Die Bahnstrecke Ilmenau–Großbreitenbach war eine eingleisige, nicht elektrifizierte Nebenbahn im Ilm-Kreis in Thüringen. Die knapp 21 km lange Strecke wurde in zwei Abschnitten eröffnet. Das erste 1881 dem Verkehr übergebene Teilstück führte von Ilmenau über Langewiesen nach Gehren; dort schloss sich die 1883 eröffnete Verlängerung nach Großbreitenbach an.

Erbaut als Staatsbahn des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen wurde die Strecke bald an Herrmann Bachstein verkauft; die Betriebsführung der Privatbahn übernahm zunächst die Centralverwaltung für Secundairbahnen Herrmann Bachstein, ab 1921 dann die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke verstaatlicht; fortan war die Deutsche Reichsbahn für die Betriebsdurchführung zuständig. Im Güterverkehr gehörten neben mehreren Glashütten auch holzverarbeitende Betriebe zu den größten Kunden; der Personenverkehr bestand vor allem aus Berufsverkehr in Richtung Ilmenau sowie aus Urlaubern, die den Thüringer Wald bereisten.

Der Niedergang der Strecke begann mit der Wende 1989/90, der Verkehr brach fast vollständig zusammen. 1997 wurde der Bahnverkehr eingestellt, 1998 erfolgte die Streckenstilllegung. Heute verläuft auf der Trasse ein Radweg.

Geschichte Vorgeschichte und Bau bis Gehren Erste Bestrebungen für einen Eisenbahnanschluss im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen gab es bereits in den 1860er Jahren, als sich in Arnstadt ein Komitee zusammenfand, dem weitere Gründungen in anderen Städten – u. a. in Gehren, Ilmenau und Langewiesen – folgten. Schon bald beschäftigte man sich mit Vermessungen für die Strecken Dietendorf–Arnstadt–Ilmenau–Saalfeld sowie Ilmenau–Suhl–Grimmenthal. Auf Grundlage dieser Ergebnisse wollte die Nordhausen-Erfurter-Eisenbahn-Gesellschaft (ThEG) eine Strecke bauen. Wie auch spätere Projekte scheiterte das Vorhaben jedoch. Allerdings eröffnete die Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft schon 1867 die Stichbahn Dietendorf–Arnstadt, worauf ab sofort Arnstadt der Ausgangspunkt aller weiteren Projekte wurde.Michael Kurth: Die Ilmenau-Großbreitenbacher Eisenbahn, S. 6 Alle Vorhaben zielten entweder auf einen Anschluss Saalfelds oder in Richtung Meiningen/Schweinfurt über Ilmenau und Suhl ab.

Zunächst konnte man sich nicht über die Trassenführung für die überregionale Strecke einigen. Dadurch erhielten zahlreiche Orte anderweitig einen Bahnanschluss. So bekam Saalfeld 1871 durch die Bahnstrecke Gera–Eichicht eine Bahnverbindung. Ein weiterer Teil der geplanten Verbindung über den Thüringer Wald bis nach Schweinfurt wurde 1874 mit der Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen eröffnet.Michael Kurth: Die Ilmenau-Großbreitenbacher Eisenbahn, S. 7 Immerhin eröffnete die ThEG Arnstadt–Ilmenau 1879 eine Verlängerung ihrer Strecke Neudietendorf–Arnstadt. Der Verwaltungsbezirk Gehren des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen blieb aber noch immer ohne Bahnanschluss; auch verbesserten sich die Verkehrsverhältnisse kaum, da alle Waren weiterhin aufwendig per Fuhrwerk über die Straße transportiert werden mussten. Zwar wurde die Strecke nach Ilmenau von vornherein auf einen zweigleisigen Ausbau und die Verlängerung bis Saalfeld ausgelegt; die ThEG lehnte einen Weiterbau aber ab, da sie sich von dem Vorhaben keinen Nutzen versprach.Michael Kurth: Die Ilmenau-Großbreitenbacher Eisenbahn, S. 8 Mittlerweile war auch die den Thüringer Wald querende Bahnstrecke Plaue–Ritschenhausen(–Meiningen) von der Preußischen Staatseisenbahnen in Angriff genommen worden. Der Verwaltungsbezirk Gehren drohte, verkehrstechnisch immer mehr ins Hintertreffen zu geraten. Daher wollte die Regierung in Sondershausen nun eine Bahn auf eigene Kosten bauen, obwohl sie zuvor bei anderen Bahnprojekten Zuschüsse bestenfalls unter hohen Auflagen vergeben wollte.

Zunächst wurden im September 1880 nur die Vorarbeiten für die Strecke von Ilmenau nach Gehren ausgeschrieben, wo sich dann eine Schmalspurbahn über Großbreitenbach nach Schwarzmühle anschließen sollte. Dabei setzte sich Herrmann Bachstein gegen mehrere Mitbewerber wie Ferdinand Pleßner durch. Die nun geplante normalspurige Lokalbahn nach Gehren sollte 450.000 Mark kosten. Da die ersten rund zwei Kilometer im Staatsgebiet des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach lagen, musste für den Bahnbau ein entsprechender Staatsvertrag zwischen Schwarzburg-Sondershausen und Sachsen-Weimar-Eisenach geschlossen werden. Ein bereits 1876 geschlossener Staatsvertrag für die Strecke Arnstadt–Ilmenau enthielt eine zehnjährige Klausel über Bauzuschüsse für eine mögliche Verlängerung in Richtung des Schwarzatals. Daher wurde das Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha ebenfalls zum Vertragspartner, obwohl die neue Strecke das Gebiet des Herzogtums überhaupt nicht berührte. Ende April 1881 war endlich der Staatsvertrag von allen beteiligten Ländern unterzeichnet. Im Mai desselben Jahres schlossen Schwarzburg-Sondershausen und Bachstein einen Bau- und Betriebsvertrag ab. Da die Verlängerung bis 1886 nicht gebaut wurde, verfiel die Klausel, nach dem der Erbauer nicht nur Zuschüsse, sondern auch die Strecke Ilmenau–Gehren exklusive des Rollmaterials erhalten sollte.Michael Kurth: Die Ilmenau-Großbreitenbacher Eisenbahn, S. 8 f. Beim Bau der Strecke wurde in Erwägung gezogen, in Richtung Königsee weiterzubauen, was allerdings nie realisiert wurde.

Verlängerung bis Großbreitenbach

Schwarzburg-Sondershausen wünschte sich nun eine Verbindung nach Großbreitenbach, um die Entwicklung dieser Region voranzutreiben. Erneut übernahm Bachstein Bau und Betrieb. Obwohl der Bau erst im Sommer 1883 genehmigt wurde, konnte der 10,77 km lange Abschnitt Gehren–Großbreitenbach bereits am 2. Dezember 1883 eröffnet werden.Michael Kurth: Die Ilmenau-Großbreitenbacher Eisenbahn, S. 12 ff. Am 1. Juni 1884 kaufte Bachstein die komplette Strecke, da sie nicht die gewünschten Einnahmen brachte. Nach dem Kauf durch Bachstein entwickelte sich das Betriebsergebnis positiv; schon nach wenigen Jahren gehörte die Strecke zu den rentabelsten Bachsteins. Allerdings kam es durch die einfache Bauausführung mehrfach zu Nachbesserungen; die Anlagen wurden dem gestiegenen Verkehrsaufkommen angepasst und ausgebaut. 1895 wurde sie in die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft (SEG) eingegliedert und als Privatbahn betrieben. Die Betriebsführung übernahm weiterhin die Centralverwaltung für Secundairbahnen Herrmann Bachstein, das zunächst nur bis 1913 laufende Abkommen wurde später noch bis 1921 verlängert. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte Preußen Interesse an einer Verstaatlichung der lukrativen Privatbahn, aufgrund des verlangten überteuerten Preises sah man aber von diesem Vorhaben ab.Michael Kurth: Die Ilmenau-Großbreitenbacher Eisenbahn, S. 17 ff.

Im Zuge der Projektierung der Eisenbahnstrecke zwischen Eisfeld und Schönbrunn (Schmalspur) war zunächst ein normalspuriger Ausbau vorgesehen. Auf Grundlage dieser Festlegung kam es am 28. Mai 1887 zur Planung für den Eisenbahnbau von Unterneubrunn (später Schönbrunn) bis Gillersdorf zum Anschluss an die Großbreitenbach-Gehrener Eisenbahn. Der Bau wurde ebenfalls nicht realisiert.

Zwischen den beiden Weltkriegen Schon während des Ersten Weltkrieges hatten sich die Betriebsverhältnisse immer weiter verschlechtert. Nach Kriegsende litt die Privatbahn vor allem unter Brennstoffmangel, da die Kohlenpreise immer weiter stiegen. Als Folge daraus wurde der Fahrplan ausgedünnt, teilweise verkehrte nur noch ein Zug pro Tag in jeder Richtung. Neben fehlenden Ersatzteilen bereiteten auch die Wasserversorgung für die Dampflokomotiven sowie die stark gestiegenen Lohn- und Materialkosten erhebliche Probleme. Die Betriebsführung wurde 1921 von der SEG selbst übernommen, die an den schlechten Bedingungen aber nichts ändern konnte. Immerhin begann man mit einer Modernisierung der Betriebsanlagen, die sich über mehrere Jahre hinzog.Michael Kurth: Die Ilmenau-Großbreitenbacher Eisenbahn, S. 20 ff.

Während der Weltwirtschaftskrise ging der Verkehr zwar ebenfalls zurück, allerdings war die Strecke Ilmenau–Großbreitenbach die Strecke mit den höchsten Betriebseinnahmen, während bei anderen Strecken der SEG teils erhebliche finanzielle Defizite entstanden. Zudem entwickelte sich ab den 1930er Jahren ein größerer Tourismus, von dem auch die Bahn mit ihrer Lage im Thüringer Wald profitierte.Michael Kurth: Die Ilmenau-Großbreitenbacher Eisenbahn, S. 27 ff.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|V 10 B des Glaswerks Großbreitenbach; der wichtigste Bahnkunde im Güterverkehr

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Strecke – bis auf kleinere Schäden – weitgehend unbeschädigt. Spätestens Anfang April 1945 wurde der Verkehr eingestellt, aber schon im Sommer 1945 wieder aufgenommen. Allerdings gab es bereits, wie nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, Probleme mit der Brennstoff- sowie der Ersatzteilversorgung.Michael Kurth: Die Ilmenau-Großbreitenbacher Eisenbahn, S. 29 Entschädigungslos verstaatlicht wurde die Strecke im Frühjahr 1948; vorerst übernahmen die Thüringer Landesbahnen den Betrieb, bevor am 1. April 1949 die Deutsche Reichsbahn die Strecke übernahm.Michael Kurth: Die Ilmenau-Großbreitenbacher Eisenbahn, S. 31 Dort trug sie die Kursbuchnummer 623; die Fahrzeit betrug mindestens 40 Minuten.

Jetzt erlebte die Bahn ihre Blütezeit. Neben den Leistungen im Güterverkehr war auch der Tourismus beachtenswert, teilweise mussten Urlauber zusätzlich im Packwagen oder in offenen Güterwaggons befördert werden. Zwar gab es in den 1960er Jahren erste Untersuchungen für einen Verkehrsträgerwechsel auf dem Abschnitt Gehren–Großbreitenbach, die für 1971 geplante Stilllegung konnte aber nicht umgesetzt werden.

Niedergang und Stilllegung Mit den wirtschaftlichen Veränderungen durch die Wende 1989/90 brach vor allem der Güterverkehr fast vollständig zusammen. Zudem verlängerte sich durch den schlechten Oberbauzustand die Fahrzeit im Personenverkehr immer mehr. Die Verkehrsleistungen wurden daher immer weiter ausgedünnt. Der Güterverkehr wurde am 31. Dezember 1994 eingestellt, aber am 26. Juli 1996 nochmals aufgenommen. Letzter großer Güterkunde war die Firma Wiegand-Glas, die die Glashütte in Großbreitenbach übernommen hatte. Zwar zeigten Wiegand-Glas und andere Betriebe Interesse an einem Eisenbahnanschluss, aber zu Investitionen in die Streckensanierung kam es nicht.Michael Kurth: Die Ilmenau-Großbreitenbacher Eisenbahn, S. 44 ff.

Der Personenverkehr endete am 26. Mai 1997, der Güterverkehr am 31. Dezember 1997. Ab dem 1. Januar 1998 war die Strecke wegen Oberbauschäden gesperrt. Offiziell stillgelegt wurde die Strecke am 30. September 1998. Bei der Stilllegung trug sie die Streckennummer 6695.

Ursächlich für die Stilllegung waren die fehlende Rentabilität und die nicht ausreichend tragfähige Brücke über die B 88 in Gehren, deren Neubau zu teuer gewesen wäre. Zwar hatte die Reichsbahn in den 1980er Jahren einen fast vollständigen Neubau geplant, dieser wurde aber nicht umgesetzt. Immerhin wurden 1988 die neuen Überbauten im Bahnhof Neustadt-Gillersdorf zwischengelagert, da es direkt bei der Brücke an Lagerkapazität fehlte. Die einbaufertigen Überbauten wurden 1999 zusammen mit den Gleisen in Neustadt-Gillersdorf verschrottet. Im September 2006 begann der Streckenrückbau zwischen Langewiesen und Gehren. Mitte 2007 wurden auch die Gleise zwischen Ilmenau und Langewiesen demontiert. Nachdem die Strecke 2008 entwidmet wurde, besiegelte der Abbruch des Viaduktes in Gehren im April 2009 das endgültige Ende der Strecke.

2011 begann der Bau des Ilm-Rennsteig-Radweges zwischen Ilmenau und Großbreitenbach, der im Wesentlichen auf der bisherigen Bahntrasse entstand. Der Radweg wurde nach seiner Fertigstellung am 25. Oktober 2013 der Öffentlichkeit übergeben.

Streckenbeschreibung Verlauf mini|Die Brücke in Gehren (abgebrochen) mini|Blick in den ehemaligen Bahnhof Neustadt-Gillersdorf