Flerden () ist eine politische Gemeinde der Region Viamala des Kantons Graubünden in der Schweiz.

Geographie Der Ort ist ein Haufendorf und das nördlichste der oberen Heinzenberger Dörfer. Vom gesamten Gemeindeareal von 606 ha sind 331 ha landwirtschaftliches Nutzgebiet (rund die Hälfte davon Alpwirtschaften), 182 ha von Wald und Gehölz bedeckt, 71 ha unproduktive Fläche (meist Gebirge) und die restlichen 22 ha Siedlungsfläche.

Flerden grenzt an Masein, Cazis, Safien (Gemeinde Safiental), Tschappina, Lohn (Gemeinde Muntogna da Schons) und Urmein.

Geschichte Der 1156 als Flirden erwähnte Grosshof Flerden gehörte samt dem Hof von Urmein zu den Besitzungen des Klosters Cazis. Landesherren waren bis 1337 die Vazer, dann die Werdenberger sowie die Rhäzünser, ab 1475 der Bischof von Chur. 1709 kaufte Flerden die letzten bischöflichen Rechte aus. Bis 1851 bildete Flerden eine Nachbarschaft der Gerichtsgemeinde Heinzenberg. Nicht bekannt ist der genaue Verlauf einer 1426 erwähnten Letzi, die wohl der Sicherung des Glaspasses diente.

1466 ist eine Kapelle St. Leonhard belegt. Kirchlich gehörte Flerden zu Hohenrätien, ab 1505 zu St. Gallus in Portein. 1530 bis 1540 erfolgte die Reformation, 1670 die kirchliche Ablösung von Portein. Die bereits um 1900 praktisch abgeschlossene Germanisierung erfolgte vor allem von Tschappina aus. 1901 wurde die Verbindungsstrasse zu Thusis fertiggestellt. Viehwirtschaft dominierte 1893 wurde eine Viehzuchtgenossenschaft gegründet. In den 1960er Jahren erfolgte die Melioration. Flerden ist immer noch eine bäuerliche Gemeinde: 2000 arbeiteten drei Viertel der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft.

Wappen

Bevölkerung mini|Blick auf Flerden + Bevölkerungsentwicklung Jahr 1808 1850 1900 1910 1950 1970 1980 1990 2000 2004 2016 2020 Einwohner 148 122 109 122 150 105 128 158 160 191 247 247

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sank die Bevölkerung durch Abwanderung stark (1808–1850: −17,6 %). Anschliessend stagnierte sie (mit Ausnahme von 1888 und 1900) bis ins Jahr 1910 um eine Bevölkerungszahl von 120 Personen. Zwischen 1910 und 1941 kam es zu einem starken Einwohnerwachstum (1910–1941: +24 %). Nach einem weiteren Jahrzehnt Stagnation kam es von 1950 bis 1970 zu einer grossen Abwanderung aus der Gemeinde (1950–1970: −30 %). Nach diesem Allzeittief wächst die Bevölkerung seither ununterbrochen und hat sich beinahe auf einen neuen Höchststand verdoppelt (1970–2004: +82 %).

Sprachen Rätoromanisch (beziehungsweise dessen Idiom Sutsilvan) wurde ursprünglich von einer Mehrheit der Einwohnerschaft als Muttersprache gesprochen. Dies war bis in die Neuzeit so. Doch während 1880 noch 63,9 % der Bevölkerung diese Sprache benutzten, war der Anteil 1941 bereits auf 12,6 % gesunken. Deutsch ist alleinige Amtssprache. Die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten zeigt folgende Tabelle auf:

+ Sprachen in Flerden Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000 Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl AnteilDeutsch 123 96,09 % 157 99,37 % 153 96 %Rätoromanisch 4 3,12 % 1 0,63 % 6 4 %Einwohner 128 100 % 158 100 % 160 100 %

Herkunft – Nationalität Von den Ende 2004 191 Bewohnern waren 188 (= 98,43 %) Schweizer Bürger. Bei der letzten Volkszählung waren 157 (= 98,13 %) Schweizer Staatsangehörige, darunter vier Doppelbürger. Die wenigen Zuwanderer kommen aus Italien und Deutschland.

Religionen – Konfessionen mini|x230px|Kirche mit Turm Zwischen 1530 und 1540 wurde die Reformation eingeführt. Während Jahrhunderten gehörte die gesamte Einwohnerschaft der Evangelisch-Reformierten Landeskirche an. Durch Kirchenaustritte und Zuwanderung hat sich dies geändert. Mit Stand 2000 gab es 72,50 % evangelisch-reformierte und 16,25 % römisch-katholische Christen. Daneben fanden sich 8,75 % Konfessionslose. Die restlichen 2,5 % der Bewohner machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis.

Sehenswürdigkeiten Unter Denkmalschutz steht die reformierte Dorfkirche.

Politik Der Gemeindepräsident ist Michael Johanni (Stand 2023).

Persönlichkeiten Johann Anton Caflisch (1860–1925), Jurist und Politiker

Literatur Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden III. Die Talschaften Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 11). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1940. .

Weblinks

Offizielle Website der Gemeinde Flerden Flerden Tourismus (Fotos) auf viamala.ch

Einzelnachweise

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