mini|hochkant|Henry Dunant-Stele in der Dunantgasse in Wien-Floridsdorf vom Maler Hans Robert Pippal mini|hochkant|Gedenkstein Ungarischer Volksaufstand (1956) bei der Brücke von Andau
Das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) ist die Nationale Rotkreuz-Gesellschaft in Österreich nach den Genfer Abkommen und als solche Teil der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung mit Hauptsitz in Wien. Am 14. März 1880 wurde die Österreichische Gesellschaft vom Rothen Kreuze (ÖGvRK) durch den Zusammenschluss von lokalen Hilfsvereinen gegründet und ist heute die größte Hilfsorganisation des Landes. Anerkannt und rechtlich geschützt wird es vom Staat auf Grund des Rotkreuzgesetzes, das am 1. Februar 2008 in Kraft trat und das Rotkreuzschutzgesetz von 1962 ablöst.
Grundsätze
Die Grundsätze wurden bei der XX. Internationalen Rotkreuzkonferenz im Jahr 1965 in Wien beschlossen und von allen Mitgliedern der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung angenommen.
Menschlichkeit Unparteilichkeit Neutralität Unabhängigkeit Freiwilligkeit Einheit Universalität
Geschichte Anfänge Die erste Form des Österreichischen Roten Kreuzes war der Patriotische Hilfsverein, welcher bereits zwei Monate vor der bekannten Schlacht bei Solferino im Jahr 1859 gegründet wurde. Er verfügte über großen Rückhalt in der Bevölkerung und wurde von dieser auch dementsprechend unterstützt. Seine Aufgaben bestanden in der Pflege verwundeter Soldaten der k.u.k. Armee, sowie der Betreuung von Kriegsopfern, Witwen und Waisen. Im Jahre 1864 erfolgte wegen des Deutsch-Dänischen Kriegs neuerlich die Gründung des Patriotischen Hilfsvereins, der wie bis dato üblich nach Kriegsende im selben Jahr wieder aufgelöst wurde. Bei dieser Auseinandersetzung waren erstmals Beobachter des Roten Kreuzes anwesend. Auf preußisch-österreichischer Seite nahm Chirurg Louis Appia diese Aufgabe wahr. Dieser berichtete, dass sich der Einsatz freiwilliger Helfer sehr gut bewährt hätte und erstmals weniger Soldaten in den Lazaretten starben, als im eigentlichen Kampfgeschehen, was bisher stets umgekehrt gewesen wäre. Dieser Erfolg war aber auf die freiwilligen Sanitäter Preußens zurückzuführen, die sich nicht nur um die eigenen Verwundeten, sondern auch um verletzte feindliche Soldaten kümmerten. Der Patriotische Hilfsverein beschränkte sein Wirken hingegen nur auf die Pflege und Betreuung österreichischer Kriegsopfer, ebenso wie die Dänen, die nach der Niederlage gegen preußisch-österreichische Armee laut Berichten der Rotkreuz-Beobachter sogar ihre eigenen Verwundeten zurückgelassen haben sollen.
Bereits zwei Jahre später kam es anlässlich des Deutschen Krieges erneut zur Gründung dieses Vereins. Im Verlauf des Krieges versuchte der Verein, Hilfsgüter an die Front zu schicken, die jedoch nicht bis dorthin gelangten. Die Kriegsgegner Preußen und Italien, hatten im Gegensatz zur Habsburgermonarchie nämlich bereits zu diesem Zeitpunkt die Genfer Konventionen unterzeichnet. Daher blieb der unmittelbare Handlungsraum des Patriotischen Hilfsvereins mangels international anerkanntem Status auf das Reichsgebiet beschränkt und die Lieferungen der Hilfsgüter in das eigentliche Kriegsgebiet wurden untersagt. Die Hauptaufgabe des Vereins stellte daher wiederum die Pflege von Verwundeten dar. Nach Kriegsende kam es aber nicht, wie bereits mehrmals praktiziert, zu einer Auflösung, sondern der Verein blieb bestehen. Er trug fortan die Bezeichnung Österreichischer Patriotischer Hilfsverein für verwundete Krieger - Militärwitwen- und Waisen. Zugleich Landeshilfsverein vom Rothen Kreuze für Niederösterreich und konnte zur Finanzierung auf eine eigens eingerichtete Stiftung zugreifen. Am 21. Juli 1866 trat auch die Monarchie den Genfer Konventionen bei, weshalb sich der Verein zur Anerkennung der Prinzipien des Roten Kreuzes verpflichtete. Dieser Schritt lässt sich auch auf das Versagen des österreichischen Sanitätsdienstes im Deutschen Krieg zurückführen. Während das Preußische Rote Kreuz den preußischen Sanitätsdienst optimal unterstützte, sollen die Österreicher, ähnlich wie die Dänen zwei Jahre zuvor, nach der verlorenen Schlacht bei Königgrätz sogar ihre eigenen Verwundeten zurückgelassen haben.Elke Endraß: Der Wohltäter. Warum Henry Dunant das Rote Kreuz gründete. 2010, S. 76–77. mini|hochkant|Wappen der Österreichischen Gesellschaft vom Rothen Kreuze mini|Schuldverschreibung über 20 Kronen der Oesterreichische Gesellschaft vom Roten Kreuze, vom 15. Juni 1916 In der Folgezeit entwickelten sich in den Ländern des Habsburgerreiches weitere derartige Hilfsvereine, wie etwa in Böhmen, Mähren, Schlesien und der Steiermark. Da es keine übergeordnete Organisation zur Koordination der Hilfstätigkeiten dieser eigenständigen Vereine gab, verlief die Durchführung derartiger Hilfsaktionen oft nur suboptimal. Daher wurde im Jahre 1879 auf Vorschlag des Verteidigungsministeriums die Schaffung einer entsprechenden Dachorganisation vorgeschlagen, die mit der Gründung der Österreichischen Gesellschaft vom Rothen Kreuze (ÖGvRK) am 14. März 1880 realisiert wurde. Kaiser Franz Joseph I. unterschrieb die Gründungsurkunde und übernahm gemeinsam mit seiner Gattin Elisabeth die Schirmherrschaft über den neuen Verein.
Das Aufgabengebiet dieser Organisation glich anfangs jenem des Patriotischen Hilfsvereins, allmählich widmete sie sich aber auch der Vorhaltung von Materialien für Lazarette (Katastrophenhilfe), der Durchführung von Vorsorgeprogrammen und dem Betreiben eines Suchdiensts. Das Sanitätswesen der Zivilbevölkerung wurde dennoch weiterhin von den Freiwilligen Feuerwehren sichergestellt, teilweise wurden diese von Helfern des Roten Kreuzes unterstützt. Mit der Zeit geriet der Sanitätsdienst der Feuerwehren aber unter die Aufsicht des Roten Kreuzes.Österreichisches Rotes Kreuz (Hrsg.): Das Rote Kreuz. Weltweit und in Österreich. 2002, S. 33–34. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs begann bereits in kleinem Maßstab der Aufbau eines Rettungsdiensts, der auf einen Beschluss der Bundesversammlung des ÖGvRK im Jahre 1900 zurückging. Der erste Krankentransport soll der Überlieferung nach von einer Dienststelle in der Bukowina zum Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien durchgeführt worden sein. Das Hauptaugenmerk der ÖGvRK lag aber weiterhin auf der Unterstützung des militärischen Sanitätsdiensts.
In Wien wurde unter Eindruck des Ringtheaterbrandes Ende 1881 die Freiwillige Rettungsgesellschaft gegründet, die nach zuerst erfolglosen Versuchen der Kommunalisierung Ende 1938 an die städtische Berufsfeuerwehr angegliedert wurde und aus der 1940 der Rettungs- und Krankenbeförderungsdienst als eigene Dienststelle ausgegliedert wurde, die heutige Berufsrettung Wien. Es gab auch eine Freiwillige Hietzinger Rettungsgesellschaft, die 1947 wieder ihre Tätigkeit aufnahm und 1952 ihre ehemaligen Gebiete beanspruchte. Der dadurch Ende 1957 tobende „Rettungskrieg“ verschärfte sich durch die Etablierung des Roten Kreuzes in Wien, dem sich die Hietzinger Rettungsgesellschaft anschloss und konnte erst Mitte 1960 durch die Trennung des Rettungsdienstes in Wien und Niederösterreich beigelegt werden.Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1992–2004. „Rettungswesen“ (Online: ) Seit 1977 arbeitet die Wiener Rettung mit den anderen Rettungs- und Krankentransportdiensten, wie dem Roten Kreuz, koordiniert zusammen.
In Anlehnung an die Verwundetenversorgung im Kriege wurde 1882 die Österreichische Gesellschaft vom Weißen Kreuze für Kriegsversehrte in Friedenszeiten gegründet, die bis zum Ersten Weltkrieg bestand.
Situation in den beiden Weltkriegen Während des Ersten Weltkrieges wurde wiederum die Versorgung der verwundeten Soldaten zur Hauptaufgabe des ÖRK. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 wurde das ÖRK in das Deutsche Rote Kreuz (DRK) eingegliedert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Ein VW T3 Rettungswagen des Kärntner Landesverbands Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurde das ÖRK wieder eigenständig. Diese Maßnahme wurde vom österreichischen Parlament und den Alliierten rasch gebilligt. Im Jahr 1962 wurde die missbräuchliche Verwendung des Zeichens durch den Beschluss des Rotkreuzschutzgesetzes durch das österreichische Parlament untersagt. Auf der Internationalen Rotkreuz-Konferenz in Wien 1965, wurden die bereits genannten sieben Grundsätze beschlossen. 1970 folgte die Umbenennung in den aktuellen Namen Österreichisches Rotes Kreuz. Die Österreichische Hilfsaktion "Nachbar in Not" wurde 1992 unter Mitwirkung des ÖRK gegründet. Im Jahre 1994 wurde ein eigenes Leitbild durch den Arbeitsausschuss des ÖRK gefasst.
Im Juli 2015 wurde bekannt, dass das Wiener Rote Kreuz das Grüne Kreuz übernehmen möchte, ein Vorvertrag für die Übernahme wurde unterzeichnet. Die beiden Organisationen wollen vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen ab 1. September 2015 bei der Verwaltung zusammenarbeiten. Im November genehmigte die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) die Fusion vom Wiener Grünen Kreuz mit dem Roten Kreuz. Vom Zusammenschluss ausgenommen sind das Grüne Kreuz in Niederösterreich und in der Steiermark.
Präsidenten Karl Freiherr von Tinti (1880–1884) Franz von Falkenhayn (1885–1898) Fürst Alois von Schönburg-Hartenstein (1899–1913) Rudolf Graf v. Abensperg-Traun (1913–1919) Max Wladimir von Beck (1919–1938) Adolf Pilz (1945) Karl Seitz (1946–1950) Burghard Breitner (1950–1956) Hans Lauda (1956–1974) Heinrich Treichl (1974–1999) Fredy Mayer (1999–2013) Gerald Schöpfer (seit 2013)
Aufgabenbereiche mini|Ein RTW und ein als NKTW (Notfallkrankentransportwagen) disponierter SEW in der Zentrale des Wiener Roten Kreuzes.
Rettungsdienst links|mini|Baustein zur Finanzierung eines Krankenautomobiles des Zweigvereins Leibnitz vom Roten Kreuze von 1913 mini|240x240px|Krankentransportwagen der Bezirksstelle Salzburg-Stadt im neuen, bundesweiten "Fahrzeug-Design ’17" Der bekannteste Aufgabenbereich des österreichischen Roten Kreuzes ist der Rettungsdienst, der in allen neun Bundesländern alleine oder in Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen und Rettungsdiensten gemeinsam durchgeführt wird. Unter diesem Begriff werden die Notfallrettung mit oder ohne Notarzt sowie der qualifizierte und unqualifizierte Krankentransport (im internen Sprachgebrauch auch als „Sanitätseinsatz“ und „Ambulanztransport“ bezeichnet) zusammengefasst. mini|Notfallrettungswagen der Bezirksstelle Graz-Stadt (2012) Zur Entgegennahme von Notrufen und der Koordinierung der Notfalleinsätze und Krankentransporte betreibt das ÖRK teilweise (Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark) eigene Rettungsleitstellen. In den restlichen Bundesländern (Burgenland, Niederösterreich, Tirol, Vorarlberg, Wien) werden die Rettungsleitstellen entweder durch die Länder selbst oder durch eigene Gesellschaften betrieben. Die Mitarbeiter der Rettungsleitstelle nehmen die eingehenden Anrufe und Notrufe entgegen, geben die Daten in das Einsatzleitsystem ein und ein Disponent sorgt für die Entsendung eines geeigneten Einsatzmittels. Die Arten der verwendeten Einsatzfahrzeuge unterscheiden sich innerhalb von Österreich, so werden zum Beispiel in Oberösterreich Mehrzweckfahrzeuge (intern Sanitätseinsatzwagen, kurz SEW) sowohl für Notfälle als auch für Krankentransporte genutzt, während in anderen Bundesländern wie Salzburg in verschiedene Einsatzmittel, darunter Rettungstransportwägen und Krankentransportwägen, unterschieden wird. Beinahe überall kommen jedoch Notarzteinsatzfahrzeuge im Rendezvous-System zum Einsatz. mini|240x240px|Sanitätseinsatzwagen der Ortsstelle Helfenberg, Oberösterreich (2018) Im Jahr 2022 wurden im Rettungsdienst des ÖRK 2.124 Einsatzfahrzeuge betrieben, die in diesem Jahr 3.542.097 Einsatzfahrten für 3.076.676 Patienten durchführten. Von den 2022 über 75.401 ehrenamtlichen Mitarbeitern des ÖRK – jene bilden die Mehrheit der ÖRK-Mitarbeiter – waren 42.366 im Rettungsdienst tätig.