Hahn (im lokalen Dialekt: Hoh)Darmstädter Echo, Freitag, 29. September 2017, S. 15. ist ein Stadtteil der Stadt Pfungstadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Geographie mini|hochkant|Friedenseiche von 1876, ehemaliges Naturdenkmal

Hahn liegt südlich der ebenfalls eingemeindeten Stadtteile Eschollbrücken und Eich sowie westlich des Stadtkerns von Pfungstadt. Der Stadtteil Hahn umfasst die Gemarkung Hahn.

Landschaftlich liegt Hahn im Hessischen Ried, einem Teil der Oberrheinischen Tiefebene. Durch die Landschaft schlängeln sich einige Gräben, die einst zur Entwässerung des Hessischen Rieds dienten, heute jedoch nur noch gelegentlich Wasser führen. Die südliche Grenze der Ortsbebauung bildet die Modau. Das Brauereiwäldchen wurde zum Gründungsjubiläum der Pfungstädter Brauerei angelegt und erinnert daran, dass in Hahn die Wiege der Pfungstädter Braukunst stand: das Gasthaus „Zum Hirschen“ in der heutigen Gernsheimer Straße.

Geschichte Ortsgeschichte Hahn wird soweit bekannt im Jahr 1208 erstmals erwähnt, als Heinrich von Dieburg, seine Ehefrau und seine Schwester Jutta dem Kloster Eberbach Güter in Hahn schenkt.

Weitere Erwähnungen: 1354 hat Schenk Eberhard von Erbach die Gülde von Hahn als Teil des Wittums der verstorbenen Agnes von Katzenelnbogen inne. Im 14. Jahrhundert haben die Schenken von Erbach Besitz in Hahn. Vor 1484 verzeichnet Hans Walborn das Dorf zu dem Henchin unter den Lehen, die er als Erbe seiner Vorfahren von Konrad von Frankenstein erhalten hat. 1571 steht das Dorf Hain dem Landgrafen von Hessen unmittelbar zu.

Von der Entstehung Hahns weiß man nicht viel. In alten Urkunden ist der Ort mit verschiedenen Namensformen belegt: Hagen, Hein, Hayn, Hain und Hahn. Diese Namensformen gehen von dem altdeutschen Wort „hagen“ und vom mitteldeutsch „hagen, Hagin“ hervor. Zusammengezogen bedeutet hain, hein Dornbusch, Gehölz. Der Name des naheliegenden Hähnlein hat den gleichen Ursprung, wie auch andere Stadtteile in der näheren Umgebung.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Hahn:

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde zum 1. Juli 1972 die Gemeinde Hahn auf eigenen Wunsch nach Pfungstadt eingemeindet. Für Hahn wurde ein Ortsbezirk gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Hahn angehört(e):

vor 1479: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obergrafschaft Katzenelnbogen ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen (durch Erbfall), Obergrafschaft Katzenelnbogen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft Katzenelnbogen (1571: Fron, Bede, Zins und Steuer werden ins Amt Zwingenberg gerechnet; 1783: zum Amt Darmstadt, später Oberamt Darmstadt, Amt Pfungstadt; Zent Pfungstadt) ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Pfungstadt ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Pfungstadt ab 1815: Großherzogtum Hessen,Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung. Provinz Starkenburg, Amt Pfungstadt ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk BensheimTrennung zwischen Justiz (Landgericht Zwingenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Heppenheim ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DarmstadtIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt, Stadt PfungstadtAm 1. Juli 1972 als Ortsbezirk zur Stadt Pfungstadt. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Stadt PfungstadtIn dem die Landkreise Dieburg und Darmstadt im Zuge der Gebietsreform in Hessen aufgingen

Gerichtszugehörigkeit Hahn gehörte zur Zent Pfungstadt deren Aufgaben ab etwa 1800 durch das Amt Pfungstadt wahrgenommen wurden. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das Hofgericht Darmstadt als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz in Pfungstadt verblieb zunächst bei den Ämtern. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Zentgerichte hatten damit ihre Funktion verloren.

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Zwingenberg das Gericht erster Instanz. Die zweite Instanz war weiter das Hofgericht Darmstadt. In der Zuständigkeit für Hahn folgten: 1839: Landgericht Gernsheim; zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt 1853: Landgericht Darmstadt; zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt 1879: Amtsgericht Darmstadt II (Umbenennung); zweite Instanz: Landgericht Darmstadt 1932: Amtsgericht Darmstadt; zweite Instanz: Landgericht Darmstadt

Schulgeschichte Im Jahre 1590 gründete ein gewisser Peter Bender die erste Schule im Ort, die aber nach 1600 wieder verschwand. Regulärer Unterricht findet seit 1653 in Hahn statt. Zwischen 1833 und 2006 diente die 1794 erbaute Zehntscheune als Schule. Die erste Ganztags-Grundschule des Landkreises Darmstadt-Dieburg entstand im Jahre 2006 in der Wilhelm-Weingärtner-Straße.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Hahn 2685 Einwohner. Darunter waren 186 (6,9 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 486 Einwohner unter 18 Jahren, 1104 zwischen 18 und 49, 546 zwischen 50 und 64 und 549 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1026 Haushalten. Davon waren 446 Singlehaushalte, 309 Paare ohne Kinder und 369 Paare mit Kindern, sowie 75 Alleinerziehende und 27 Wohngemeinschaften. In 180 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 696 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1529: 63 Hausgesesse • 1791: 446 Einwohner (mit Eich) • 1800: 437 (Eich 76) Einwohner (Eich) • 1806: 585 Einwohner, 98 Häuser (mit Eich) • 1829: 667 Einwohner, 84 Häuser • 1867: 849 Einwohner, 137 Häuser

Religionszugehörigkeit  Quelle: Historisches Ortslexikon und Stadt Pfungstadt • 1829: 652 lutheranische (= 97,75 %), 10 jüdische (= 1,50 %) und 5 katholische (= 0,75 %) Einwohner • 1961: 1481 evangelische (= 86,9 %), 202 römisch-katholische (= 11,8 %) Einwohner • 2000: 1544 evangelische (= 63,57 %), 361 römisch-katholische (= 14,89 %) Einwohner • 2016: 1365 evangelische (= 49,95 %), 454 römisch-katholische (= 15,62 %) Einwohner

Religion Der Ortsteil Hahn ist wie die Stadt Pfungstadt überwiegend evangelisch geprägt, von 2678 Einwohnern bekannten sich im Jahr 2005 1514 Personen zu dieser Konfession.

Politik Ortsbeirat Für Hahn besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Hahn) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus 9 Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat Hahn 53,51 %. Dabei wurden gewählt: vier Mitglieder der SPD, zwei Mitglieder der CDU und drei Mitglieder der „Unabhängigen Bürgerliste Pfungstadt“ (UBP). Der Ortsbeirat wählte am 21. April 2021 Frau Petra Kraft (UBP) zu Ortsvorsteherin.

Wappen

links|150px|Wappen von Hahn

Das Wappen wurde am 10. Mai 1972 durch das Hessische Ministerium des Innern genehmigt.

Blasonierung: „In Gold ein auf einem roten abgeledigten Bogen ein rotes breitrandiges Kreuz.“

Das GERICHTS SIGEL IN HAN PF 1623 und ein neueres Siegel des frühen 19. Jahrhunderts (Siegelstempel im Gemeindebesitz) bringen im Schild dieses Bild. Letzteres mit der Umschrift: G. H. BÜRGERMEISTEREI HAHN K. B. (= Kreis Bensheim), in dem aus dem Bogen des zur Zent Pfungstadt („PF“) gehörenden Ortes ist wohl eher Ortsmarke denn als kirchliches Symbol zu erklären.Karl Ernst Demandt und Otto Renkhoff: Hessisches Ortswappenbuch C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956, S. 104.

Das Wappen geht aus einem Siegelbild von 1623 hervor, könnte jedoch auch älter sein. Die Farben gehen auf das Wappen derer von Frankenstein zurück.

Die Gestaltung des Wappens lag in den Händen des Bad Nauheimer Heraldikers Heinz Ritt.

Eine offizielle Flagge wurde nie genehmigt. Es gibt jedoch eine nichtamtliche Flagge, die auf grün-weiß-grünem Flaggentuch das Gemeindewappen zeigt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Bürgerzentrum Pfungstadt-Hahn mini|Friedenseiche von 1876, gepflanzt anlässlich des Sieges über Frankreich 1871

Regelmäßige Veranstaltungen Das größte Fest im Ort ist die Kerb, die von den örtlichen Vereinen ausgerichtet wird und am Sonntag nach dem Michaelistag (29. September) stattfindet. Im Juli findet im Sportpark ein Sommerfest statt und am evangelischen Gemeindehaus das Sommer-Backofen-Fest.

Evangelische Kirche Sehenswert ist die 1703 erbaute evangelische Kirche, die sich in der Dorfmitte befindet.

Naturdenkmäler Der Ort beherbergt das Naturdenkmal Schillereiche von 1806 (Schillerasch im Volksmund). Die Friedenseiche von 1876 (Aschbom) war ebenfalls 1938 als Naturdenkmal ausgewiesen worden, sie wurde jedoch 2013 aus der Liste gelöscht.

Heimatstube Im ehemaligen Rathaus befindet sich die örtliche Heimatstube, in der u. a. ein Kolonialwarenladen ausgestellt ist, sowie eine Fliegerbombe, die 2010 geborgen wurde.

Bürgerzentrum Im Jahr 1955 wurde mit dem Bau des Feuerwehrhauses begonnen, in das die Freiwillige Feuerwehr Hahn im Mai 1956 einziehen konnte. Das Feuerwehrhaus wurde am 18. April 1959 offiziell übergeben. Inzwischen wurden die Feuerwehren von Hahn, Eschollbrücken und Eich vereint und eine neue Zentralstation Feuerwehr Pfungstadt-West gebaut. Nachdem die Feuerwehr umgezogen war, wurde das bisherige Feuerwehrhaus im Jahr 2010 komplett renoviert und zu einem Bürgerzentrum umgestaltet. Das Bürgerzentrum ist für Feiern wie Konfirmationen, Geburtstage etc. zu mieten. Aber es dient auch als Wahllokal für Frauentreffs und ähnliche Veranstaltungen.

Sport und Kulturvereine Sport Das Sportleben wird durch den SV Hahn e.V. geprägt. Dieser entstand 1971 aus der Fusion der SKG Hahn und dem TV Hoffnung Hahn. Der Sport in Hahn fußt des Weiteren auf den vier Vereinen TV Hoffnung Hahn gegr. 1901, der FTG Hahn gegr. 1906, dem Fußballclub Olympia Hahn gegr. 1909 und der 1945 entstandenen SKG Hahn.

1927 und 1928 konnte durch die Mitglieder der FTG eine hölzerne Turnhalle gebaut werden, diese fiel während des II. Weltkrieges einem Luftangriff zum Opfer.