Das Flugabwehrraketengeschwader 2 (FlaRakG 2) war ein Verband der deutschen Luftwaffe und gehörte zur 2. Luftwaffendivision. Mit mehr als 1.500 Dienstposten für Soldaten und Zivilbedienstete war das Flugabwehrraketengeschwader 2 „Mecklenburg-Vorpommern“ mit seinem Stationierungsstandort in Bad Sülze und den Standorten Sanitz und Prangendorf/Cammin für seine unterstellten Flugabwehrraketengruppen 24 und 21 in den Landkreisen Vorpommern-Rügen und Rostock der größte Verband der Luftwaffe im Osten Deutschlands. Das Geschwader wurde mit Ablauf des 31. März 2013 aufgelöst. Der Außerdienststellungsappell wurde am 8. März 2013 durchgeführt.

Allgemeines Das Flugabwehrraketengeschwader 2 „Mecklenburg-Vorpommern“ wurde am 1. Juli 1960 als Flugabwehrregiment 4 in Osnabrück aufgestellt. Nach Stationierungen des Geschwaderstabes in Oldenburg/Niedersachsen und Bremervörde sowie Umbenennungen (1965 in Flugabwehrraketenregiment 4, 1989 in Flugabwehrraketenkommando 2 und 1993 in Flugabwehrraketengeschwader 2), wurde im Zuge der Wiedervereinigung beschlossen, das Geschwader in die „neuen Bundesländer“ zu verlegen.

Der Geschwaderstab schloss, nach einer Zwischenstationierung in Ladeburg bei Berlin (Juni 1994 bis September 1996), die Verlegung nach Bad Sülze im Oktober 1996 ab. Die unterstellte Flugabwehrraketengruppe 31, ausgestattet mit dem Waffensystem HAWK, verlegte in den Jahren 1993 bis 1995 aus Niedersachsen nach Sanitz und Prangendorf in Mecklenburg-Vorpommern. Die ebenfalls unterstellte Flugabwehrraketengruppe 24, ausgestattet mit dem Waffensystem Patriot, war auf dem Fliegerhorst Oldenburg zwischenstationiert und wurde nach Fertigstellung der notwendigen Infrastruktur 2006 in Bad Sülze neu aufgestellt.

Im Dezember 2002 wurde die Flugabwehrraketengruppe 31 in Flugabwehrraketengruppe 12 umbenannt und umgegliedert. Kurzzeitig verfügte der Verband neben dem Waffensystem HAWK ebenfalls über zwei Staffeln mit dem Waffensystem „Roland“. Im Zuge der Weiterentwicklung der Luftwaffenstruktur wurde dem Flugabwehrraketengeschwader zum 1. Januar 2004 zusätzlich die mit dem Waffensystem Patriot ausgestattete Flugabwehrraketengruppe 21 in Bad Arolsen und Möhnesee unterstellt. 2004 wurden beide Gruppen an ihren Standorten aufgelöst und als neue Flugabwehrraketengruppe 21 in Sanitz und Cammin-Prangendorf aufgestellt. Dieser Verband ist gleichfalls mit dem Waffensystem Patriot ausgerüstet; die Waffensysteme HAWK und Roland des Geschwaders wurden Ende 2003 und insgesamt bis 2005 außer Dienst gestellt.

Am 29. November 2004 wurde dem Flugabwehrraketengeschwader 2 durch die Landesregierung der Beiname „Mecklenburg-Vorpommern“ verliehen. Dies soll eine dauerhafte Verbundenheit des Geschwaders mit den Menschen und der Region an der Ostseeküste zum Ausdruck bringen. Nach 14 Jahren räumlicher Trennung ist das Flugabwehrraketengeschwader 2 Ende 2006 mit der Neuaufstellung der Flugabwehrraketengruppe 24 endgültig in einem engen räumlichen Standortbereich (Bad Sülze, Sanitz und Cammin/Prangendorf) zusammengeführt worden.

Auftrag Das Flugabwehrraketengeschwader 2 trug im Rahmen der erweiterten integrierten Luftverteidigung mit bodengebundenen Luftverteidigungswaffensystemen zum Schutz des deutschen und mitteleuropäischen Luftraumes bei.

Im Frieden Gewährleistung der erforderlichen Reaktionsfähigkeit durch Herstellen und Halten der personellen und materiellen Einsatzbereitschaft

In der Krise Beitrag zum Krisenmanagement durch Einnahme lageangepasster Alarm- und Einsatzbereitschaftsstufen und Schutz eigener und verbündeter Kräfte

Im Einsatz Schutz eigener Streitkräfte und/oder definierter Objektgruppen in sogenannten „High Value Asset“-Räumen (Ziele mit hoher militärischer oder ziviler Bedeutung) Aufreiben gegnerischer Luftangriffskräfte

Chronik Seit seiner Aufstellung 1960 hat das Flugabwehrraketengeschwader 2 eine wechselvolle Geschichte mit mehrfachen Umbenennungen, Umstrukturierungen und Verlegungen sowie zahlreiche Übungen, Auslandseinsätze und Operationen im Rahmen der Katastrophenhilfe erlebt.

1960er Jahre 1960 Das Flugabwehrregiment 4 wird in Osnabrück aufgestellt.

1961 Oberstleutnant Eduard Broock wird erster Kommandeur.

Am 9. und 10. Januar werden die mit den Waffensystemen „Flugabwehrkanone 40mm – L70“ ausgerüsteten Flugabwehrbataillone 44 (Aurich) und 42 (Oldenburg i.O.) dem Flugabwehrregiment 4 unterstellt, ebenso wird das mit dem schweren Flugabwehrraketensystem „Nike“ ausgerüstete Flugabwehrraketenbataillon 24 in Schwarmstedt bei Celle Teil des Verbandes. Am 1. September verlegt der Stab/Flugabwehrregiment 4 nach Oldenburg i.O. (Donnerschweekaserne). Am 1. Oktober erhält das Regiment den Auftrag, das Flugabwehrraketenregiment 14 aufzustellen. Diesem Verband werden später das Flugabwehrraketenbataillon 24 und die aus diesem Bataillon hervorgehenden Flugabwehrraketenbataillon 25 und Flugabwehrraketenbataillon 26 (ebenfalls mit „Nike“ ausgerüstet) unterstellt werden.

1962 Die Flugabwehrraketenbataillone 25 und 26 werden aufgestellt. Die Luftwaffenflugabwehrraketenbataillone 42 und 44 feiern ihr fünfjähriges Bestehen. Stab/Flugabwehrraketenregiment 14 übernimmt die Führung der Flugabwehrraketenbataillone 24, 25 und 26.

Oberst Eduard Broock ist bis 15. Februar 1963 Kommandeur beider Regimenter.

1963 Oberstleutnant Hans Kruse übernimmt als Stellvertretender Regimentskommandeur vorübergehend die Führung des Flugabwehrregiments 4.

Das Regiment nimmt im Frühjahr an der ersten großen öffentlichen Vereidigung in Oldenburg teil. Das Flugabwehrraketenbataillon 31 wird, von Rheine kommend, in Westertimke dem Regiment unterstellt. Der Verband wird bis Ende 1963 von der Flugabwehrkanone 75 mm M51 Skysweeper auf das Flugabwehrraketensystem HAWK umgerüstet.

Oberst Hans Werner Wehlen wird neuer Regimentskommandeur.

Während der Ausbildung im Luftwaffenflugabwehrraketenbataillon 44 stürzt in Brockzetel ein Jagdflugzeug vom Typ F-86 ab, sechs Soldaten werden getötet. Von Ende 1963 bis Ende 1965 werden die Luftwaffenflugabwehrraketenbataillone 42 und 44 auf das Waffensystem HAWK umgerüstet. Ein Großteil der Soldaten wird in den Vereinigten Staaten in Fort Bliss im US-Bundesstaat Texas in mehrmonatigen Lehrgängen umgeschult.

1964 Das Luftwaffenflugabwehrraketenbataillon 42 wird in Luftwaffenflugabwehrraketenbataillon 35 umbenannt. Als erster Verband im Flugabwehrregiment 4 absolviert das Flugabwehrraketenbataillon 31 sein Jahresschießen auf der „McGregor Missile Range“ im US-Bundesstaat New Mexico.

1965 Oberst Karl Götze übernimmt die Führung des Regiments.

Das Luftwaffenflugabwehrbataillon 41 verlegt während der Umrüstphase auf das Waffensystem HAWK von Essen-Kupferdreh in die Standorte Oldenburg, Varel-Friedrichsfeld, Axstedt und Bremerhaven. Der Verband wird dem Flugabwehrregiment 4 unterstellt, dieses wiederum in Flugabwehrraketenregiment 4 umbenannt. Die Luftwaffenflugabwehrbataillone 41 und 44 werden – ihren neuen Waffensystemen entsprechend – in Flugabwehrraketenbataillon 36 und 37 umbenannt.

1966 Oberst Werner Weng wird neuer Regimentskommandeur.

1968 Das Flugabwehrraketenbataillon 37 verlässt das Regiment und wird dem Flugabwehrraketenregiment 3 in Heide (Holstein) unterstellt.

1969 Oberst Günter Hube wird neuer Regimentskommandeur und übernimmt einen Verband, dessen drei Bataillonsgefechtsstände (Battalion Operations Center – BOC) sowie 11 von 12 Batterien bereits der NATO unterstehen.

1970er Jahre 1970 Im August wird das Richtfest der Kaserne in Bremervörde gefeiert.

1971 Oberst Eckart Nemitz übernimmt das Kommando über das Flugabwehrraketenregiment 4.

Der Stab/Flugabwehrraketenregiment 4 verlegt von Oldenburg in die Vörde-Kaserne nach Bremervörde, wo bereits seit Anfang 1972 das Flugabwehrraketenbataillon 36 stationiert ist. Im September wird mit der 1./Flugabwehrraketenbataillon 36 die letzte Batterie des Regiments der NATO unterstellt.

1973 Alle Bataillone erreichen bei der Taktischen Überprüfung der NATO (Tactical Evaluation – TacEval) die Note 2 und werden für diese Spitzenleistung mit der Ehrenurkunde des Kommandierenden Generals der Luftflotte ausgezeichnet.

1974 Das Flugabwehrraketenbataillon 31 erzielt als erster HAWK-Verband der Luftwaffe beim NATO TacEval die Bestnote 1. Die ersten Zwillings-Flugabwehrkanonen „Flak 20mm Zwilling“ werden den Einheiten des Regiments zugeführt.

1976 Von 1976 bis 1978 wird die Kampfkraft des Waffensystems HAWK durch Umrüstung auf die verbesserte Version „Improved HAWK“ deutlich gesteigert.

1978 Neuer Regimentskommandeur wird Oberst Diedrich Kuhhagen.

Die Indienststellung des verbesserten Waffensystems „Improved HAWK“ wird mit einem Appell Improved HAWK erneut den gestiegenen gegnerischen Fähigkeiten an.

1983 Die vierte Kampfbesatzung wird in den Batterien eingeführt.

1984 Das Flugabwehrraketenbataillon 35 erhält wegen besonderer Verdienste das Fahnenband des Ministerpräsidenten von Niedersachsen verliehen.

1985 Neuer Regimentskommandeur wird Oberst Klaus Kollat.

Das Regiment feiert sein 25-jähriges Bestehen.

1987 Oberst Hartmut Moede übernimmt das Regiment.

1989 Umgliederung und Umstrukturierung des Flugabwehrraketenregiment 4 in Flugabwehrraketenkommando 2. Das Flugabwehrraketengeschwader 35 wechselt zum Flugabwehrraketenkommando 3. Die Flugabwehrraketengeschwader 24 (Delmenhorst) und 37 (Cuxhaven-Altenwalde) werden dem Flugabwehrraketenkommando 2 unterstellt.

1990er Jahre 1990 Oberst Baron von Hoyer-Boot wird Kommandeur des Flugabwehrraketenkommandos 2.

Das Flugabwehrraketengeschwader 31 wechselt zum Flugabwehrraketenkommando 3.

1991 Im Rahmen der NATO-Unterstützung der Türkei während des Golfkrise und des anschließenden Golfkriegs („Operation Desert Storm“) erhält das Flugabwehrraketengeschwader 36 den Auftrag, in Teilen zum Schutz des Allied Mobile Force-Kontingents (Alliierter Mobiler Streitkräfteverband – AMF) auf den Einsatz-Fliegerhorst Diyarbakır in der Türkei zu verlegen. Die Rückverlegung von Personal und Material des Luftwaffenkontingents in die Heimatstandorte wird Ende März 1991 abgeschlossen. Am 3. September wird ein großer Zapfenstreich aus Anlass des 20. Jubiläums der Garnisonsstadt Bremervörde veranstaltet.

Oberst Klaus Heins wird neuer Kommandeur des Flugabwehrraketenkommandos 2.

1992 Das Flugabwehrraketengeschwader 36 (Bremervörde) wechselt zum Flugabwehrraketenkommando 3 (Oldenburg). Das Flugabwehrraketengeschwader 31 (Westertimke) wird dem Flugabwehrraketenkommando 2 unterstellt. Am 21. September wird das Flugabwehrraketengeschwader 3 aufgelöst. Dem Flugabwehrraketengeschwader 39 werden die 1. und 2. Staffel des Flugabwehrraketengeschwaders 37 unterstellt, die 3. und 4. Staffel des Flugabwehrraketengeschwaders 37 wechseln zum Flugabwehrraketengeschwader 31.

1993 Das Flugabwehrraketenkommando 2 wird umgegliedert und in Flugabwehrraketengeschwader 2 umbenannt. Das Flugabwehrraketengeschwader 24 wird zur Flugabwehrraketengruppe 24 und das Flugabwehrraketengeschwader 31 erhält die neue Bezeichnung Flugabwehrraketengruppe 31. Am 15. März verlegt die 4./Flugabwehrraketengruppe 24 von Rodenkirchen nach Oldenburg. Die Verlegung des Stabs und der Stabstaffel/Flugabwehrraketengruppe 31 von Westertimke nach Sanitz wird abgeschlossen. Die Luftwaffensanitätsstaffel der Flugabwehrraketengruppe 31 verlegt von Westertimke nach Prangendorf. Die 4./Flugabwehrraketengruppe 31 wechselt ihren Standort von Axstedt nach Sanitz, ebenso wie die bisher in Dörverden stationierte 6./Flugabwehrraketengruppe 31. Anlässlich der Verlegung/Aufstellung der Flugabwehrraketengruppe 31 am Standort Sanitz/Prangendorf findet ein feierlicher Appell im Beisein des Bundesministers der Verteidigung Volker Rühe statt. Die 6./Flugabwehrraketengruppe 24 verlegt von Wiesmoor nach Oldenburg. Die Zwischenstationierung aller Einheiten der Flugabwehrraketengruppe 24 auf dem Fliegerhorst Oldenburg wird beschlossen.