mini|„Schlangenerhöhung“ durch Mose, Relief am Biblischen Haus in der Görlitzer Altstadt

Die eherne Schlange (hebr. ) war ein Abbild einer Schlange aus verarbeitetem Kupfererz. Sie wurde nach biblischer Überlieferung aufgestellt von Mose auf Anweisung Gottes zur Heilung nach dem Biss feuriger Schlangen. Je nach Übersetzung wird auch von einer Schlange aus Kupfer oder Bronze gesprochen.

Biblische Erzählung mini|Michelangelo, Deckenfresko „Die eherne Schlange“ in der Sixtinischen Kapelle, 1508 mini|Pesttaler aus Joachimsthal von 1528 mit der ehernen Schlange

Nach einer Erzählung im 4. Buch Mose schickte Gott „feurige Schlangen“ unter die Israeliten als Strafe für ihre Ungeduld, Undankbarkeit und Nörgelei nach dem Auszug aus Ägypten während der Wanderung durch die Wüste.

Im 2. Buch der Könige wird geschildert, wie König Hiskija die Figur zerstörte, weil sie zu Götzendiensten missbraucht wurde .

Die Heilung derer, die die Schlange anblickten, wird zu den Heilstaten Gottes gezählt (vgl. ). Die Weisheitsliteratur spricht davon, dass Gott seinem Volk damit ein „rettendes Zeichen“ gegeben habe .

Verweis im Neuen Testament

mini|Gegenüberstellung von Auferstehung und Eherner Schlange auf dem Altar der Ølsted Kirke (Halsnæs Kommune) Die Geschichte von der Schlange wird im Neuen Testament aufgegriffen, als Jesus mit Nikodemus spricht und dabei die Geschichte als Analogie verwendet:

Die Heilung, welche die Israeliten durch den Blick auf die Schlange fanden, steht bildhaft für das Heil, das Jesus durch seinen Tod am Kreuz, also ebenso „erhöht“ an einem Holz hängend, erwirkt hat. Der Gläubige erfährt Heilung, wenn er auf den Gekreuzigten blickt wie die Israeliten auf die Schlange. In der Kunst findet sich aus diesem Grund immer wieder die Darstellung eines Kreuzes mit einer Schlange.

Hintergrund Schlangengötter, Schlangenkulte, Schlangentänze und Schlangenidole sind aus den verschiedenen Kulturen besonders im afrasischen Raum bekannt. Schlangenkulte gibt es auch bei den Germanen in Form der Midgardschlange, als Naga in Indien oder als Quetzalcoatl, der gefiederten Schlange, einer Gottheit der mesoamerikanischen Kulturen (Maya).

Ebenfalls stellt die Schlange eine zentrale mythische Figur in der Erzählung über das erste Menschenpaar Adam und Eva in der Genesis dar. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts brachte man das Schlangenidol mit Moses midianitischem Schwiegervater Jitro in Verbindung, den die Bibel wiederholt erwähnt. 1969 entdeckte der israelische Forscher Beno Rothenberg im Allerheiligsten des midianitischen Zeltheiligtums von Timna eine 12 cm lange, teilvergoldete Kupferschlange. Durch diesen Fund erhält der biblische Bericht über die eherne Schlange einen historischen Hintergrund.

Der giftige Schlangenbiss und seine Folgen symbolisieren nach christlicher Auffassung die zerstörende und krankmachende Sünde, von der die Menschheit später durch Christus, der diese Sünden an seinem Leib ans Kreuz trug, befreit wurde .

Siehe auch Äskulapstab Moses und die Eherne Schlange (Museum Schnütgen)

Literatur Glyn Daniel: Enzyklopädie der Archäologie. Nikol, Hamburg 1996, ISBN 3-930656-37-X. Ursula Diehl, Ruth Matthaes: Eherne Schlange. In: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Band 4, 1956, Sp. 817–837. Hugo Gressmann: Der Zauberstab des Mose und die eherne Schlange. In: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde. Bd. 23, Nr. 1, 1913, S. 18–35.

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