mini|hochkant|Rektoratsturm der UNAMArchitekten: Enrique del Moral, Mario Pani Darqui und Salvador Ortega Flores mini|ZentralbibliothekArchitekt: Juan O’Gorman Die Nationale Autonome Universität von Mexiko. (Universidad Nacional Autónoma de México, kurz UNAM) ist die älteste und eine der größten Universitäten des amerikanischen Kontinents. Sie ist nach dem jährlichen „World University Ranking“ der britischen Beratungsfirma QS für 2018 die drittbeste (und zugleich die größte) lateinamerikanische Universität nach der Universidad de Buenos Aires und der Universidade de São Paulo. Im weltweiten Vergleich rangiert UNAM auf dem 122. Platz, kurz nach der Humboldt-Universität zu Berlin (Platz 120) und vor der Freien Universität Berlin (Platz 125).QS-World University Rankings 2018, Juni 2018 Laut einer Studie der Tageszeitung The Times aus dem Jahr 2005 ist die UNAM die beste Universität im spanisch- und portugiesischsprachigen Raum. Im weltweiten Vergleich wurde Platz 95 erreicht.UNAM im World University Ranking, 27. Januar 2017
Der Hauptcampus Ciudad Universitaria (wörtlich: „Universitätsstadt“) – ein großmaßstäbliches Ensemble der Nachkriegsmoderne mit integrierter Kunst am Bau – wurde 2007 von der UNESCO als Weltkulturerbe eingetragen.
Architektur
Der Hauptcampus der UNAM, die sogenannte Ciudad Universitaria, zählt zu den bedeutendsten Ensembles moderner Universitätsarchitektur des 20. Jahrhunderts weltweit. Die Anlage entstand überwiegend zwischen 1949 und 1954 im Süden von Mexiko-Stadt und wurde als funktional gegliederte Universitätsstadt konzipiert, in der Lehre, Forschung, Kultur und Sport in einem zusammenhängenden städtebaulichen Konzept vereint sind.
Die Gesamtplanung des Campus erfolgte unter der Leitung der Architekten Mario Pani Darqui und Enrique del Moral, die ein großes interdisziplinäres Team aus Architekten, Ingenieuren, Landschaftsplanern und Künstlern koordinierten. Ziel war es, internationale Prinzipien der Nachkriegsmoderne mit den klimatischen, topografischen und kulturellen Bedingungen Mexikos zu verbinden. Die Ciudad Universitaria wurde auf einem Lavafeld des Pedregal de San Ángel errichtet, dessen vulkanische Gesteinsformationen bewusst in die Gestaltung der Freiräume, Wege und Baukörper integriert wurden.
Charakteristisch für die Architektur des Campus ist die klare funktionale Zonierung: Fakultäten und Forschungsinstitute gruppieren sich um zentrale Plätze und Grünräume, während kulturelle Einrichtungen und Sportanlagen eigene Bereiche bilden. Die Trennung von Fußgänger- und Autoverkehr sowie die großzügige Freiraumplanung galten in den 1950er Jahren als vorbildlich für moderne Campuskonzepte.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte die Ciudad Universitaria durch die konsequente Integration von Architektur, Kunst und Städtebau. Monumentale Wandbilder (Murales) von Künstlern wie Juan O’Gorman (Zentralbibliothek), Diego Rivera (Olympiastadion), David Alfaro Siqueiros und José Chávez Morado wurden fest in die Architektur eingebunden und verbinden moderne Bauformen mit historischen, sozialen und kulturellen Themen Mexikos. Diese Synthese gilt als zentrales Alleinstellungsmerkmal des Campus.
Mehrere Bauten der Ciudad Universitaria wurden bereits in den 1950er Jahren international rezipiert und im Ausstellungskatalog Latin American Architecture since 1945 des Museum of Modern Art (MoMA) in New York dokumentiert, der als Schlüsselwerk zur Kanonisierung der lateinamerikanischen Nachkriegsmoderne gilt.
Zu den architektonisch bedeutenden Einzelbauten des Campus zählen neben der Zentralbibliothek und dem Rektoratsturm zahlreiche Fakultäts- und Institutsgebäude. Dazu gehört unter anderem das Geologische Institut, entworfen von Juan Sordo Madaleno, das exemplarisch für die funktionale und konstruktive Moderne der frühen 1950er Jahre steht und Teil des geschützten Campusensembles ist.
Ein zentraler Bestandteil des Campus ist das Estadio Olímpico Universitario, das 1954 eröffnet wurde und als Hauptstadion der Olympischen Sommerspiele 1968 diente. Das Stadion ist zugleich ein Schlüsselwerk der mexikanischen Moderne und trägt monumentale Reliefs von Diego Rivera, die Sport, Bildung und nationale Identität thematisieren.
Die Ciudad Universitaria wird in der internationalen Architekturgeschichtsschreibung als herausragendes Zeugnis der lateinamerikanischen Moderne bewertet. Ausschlaggebend für ihre Aufnahme in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes im Jahr 2007 war insbesondere die beispielhafte Verbindung von moderner Architektur, monumentaler Kunst, Städtebau und Landschaftsgestaltung in einem großmaßstäblichen Universitätsensemble.
Geschichte Gründung Am 21. September 1551 stellte der spätere König Philipp II. im Namen seines Vaters Karl V. die Gründungsurkunde für die Real y Pontificia Universidad de México aus. Am 25. Januar 1553 wurde sie von Neuspaniens Vizekönig Luis de Velasco in der Straße Calle de San Ildefonso im Centro Histórico („Historisches Zentrum“) von Mexiko-Stadt eingeweiht. Die Universität wurde 1865 vom mexikanischen Kaiser Maximilian aufgelöst.
Neugründung im 20. Jahrhundert Im Frühjahr 1910 wurde die Universität auf Initiative von Justo Sierra Méndez als Universidad Nacional de México neu gegründet und am 22. September 1910 durch Staatspräsident Porfirio Díaz eröffnet.Javier Garciadiego Dantan: Rudos contra científicos. La Universidad Nacional durante la Revolución mexicana. El Colegio de México, Mexiko-Stadt 1996. Nach den entbehrungsreichen Jahren der Revolution konnte sich die Universität ab 1920 als Institution verfestigen. Die vollständige Autonomie errang die Universität jedoch erst nach dem ersten Studenten- und Professorenstreik ihrer Laufbahn am 26. August 1929. Weitere Ausstände folgten 1936 und 1944.
1954 bezogen Studierende und Lehrkräfte die neue „Universitätsstadt“ (Ciudad Universitaria) im Süden von Mexiko-Stadt.
Academia de San Carlos Die Escuela Nacional de Artes Plásticas (ENAP) und die Escuela Nacional de Arquitectura (ENA), Fachbereiche für Kunst und Architektur, gingen 1929 aus der Academia de San Carlos hervor.
Soziale Bewegungen 1968 befand sich die UNAM inmitten von studentischen Protesten, die im Massaker von Tlatelolco (Matanza de Tlatelolco) auf dem Platz Plaza de las Tres Culturas gipfelten. Bei dem Massaker, für das sich seit dem 30. Juni 2006 der damalige Innenminister und spätere Präsident Luis Echeverría Álvarez (1970–76) wegen Völkermord verantworten muss, starben Hunderte von Studenten. Es markierte eine Zäsur in der Geschichte Mexikos.
Die Universität erlebte zahlreiche weitere studentische Aufstände, unter anderem in den Jahren 1987 und 1999. Beide waren die Reaktion auf den Versuch der Regierung, den öffentlichen und unentgeltlichen Universitätscharakter einzustellen. Der Streik gegen die neoliberale Bildungspolitik von 1999 zog sich über neun Monate hin und hatte die vollständige Lahmlegung des Universitätsbetriebs zur Folge.
Studierende Aufnahmebedingungen: Abitur (Bachillerato) mit einer Mindestdurchschnittsnote von „7“ (das mexikanische Notensystem geht von 0 bis 10, wobei die niedrigste Bestehensnote 6 ist) Aufnahmeprüfung (aufgrund begrenzter Aufnahmeplätze)
Bekannte Dozenten siehe hierzu auch :Kategorie:Hochschullehrer (Nationale Autonome Universität von Mexiko) und Liste der Rektoren der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko Octavio Paz (1914–1998), Schriftsteller und Nobelpreisträger Mario J. Molina (1943–2020), Chemiker und Nobelpreisträger Rosario Castellanos (1925–1974), Schriftstellerin Erich Fromm (1900–1980), Psychologe (1950) Pablo González Casanova (1922–2023), Soziologe (1966–1984) Raquel Sosa Elízaga, Historikerin Marcela Lagarde (* 1948), Anthropologin Hans-Jürgen Zubrod, Fachbereich Angewandte Molekularbiologie Luis E. Miramontes (1925–2004), Chemiker (Erfinder der Babypille) Rodrigo Jokisch (* 1946), Soziologe Rodolfo Neri Vela (* 1952), Astronaut Elena Poniatowska (* 1932), Schriftstellerin und Journalistin Carlos Fuentes (1928–2012), Schriftsteller Juan L. Rayces (1918–2009), Optiker
Auszeichnungen 2009 wurde der Universität der spanische Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Kommunikation und Humanwissenschaften zugesprochen. Zur Begründung hieß es, die Universität sei in ihrer hundertjährigen Geschichte ein akademisches und erzieherisches Modell für zahlreiche Generationen von Studenten gewesen und habe die iberoamerikanische Sphäre mit den bedeutendsten Intellektuellen und Wissenschaftlern bereichert. Sie habe ferner berühmten Exilanten des Nachkriegs-Spanien großzügig Zuflucht gewährt, leistungsfähige Strömungen humanistischer, liberaler und demokratischer Gedanken in Amerika gefördert und ihren maßgeblichen Einfluss durch Schaffung einer Vielzahl von Institutionen erweitert, die die akademische Welt bereichern und mit der Gesellschaft verbinden, der sie dienen.
UNESCO-Weltkulturerbe 27px Der Campus wurde 2007 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
Siehe auch Liste der Universitäten in Mexiko Biblioteca del Estudiante Universitario (BEU)
Literatur in der Reihenfolge des Erscheinens Javier Garciadiego Dantan: Rudos contra científicos. La Universidad Nacional durante la Revolución mexicana. El Colegio de México, Mexiko-Stadt 1996, ISBN 968-12-0690-8. Paco Ignacio Taibo II: 1968. In: 1968. Gerufene Helden. Ein Handbuch zur Eroberung der Macht. Libertäre Assoziation, Hamburg 1997, ISBN 3-922611-63-X, S. 9–64. Enrique Rajchenberg: Rebellion X. Das Jahr des Streiks an der Universität in Mexiko-Stadt. Unrast, Münster 2001, ISBN 3-89771-009-9. Jochen Meissner: Die Gründung der Real y Pontifícia Universidad de México als europäische „Grenzuniversität“. Kolonialgründung oder europäischer Normalfall? In: Jahrbuch für Universitätsgeschichte. Jg. 7, 2004, S. 11–26.
Weblinks
Nationale Autonome Universität von Mexiko (spanisch)
Einzelnachweise
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