Polo ist eine Mannschaftssportart, bei der die auf Pferden reitenden vier Spieler pro Mannschaft einen Ball mit einem langen Holzschläger in das gegnerische Tor schlagen. Die Spieler tragen Helme und wechseln während des Spiels mehrmals die Pferde.

mini|Polo

Begriff Der anglo-indische Ausdruck Polo wird seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verwendet. Er stammt aus der Sprache der Balti und bedeutet „Ball“ (siehe in gleicher Bedeutung auch tibetisch pulu).Eintrag „Polo“, Online Etymology Dictionary

Beim Polosport zu Pferde werden verschiedene Varianten gespielt, die sich durch Spieltaktik und Mannschaftszusammenstellung voneinander unterscheiden: Beach Polo, Arena Polo und Schneepolo.

Geschichte des Polosports

mini|hochkant|Persische Miniaturmalerei. 1546 AD.

Die Anfänge des Polospiels () liegen in Iran und Zentralasien, ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. ist es aus Iran bekannt. Das Spiel wurde mit der Zeit immer populärer und avancierte schließlich zum Nationalsport. So diente beispielsweise im 16. und 17. Jahrhundert der zentrale Platz der früheren persischen Hauptstadt Isfahan regelmäßig als Spielfläche. Hierbei beobachtete der Schah das Spiel vom Balkon des Ali-Qapu-Palastes. Aus früherer Zeit ist belegt, dass das Spiel sich unter beiden Geschlechtern großer Beliebtheit erfreute und auch gemeinsam gespielt wurde, so u. a. am sassanidischen Hof. Berichte zu diesem Sport finden sich bereits in Szenen der persischen Mythologie, z. B. im Epos Schahnameh.Uta von Witzleben: Firdausi: Geschichten aus dem Schahnameh. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf und Köln 1960, S. 196–199 (Wie Siawosch vor Afrasiab sein Können zeigt) und 215–217 (Wie Siawosch die Türken im Spiel besiegte) Bereits in der Spätantike fand das Spiel auch Einzug ins Römische Reich. Neben dem Kaiserpalast in Konstantinopel existierte ein Poloplatz (tzykanisterion), der bereits von Kaiser Theodosius II. angelegt worden sein soll, dem das Spiel durch seinen persischen Kämmerer Antiochos vermittelt worden sein könnte.Alexander Demandt: Das Privatleben der römischen Kaiser. 2. Auflage, C. H. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42510-0, S. 162. Im Zuge der islamischen Expansion breitete sich das Spiel nach Arabien und unter den Mogulkaisern nach Indien aus.Britannica.comPegasus Event Marketing: Geschichte des Polo In Afghanistan existiert eine dem Polo entfernt verwandte Sportart, das Buzkashi.

Durch britische Kavallerie-Offiziere der Lancers (Ulanen), die in Indien stationiert waren, gelangte Polo im 19. Jahrhundert nach Großbritannien. 1859 wurde der erste britische Polo-Club gegründet. Polo war 1900, 1908, 1920, 1924 und 1936 eine olympische Disziplin. Die ersten drei Turniere gewann jeweils eine britische Mannschaft, die letzten beiden eine argentinische.

Ernst von Heintze-Weißenrode hatte Polo als deutscher Legationsrat in Buenos Aires kennengelernt und führte es auch in Deutschland ein. Am 3. Januar 1898 gehörte er zu den Gründern des Hamburger Polo Club, des ersten Polo-Clubs in Deutschland.Heinrich Hasperg: Polo. 1907, Nachdruck BoD 2010, ISBN 978-3-941551-02-2, S. 11.

Spiel Spielfeld und Polopersonal mini|hochkant|Relative Größen des Polofeldes und eines Fußballfeldes mini|Torpylon

Die Größe eines normalen Spielfeldes ist 300 Yards (ca. 274 Meter) mal 200 Yards (ca. 183 m). Spielfelder von Arena Polo, worunter auch Beach Polo zählt, haben andere Größen.

Die Begrenzung eines normalen Spielfeldes besteht an den langen Seiten aus den 30 cm hohen, meist hölzernen, Brettern („boards“) und an den kurzen Seiten, den Torseiten, aus im Gras gekennzeichneten Linien. Die Begrenzungen von Arena Polo sind anders, wobei oft Werbe-„Boards“ zum Einsatz kommen. Die Spielfeldbegrenzungen dürfen von den Pferden auch großzügig übertreten werden.

Als Spielmarkierung wird das Feld mit insgesamt sieben gedanklichen Linien unterteilt, deren Anfang- und Endpunkte an den gegenüberliegenden Boards gekennzeichnet sind. Es gibt eine Mittellinie und jeweils eine 60-Yards-, 40-Yards- und 30-Yards-Linie in jeder Spielfeldhälfte.

Jedes Tor besteht aus zwei ca. 3 m hohen, konischen, meist umflochtenen Torpfosten (Pylonen) und ist 8 Yards (ca. 7,20 m) breit. Die Pfosten sind nicht fest im Boden verankert, sondern geben nach, wenn ein Reiter mit seinem Pferd in der Hitze des Gefechtes dagegenstößt, und sie können sogar gänzlich umfallen. Zwei Torrichter, je mittig hinter den Toren platziert, zeigen mit einer geschwenkten Fahne an, ob der Ball ins Tor oder daneben gegangen ist. Fahne oben geschwenkt bedeutet „Tor“, Fahne unten geschwenkt bedeutet „außerhalb des Tores und Spielfeldes“.

Durch weiteres hilfreiches Polopersonal wird bei Turnieren unter anderem die Zeit genommen und die Glocke geläutet, Protokoll geführt, die Ergebnis-Anzeigetafel (engl.: „score board“) bedient und die umgerittenen Begrenzungsbretter („boards“) wieder aufgestellt.

Die Betreuung der Pferde übernehmen die Pferdepfleger („grooms“) der Pferdebesitzer und Polospieler. Sie sind sowohl für den schnellen Pferdewechsel während des Spieles oder in Spielpausen als auch für die Vorbereitung der Pferde, Betreuung (an der sogenannten „pony line“) und die Versorgung nach dem Spiel verantwortlich.

Spielverlauf Gespielt wird mit zwei Mannschaften zu je meist vier Spielern, beim Snow- und Arenapolo oft je zwei oder drei Spielern und beim Beachpolo in der Regel zwei Spielern. Daneben reiten zwei berittene Schiedsrichter mit, und ein Oberschiedsrichter steht in der Mitte des Spielfeldes am Spielfeldrand, um bei strittigen Richtersprüchen eine endgültige Entscheidung zu fällen. Das Spiel ist in Zeitabschnitte (sog. Chucka, auch „Chukker“, „Chukka“) eingeteilt. Jeder Zeitabschnitt dauert sieben Minuten, kann nach Erklingen der Glocke aber noch um 30 Sekunden verlängert werden, wenn der Ball im Spiel ist, der Ball nicht die Bande berührt oder ins Aus gerät und kein Foul begangen wird. Ein Spiel kann zwischen vier und acht Zeitabschnitten lang sein. Nach jedem erzielten Tor stellen sich alle Spieler, nach Spielposition geordnet, in der Spielfeldmitte zum „line up“ und folgendem Einwurf („throw in“) gegenüber auf. Die Spielrichtung wechselt nach jedem Tor, um einseitige Vorteile – beispielsweise durch den Sonnenstand oder ein eventuelles Geländegefälle – auszugleichen. Die Aufstellung der Spieler ist demnach so, dass sie dem anzuspielenden Tor immer gegenüberstehen. Ein throw in des Balles erfolgt jeweils am Anfang eines Zeitabschnittes, dort wo der vorangegangene Zeitabschnitt geendet hat. Gerät der Ball über „Boards“ ins Aus, wird das „throw in“ von diesem Punkt ausgeführt. Ein gesellschaftlicher Faktor ist das gemeinsame Betreten des Platzes („tread in“), das in der längeren Pause zwischen dem zweiten und dritten Zeitabschnitt betrieben wird. Neben den ohnehin zuständigen Pflegern des Spielfeldes wird bei Turnieren auch das Publikum aufgefordert, die von den Pferdehufen in das Feld geschlagenen Löcher durch die zugehörigen Erdbrocken und Grasbüschel wieder zu stopfen.

Regeln Der Schutz der Pferde ist die oberste Maxime des Regelwerks. So darf ein Pferd nicht in zwei aufeinander folgenden Chuckas eingesetzt werden, und jede mögliche Gefährdung eines Tieres führt zur sofortigen Unterbrechung des Spiels (hingegen geht bei Sturz eines Spielers, wenn es nach Ansicht des Schiedsrichters kein schwerer Sturz war, das Spiel weiter). Diese Regel erzwingt es, dass ein Spieler pro Turnier mit mindestens zwei Pferden anreisen muss.

mini|Hooken mini|„Push“ (Abreiten)

Erlaubte Aktionen Hook: Ein Spieler darf in den Schläger eines Gegenspielers mit seinem eigenen einhaken, um diesen beim Schlagen des Balles zu behindern. Push: Mittels des eigenen Körpers oder dem des Pferdes darf ein Spieler von der Linie abgedrängt werden (sog. „abreiten“).

Nicht erlaubte Aktionen Hook/Stick: Der Poloschläger („stick“) darf nur kurz vor dem Schlag eingehakt werden, nicht in der Senkrechten. Push: Es darf keinesfalls mit Ellenbogentechnik gearbeitet werden. Sandwich: Es ist zwei Spielern derselben Mannschaft nicht erlaubt, einen Spieler der Gegenmannschaft in die Zange zu nehmen. Crossing the line of the ball: Das wohl häufigste Foul im Polosport besteht in der Wegerechtsverletzung. Wenn sich der Ball nach einem weiten Schlag in Bewegung befindet und mehrere Spieler ihm hinterherjagen, hat derjenige Spieler das Wegerecht, der sich der Bewegungslinie des Balles (line of the ball) am nächsten befindet. Wenn ein anderer Spieler die gedachte Linie zwischen dem Ball und dem Spieler mit Wegerecht kreuzt, begeht er ein Foul. Appealing: Einsetzen des Poloschlägers, um ein Foul anzuzeigen Helicoptering: Kreisen des Poloschlägers über dem Kopf, z. B. im Falle eines Tors oder zur Anzeige eines Fouls

Arena Polo Arena-Polo ist eine Variante des traditionellen Polos, die in einem geschlossenen Spielfeld gespielt wird. Das Spielfeld ist von Wänden oder Banden von etwa 1,5 Metern Höhe umgeben, die das Spiel beeinflussen, da der Ball von ihnen abprallen kann.

Das Feld ist kleiner, mit ungefähren Maßen von 100 mal 50 Yards, und die Teams bestehen aus drei Spielern anstelle von vier. Der verwendete Ball ist größer und besteht in der Regel aus synthetischem Material, was die Kontrolle auf engem Raum erleichtert.

Ein Spiel besteht in der Regel aus vier Spielabschnitten (Chukkas) von jeweils etwa sieben Minuten. Vorrangregeln wie die „Linie des Balls“ bleiben entscheidend für die Sicherheit und den Spielfluss.

Spieltaktik Jeder der vier Spieler einer Mannschaft hat eine festumrissene taktische Aufgabe:

Nummer 1 ist die direkte Verbindung des Teams zum gegnerischen Tor. Er bestimmt das Tempo und die Schnelligkeit seines Teams. Er hält den Ball im Spiel und versucht, ihn von den Außenlinien vor das Tor oder zumindest in die Mitte des Spielfeldes zu spielen. Er deckt die gegnerische Nr. 4 ab.

Nummer 2 ist die Verbindung zwischen Spieler Nummer 1 und Spieler Nummer 3. Er deckt die gegnerische Nummer 3, die in der Regel der stärkste Spieler des gegnerischen Teams ist. Er gibt seiner Nr. 1 die entsprechenden Vorlagen. Er übernimmt je nach Spielverlauf, wechselweise gelegentlich die Position der Nr. 1.

Nummer 3 ist der Angelpunkt des Teams. Er gestaltet das Spiel durch strategischen Einsatz seiner Mannschaftskollegen. Er organisiert die Verteidigung und den Angriff hinter einer unsichtbaren Linie, hinter der er und seine Nr. 4 agieren. Er deckt die Nr. 2 des gegnerischen Teams.

Nummer 4 deckt die gegnerische Nr. 1. Er schlägt den Ball nur, wenn er sich ganz sicher ist, ihn auch zu treffen. Andernfalls wendet er sofort und versucht, seinen Gegner abzureiten.

Jede Spieler-Position baut, wie die Glieder einer Kette, auf der anderen auf. Haupteigenschaften, die die Qualitäten des Polospielers bestimmen, sind deshalb körperliche Fitness, Antizipations- und Reaktionsvermögen, Gewandtheit in der Beherrschung des Pferdes und vor allem Mannschaftsgeist. Eine optimale Teamleistung ergibt sich aus dem guten Zusammenspiel der Leistungen aller vier Mitglieder.

Handicap Jeder Polospieler hat je nach Leistungsstärke ein persönliches Handicap, das bei −2 beginnt und bis +10 gehen kann. Die besten Polospieler der Welt mit einem Handicap von +10 kommen derzeit fast alle aus Argentinien. Die Summe der vier Einzel-Handicaps bilden das Gesamt-Handicap einer Mannschaft. Wenn Mannschaften mit unterschiedlichen Handicaps antreten, erhält die Mannschaft mit dem geringeren Handicap einen Tore-Vorsprung. High Goal Polo ist die höchste Spielklasse; hier beginnt das Mannschafts-Handicap bei +8. Geregelt ist bei jedem Turnier, das nach DPV-Regeln ausgetragen wird, auch die Anzahl zulässiger Spieler aus dem Ausland, die meist als Profis aus Argentinien engagiert werden. Bei Spielen in einer begrenzten Arena notiert das Handicap jeweils eine Stufe höher (+1) als bei Polo auf offenem Feld.