Die Geschichte der Oberpfalz umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des Regierungsbezirks Oberpfalz von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Ein Vorläufer des Regierungsbezirkes war der Bayerische Nordgau, auf den in der Frühgeschichte eingegangen werden soll, er umfasste zusätzlich auch Gebiete im heutigen Oberbayern und Mittelfranken. Als Territorium entstand die Oberpfalz im Jahr 1329 durch die Teilung der Wittelsbacher in eine pfälzische und eine bayerische Linie. Als im Jahre 1329 Kaiser Ludwig der Bayer den Söhnen seines Bruders Rudolf neben der Rheinpfalz auch eben jene Teile der heutigen Oberpfalz übereignete, wurde von der Rheinpfalz aus das Nebenland in Bayern als „der Pfalz Land zu Baiern“ oder etwas umständlicher „das Land zu Baiern, zu der Pfalz gehörig“, auch „unsere Pfalz gein Amberg“ bezeichnet. Von hier aus wurde das Territorium „der kurfürstlichen Pfalz hieroben zu Baiern gemeine Landschaft“ oder in ähnlicher Sprachformung genannt, wobei sich etwa seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts die vereinfachte Bezeichnung „Pfalz des oberen Fürstentums zu Baiern“ oder „Obere Pfalz“ und schließlich – ebenfalls frühestens in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts quellenmäßig bezeugt – „Oberpfalz“ einbürgerte.Heribert Sturm: Geschichte der Oberpfalz. Einführungs-Vortrag zur Burgenstudienfahrt 1961 In: Burgen und Schlösser 1961/1 S. 24

Seit 1628 ist die Oberpfalz wieder mit Bayern vereinigt, der Begriff „Oberpfalz“ geht aber in der Folgezeit auf die Region nördlich der Donau über und bleibt somit erhalten. Mit der bayerischen Gebietsreform von 1837 entsteht der moderne Regierungsbezirk Oberpfalz, der im Süden sehr viel größer war als das ehemalige Reichsfürstentum. Durch mehrere Siedlungswellen wurde das Land zwischen Donau und Fichtelgebirge kolonisiert, der bairische Bevölkerungsteil konnte sich im Hochmittelalter durchsetzen, Slawen und Zuwanderer aus dem westlichen Reichsgebiet wurden assimiliert. mini|Kallmünz am Zusammenfluss von Naab und Vils ist ein Ausgangspunkt der vorgeschichtlichen Besiedlung der Oberpfalz

Frühe Besiedlung

180px|mini|Ostturm der Porta Praetoria in Regensburg

Der Regensburger Donaubogen ist bereits seit der Steinzeit besiedelt. Anfang 2006 wurden etwa 100 m östlich der Mauern des späteren Legionslagers keltische Gräber mit teilweise hochwertigen Grabbeigaben gefunden. Sie wurden auf etwa 400 v. Chr. datiert. Nach dem Zurückdrängen der Markomannen bis etwa 170 n. Chr. wurde auf Anordnung von Kaiser Mark Aurel ab ca. 175 das Legionslager Castra Regina (Lager am Regen) errichtet. Dieser Steinbau mit seiner etwa 10 Meter hohen Mauer, den vier Toranlagen und zahlreichen Türmen ist heute noch gut im Grundriss der Regensburger Altstadt erkennbar. Ein Vermächtnis der römischen Kolonisation ist der Baierwein, der auch heute noch zwischen Regensburg und Wörth an der Donau angebaut wird. Dagegen blieb das oberpfälzische Berg- und Waldland nördlich der Donau in frühgeschichtlicher Zeit die Heimat keltischer und germanischer Stämme. Pollenanalysen legen für die Zeit um das Jahr Null eine Weidewirtschaft nahe, während der Ackerbau hier erst 1000 Jahre später flächendeckend vordrang. Der Burgberg von Kallmünz dürfte ein keltisches Oppidum beherbergt haben. Eine aus der Bronzezeit (ca. 2000–1900 v. Chr.) stammende, ausgedehnte vorgeschichtliche Anlage (ca. 50 ha) belegt mit Siedlungszeugnissen aller Perioden die Attraktivität dieses Felssporns zwischen Naab- und Vilstal. Vor der Burgruine ragt ein weiterer Wall (ca. 1200 v. Chr.) auf, der im Volksmund „Ungarnwall“ genannt wird und damit vermutlich der Bevölkerung der Umgebung gut zweitausend Jahre später bei den Ungarneinfällen als Rückzugspunkt diente. Neben diesen Siedlungsfunden gibt es literarische Erwähnungen des Stammes der Narisker oder Varisker, die zwar als Vorläufer der späteren Bajuwaren weitgehend ausscheiden, aber in römischer Zeit nördlich des Donaubogens ansässig waren.

mini|links|Heckrinder bei Auerbach In Lauterhofen, Sulzbach, Nabburg und Cham konnten durch archäologische Grabungen die Baiern als Gründer nachgewiesen werden, der Start der Besiedlung dürfte um das Jahr 680 stattgefunden haben, also unter der Herrschaft Herzog Theodos II. und deutlich später als südlich der Donau. 725 griffen die Franken in Thronstreitigkeiten der Agilolfinger ein und verhalfen Herzog Hugbert zur Macht.Wilfried Menghin: Die Langobarden Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, S. 196 Karl Martell erhielt dafür einen Teil des Nordgaus, um welchen Teil es sich genau handelte, ist leider nicht dokumentiert.

mini|Die Expansion des Frankenreichs von 481 bis 814, der bairische Nordgau ist farblich abgesetzt Bei der fränkischen Reichsteilung von 741 wurde weder Bayern noch der Nordgau als Herrschaftsgebiet erwähnt, im Gegensatz zu Alemannien und Thüringen, die sehr wohl aufgeführt wurden. Das heißt, Bayern war bis 740 kein Teil des Fränkischen Reichs. 744 griffen die beiden fränkischen Hausmeier Herzog Odilo an, besiegten ihren eigenen Schwager, zwangen ihn die fränkische Oberhoheit anzuerkennen und nahmen ihm den restlichen Nordgau ab, nur das Umland von Cham verblieb bei Bayern. Die fränkische Reichsgrenze rückte damit unmittelbar an die bayerische Residenz Regensburg heran, Interventionen in Bayern waren somit ohne großen Aufwand möglich und schon 788 endete die ehemals „königgleiche“ Herrschaft der Agilolfinger. Die Ortsnamen mit den Endungen -ing, -hausen, -hofen und -stetten lassen bayerische Siedlungen erwarten, so gab es zunächst einige in der Gegenden um Cham, Amberg, Schwarzenfeld und wenig später auch um Schwandorf, Neumarkt, Sulzbach-Rosenberg und Vohenstrauß, ergänzt von einigen frühen Militärstützpunkten. Mit Ausnahme des Chamer Beckens scheint die Besiedlung aber sehr lückenhaft gewesen zu sein. So berichtet Thietmar von Merseburg im Jahr 1003, dass König Heinrich II. nach Speinshart gekommen sei, um Bären und Wisente zu jagen, die andernorts als Folge der regen Siedlungstätigkeit bereits ausgerottet waren. Speinshart lag allerdings nördlich der bayerischen Besiedlung.

Besonders bedeutsam für die nördliche und südöstliche Oberpfalz war die slawische Siedlungstätigkeit. Die Slawen kamen auf der Flucht vor den Awaren über den Böhmerwald in die Region, nach anderer Lehrmeinung aus Pannonien (Westungarn) entlang der Donau nach Nordwesten, und gründeten kleine, verstreute Dörfer und Weiler (Bavaria Slavica) in klar umgrenzten Siedlungskammern. Auch eine adelige Oberschicht konnte mittlerweile nachgewiesen werden (Barbaraberg bei Speinshart, Flednitz). Noch heute erinnern viele Ortsnamen in der Oberpfalz an diese frühen slawischen Siedlungen, typische Ortsnamensendungen sind hier -itz, -as und -au, deren Bewohner hauptsächlich von Jagd, Viehzucht und Fischerei lebten.

300px|mini|Burgruine Flossenbürg

Nach 817 wurde Bayern unter Ludwig dem Deutschen wieder neu gegründet und der Nordgau mit dem Stammland vereinigt. Abseits der Residenzen Sulzbach und Nabburg blieb das Land wild. So durften zum Beispiel noch zur Zeit Karls des Großen keine Waffen in das Gebiet östlich der unteren Naab verkauft werden. Die Franken fürchteten den Schmuggel von Waffen in das Mährerreich, das sie nicht vollständig unter ihre Kontrolle bringen konnten. Zeitgenössische Berichte deuten darauf hin, dass die Oberpfalz eine militärische Sperrzone war. Mit der schweren Niederlage des ostfränkischen Heeres in der Schlacht von Pressburg ergaben sich für das Gebiet der Oberpfalz massive Einschnitte. Zum einen starben kurz darauf (911) die ostfränkischen Karolinger aus, und da auch die bairischen Herzöge nicht in der Lage waren sich gegen die Sachsen und Franken durchzusetzen, verlor Regensburg seine Funktion als deutsche Hauptpfalz. Zum anderen begann damit die Zeit der Ungarneinfälle ins Reich, die 50 Jahre währen sollten. Die Oberpfalz war hier Durchzugsgebiet, es gab aber auch kriegerische Auseinandersetzungen wie 948 bei Floß und 949 bei Luhe. Außerdem erließ König Heinrich I. 926 die Burgenordnung, mit der ausgedehnte Festungsanlagen errichtet wurden, die beispielsweise in Nabburg archäologisch nachgewiesen werden konnte. Die „marca Napurch“, wie sie in Urkunden vom 29. Juli 1040 und vom 13. Februar 1061 genannt wird, also die Markgrafschaft Nabburg, die um diese Festungsanlage entstanden war, war ein weiterer Vorläufer der Oberpfalz.

Dass in der Oberpfalz so viele Burgen gebaut wurden, hatte mehrere Gründe. Zum einen gab es dort eine Vielzahl konkurrierender Dynastengeschlechter, zunächst die Welfen und Popponen, dann die Schweinfurter, die Diepoldinger-Rapotonen und die Sulzbacher; zum anderen war die Oberpfalz ein Grenzland, das auf ein gut funktionierendes Verteidigungsnetz angewiesen war. Große Reichsburgen in Cham, Nabburg und Eger wurden durch kleinere Burgen und Vorposten, z. B. die Burgen in Parkstein, Flossenbürg und Stefling, ergänzt. Aus der Lage in der Grenzregion des Reiches ergab sich, dass Städte und Märkte und sogar Kirchen ebenfalls für Verteidigungszwecke befestigt waren. Die Burgen in der Oberpfalz dienten aber auch als Rückzugsraum des landfremden Adels, die Franken im Nordgau waren für dessen eigentliche Bewohner Besatzer.

10. bis 12. Jahrhundert

Ursprünglich war die Oberpfalz königliches Gebiet und wurde von den königlichen Beauftragten verwaltet. Nach den Luitpoldingern folgten die Babenberger Grafen von Schweinfurt, bis sich Heinrich von Schweinfurt gegen den König erhob und sein Herrschaftsgebiet, zu dem auch der damalige Nordgau gehörte, aufgesplittet wurde. Die Niederlage des Schweinfurters und das Aussterben seiner Sippe hatten für die Oberpfalz gravierende Folgen. Der Markgraf hatte exzellente Verbindungen zu den slawischen Herrschern Osteuropas, er war mit Herzog Boleslaw von Polen verbündet und seine Tochter Judith von Schweinfurt war Herzogin von Böhmen. Diese Tradition brach um 1050 ab und zeitgleich verschwanden auch die dokumentierten und archäologischen Nachweise der Slawen in Nordbayern. Damit entstand ein Machtvakuum in Süddeutschland, das die salischen Herrscher, insbesondere Heinrich III., bewusst offen ließen, anstatt neuen Erbadel zu installieren, wurde ein Amtsadel von Markgrafen und landfremden Herzögen begünstigt. Die Grafen von Sulzbach, die Ortenburger und die Grafen von Andechs waren reich- und kaisertreu. mini|links|Obere Darstellung: Am Ufer des Flusses Regen standen sich 1105 die Heere Heinrichs IV. und Heinrichs V. gegenüber. (Otto von Freising, Chronik, Jena, Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, Ms. Bos. q. 6, fol. 91v.) mini|links|Vergabe eines Lokationsauftrags durch den Landesherrn; Rodungsvorgang und Hausbau; der Lokator fungiert als Richter über die Siedler. Szene aus dem Sachsenspiegel