Egg war eine von 1968 bis 1974 bestehende britische Canterbury-Band, die rein geografisch gesehen jedoch nichts mit der Gegend um Canterbury zu tun hat. Ihre Musik ist eine Kombination aus Progressive Rock mit Elementen von Psychedelic Rock, Avantgarde und klassischer Musik. Die Band ist nicht zu verwechseln mit The Egg, wenngleich der ursprüngliche Name der Band tatsächlich so lautete.

Geschichte Von Uriel zu Egg Begonnen als Schul-Blues-Band in der City of London School trat die Urbesetzung von Egg Anfang 1968 unter dem Namen Uriel in einem Jugendclub in Sheen, Surrey, im Mai und Juni 1968 dann in London und Woodford auf: Dave Stewart (Orgel/Keyboards), Mont Campbell (Gesang und Bassgitarre), Clive Brooks (Schlagzeug) sowie Steve Hillage (Gitarre). In dieser Besetzung spielten sie ursprünglich Coverversionen von Cream, Jimi Hendrix, John Mayall & the Bluesbreakers, The Nice u. a. Für Fairport Convention und The Crazy World of Arthur Brown traten sie damit im Vorprogramm auf.

Nach der Aufnahme der ersten Demos (Saturn (The Bringer Of Old Age), Bogey Man) im Juli 1968 verließ Gitarrist Steve Hillage die Band im August desselben Jahres, um zunächst sein Abitur zu machen und anschließend ein Philosophie-Studium an der Universität von Kent in Canterbury zu beginnen. Im November 1968 nahmen sie als Uriel-Trio weitere Demos mit eigenen Songs auf, die jedoch erst 2007 auf dem Album Arzachel by Uriel als Bonustracks veröffentlicht wurden. 1969 entschloss sich die Band nicht mehr nur Coverversionen zu spielen, sondern mehr und mehr eigenes Material zu komponieren. Als Komponisten taten sich besonders Dave Stewart und Mont Campbell hervor, der vor allem durch seine Texte, die einen ausgeprägten britischen Sinn für Humor zeigten, auffiel. Allerdings spielten sie weiterhin im Vorprogramm von z. B. Soft Machine oder Family.

Ab Dezember 1968 trat Uriel regelmäßig im psychedelischen Club Middle Earth in London auf, meist als Support für bekannte Bands wie Captain Beefheart oder Love Sculpture. Die beiden Geschäftsführer des Clubs waren von Uriels Musik begeistert und wollten die Gruppe zukünftig unterstützen und eigene Band-Produktionen auf einem neu zu schaffenden Plattenlabel veröffentlichen, allerdings nur unter einer Bedingung:

Schmackhaft gemacht wurde die Namensänderung mit einer Aufstockung des Bühnenequiments, einer neuen Hammond-Orgel für Dave Stewart sowie zahlreichen weiteren Auftritten.

Zunächst änderte Uriel im Januar 1969 den Namen in The Egg, was bereits wenig später zu Egg gekürzt wurde. Unter diesem Namen erschien im August 1969 die Debütsingle Seven Is A Jolly Good Time / You Are All Princes auf dem Label Nova, einem Tochterunternehmen von Decca Records. Zuvor hatte die Band im Mai 1969 noch einen Plattenvertrag bei Decca unterzeichnet, da das Middle Earth-Management es nicht fertig brachte, ein eigenes Label auf die Beine zu stellen.

Arzachel Intermezzo Kurze Zeit nach Unterzeichnung des Plattenvertrages bei Decca unterbreitete der Eigentümer von Zackariya Enterprises, Mohamed Zackariya, Dave Stewart das Angebot, eine LP mit zu dieser Zeit sehr gefragter psychedelischer Musik aufzunehmen. Weil jedoch Egg vertraglich an Decca gebunden war, entschied sich die Gruppe, unter dem Namen Arzachel wieder zusammen mit Steve Hillage an der Gitarre – also in der ursprünglichen Uriel-Besetzung – dem Angebot nachzukommen. Im Juni 1969 wurde das Album Arzachel unter dem gleichnamigen Bandnamen an einem einzigen Tag in einer einzigen Session aufgenommen, die Veröffentlichung erfolgte im Herbst 1969 auf dem Londoner Underground-Label Evolution. Damit es zu keiner Verwechslung mit dem kommenden Nova/Decca-Material unter dem Namen Egg kommen konnte, legten sich die Musiker Alter Egos zu, welche sie mit eigens ausgedachten Biographien unterlegten: Aus Mont Campbell wurde Njerogi Gategaka, aus Clive Brooks Basil Dowling, Steve Hillage wurde zu Simeon Sasparella und Dave Stewart zu Sam Lee-Uff. Eigentlich sollten diese Pseudonyme zunächst geheim bleiben, jedoch hatte ein Freund der Band dem Melody Maker davon erzählt und damit das Geheimnis vorzeitig gelüftet. Das Album wurde 2007 als Arzachel (Collectors Edition) by Uriel wiederveröffentlicht. Diese offizielle Band-Veröffentlichung enthielt eine neu gemasterte Version des Originalalbums sowie vier unveröffentlichte Uriel-Studio-Demos aus der Anfangszeit.

Nach Aussage von Mont Campbell wurden von Arzachel nur rund 1000 Exemplare gepresst, so dass das Originalalbum inzwischen zu einem begehrten Sammlerobjekt geworden ist.

Produktionen als Egg Im März 1970 erschien das erste eigentliche Egg-Album Egg auf dem Decca Unterlabel Nova, welches neben eigenen Songs auch Adaptionen von klassischen Kompositionen von J. S. Bach (Toccata und Fuge d-Moll, in Fugue In D Minor), Edvard Grieg (In der Halle des Bergkönigs, in Symphony No. 2 - Movement 1), Igor Strawinsky (Cercles Mystérieux Des Adolescentes aus Sacre du Printemps, in Symphony No. 2 - Movement 3) und Gustav Holst (Neptun aus Die Planeten, in Symphony No. 2 - Movement 3) enthielt. Tontechniker war Roy Thomas Baker, der später als Produzent von Queen’s Bohemian Rhapsody berühmt werden sollte. Kurze Zeit nach der Veröffentlichung wurde das Album aus den Läden genommen und eine neue Fassung herausgebracht, auf der Movement 3 nicht mehr enthalten war.

Auf einer weiteren Nachpressung im gleichen Jahr fehlte der Titel ebenfalls, allerdings mit einer anderen Bemerkung:

Mont Campbell hat in einem Interview 2011 dazu folgendes gesagt:

2008 erschien bei Esoteric Records eine Neuauflage des Debütalbums. Da Decca die Masterbänder aufgrund der erwähnten Rechteprobleme zerstören ließ, musste man sich bei Esoteric Records mit einer noch vorhandenen Testpressung, die noch vor der Entscheidung Deccas angefertigt wurde, behelfen. Diese Testpressung wurde digitalisiert, entrauscht, entknistert und neu gemastert. Somit fand der dritte Satz aus dem Opus Symphony No. 2 wieder seinen rechtmäßigen Platz in dieser Neuauflage. Zusätzlich wurden beide Seiten der einzigen Single Seven Is A Jolly Good Time als Bonustracks mitveröffentlicht.

Dem Debütalbum war kein großer Publikumserfolg beschieden, wohl auch deshalb, weil es zusammen mit dem kompletten Nova-Katalog veröffentlicht wurde, was bedeutete, dass die Möglichkeit, einem einzelnen Album Aufmerksamkeit zu schenken, gering war. Von den Kritikern wurde es allerdings positiv aufgenommen. Obwohl Egg eine der beiden meistverkauften Nova-Veröffentlichungen war (die andere war das Debüt des Rock-Duos Clark Hutchinson), erreichte das Album nicht das breite Publikum, das es verdient hätte, und wurde innerhalb von zwei Jahren aus dem Katalog gelöscht.

Im Mai 1970 entschloss sich Decca, der Band die Chance für ein zweites Album zu geben. Kurioserweise erwähnte die Gruppe in der Oktoberausgabe des Melody Makers von 1970 dem Rezensenten Richard Williams gegenüber, „dass Decca ihr kürzlich fertig gestelltes zweites Album nicht veröffentlichen würde, weil die Band keinen Manager bzw. Agenten hatte.“ Eggs Produzent Neil Slaven konnte Decca letztendlich doch davon überzeugen, das neue Album The Polite Force im Februar 1971 zu veröffentlichen.

Die Auflösung Bis in die Mitte des Jahres 1972 trat Egg mit dem neuen Programm häufig auf, Decca entschied sich jedoch, die Zusammenarbeit mit der Gruppe zu beenden. Der letzte gemeinsame Auftritt von Egg fand am 9. Juli 1972 im Londoner Roundhouse statt. Dieser wurde zufälligerweise von einem Fan der Gruppe auf Band mitgeschnitten. 2007 erschienen diese Mitschnitte auf dem Album The Metronomical Society.

Zwischen dem Ende der Aufnahmen zu The Polite Force und dem letzten Auftritt der Gruppe haben Stewart, Campbell und Brooks zahlreiche weitere neue Stücke geschrieben, die fast ein ganzes Album hätten füllen können. Einige von ihnen wurden auch schon live präsentiert.

Nach der abrupten und ungewollten Bandauflösung suchten sich die Bandmitglieder neue Betätigungsfelder. Clive Brooks übernahm die freigewordene Stelle des Schlagzeugers bei The Groundhogs, die Egg bereits im Dezember 1971 auf einer Tournee begleitet hatte, Mont Campbell zog sich eine Weile aus der Musikszene zurück. Dave Stewart war zunächst Gast in Steve Hillages neuer Band Khan, bevor er sich Hatfield and the North, einer beliebten Canterbury Band, anschloss. Da diese Gruppe bei Virgin unter Vertrag stand, konnte Stewart das Label überzeugen, Eggs bisher unveröffentlichtes Material aufzunehmen. Egg reformierte sich, einschließlich Steve Hillage, um das dritte Album The Civil Surface einzuspielen. Im Dezember 1974 erschien schließlich auf dem Virgin-Ableger Caroline Records „ein klangvoller Nachruf“:

Musik Ihre Musik ist eine Kombination aus Progressive Rock mit Elementen von Psychedelic Rock, Avantgarde und klassischer Musik. Stilistische Grenzen gibt es so gut wie keine, so gibt es auch Ausflüge in die Musique concrète, wie z. B. in den Stücken Boilk oder Blane. Genau wie bei The Nice dominiert die Orgel, gelegentlich tritt der Bass mit verzerrtem Sound als E-Gitarrenersatz in den Vordergrund (Fuzz-Bass). Im Anschluss an die Wilde Flowers gilt die Band heute mit Caravan und Soft Machine, die aus den Wilde Flowers hervorgegangen sind, als Wegbereiter des Canterbury-Sounds, der in den 1970er Jahren seine Blütezeit erlebte.

Schon die erste und einzige Single Seven Is A Jolly Good Time vom August 1969 ist dafür ein Beleg: Mit der Zahl sieben im Titel spielt die Band im Refrain auf ihre Vorliebe für ungewöhnliche Taktstrukturen, hier des -Takt, an. Diese ungeraden Taktarten ziehen sich wie ein roter Faden durch die Kompositionen von Egg, wobei auch ein Wechsel dieser Taktarten innerhalb eines Stückes keine Seltenheit ist.

Neben einer Hammondorgel kommen bei Dave Stewart noch ein Mellotron und ein Tongenerator zum Einsatz. Dieser Tongenerator wurde von Bill Lachenal konstruiert, einem Enkel von Louis Lachenal, dessen Name eng mit dem Bau der Concertina verbunden ist. Mont Campbell spielte neben dem Bass auf einigen Stücken auch noch Waldhorn.

Diskografie Singles Seven Is A Jolly Good Time / You Are All Princes (1969)

Studioalben Egg (1970) The Polite Force (1971) The Civil Surface (1974)

Archivaufnahmen The Metronomical Society (2007)

Filmografie 2015: Romantic Warriors III: Canterbury Tales (DVD)

Literatur CD-Booklet: Egg. John Tracy, Deram, 1992 CD-Booklet: Arzachel by Uriel - Collectors Edition. Dave Stewart, Egg Archive, 2007

Donato Zoppo: Prog – Una suite lunga mezzo secolo Arcana Edizioni, Rom 2012, ISBN 978-8862318587.

Weblinks [ Allmusic: Egg] Progarchives: Egg uDiscoverMusic: Egg

Rezessionen zu den Aufnahmen von Uriel, Arzachel und Egg

Einzelnachweise

Kategorie:Canterbury-Band Kategorie:Rockband Kategorie:Britische Band