Rochow ist ein altes märkisches Adelsgeschlecht, das insbesondere in den Jahrhunderten des Spätmittelalters zu den einflussreichsten Familien in der brandenburgischen Zauche gehörte.

Geschichte Einst sollen die Rochows aus Burgund um 767 nach Franken gekommen sein, ehe sie unter Karl dem Großen um 789 in die Elbgegend kamen.Illustrirte deutsche Adelsrolle des neunzehnten Jahrhunderts, vollständigste Sammlung der Wappen des Deutschen Adels in authentischen Abdrücken von den Original-Wappensiegeln nebst den Wappen der Fürsten welche seit 1800 in Deutschland regiert haben. Ernst Schäfer, Leipzig 1858–1860, S. 76–78; Digitalisat Aus dieser Zeit liegen keine Urkunden, sondern nur Erzählungen vor:

Im Jahre 968 wurde zu Merseburg der Ritter Achatz von Rochow erwähnt:

Ein Teil der Altmark führte bereits im 12. Jahrhundert den Namen Rochau oder Rochow, dort schienen ihre Stammgüter gewesen zu sein, da vorherige Besitzer nicht bekannt sind. Im Jahr 1238 urkundlich erwähnt wird der bereits verstorbene Wighard oder auch Wichard: „Filii domini Wighardi habent in villa Roegawe quindecim mansos.“Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis I, VI (Erster Hauptteil, Sechster Band), F. H. Morin, Berlin 1846, 450–451. II. Digitalisat: Siegfried, Graf von Osterburg und Altenhausen, resignirt viele Dörfer und Grundstücke in der Altmark und deren Nachbarschaft … 1238.

Die Söhne des Wichard blieben als solche ungenannt. Da jedoch die Besitzungen in der Altmark später in den brandenburgischen Lehnslisten auftauchen, ist zu vermuten, dass Albero (Albrecht), am 4. Juli 1225 im Schlosse Strits als Zeuge genannt, Hans, Zeuge am 17. November 1264 bei dem Verkauf des Dorfes Stargezer, Heinrich, 1280 auf einem Landtage zu Berlin anwesend, und Meinhard (1305) in der Mark, , seine Söhne waren.Adolph Friedrich August von Rochow: Nachrichten zur Geschichte des Geschlechts derer von Rochow und ihrer Besitzungen. Berlin 1861, S. 7.

Nach Brandenburg kamen die Rochows vermutlich mit Albrecht dem Bären. Dieser belehnte Henning von Rochow für seine Verdienste mit Golzow (1138). Da er ein sehr frommer Mann war, hinterließ Henning dem Zisterzienserkloster zu Brandenburg eine Stiftung und soll dort begraben worden sein. Urkundlich sicher ist 1329 in „Goltzowe“ Ludwig von Rochow.Reinhard E. Fischer, H. H. Bielefeldt, T. Witkowski (Hrsg.): Brandenburgisches Namenbuch (= Berliner Beiträge zur Namenforschung. Band 1: Die Ortsnamen der Zauche). H. Böhlaus Nachf., 1967, S. 62. Die Güter wurden jedoch 1335 durch die Brüder Wichard, Betiko und Johannes „von Rockowe“ an den Markgrafen Ludwig abgetreten.Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis, Erster Hauptteil, Zehnter Band. Berlin 1856, Nr. V (S. 120), Nr. VI., S. 121.

Im Jahr 1351 beginnt die Geschichte der Herrschaft der Familie von Rochow über Golzow und Umgebung. Hans IV. und seine Vettern Heinrich IV. und Wichard IV. werden mit Golzow belehnt.Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter, Stiftungen und Dörfer in derselben, als Fortsetzung des Landbuchs Kaiser Karl IV. Band 3. Guttenberg, Berlin 1860; III.) Zauche S. 15 ff. Schon vorher hatten sie den Wohnsitz Duster-Reckahn aufgeben müssen. Auf dem Gelände des heutigen Schlosses in Reckahn stand ein Vorgängerbau der Gutsherren auf Reckahn.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts schloss sich Wichard VIII. von Rochow der Adelsopposition gegen den von Kaiser Karl IV. eingesetzten Kurfürsten Friedrich I. von Brandenburg an. Im 16. Jahrhundert fand eine Teilung der Familie in vier Linien statt, die nach ihren jeweiligen Herrensitzen in Reckahn, Golzow, Gollwitz und Plessow benannt wurden.

Im Jahre 1900 gründeten die Rochows, wie viele größere Adelsfamilien, einen Geschlechtsverband mit Familientagen im Zweijahresturnus. Nach den Unterlagen des 1991 in Stülpe entdeckten Rochowschen Gutsarchivs Stülpe-Plessow ist das Protokoll vom Jahr 1904 aus dem Hotel Kaiserhof (Berlin) überliefert. Die Familie kann noch auf eine frühe Besonderheit verweisen: 1819 wurde gemeinsam von den damaligen Vettern von Rochow ein silberner Familienhumpen nach einem Entwurf von Schinkel gestiftet. Hier wurden alle männlichen Vertreter nach der Taufe mit einem Namensschriftzug eingraviert. Der von Rochowsche Verband trifft sich weiterhin regelmäßig zu Familientagen, oft in oder bei den Orten der ehemaligen Besitzungen.

Wappen Blasonierung: „In Silber drei (2:1) je zwei schwarze abgewendete Pferdeköpfe. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wachsender silberner Steinbock.“

Bereits 1353 findet sich eine Änderung des Wappens bei einzelnen Familienmitgliedern. Wichard V. und sein Bruder Meinhard III. führen anstelle der Pferdeköpfe Kugeln im Wappen.

Das Wappen derer von Rochow, welche später im Niederstift Münster begütert waren, enthielt drei schwarze Schachrochen statt der Pferdeköpfe, diese Rochen finden sich unter Heinrich V. im Jahre 1375 erstmals. Unter Wichard VI. auf Golzow verändert sich der Steinbock zu einem Ziegenbock, sein Urenkel Hans VIII. „Hans der Ritter“ fügte seinem Wappen Spitzen an, so dass halbe Lilien entstanden.

Die Freiherren führen als Schildhalter zwei wilde Männer mit Keulen. In den Wappenbüchern ist das Wappen sowohl mit Rochen als auch mit Lilien dargestellt.Illustrirte deutsche Adelsrolle des neunzehnten Jahrhunderts. Vollständigste Sammlung der Wappen des Deutschen Adels. Ernst Schäfer, Leipzig 1858–1860, S. 78; Digitalisat

Diesem Reichsfreiherren-Diplom des Kaisers Ferdinand III. vom 17. Januar 1640 wurde ein vermehrtes Wappen hinzugefügt. Dasselbe enthält außer den drei Rochow’schen schwarzen Lilien auf Fußgestellen in goldenem Feld als Herzschild, in vier Feldern überkreuz zwei schwarze Adler in silbernem Feld, und zwei silberne geharnischte Arme mit gehobenen Schwertern in rotem Feld. Über dem Schild befinden sich zwei gekrönte Helme, der eine mit dem Steinbock (laut Diplom), der andere mit dem Adler des Wappens.

Stammlinie

Weiteres Im Jahr 1824 erbte Adolf von Rochow (1788–1869) nach dem Tod seines Schwiegervaters Wilhelm von Broesigke (1767–1824)Nachrichten zur Geschichte des Geschlechts derer von Rochow und ihrer Besitzungen gesammelt von Adolph Friedrich August von Rochow. Ernst & Korn, Berlin 1861, S. 179; . den Stammsitz der Familie von Broesigke, das Gut KetzürS. Kinder, H. T. Porada (Hrsg.): Brandenburg an der Havel und Umgebung. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Brandenburg an der Havel, Pritzerbe, Reckahn und Wusterwitz. In: Landschaften in Deutschland, Band 69. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2006, S. 142. ISBN 3-412-09103-0. und 1836 das Gut in Gortz.Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg. Band III. I. Guttentag, Berlin 1860, S. 20 f. MDZ. Münchener Digitalisierungs Zentrum Digitale Bibliothek Er überschrieb diese Güter an seine Töchter und Söhne. Laut Unterlagen im Domarchiv Brandenburg aus dem Pfarrarchiv Ketzür (DSA Ket 33/ 152) veräußerten deren damals noch lebenden Kinder, u. a. Wichard v. Rochow-Stülpe, die Besitzung Ketzür. Siehe Schreiben vom 4. Mai 1883 des Königlichen Konsistorium der Provinz Brandenburg; Verkauf am 9. März 1883; ebenda. Letzte Eigentümer von Ketzür war die Familie Kersten, vgl. Handbücher des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, Provinz Brandenburg, Berlin 1896. Nachfolgend dann dazu die Einträge in Niekammer’s Güteradressbücher für die Provinz Brandenburg, 1914 und 1929, zum Kreis Westhavelland. Im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone wurde 1945 das 375 Hektar große Gut enteignet.

Literatur Wappen der Rochow in Siebmachers Wappenbuch von 1605 Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues Preussisches Adels-Lexicon. Band 4, Gebrüder Reichenbach, Leipzig 1836. (Digitalisat) Adolf Friedrich August von Rochow: Nachrichten zur Geschichte des Geschlechts derer von Rochow und ihrer Besitzungen. Ernst und Korn, Berlin 1861. (diglib.hab.de) GGT: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser (Uradel) 1900. Jg. 1, Justus Perthes, Gotha 1899, S. 743 ff., ff. 1905 S. 700 ff. ff. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. Justus Perthes, Gotha, Weitere Jg.: u. a. 1913, 1915, 1917; GGT. Deutscher Uradel. Justus Perthes, Gotha. 1923, 1928, ff. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zuletzt zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft (D.A.G.) Teil A (Uradel). Justus Perthes, Gotha, 1932, 1936, Jg. 39, 1940. GHdA. Hrsg. Deutsches Adelsarchiv. : Walter v. Hueck, Hans Friedrich v. Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel), Band VIII, Band 38 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1966. S. 390 ff. Walter v. Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). Band XX, Band 93 der Gesamtreihe GHdA. C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1988. Christoph Franke: Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon. Band XI, Band 122 der Gesamtreihe GHdA. C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 2000. ISBN 3-7980-0822-1. Andreas Kitzing: Das Leben eines märkischen Junkers. Hans Wichard von Rochow-Stülpe 1898–1945. WA März, Wahlsdorf, ISBN 3-00-002916-8. Förderverein Historisches Reckahn e. V., Gemeinde Reckahn (Hrsg.): Reckahn. Das Rochowsche Gutsdorf in der Mark. Geschichte und Geschichten aus dem Dorf Reckahn, verfaßt zum 650. Jahrestag der Ersterwähnung 1351–2001. Selbstverlag, Reckahn 2001, ohne ISBN. Sibylle Badstübner-Gröger/Deutsche Gesellschaft (Hrsg.): Schlösser und Gärten der Mark. Reckahn. Nicolai, Berlin 1995, ISBN 3-87584-574-9; 2., veränd. Auflage, Nicolai, Berlin 2002. (Veröffentlicht für den Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark) Schlösser und Gärten der Mark. Plessow. Nicolai, Berlin 2010, ISBN 978-3-941675-24-7, 1. Auflage (veröffentlicht für den Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark) deutsche-gesellschaft-ev.de Schlösser und Gärten der Mark. Stülpe. Nicolai, Berlin 2013, ISBN 978-3-941675-12-4, 2. veränderte Auflage (veröffentlicht für den Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark) deutsche-gesellschaft-ev.de Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 106 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfln. 263 (hhu.de).

Sekundärliteratur Gustaf Lehmann: Die Ritter des Ordens pour le mérite, Erster Band 1740–1811, E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1913. Digitalisat Gustav Adolf Pourroy: Bürger und Staat mit beschränkter Einsicht. Essay in FAZ/BdW, 21. April 1993 und in forum-gap.de

Weblinks

Rochowsche Ahnentafeln in der Lindnersche Genealogischen Sammlung, in Heinrich August Lindner, Bayrische Staatsbibliothek Wappen von Rochow m. Gondel m. Liebespaar, Deutsche Fotothek Familie von Rochow im Schlossarchiv Wildenfels Freiherrn von Rochow Bilder-Welt der Wappen Chronik Pessin, teils m. von Rochow

Einzelnachweise und Anmerkungen

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