mini|Fritz Stavenhagen rahmenlos mini|Das Stavenhagenhaus in Groß-Borstel mini|Grabmal Fritz Stavenhagen auf dem Friedhof Ohlsdorf mit dem Medaillon von Paul Hamann Fritz Ernst August Stavenhagen (* 18. September 1876 in Hamburg; † 9. Mai 1906 bei Hamburg) war ein deutscher Dramatiker und Erzähler. Heute ist er im Wesentlichen nur noch wegen seines plattdeutsch verfassten volkstümlichen Dramas Mudder Mews bekannt.
Leben Fritz Stavenhagen wurde in Hamburg als Sohn eines Kutschers geboren, der aus Mecklenburg stammte, und lernte zunächst Drogist in Blankenese. In München und Berlin bildete er sich als Autodidakt weiter und konnte bald seinen Lebensunterhalt mehr schlecht als recht mit literarischen Skizzen und Erzählungen für Zeitungen bestreiten.
In Berlin wurde Stavenhagen von Otto Brahm, dem Leiter des Deutschen Theaters, gefördert, nachdem zuvor bereits die Schiller-Stiftung auf ihn aufmerksam geworden war. Mit diesen finanziellen Unterstützungen (von Brahm wurde ihm ein Jahresgehalt ausgesetzt) besserte sich die Lebenssituation Stavenhagens. 1905 wurde er Dramaturg am Berliner Schillertheater, konnte diese Tätigkeit aufgrund seines frühen Todes jedoch nicht lange ausüben. Stavenhagen starb 1906 im Alter von 29 Jahren an einem Gallenleiden und wurde auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg beigesetzt. 1926 wurde nachträglich an seinem Grab ein Grabmal errichtet, für das Paul Hamann das Medaillon schuf.Maike Bruhns: Hamann, Paul. In: Der neue Rump. Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs, Altonas und der näheren Umgebung. Hrsg.: Familie Rump. Überarbeitete Neuauflage des Lexikons von Ernst Rump; ergänzt und überarbeitet von Maike Bruhns, Wachholtz, Neumünster 2013, ISBN 978-3-529-02792-5, S. 173.
Nach dem Tod Stavenhagens setzte sich insbesondere der einflussreiche völkisch-antisemitische Literaturjournalist Adolf Bartels für die Verbreitung des schmalen plattdeutschen Bühnenwerks ein. Bartels Ästhetische Würdigung erschien bereits 1907 und "sicherte den Dramen die Aufmerksamkeit einer größeren ... Öffentlichkeit.Ulf-Thomas Lesle: Das niederdeutsche Theater. Von "völkischer Not" zum Literaturtrost. Hamburg 1986, S. 66. Stavenhagens Schauspiele seien "verheißende Ansätze", so Bartels, "die uns den Mut geben, für seinesgleichen das deutsche Theater ... zu reinigen.Adolf Bartels: Fritz Stavenhagen: Eine ästhetische Würdigung. Dresden/Leipzig 1907, S. 101.
Denkmal mini|Fritz Stavenhagen-Denkmal, von Hermann Georg Haas in Groß Borstel mini|Fritz Stavenhagen-Denkmal, von Hermann Georg Haas In Groß Borstel (seit 1913 Stadtteil von Hamburg) wurde eine Herme des Schriftstellers Fritz Stavenhagen errichtet, die der Bildhauer Hermann Georg Haas (1864–1912) im Jahre 1910 schuf.Maike Bruhns: Haas, Hermann Georg. In: Der neue Rump. Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs, Altonas und der näheren Umgebung. Hrsg.: Familie Rump. Überarbeitete Neuauflage des Lexikons von Ernst Rump; ergänzt und überarbeitet von Maike Bruhns, Wachholtz, Neumünster 2013, S. 165 Sie steht heute beim Stavenhagenhaus, das 1962 nach ihm benannt wurde.
Künstlerisches Erbe Mit Stavenhagen sind auch der in den 1930er-Jahren vergebene Stavenhagen-Preis des Niedersächsischen Bühnenbundes und der von 1959 bis 1982 verliehene Fritz-Stavenhagen-Preis der Alfred Toepfer Stiftung F. V. S. zu Hamburg verbunden.
Künstlerisches Schaffen Stavenhagens bedeutendstes Werk, das Theaterstück Mudder Mews (1904) wurde gelegentlich mit den naturalistischen Dramen eines Gerhart Hauptmann, der Hausdichter am Deutschen Theater war, verglichen. Das Stück gehört bis heute, teilweise in Bearbeitungen – z. B. durch Günther Siegmund –, zum "klassischen" Repertoire niederdeutscher Bühnen.
De dütsche Michel (1905), eine Bauernkomödie, spielt zur Zeit der Leibeigenschaft in Mecklenburg. (Siehe auch: Deutscher Michel)
Stavenhagens erzählerisches Œuvre ist, wie das dramatische Werk, sowohl vom Naturalismus als auch von der Heimatkunst beeinflusst, wie die 1904 erschienene Skizzen- und Geschichtensammlung Grau und Golden erkennen lässt.
Werke Grau und Golden. Hamburger Geschichten und Skizzen, 1904 () Der Lotse. Hamburger Drama in einem Akt, 1904 Mudder Mews. Niederdeutsches Drama in 5 Akten, 1904 ()Vgl. die Rezension des Theaterkritikers Ferdinand Hardekopf, in: Die Schaubühne, Jg. 2, Nr. 48, Berlin 1906. (online) Jürgen Piepers. Niederdeutsches Volksstück in 5 Akten, 1905 () De dütsche Michel. Niederdeutsche Bauernkomödie in 5 Akten, 1905 () De ruge Hoff. Niederdeutsche Bauern-Komödie in 5 Akten, 1906
Hörspiele 1924: CMudder Mews. Niederdeutsches Drama in fünf Akten – Regie: Nicht angegeben 1925: CMudder Mews. Niederdeutsches Drama in fünf Akten – Regie: Hans Böttcher (2 Ausstrahlungen) 1925: Jürgen Piepers. Niederdeutsches Volksstück in 5 Akten – Regie: Hans Böttcher (2 Ausstrahlungen) 1926: Jürgen Piepers. Niederdeutsches Volksstück in 5 Akten – Regie: Hans Böttcher 1926: CMudder Mews. Niederdeutsches Drama in fünf Akten – Regie: Nicht angegeben 1927: Der Lotse. Drama in einem Akt – Regie: Nicht angegeben (NORAG (Hamburg)) 1927: Mudder Mews. Niederdeutsches Schauspiel in fünf Akten – Regie: Hans Böttcher (Gastspiel der Niederdeutschen Noragbühne Hamburgbeim Südwestdeutschen Rundfunkdienst AG in Frankfurt am Main) 1927: Der Lotse. Drama in 1 Akt – Regie: Karl Wilhelm Bink (ORAG (Königsberg)) 1928: Gastspiel der Niederdeutschen Bühne in Kiel: De ruge Hoff. Niederdeutsche Bauernkomödie in fünf Akten – Regie: Otto Mensing (NORAG) 1950: Mudder Mews – Regie: Hans Freundt 1951: Mudder Mews – Regie: Eberhard Freudenberg 1951: De dütsche Michel – Regie: Hans Freundt 1956: De Lots – Regie: Günter Jansen 1956: De ruge Hoff – Regie: Hans Tügel 1956: De dütsche Michel – Regie: Eberhard Freudenberg 1957: Jürgen Piepers – Regie: Eberhard Freudenberg 1960: De ruge Hoff – Regie: Eberhard Freudenberg 1985: Mudder Mews – Bearbeitung und Regie: Jochen Schütt
Hörspiel über Fritz Stavenhagen Im Jahre 1956 produzierte der NDR ein Mundart-Hörspiel von Albert Mähl unter dem Titel: Fritz Stavenhagen – Eine Hörfolge über Werk und Leben des ersten niederdeutschen Dramatikers neuerer Zeit zur 50. Wiederkehr seines Todestages am 9. Mai 1956 mit Proben aus "Der Lotse", "Mudder Mews" und "De dütsche Michel".
Unter der Regie von Hans Tügel sprachen u. a.: Hartwig Sievers: 1. Sprecher Günther Siegmund: 2. Sprecher Otto Lüthje: Brenner, Lotse – Der Lotse Heidi Kabel: Mine, seine Frau – Der Lotse Aline Bußmann: Mudder Mews – Mudder Mews Heinz Lanker: Willem – Mudder Mews Heinz Klevenow: Graf Maling – De dütsche Michel Walter Klam: Von Maltzahn – De dütsche Michel Georg Pahl: Mattens – De dütsche Michel Hilde Sicks: Ivanak, Tochter von Plessens – De dütsche Michel
Die Erstsendung erfolgte am 7. Mai 1956. Die Abspieldauer beträgt 60'00 Minuten. Das Tondokument ist noch erhalten.
Literatur
Adolf Bartels: Fritz Stavenhagen. Eine ästhetische Würdigung. Dresden u. a.: Koch 1907. Arthur Becker: Stavenhagen und seine Stellung in der Entwicklung des deutschen Dramas. Oldenburg: Schulze 1927. (= Forschungen zur Literatur-, Theater- und Zeitungswissenschaft; 2) Ulf-Thomas Lesle: Fritz Stavenhagen. In: Das niederdeutsche Theater. Von "völkischer Not" zum Literaturtrost. Hamburg 1986, S. 63–77. Josef Plate: Fritz Stavenhagen als niederdeutscher Dramatiker. Univ. Diss. Münster 1923. Walter Johannes Schröder: Fritz Stavenhagens Bauernkomödie „De dütsche Michel“. Entstehungsgeschichte und Würdigung nach Form und Gehalt. Leipzig: Eichblatt 1935. (= Form und Geist; 35) Walter Johannes Schröder: Fritz Stavenhagen. Leben und Werk. Neumünster i. H.: Wachholtz 1937. Carl Stolle: Fritz Stavenhagens „Mudder Mews“. Marburg: Elwert 1926. (= Beiträge zur deutschen Literaturwissenschaft; 27) Otto Weltzien: Das niederdeutsche Drama. Sein Werden in Dichtung und Darstellung. Rostock i.M.: Kaufungen-Verl. 1913. (= Beiträge zur Geschichte der niederdeutschen Dichtung; 3)
Weblinks
Fritz Stavenhagen im Internet Archive Sekundärliteratur zu Fritz Stavenhagen
Einzelnachweise
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