mini|Feldpostkarte, ca. 1916: „Mit solchen Mitteln arbeiten Deutschlands Feinde.“ mini|Наука Немцу (Dem Deutschen eine Lehre), Russland 1914 Die Propaganda im Ersten Weltkrieg wurde gegenüber der eigenen und der Bevölkerung der Kriegsgegner vielfältiger als Propaganda zuvor in zwischenstaatlichen Konflikten eingesetzt, wobei die größere Verbreitung von Massenmedien in den kriegführenden Staaten dieses Mittel unterstützte. Alle am Ersten Weltkrieg beteiligten Staaten, die Mittelmächte ebenso wie die Entente, machten sich diese Art der Kriegsführung zunutze, jedoch gibt es in der Zielsetzung und der Art und Weise Unterschiede. Erstmals wurden in diesem Krieg neben Plakaten, Flugblättern und Zeitungen auch die Fotografie und der Film als Propagandamedium eingesetzt (siehe: Propagandafilm).
Zur Koordination der unterschiedlichen Medien und gezielter Massenpropaganda wurden von den am Krieg teilnehmenden Staaten zunehmend spezialisierte Behörden im Laufe der Kriegsjahre herausgebildet.
Art der Propaganda und ihre Ziele in den verschiedenen Staaten Die Mittelmächte und ihre Verbündeten Deutsches Reich Die für Propagandaarbeit zuständige Behörde im Deutschen Kaiserreich war 1914 in erster Linie das Kriegspresseamt im Großen Generalstab, das bei der Sektion III b angesiedelt war. Auch das Reichsmarineamt unterhielt ein eigenes Presse- und Propagandabüro, das aber im Herbst 1914 zum großen Teil in das Kriegspresseamt integriert wurde. Um aber das Primat der Politik zu wahren, gründete das Auswärtige Amt am 5. Oktober 1914 die Zentralstelle für Auslandsdienst aus der durch den Druck der Militärs 1916 die Militärische Stelle des Auswärtigen Amtes (MAA) (gegründet 1. Juli 1916) hervorging. Im Gegenzug dazu gründete die Abteilung IV (Nachrichten) des Auswärtigen Amtes im November 1916 die „Militärische Film- und Fotostelle“ die dann im Januar 1917 im „Bild- und Filmamt“ (BuFA) aufging. Alle drei staatlichen Einrichtungen unterhielten jeweils eine eigene „Zensurstelle“ zur Beobachtung der in- und ausländischen Presse. Darüber hinaus existierten zum Zeitpunkt des Kriegsbeginns etwas mehr als 20 private Nachrichten- und Presseorganisationen, die ähnliche Ziele verfolgten.
mini|Deutsche Kriegskinematografen an der Westfront, 1917 mini|Propagandaverschlussmarken aus der Zeit des Ersten Weltkriegs mini|Deutsche Wohlfahrts-Karte Jeder Schuß – ein Russ’! Jeder Stoß – ein Franzos’! Nun woll’n wir sie mal dreschen! Die deutsche Propaganda konzentrierte sich darauf, die eigene Stärke herauszustellen, die Kampfmoral an der „Heimatfront“ zu stärken, für Kriegsanleihen zu werben und den englischen Imperialismus zu persiflieren. Auch auf deutscher Seite gab es Gräuelpropaganda, die ähnlich ausgeprägt war wie auf französischer und britischer Seite. Zu den Falschmeldungen zählten Berichte von der angeblichen Bombardierung Nürnbergs am 2. August und Gräuelgeschichten über die Kampfweise von alliierten Soldaten aus den Kolonialgebieten (wie etwa die Gurkhas bei den Briten oder Afrikaner im französischen Heer), die angeblich bei Nacht in deutsche Schützengräben eindrängen, schlafenden deutschen Feldgrauen die Kehle durchschneiden würden und deren Blut tränken. Sie lancierten auch die Falschmeldung, Belgier hätten deutschen Kriegsgefangenen die Augen ausgestochen. Tatsächlich hatten deutsche Truppen bei der Eroberung von Lüttich im August zahlreiche Kriegsverbrechen begangen, ebenso später bei der Eroberung Belgiens.
In den letzten Kriegsjahren warb die Heeresleitung mit Fotos kriegszerstörter französischer Städte um Dankbarkeit der Bevölkerung für die Soldaten, dass sie die Westfront von Deutschland fernhielten. Besonders die Bevölkerung des Kaiserreiches Russlands wurde als ein Volk von Barbaren ohne Moral und Sitte verunglimpft.
Im Oktober 1914 wurde ein Aufruf „An die Kulturwelt!“ veröffentlicht und massenhaft verbreitet, in dem jegliche deutsche Kriegsschuld zurückgewiesen und die deutsche Heerführung pauschal in Schutz genommen wurde („poetische Mobilmachung“). Dieser auch von Regierungsstellen vorbereitete und von 93 namhaften Künstlern und Wissenschaftlern unterzeichnete Aufruf spiegelte eine weitgehend national-konservative Grundhaltung unter vielen deutschen Intellektuellen wider, der sich im weiteren Verlauf des Krieges auch der Schriftsteller Thomas Mann mit seinen 1918 erschienenen Betrachtungen eines Unpolitischen anschloss.
Eine vergleichsweise moderne Propaganda betrieb die Kaiserliche Marine. Unter Kapitän zur See Heinrich Löhlein begann das „Nachrichtenbureau der Reichsmarine“ unmittelbar bei Kriegsbeginn mit dem Verschicken von Nachrichten über die deutsche Seekriegsführung in neutrale Staaten. Kurz darauf wurden auch Flugblätter, Plakate und Broschüren mit positiven Berichten über die deutsche Flotte in neutralen Staaten verbreitet, insbesondere in Italien und den USA.
Die Heeresleitung erließ einerseits strenge Zensurvorschriften, die die Recherche ausländischer Journalisten schon bei Kriegsbeginn stark einschränkten, ließ auf der anderen Seite aber in großem Umfang Interviews zu, um ihre Sicht des Krieges international zu verbreiten. Bereits Ende August nahm das erste Dutzend deutscher Korrespondenten an den Fronten die Arbeit auf. Die Briten erlaubten dies erst im Juni 1915. Im Oktober 1914 nahm im deutschen Außenministerium die Zentralstelle für den Auslandsdienst unter Matthias Erzberger die Arbeit auf und versorgte 27 Agenturen im Ausland mit deutschfreundlichen Meldungen. Da die Briten wenige Tage nach Kriegsbeginn das Atlantikkabel kappten, waren die Deutschen auf die Nachrichtenübermittlung per Funk angewiesen. Der stärkste Sender in Nauen reichte allerdings bis nach Mexiko. Die Überseedienst-Transocean GmbH kaufte Zeitungen im neutralen Ausland und gab dort neue Blätter heraus. Diese Bemühungen stießen jedoch noch 1914 vielerorts auf Widerstand. In mehreren neutralen Ländern erkannte die Öffentlichkeit die deutsche Informationsoffensive schnell als Propaganda. Zum Teil verbaten sich die Regierungen bei den deutschen Botschaftern ein solches Vorgehen.
Schon mit dem Überfall auf Belgien zu Beginn des Krieges befand sich das Deutsche Reich in der Rolle des Angreifers, was seine Möglichkeiten auch auf dem propagandistischen Schlachtfeld massiv einschränkte, die seiner Kriegsgegner aber umso mehr vergrößerte. Mit der Hinrichtung tausender belgischer Zivilisten und der Zerstörung mehrerer Städte, insbesondere Löwens, machten die deutschen Truppen nahezu alle Möglichkeiten zur positiven Auslandspropaganda zunichte und gaben den gegnerischen Mächten reichlich Material für deren Propaganda an die Hand. Dieser Effekt verstärkte sich noch durch die weltweite Empörung über die Hinrichtung von Edith Cavell durch deutsches Militär, die als Krankenschwester Fluchthilfe für kriegsgefangene alliierte Soldaten betrieben und auch für Frankreich spioniert hatte. Im Gegenzug war die deutsche Führung bemüht, zu zeigen, dass auch die Engländer mit „Verrätern“ und „Spionen“ nicht zimperlich umgingen, was aber kaum einen Effekt erzielte. So stand besonders das Schicksal des irischen Freiheitskämpfers Roger David Casement im Mittelpunkt. Er hatte sich 1914 an Deutschlands Seite gestellt und wurde im August 1916 wegen Hochverrats hingerichtet. Dies und die Versuche, die britische Blockade für Versorgungsengpässe in der deutschen Zivilbevölkerung verantwortlich zu machen, verfingen in der Weltöffentlichkeit nicht.
mini|Aus der Lübecker Kriegsausstellung im Kolosseum. Das Rote Kreuz veranstaltete ab 1916 eine zur weiteren Mittelzuführung dienende Kriegsausstellung, in der sie den Daheimgebliebenen, wie es hieß, durch die Völkerringen darstellende feindliche Kriegsbeute Eindrücke von greifbarer Wirklichkeit zu vermitteln suchte.Die Lübecker Kriegsausstellung. In: Vaterstädtische Blätter, Jahrgang 1916/17, Nr. 6, Ausgabe vom 5. November 1916, S. 21–22. Eine 1915 in den Ruinen von Serre-les-Puisieux an der Somme-Front aufgebaute private Ausstellung, über die auch in der Feldzeitschrift Der Schützengraben berichtet wurde, machte mittels allegorischer Standbilder und Beschriftungen die Regierungschefs der Alliierten lächerlich und verunglimpfte auf rassistische Weise die (gegnerischen) Kolonialsoldaten.
Mit Hilfe von Feldpostkarten versuchte die Deutsche Heeresleitung, der Bevölkerung in der Heimat normalerweise schreckliche Taten wie die Zerstörung von Kulturgütern einerseits als Beweis für den eigenen militärischen Erfolg, andererseits als Selbstverschulden des Gegners darzustellen. Ab 1917 wurde auch in Form des Vaterländischen Unterrichts versucht, den Durchhaltewillen der Soldaten und der Bevölkerung zu stärken. Die Deutsche Grammophon Aktiengesellschaft produzierte überdies in der Serie Vaterländische Zonophon-Aufnahmen zum Besten deutscher Krieger und deren Angehörigen mindestens 25 Schellackplatten, die orchestrierte patriotische Lieder, Märsche oder Minidramen wie „Die Erstürmung von Lüttich“ (in verharmlosend vereinfachter und verkürzter Form) enthielten.
Ein wichtiges Medium der psychologischen Kriegsführung war die Gazette des Ardennes, eine deutsche Besatzungszeitung die zunächst in Nordfrankreich und Belgien, später im gesamten französischen Sprachraum große Verbreitung fand. Sie war ein Gemeinschaftswerk deutscher und französischer Journalisten, das seine Auflage während der Kriegsjahre fortwährend zu steigern vermochte. Die professionelle Aufmachung der Gazette des Ardennes und ihr hoher Propagandawert wurden auch von der alliierten Seite anerkannt. Eine andere, weniger subtile Form der psychologischen Kriegsführung, war der Marsch französischer Kriegsgefangener durch Lille vor den Augen der einheimischen Bevölkerung, um ihr die Wehrlosigkeit des eigenen Heeres zu symbolisieren. Als Feldpostkarte wurde mit diesem Motiv den Angehörigen zu Hause die angebliche Unfähigkeit des Gegners vermittelt.
Österreich-Ungarn Zuständige Behörde war das K.u.k. Kriegspressequartier (KPQ) (gegründet 28. Juli 1914).
Das Medium Film wurde in Österreich-Ungarn durch Kriegswochenschauen und Propagandafilme genutzt. Häufig genutzte Methoden waren die Herabwürdigung und Lächerlichmachung des Gegners, die Beschwörung der eigenen Stärke (Unsere Kriegsflotte, 1914), der Kampf- und Siegesmoral (Siegreich durch Serbien, 1915) und die Verdeutlichung der Notwendigkeit sein Land zu unterstützen, sei es durch die Meldung zum Kriegsdienst (Mit Herz und Hand fürs Vaterland, 1915) oder durch das Zeichnen von Kriegsanleihen (Das Kriegspatenkind, 1915). Die erste Kriegswochenschau erschien im September 1914 und wurde von der Wiener Kunstfilm-Industrie produziert. Filme wie Wochenschauen unterlagen der Zensur, Operateure aus dem verfeindeten Ausland wurden zu Kriegsbeginn des Landes verwiesen, aus verfeindeten Ländern stammende Filme unterlagen einem Importverbot, was die österreichische Filmwirtschaft stark beflügelte.
Plakate und Flugblätter verbreiteten verherrlichende Grafiken von Soldaten oder denunzierten die gegnerischen Kriegsparteien mit Propagandasprüchen wie „Jeder Schuss ein Russ, jeder Stoß ein Franzos, jeder Tritt ein Britt, jeder Klapps ein Japs.“ und „Serbien muss sterbien“. Karikaturen waren ebenfalls ein populäres Propagandainstrument. Auch Trickfilme wurden als Propagandamittel eingesetzt. Prominente Zeichner und Karikaturisten der damaligen Zeit konnten hierfür gewonnen werden: Theo Matejko, Karl Robitschek und Theo Zasche.
Kriegsausstellungen