Gratwanderung zwischen Kunst und Kitschkleinzeitung. Ab 1987 lebte Kogelnik auch in Bleiburg, wo sie im Geburtshaus ihrer Mutter ein Atelier einrichtete.
Tod und künstlerischer Nachlass Kiki Kogelnik starb am 1. Februar 1997 in Wien an den Folgen eines Krebsleidens und wurde im Familiengrab in Bleiburg beigesetzt.. Abgerufen am 25. April 2014. Die österreichische Galerie Belvedere zeigte 1998 eine umfassende Retrospektive. Noch vor ihrem Tod, Ende 1996, gründete die Künstlerin die Kiki Kogelnik Foundation, eine US-amerikanische Non-Profit-Privatstiftung, mit Sitz in New York und Wien. Die Foundation bewahrt und archiviert den künstlerischen Nachlass von Kiki Kogelnik und unterstützt Ausstellungs- und Forschungsaktivitäten.
Diebstähle Ein entwendetes Werk wurde 2013 nach 17 Jahren im Freien gefunden; ein im Februar 2020 vermisstes Werk tauchte noch im selben Monat wieder auf.Kogelnik-Skulptur wieder aufgetaucht orf.at, 29. Februar 2020, abgerufen am 1. März 2020.
Einzelausstellungen (Auswahl) 1961: Galerie St. Stephan, Wien, Österreich 1964: Jerrold Morris International Gallery, Toronto, Kanada 1965: Austrian Institute, New York, USA 1967: Kunst kommt von künstlich, Galerie nächst St. Stephan, Wien, Österreich 1969: Moonhappening Apollo II, Galerie nächst St. Stephan, Wien, Österreich 1973: Retrospektive. Kiki Kogelnik, Künstlerhaus Klagenfurt, Österreich 1977: Jack Gallery, New York, USA 1978: Galerie Kornfeld, Zürich, Schweiz 1980: Graphics, Gallery One, Montclair State University – College of the Arts, Montclair, New Jersey, USA 1982: Galerie in der GGK Wien, Villa Vojcsik, Österreich, kuratiert von Christian Michelides 1982: Galerie Ulysses, Wien, Österreich 1983: BAWAG Foundation, Wien, Österreich 1986: Broadway Windows, New York, USA 1989: Kiki Kogelnik. Retrospektive, Kärntner Landesgalerie, Klagenfurt, Österreich 1990: Inside the Clone Factory, Henri Gallery, Washington, D.C., USA 1992–93: Expansions – 30 Year New York, Ernst Museum, Budapest, Ungarn; Galerie Úluv, Prag, Tschechische Republik; Palac Kultury i Nauki, Warschau, Polen; Palac Sztuki, Krakau, Polen 1994: Expansions/Stereotypes, Mestna Galerija, Ljubljana, Slowenien 1995: Glass & Graphics, Gallery next Gritti, Venedig, Italien; Venetian Heads, Österreichische Galerie Belvedere, Wien, Österreich 1996: Kiki Kogelnik and the Venetian Heads, Chicago Athenaeum, Chicago, USA 1996: Hangings, MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien, Österreich 1998: Kiki Kogelnik, 1935–1997. Retrospektive, Österreichische Galerie Belvedere, Wien, Österreich; Kärntner Landesgalerie, Klagenfurt, Österreich 2004: Kiki Kogelnik, Palais Liechtenstein, Feldkirch, Österreich 2005: Kiki Kogelnik. Happy Birthday, Künstlerhaus Klagenfurt, Österreich; Werner Berg Museum, Bleiburg, Österreich 2006: Strictly KIKI – Perfectly KOGELNIK, Galerie bei der Albertina - Zetter, Wien, Österreich 2012: Early Works: 1964–1970, Simone Subal Gallery, New York, USA 2012: I Have Seen the Future, Hamburger Kunstverein, Hamburg, Deutschland 2013: Kiki Kogelnik. Retrospektive, Kunsthalle Krems, Österreich 2014: No Coca-Cola, König Galerie, Berlin, Deutschland 2024: Cuts, Fissures and Identity: Works from the 1960s and 1970s, Simone Subal Gallery, New York, USA 2015: Fly Me to the Moon, Modern Art Oxford, Oxford, Vereinigtes Königreich 2016: Kiki Kogelnik, König Galerie, Berlin, Deutschland 2017: Kiki Kogelnik, Balloon, Split & Co, Galerie bei der Albertina, Zetter, Wien 2020: Les cyborgs ne sont pas respectueuses, Musée des beaux-arts, La Chaux-de-Fonds, Schweiz 2020: Kiki Kogelnik: Riot of Objects, Mostyn, Llandudno, Wales 2023–24: Kiki Kogelnik: Now Is the Time, Bank Austria Kunstforum Wien, Wien, Österreich; Kunstmuseum Brandts, Odense, Dänemark; Kiki Kogelnik: Retrospektive, Kunsthaus Zürich, Zürich, Schweiz 2024: Kiki Kogelnik: The Dance, Pace Gallery, London, Vereinigtes Königreich
Gruppenausstellungen (Auswahl) 1958: Galerie nächst St. Stephan, Wien, Österreich 1959: Galerie Blauer Apfel, Oslo, Norwegen 1964: PVI Gallery, New York, USA 1965: Van Bovenkamp Gallery, New York, USA 1965: Pop Op Art – Abstract Expressionism, Gertrude Kastle Gallery, Detroit, USA 1965: 29th Biennial of Contemporary American Painting, Corcoran Gallery, Washington, D.C., USA 1966: Austrian Artists in the United States, Austrian Institute, New York, USA 1967: Accrochage, Galerie nächst St. Stephan, Wien, Österreich 1968: Contemporary Austrian Art, Zagreb, Kroatien 1970: Progressive Kunst in Österreich 1970, Galerie Kaiser, Wien, Österreich 1972: GEDOK American Women Artists Show, Kunsthaus Hamburg, Hamburg, Deutschland 1974: Hommage à Msgr. Otto Mauer, Galerie Ulysses, Wien, Österreich 1976: Bicentennial Banners, Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Smithsonian Institution, Washington D.C., USA; National Singapore Museum, Republik Singapur