Liefering ist ein Stadtteil im Nordwesten der Stadt Salzburg in Österreich. Begrenzt wird der geschlossene Stadtteil (Siedlungsraum) Liefering im Südosten vom Glanbach und dem Glankanal, im Südwesten bildet die Bahnlinie Salzburg–Rosenheim die Grenze und im Nordwesten die Saalach. Im Osten begrenzt die Salzach den Stadtteil. Der Siedlungskern von Liefering endet dabei am Grünraum um Mühlbach und Altglan. An diesen Grünraum schließt östlich räumlich deutlich getrennt die Salzachseesiedlung an, die ebenfalls zum Stadtteil Liefering zählt. In Liefering mit seinen 697,9 ha leben heute 14.500 Bewohner; Liefering ist damit nach Lehen der bevölkerungsreichste Stadtteil Salzburgs.

Der Salzburger Stadtteil Liefering entspricht der Katastralgemeinde Liefering II, das viel kleinere Liefering I gehört zu Wals-Siezenheim. Die südlichen Teile gehören zur Katastralgemeinde Maxglan. 350px|rechts|Der Salzburger Stadtteil Liefering (hier ohne den Salzachseeraum)

Namensgebung Erstmals erscheint der Name Liefering in den Breves Notitiae im 8. Jahrhundert als „Liueringe“. Die bajuwarische Nachsilbe -ing bezeichnet eine Zugehörigkeit. Im Bestimmungswort wird ein Personenname Lifero vermutet, der selbst auf den romanischen Namen Libero zurückgehen dürfte.Franz Hörburger: Salzburger Ortsnamenbuch, bearbeitet von Ingo Reiffenstein und Leopold Ziller, hrsg. von der Salzburger Gesellschaft für Landeskunde, Salzburg 1982 (ohne ISBN) Der Ortsname Liefering bezeichnete somit ursprünglich eine Wohn- und Aufenthaltsstätte, wo eine Person dieses Namens und ihre Angehörigen anzutreffen waren.

Geschichte Im Umfeld des Missionsklosters wurden Wohnstellen und Werkzeuge der Jungsteinzeit ausgegraben. Auch aus der Bronzezeit wurden am Grafenhügel Wohnstellen und Gerätschaften geborgen. Wie viele archäologische Funde belegen, wurde Liefering auch in den keltischen Epochen Hallstattzeit und Latènezeit sowie danach in der Zeit des römischen Imperiums bewohnt.

mini|links|Schautafel des Lieferinger Kulturwanderweges zur Dokumentation der Geschichte des Stadtteils Streufunde aus der Zeit der römischen Eroberung des Gebietes belegen eine kurzzeitige Besiedlung des Ortes. Hauptsächlich wurden 1985 im Zuge einer Rettungsgrabung sogenannte Auerberg-Keramiktöpfe und eine Fibel aufgefunden. In einiger Entfernung von dieser vermuteten Siedlung fand man beim Schotterabbau Brandgräber aus derselben Zeit. An Grabbeigaben konnten eiserne Waffen (Schwerter, Lanzenspitzen, Schildbuckel) geborgen werden, darunter befand sich auch ein römisches Kurzschwert (gladius). Die Schwerter waren nach keltischer Sitte verbogen und damit als Opfer- oder Grabbeigaben gekennzeichnet. Der gladius und dieses Bestattungsritual, das im Salzburger Raum zu dieser Zeit unüblich war, deuten auf keltische Hilfstruppen aus den Südalpen hin.Fritz Moosleitner: Zur Kontinuität von der Spätlatènezeit zur frühen Kaiserzeit im Salzburger Land. In: Kolloquien zur Vor- und Frühgeschichte (im Druck).Susanne Sievers/Otto Helmut Urban/Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K und L–Z; Mitteilungen der prähistorischen Kommission im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 1640 f.

Liefering liegt unmittelbar am Rand der Friedhofsterrasse an einem alten Übergang (Furt, später Brücke, diese seit 1372 urkundlich) über die Saalach und ging aus einer schon im späten 8. Jahrhundert belegten Kirchensiedlung hervor. Die heutige Pfarrkirche von Liefering, den Heiligen Petrus und Paulus geweiht, ist urkundlich erstmals um 790 erwähnt und war ursprünglich eine Filialkirche von Siezenheim. Die heutige spätgotische Kirche mit ihrem romanischen Kern wurde 1516 geweiht. In der Schlacht am Walserfeld zwischen Österreich und den napoleonischen Truppen im Dezember 1800 war auch der Grafenhügel in Liefering heftig umkämpft.

Der Landschaftsraum östlich der Ortschaft Liefering unterhalb der Friedhofsterrasse gehörte bis zur Salzachregulierung zum Überschwemmungsgebiet der Salzach, das einst von der Glan und dem Mühlbach (einem Seitenarm desselben) sowie von einigen breiten Seitenarmen der Salzach durchflossen war. Dieses Auland wurde wesentlich fischereiwirtschaftlich genutzt und lieferte daneben z. T. auch Brennholz. Teilweise war hier auch extensiv genutztes Weide- und Wiesenland. Erst im 15. bzw. 16. Jahrhundert siedelten sich in Liefering erste Gewerbetreibende an (etwa 1549 Papiermühle und 1675 Pulvermühle in Rott). Die meisten Häuser des älteren Ortskernes entstanden erst im 18. Jahrhundert. 1860 wurde Liefering durch den Ausbau der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn von der Gemeinde Siezenheim abgeschnitten, dessen Teil Liefering nach 1849 geworden war.

1934 ereignete sich der Lieferinger NS-Putsch. Der im 20. Jahrhundert rasch angewachsene Ort wurde 1939 in die Stadt Salzburg eingemeindet. Der 1938 begonnene Bau der Reichsautobahn brachte abermals eine Zerschneidung des Ortes, welcher erst vor wenigen Jahren durch die Überbauung der Autobahn in diesem Bereich behoben wurde.

Die Katastralgemeinde Liefering (in der heute die Grenze der einstigen Gemeinde Liefering dargestellt werden), in der der heutige Stadtteil Liefering liegt sowie isoliert davon die Salzachseesiedlung, erstreckt sich in den äußersten Norden der Stadt Salzburg und wird dort durch den Saalachspitz begrenzt, an dem die Saalach in die Salzach mündet. Der Verlauf der Saalach bildet bis zur Eisenbahnbrücke (Bahnlinie Salzburg – München) auch die Stadtgrenze in Richtung Freilassing. In Richtung Osten wird die Katastralgemeinde Liefering gegen die Katastralgemeinde Bergheim durch die Salzach und gegen die Katastralgemeinde Itzling durch die Aribonenstraße begrenzt. Im Süden reicht die Katastralgemeinde weit in den heutigen Stadtteil Lehen hinein. Dort bilden die Paumannstraße und die Franz-Martin-Straße dieser heute lediglich historisch und grundbücherlich wichtigen Grenzlinie.

Bedeutende Ereignisse und Objekte zur Geschichte des Stadtteils werden in einer Reihe von öffentlich aufgestellten, über den Stadtteil verstreuten Schautafeln, dem Lieferinger Kulturwanderweg, dokumentiert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die beiden Lieferinger Kirchen mini|hochkant|Alte Lieferinger Pfarrkirche mini|Pfarrzentrum St. Martin Die Alte Lieferinger Pfarrkirche ist den Heiligen Petrus und Paulus geweiht und steht erhöht im historischen Ortszentrum von Liefering. Ihr barocker Kirchturm ist weithin zu sehen. Die ältesten Baureste reichen bis ins frühe 8. Jahrhundert zurück. Auch Reste eines romanischen Saalbaus wurden unter dem Fußboden der Kirche ausgegraben. Urkundlich besteht die Kirche seit 790. Lange war sie eine Filialkirche von Siezenheim. Der heutige gotische Bau mit seinem hohen, von einem Netzrippengewölbe bekrönten Kirchenschiff wurde 1516 geweiht. Bemerkenswert sind die acht Altarbilder vom spätgotischen Hochaltar (um 1465, vom „Meister von Liefering“ geschaffen). Die spätbarocken Altäre wurden 1791 gefertigt. Seit 1940 ist das Gotteshaus eine eigene Pfarrkirche. Das Pfarrzentrum St. Martin im jungen Siedlungsraum Liefering-Lehenau ist ein moderner sakraler Bau. Die Linzer Architekten Rüdiger Stelzer und Walter Hutter zeichneten die Pläne. Die Kirche wurde 1980 von Erzbischof Karl Berg eingeweiht. Die geometrische Form des Kreises beherrscht den Kirchenbau: Der Sakralraum ist als Halbkreis gestaltet, in welchen zwei Decken in dynamischer Rundung vorschwingen. Auch der Kirchturm besitzt offene Rundmauern. Bemerkenswert ist die Taufkapelle mit ihrem tiefliegenden, ebenfalls runden Taufstein.

Liefering in Literatur und Film

Vom Saalachspitz als abgelegenem Treffpunkt von Kriegsflüchtlingen aus dem Osten berichtet der Salzburger Autor Wolfgang Kauer in seiner von Juror Julian Schutting preisgekrönten Erzählung Treibgut am Saalachspitz. Der Text basiert auf Faktenwissen gemäß Zeitzeugin-Bericht.Wolfgang Kauer: Funken regen. Prosa. Verlag arovell, Gosau, Salzburg, Wien 2010, S. 4–14. ISBN 978-3-902547-08-8 Liefering bzw. eigentlich die in diesem Stadtteil liegende General-Keyes-Siedlung ist Hauptdrehort des autobiographischen Films Die beste aller Welten von Adrian Goiginger aus dem Jahr 2017.

Liefering und seine Teile Liefering lässt sich heute in folgende Teile gliedern: Altliefering, Neuliefering, Liefering-Lehenau (nächst dem Glankanal östlich der Münchner Bundesstraße), die Offizierssiedlung und das salzachnahe Messezentrum Salzburg, Rott (samt der Herrenau) und Forellenwegsiedlung.

Altliefering (Kirchenviertel) Altliefering ist ein altes Haufendorf. Am Rand der Friedhofsterrasse der Salzach gelegen war es ursprünglich ein Bauerndorf, wobei die Fischerei schon seit der frühen Neuzeit vielfach einen Nebenerwerb darstellte. Seit 1493 hatten die Lieferinger Schiffer das Recht im Winter gegen Reichung eines „Fischdienstes“ an der Salzach zu fischen. Auch lagen in Liefering fünf eigene Fischweiher.

Der Ortskern liegt dabei im nächsten Raum um die Kirche am Grafenhügel. Ursprünglich ist im Raum Liefering ein einziges altes bäuerliches Stammgut im adeligen Besitz denkbar. Durch Teilung alter „Vollhuben“ könnten dann im Lauf der Geschichte viele kleinere Güter („Gütln“ genannt) entstanden sein. Liefering bestand im Jahr 1830 aus 91 Häusern und hatte 560 Bewohner. Der historische Ortskern gliedert sich in zwei Teile, das stadtnahe Oberdorf und das heute nördlich der Autobahn gelegene Unterdorf. Seit dem Bau der Autobahn 1939 (mit der Unterbrechung 1941 bis zur Fertigstellung in den späteren 1950ern) war der Ort geteilt. Erst durch die Errichtung des etwa 500 Meter langen Umweltschutztunnels Liefering, von der Anschlussstelle Salzburg Mitte Richtung Walserberg, Herbst 1999–2001, ist der Ort wiederhergestellt, was der einzige Zweck dieser Baumaßnahme war und die Stadtentwicklung des durch die Autobahntrasse isolierten Salzburger Nordostens fördern soll. Die Überdeckung ist Freifläche., Projekt-Steckbrief, Ingenieurbüro Laabmayr & Partner ZT, laabmayr.at → Referenzen

mini|Baldehof mini|Schlossbauerngut

Bemerkenswert sind in diesem alten Siedlungsraum (neben wenigen erhaltenen Bauernhäusern) folgende Herren- und Gutshöfe: Der Baldehof war zumindest 300 Jahre lang ein landwirtschaftliches Gut und hieß ursprünglich Lechner- oder Grafengut. 1889 wurde das Gut von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern erworben. Seit 1993 ist der Baldehof als Pfarrhof der alten Pfarre Liefering, seit dem Jahr 2000 als überregionales Pfarrzentrum genutzt. Das Schlossbauerngut mit der St.-Anna-Kapelle: Dieser freistehende Sitz mit seinem hohen Dach ist zuerst 1463 erwähnt. Neu errichtet wurde das Gebäude unter Leonhard Ehrgott in den Jahren nach 1600. Auch die nebenstehende Kapelle zur heiligen Anna (richtiger Kapelle Maria Himmelfahrt) wurde 1606 errichtet. Der Rokokostuck des Gewölbes und der Altar stammen aus der Zeit nach 1750. Das einstige Bauerngut wurde und wird in seinem auffälligen und stattlichen Erscheinungsbild immer wieder als Schloss bezeichnet.

Liefering-Nord Der Raum Liefering Nord ist einer der jüngsten Siedlungen der Stadt, ein Teil der Stadt, der praktisch zur Gänze die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Während die dortigen stadtnahen Wohnhäuser großteils etwa zwischen 1960 und 1970 entstanden sind, ist das großräumige Gewerbegebiet im Norden der Stadt weitestgehend erst nach dem Jahr 1970 gewachsen. Die neu trassierte Münchner Bundesstraße, die diese Siedlungen aufschließt, ist hier erst 1960 fertiggestellt worden.

Rott