Johann Georg Bürgy (* 25. Juli 1771 in Homburg vor der Höhe; † 27. Oktober 1841 in Gießen) war ein deutscher Orgelbauer im Raum Mittelhessen.

Leben Bürgy wurde 1771 als siebter Sohn des Orgelbauers Johann Conrad Bürgy geboren. Er lernte sein Handwerk bei Jacob Courtain in Osnabrück und ließ sich nach Aufenthalten in Österreich und Ungarn in Gießen nieder.Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 1. 1967, S. 34. Dort heiratete er im Jahr 1809 die Tochter von Johann Peter Rühl, dem Schwiegersohn und Nachfolger von Johann Andreas Heinemann.Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3, Teil 1: A–L. 1988, S. 15. Gemeinsam mit seinem Bruder Philipp Heinrich und später alleine unterhielt er einen Orgelbaubetrieb. Er starb 1841 in Gießen. Sein Schüler war Johann Georg Förster, der Bürgys letzten Orgelneubau in Gettenau vollendete.Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3, Teil 1: A–L. 1988, S. 360.

Werkliste Charakteristisch für die Orgeln der Gebrüder Bürgy ist der einheitliche Biedermeierstil des Prospektes. Der siebenachsige Prospekt wird durch breite Lisenen gegliedert. Ein breites, niedriges, vorkragendes Pfeifenflachfeld in der Mitte wird von einer Henkelvase bekrönt. Außen stehen zwei hohe Rundtürmen mit je fünf Pfeifen, an die sich jeweils zwei schmale niedrige Harfenfelder mit je drei Pfeifen anschmiegen. Auf den Harfenfeldern, die zum Rundturm ansteigen, stehen kleine Urnen. Seitliches Schleierwerk fehlt.

Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen 1802 Büdingen Ev.-luth. Kirche zentriert|160x160px I/P 13 1830 nach Hitzkirchen verkauft und dort bis 1978, heute im Orgel Art Museum (Bild); weitgehend erhalten 1803 Bleichenbach Evangelische Kirche 160x160px I/P 15 zusammen mit Philipp Heinrich; 1876 durch Ratzmann Spieltisch verlegt und neue Traktur, zwei Register ersetzt; später gingen zwei weitere Register verloren 1804–1806 Windecken Stiftskirche Windecken I/P Neubau zusammen mit seinem Bruder für 1500 Gulden; 1865 um zweites Manual erweitert und auf die Westempore umgesetzt; 1895 durch Ratzmann ersetzt1805–1806Groß-KarbenEvangelische KircheI/P11Das Werk wurde gemeinsam mit dem Bruder Philipp Heinrich erarbeitet. Nach umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten im Jahr 2000 besitzt die Orgel heute 12 Register, davon 2 im Pedal. Einige alte Register sind teilweise erhalten, wurden aber auf aufgearbeitet; Dekor im Zopfstil.Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3, Teil 1: A–L. 1988, S. 421–423.1808LeunEvangelische Kirchezentriert|160x160pxI/P13→ Orgel der evangelischen Kirche Leun. Die Orgel wurde 1806 in Leun in Auftrag gegeben. Über die Vorgängerorgel ist nur wenig bekannt. Gestiftet wurde sie von einem Leuner Bürger, der in London zu unverhofftem Reichtum gekommen war. Die Orgel besitzt 13 Register auf einem Manual und Pedal. Die beiden ursprünglichen Zungenregister (Trompete 8′ und Posaune 16′) waren zerstört, wurden jedoch mittels einer großen Spendenaktion der Leuner Bevölkerung im Jahr 2008 rekonstruiert.Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 2, Teil 2: L–Z. 1975, S. 548–550.1811GünterodEvangelische KircheI/P9zusammen mit Philipp Heinrich; 1912 durch Eichhorn umgebaut, 1954 durch Eppstein restauriert, 1973/1974 durch Gerald Woehl abgebrochen und ersetzt1816Beselich-SchupbachEvangelische KircheI/P131923 ersetzt; Prospekt erhaltenBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 2, Teil 2: L–Z. 1975, S. 746.1820Lich-BirklarEvangelische Kirche160x160pxI/P13klassizistischer, siebenachsiger Prospekt; Orgel zum großen Teil erhaltenBösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3, Teil 1: A–L. 1988, S. 128. 1818–1822 Ruppertsburg Evangelische Kirche 160x160px I/P 1937 ersetzt; Prospekt erhalten1816–1823MelbachEv.-luth. KircheI/P13mehrfach umgebautBösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3, Teil 2: M–Z. 1988, S. 641–643.1822Leun-BiskirchenEvangelische Kirche160x160pxI/P12Die Orgel wurde nach Daubhausen verkauft, wo sie noch heute in der Evangelischen Kirche steht (Foto). Zum großen Teil erhalten.Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 2, Teil 1: A–K. 1975, S. 110 f.1828–1831WißmarEvangelische Kirche160x160pxII/P(15)Nach drei Jahren waren nur das Gehäuses und ein Drittel der Orgel gebaut, sodass es zu einem Vergleich kam und die Orgel 1834/1835 von Johann Hartmann Bernhard fertiggestellt wurde.1830–1834Langgöns-OberkleenSt. Michaelis160x160pxI/P10unter Einbeziehung älterer Teile der Vorgängerorgel; später um zwei Register auf I/P/12 erweitert, weitgehend erhaltenBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 2, Teil 2: L–Z. 1975, S. 683.1835BissesEvangelische Kirche160x160pxI/P10mehrfach umgebaut; einige Register erhaltenBösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3, Teil 1: A–L. 1988, S. 129 f.1839–1843LanggönsJakobuskircheI/P11erst nach Bürgys Tod vollendet; 1920 ersetztBösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3, Teil 1: A–L. 1988, S. 548 f.um 1840–1844GettenauEvangelische KircheII/P11von Johann Georg Förster vollendetBösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3, Teil 1: A–L. 1988, S. 359 f.

Literatur

Weblinks Hermann Fischer: Bürgy (Familie). In: Musik und Musiker am Mittelrhein 2.

Einzelnachweise

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