Der Artikel Österreichische Militärgeschichte soll einen Überblick über die Entwicklung und den Status der Streitkräfte, der militärischen Einrichtungen und der Rüstungsindustrie in den verschiedenen Epochen geben.

Geschichte

Österreichische Erblande und die Kaiserliche Armee

Bereits der Beginn der Habsburger-Herrschaft im damaligen Herzogtum Österreich ist mit Krieg verknüpft. Der Babenberger Herzog Friedrich der Streitbare war 1246 im Kampf gegen die andrängenden Ungarn gefallen, ohne einen männlichen Erben zu hinterlassen. Ottokar II. Přemysl, König von Böhmen, hatte sich hierauf Österreich untertan gemacht, ohne die reichsrechtlichen Vorschriften zu beachten. 1276 wurde er vom deutschen König Rudolf I. von Habsburg aus Österreich gewiesen. Dieser belehnte nun seine Söhne mit dem Herzogtum. 1278 wurde der widerspenstige Ottokar in der Schlacht von Dürnkrut und Jedenspeigen im heutigen Niederösterreich besiegt. Ottokar fiel in der Schlacht. In Franz Grillparzers Drama König Ottokars Glück und Ende ist diese Schlacht zweier Ritterheere beschrieben.

Wie alle anderen Dynastien erreichte auch das Haus Habsburg seinen Machtzuwachs im Wesentlichen durch Kriege und dynastische Heiraten. Eine besondere Bedeutung erreichte das österreichische Haus Habsburg durch die Erlangung der römischen Kaiserwürde im Heiligen Römischen Reich im Jahre 1438. Fortan waren die Geschicke der Erblande eng mit denen des Reiches verknüpft. Das im 15. Jahrhundert entstehende Kaiserliche Heer rekrutierte sich stets aus dem gesamten Reich, aber auch aus anderen Territorien Europas. Die Aufgaben waren dem kaiserlichen Anspruch gemäß universal europäisch, aber stets verbunden mit der Verteidigung des österreichischen Territoriums gegenüber dem Osmanischen Reich und später gegenüber Frankreich. 1529 fand die erste Türkenbelagerung Wiens statt. Im Jahr 1556 wurde mit dem Hofkriegsrat die erste selbstständige Militärverwaltungsbehörde des Kaisers in Wien gegründet. Er überdauerte das Heilige Römische Reich und wurde im Kaisertum Österreich 1848 in Kriegsministerium umbenannt.

Ein stehendes kaiserliches Heer entwickelte sich erst in der Frühen Neuzeit. Zuvor mussten Feldherren und Offiziere bestellt und Leibeigene zwangsrekrutiert beziehungsweise Söldner angeworben werden. Unter diesen Vorzeichen kämpften die Kaiserlichen 1618 bis 1648 im Dreißigjährigen Krieg. Ihr bekanntester Feldherr war der später im Auftrag des Kaisers ermordete Wallenstein.

Nach dem Krieg entstand eine stehende Truppe, die sich bis in das 19. Jahrhundert hinein nicht überwiegend aus Österreich, sondern aus den geistlichen Fürstentümern und den Reichsstädten rekrutierten. Auch die Reichskreise bildeten feste Werbegebiete.

1677 errichtete man das Kaiserliche Zeughaus, welches dem Gießen von Kanonen diente. 1683 konnte die Zweite Wiener Türkenbelagerung nur mit Hilfe aus Polen-Litauen und dem Reich abgewehrt werden. In der Folge reorganisierte Prinz Eugen von Savoyen das Kaiserliche Heer grundlegend und vertrieb die Türken aus Mitteleuropa.

Militärische Konflikte:

Acht Türkenkriege 1526–1792: Österreich (mit Reichstruppen) gegen das Osmanische Reich

Erster Österreichischer Türkenkrieg 1526 bis 1555 Zweiter Österreichischer Türkenkrieg 1566 bis 1568 Dritter Österreichischer Türkenkrieg 1593 bis 1606 Vierter Österreichischer Türkenkrieg 1663 bis 1664 Fünfter Österreichischer Türkenkrieg 1683 bis 1699 Sechster Österreichischer Türkenkrieg 1714 bis 1718 Siebenter Österreichischer Türkenkrieg 1735 bis 1739 Achter Österreichischer Türkenkrieg 1787 bis 1792 Dreißigjähriger Krieg 1618–1648 Spanischer Erbfolgekrieg 1701 bis 1714 in einer zusammen mit England/Großbritannien geführten Allianz gegen ein Bündnis mit Frankreich als Hauptmacht Österreichischer Erbfolgekrieg 1740 bis 1748 mit Großbritannien, den Niederlanden und Sardinien gegen Preußen, Frankreich, Spanien, Bayern und Sachsen Siebenjähriger Krieg 1756 bis 1763 mit Frankreich und Russland gegen Großbritannien und Preußen Koalitionskriege 1792–1802: Erster Koalitionskrieg 1792 bis 1797 mit Preußen, Sardinien-Piemont, Großbritannien, Spanien, die Niederlande und Neapel gegen Frankreich Zweiter Koalitionskrieg 1798 bis 1802 mit Großbritannien, Russland, dem Osmanischen Reich, Portugal, Neapel und dem Kirchenstaat gegen Frankreich

Bedeutende kaiserliche Feldherren, auf die hier noch näher einzugehen sein wird, waren u. a. Wallenstein, Tilly, Starhemberg, Daun, Laudon, Erzherzog Karl, Schwarzenberg und Radetzky, als Admiral wurde Tegetthoff berühmt.

Kaisertum Österreich (1804–1867) Militärische Konflikte: Koalitionskriege (1805–1812): Dritter Koalitionskrieg 1805 zusammen mit Russland, Großbritannien und Schweden gegen Frankreich Fünfter Koalitionskrieg 1809 zusammen mit Großbritannien gegen Frankreich Russlandfeldzug 1812: Bereitstellung von Truppen für die Grande Armée Frankreichs Sechster Koalitionskrieg Befreiungskriege 1813 bis 1814 zusammen mit Großbritannien, Preußen, Russland, Schweden und anderen gegen Frankreich Aufstände in den Revolutionsjahren 1848 und 1849: Niederschlagung der Volksaufstände in Böhmen und in Wien 1848 Krieg gegen Ungarn 1848 und 1849 Italienische Unabhängigkeitskriege 1848–1866: Erster Italienischer Unabhängigkeitskrieg 1848 Zweiter Italienischer Unabhängigkeitskrieg 1859 gegen Frankreich und das Königreich Sardinien-Piemont Dritter Italienischer Unabhängigkeitskrieg als Teil des Deutschen Krieges 1866 gegen Italien Deutsch-Dänischer Krieg 1864 mit Preußen gegen Dänemark um Schleswig-Holstein Deutscher Krieg 1866 gegen Preußen um die Vorherrschaft im Deutschen Bund

Österreich-Ungarn (1867–1918)

Als das Kaisertum Österreich 1867 zur Doppelmonarchie wurde, weil Ungarn als eigener Staat anerkannt werden musste, blieben Armee und Kriegsmarine gemeinsame Angelegenheiten beider Reichshälften unter der Leitung des k.u.k. Kriegsministeriums in Wien. Dementsprechend wurde nun auch der Name von der Kaiserlich Königlichen (k.k.) Armee in Kaiserliche und Königliche Armee (k.u.k. Armee) geändert.

Nicht zu den gemeinsamen Angelegenheiten gehörten die Wehrgesetze (die festlegten, wer wie lang wehrpflichtig war), die österreichische Landwehr und ihr ungarisches Pendant, der Honvéd. Diese wurden vom österreichischen Landwehrminister und dem ungarischen Honvédminister getrennt verwaltet.

Das k.u.k. Kriegsministerium war lediglich für Verwaltungsaufgaben des Heeres und der Flotte zuständig, da Kaiser Franz Joseph persönlich den Oberbefehl hatte. Für die k. u. k. Kriegsmarine bestand im Ministerium die Marinesektion.

Franz Joseph I. (reg. 1848–1916) fungierte fast sein ganzes Monarchenleben lang persönlich als Oberster Befehlshaber seiner bewaffneten Macht und war im Inland ausschließlich in Uniform zu sehen.

Bekannte militärische Einheiten waren die Tiroler Kaiserjäger, die Deutschmeister (Wiens „Hausregiment“), die ungarischen Husaren und die polnischen Ulanen. Bekanntester Militärmarsch wurde der von Johann Strauss 1848 komponierte Radetzkymarsch (später auch Titel eines – zweimal verfilmten – Romans von Joseph Roth über eine Soldatenfamilie in den letzten Jahrzehnten des Monarchie). Prominenter Militärkapellmeister war Joseph Lanner.

Eine bekannte Auszeichnung war der Leopoldsorden, der zwischen 1808 und 1918 nur viermal verliehen wurde. Von 1757 bis 1931 insgesamt 1241-mal verliehen wurde der Maria Theresia-Orden für „hervorragende Dienste im Kriege“. Mit vielen weiteren Orden und Ehrenzeichen wurde die bekannt schlechte Besoldung der Offiziere zu kompensieren versucht.

Bemerkenswerte Offiziere der letzten Jahre Österreich-Ungarns (Auswahl): Franz Graf Conrad von Hötzendorf, Chef des k.u.k. Generalstabes 1906–1911 und 1912–1917, Anhänger des Präventivkrieges Svetozar Boroević von Bojna, Feldmarschall an der Isonzofront Theodor Körner, Oberst des Generalstabes der Isonzofront, 1945–1951 Bürgermeister von Wien, 1951–1957 Bundespräsident

Militärische Konflikte: 1878 konnte Österreich-Ungarn die ihm zur Verwaltung zugesprochenen Länder Bosnien und Herzegowina nur durch militärische Besetzung „befrieden“. Boxeraufstand 1900: Beteiligung am Zweiten Expeditionskorps (nur Kriegsmarine) Erster Weltkrieg 1914–1918 auf Seite der Mittelmächte mit dem Deutschen Kaiserreich, dem Osmanischen Reich und Bulgarien gegen die Entente mit Frankreich, Großbritannien, Russland, Italien, den Vereinigten Staaten von Amerika und anderen.

Erster Weltkrieg

Zum Einsatz kamen (Heer) und Kriegsmarine (k. u. k. Kriegsmarine), später auch die Kampfflugzeuge der k.u.k. Luftfahrtruppen.

Kurz vor Ende des Krieges beendete Ungarn am 31. Oktober 1918 die Realunion mit Österreich und zog seine Truppen von der Isonzofront ab. Damit war die k.u.k. Armee zerbrochen. Ihr Ende wurde von Franz Theodor Csokor, selbst Offizier im Krieg, in seinem Theaterstück 3. November 1918 dargestellt (an diesem Tag trat der Waffenstillstand mit Italien in Kraft). Die Schändlichkeiten des Krieges brachte Karl Kraus im Stück Die letzten Tage der Menschheit zur Sprache.

Deutsch-Österreich (1918–1919) Ab dem 5. November 1918 stellte die Provisorische Regierung Deutsch-Österreichs die Volkswehr auf. Diese bestand aus ehemaligen Angehörigen der österreichisch-ungarischen Armee und Freiwilligen. Sie wurde am 18. März 1920 gemäß den Bestimmungen des Vertrages von St. Germain aufgelöst und durch das Bundesheer ersetzt.

Militärische Konflikte: Kärntner Abwehrkampf 1918 bis 1919 gegen das Königreich Jugoslawien

Erste Republik und Ständestaat (1919–1938)

Nach dem Ersten Weltkrieg schuf die Republik Österreich das Bundesheer. 1938 entschied Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, es nicht gegen die nationalsozialistische Machtübernahme in Österreich einzusetzen („kein deutsches Blut vergießen“), obwohl sich die Militärführung darauf vorbereitet hatten, Widerstand zu leisten. Die österreichischen Verbände wurden sofort in die deutsche Wehrmacht eingegliedert.

Österreich als Teil des Deutschen Reichs (1938–1945)

Ein eigenes österreichisches Militärwesen bestand im Zweiten Weltkrieg nicht. Hunderttausende Österreicher leisteten gemäß den geltenden deutschen Vorschriften in der deutschen Wehrmacht Wehrdienst. Der österreichische Bundespräsident Kurt Waldheim äußerte später, die österreichischen Soldaten hätten nur ihre Pflicht getan. Wer wie der oberösterreichische Bauernsohn Franz Jägerstätter, diese Pflicht verweigerte, wurde zum Tod verurteilt.

Einzelne deutsche Offiziere österreichischer Herkunft wurden nach Kriegsende im Ausland als Kriegsverbrecher verurteilt. Eine Reflexion der eigenen Rolle im Vernichtungskrieg der Nationalsozialisten blieb bei den meisten beteiligten Österreichern aus. Viele Gefallene wurden auf Kriegerdenkmälern verewigt und sind, wie dort zu lesen, für die Heimat gestorben.

Nicht der Wahrheit entsprechend behauptete die Österreichische Unabhängigkeitserklärung vom 27. April 1945, kein wahrer Österreicher habe jemals die NS-Aggression gegen fremde Völker gewollt. Kameradschaftsbünde, in denen der Heldentaten der Wehrmacht gedacht wird, bestehen in Österreich bis heute.

Zweite Republik (1955 bis heute)

Nach Abzug der alliierten Besatzungstruppen 1955 wurde das Österreichische Bundesheer (BH) wieder gegründet. Ihm gehören auch die Luftstreitkräfte an. Das Bundesheer untersteht dem Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV). Oberbefehlshaber ist der Bundespräsident. Dem BMLV unterstehen auch zwei der drei österreichischen Nachrichtendienste, nämlich das Abwehramt und das Heeres-Nachrichtenamt. Der dritte Nachrichtendienst, die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst, untersteht dem Bundesministerium für Inneres (BMI).