Königin für tausend Tage ist ein Spielfilm des britisch-kanadischen Regisseurs Charles Jarrott aus dem Jahr 1969. Das Historiendrama, das auf einem Theaterstück von Maxwell Anderson basiert, wurde von dem US-Amerikaner Hal B. Wallis produziert.
Handlung England, im Jahr 1536: Der englische König Heinrich VIII. bekommt das Todesurteil über seine zweite Ehefrau Anna Boleyn, verurteilt wegen Ehebruch und Hochverrat, vorgelegt. In einer Rückblende erinnert er sich zurück an den Anfang ihrer gemeinsamen Zeit. Heinrich ist unzufrieden mit seiner tiefgläubigen Ehefrau Katharina von Aragon, die ihm keinen männlichen Erben gebären kann. Die beiden haben lediglich eine Tochter, Maria, die spätere Maria I. von England. Er unterhält eine Affäre mit Maria Boleyn, der Tochter seines Höflings Thomas Boleyn. Doch dann bemerkt der Regent auf einem Hofball Marias jüngere, achtzehn Jahre alte Schwester Anna, die gerade von ihrer Ausbildung am französischen Königshof zurückgekehrt ist. Anna Boleyn ist mit dem Sohn des Earl of Northumberland liiert und hofft auf das Einverständnis, sich mit diesem vermählen zu dürfen. König Heinrich ist fasziniert von ihrer Schönheit und bittet seinen Premierminister Kardinal Wolsey, die Auflösung der Verbindung zu veranlassen. Als Anna von dieser Nachricht erfährt, überkommt sie ein Wutanfall und sie macht Wolsey und den englischen König für das Ende ihrer Verbindung mit ihrem Geliebten verantwortlich. Nach einem unbeholfenen Versuch Heinrichs, Annas Gunst zu gewinnen, belehrt sie ihn offen darüber, dass sie ihn als verdorben und rachsüchtig empfinde und dass er in der gleichen Art und Weise liebe, wie er esse – mit lautem Geräusch und wenig Feinsinn.
Obwohl sie den Avancen des Königs aufgrund ihres Abscheus ihm gegenüber und ihres noch nicht verflossenen Ärgers über ihre zerstörte Verbindung kühl begegnet, berauscht sie mehr und mehr die Macht, die ihr die Liebe des Königs einbringen könnte. Sie erzählt ihrem Bruder, dass Macht aufregender sei als die Liebe und der König mehr davon besitze als jeder andere Mann. Mit dem Ausnutzen ihrer günstigen Position am Hofe untergräbt sie fortwährend den Einfluss von Kardinal Wolsey, der die Zuneigung des Königs zu Anna Boleyn zunächst als einfache Vernarrtheit abtut. Als König Heinrich VIII. Anna erneut bedrängt, seine Mätresse zu werden, entgegnet sie ihm, dass sie niemals einem illegitimen Kind das Leben schenken würde. Da in seiner Ehe mit Katharina von Aragon der ersehnte männliche Thronfolger bisher ausgeblieben ist, erwägt Heinrich mehr denn je, seine Gemahlin zu verstoßen und Anna zu heiraten. Anna ist verblüfft über diese unvorhergesehene Wendung und verspricht dem König, dass sie ihn unter diesen Umständen nicht verschmähen würde. Kardinal Wolsey ahnt die politischen Konsequenzen, die eine Scheidung mit Katharina nach sich ziehen würde, und versucht den König umzustimmen. Heinrich VIII. hört jedoch nicht auf seinen Berater.
Kardinal Wolsey gelingt es nicht, die Einwilligung des Papstes zu einer Scheidung mit Katharina von Aragon einzuholen, was Anna Boleyn gegenüber König Heinrich auf Wolseys Unfähigkeit zurückführt. Der Kardinal wird daraufhin aus seinen königlichen Diensten entlassen, und das von ihm ehemals bewohnte Stadtpalais wird Anna als Geschenk übergeben. Umgeben vom Prunk, realisiert die junge Frau, dass sie sich in Heinrich VIII. verliebt hat, und beide geben sich zum ersten Mal einander hin. Als Anna Boleyn schwanger wird, ehelicht sie der König heimlich. Die neue Ehefrau Heinrichs VIII. erhält eine glanzvolle Krönungszeremonie, aber die Bevölkerung auf der Straße huldigt nur Katharina, buht Anna aus und beschimpft sie als Hure. Die Heirat führt zur Abspaltung Englands von der römisch-katholischen Kirche und es wird die Anglikanische Kirche mit Heinrich als Oberhaupt installiert. Monate später bekommt Anna Boleyn mit der gemeinsamen Tochter, Prinzessin Elizabeth, nicht den erhofften männlichen Thronfolger. Ab diesem Zeitpunkt kühlt sich die Ehe zwischen Anna und Heinrich merklich ab und Lady Jane Seymour, eine von Annes Hofdamen, erregt die Aufmerksamkeit des Königs. Als Anne Boleyn die Liaison des Königs entdeckt, verbannt sie Jane Seymour vom königlichen Hof und spottet, diese habe das Gesicht eines einfältig lächelnden Schafes, aber nicht die Manieren.
Während eines Aufruhrs von Sir Thomas Mores Opposition über die Ehe des Königs mit Anne Boleyn setzt diese den König unter Druck. Die hysterische Anne weigert sich, in Zukunft mit ihrem Ehemann das Bett zu teilen, sollte Thomas More nicht zum Tode verurteilt werden. Heinrich gibt ihrer Forderung nach. Anne bringt nach ihrer zweiten Schwangerschaft einen toten Sohn zur Welt. Heinrich VIII. fordert daraufhin seinen neuen Minister Thomas Cromwell auf, einen Weg zu finden, wie er die ihm lästig gewordene Gattin loswerden könne. Einer ihrer Diener, der Hofmusiker Marc Smeaton, wird gefoltert und von ihm das Geständnis erpresst, Ehebruch mit Anne Boleyn begangen zu haben. Kurz darauf werden vier weitere Männer, darunter auch die besten Freunde Heinrichs, des Ehebruchs mit Anna Boleyn angeklagt, während Anne in den Tower of London gebracht und dort unter Arrest gestellt wird. Kurze Zeit später wird Anne Zeugin, wie auch ihr Bruder in den Tower gebracht wird, der des Inzests mit seiner Schwester verdächtigt wird. Anne hält ihren Ehemann für geistesgestört und sich selbst dem Untergang geweiht.
Bei der Verhandlung gegen sie kann Anne Boleyn ihre angeklagten Diener ins Kreuzverhör nehmen und der Falschaussage überführen. Heinrich VIII. sucht daraufhin seine Ehefrau im Tower von London auf. Er verspricht ihr die Freiheit, wenn sie die Ehe mit ihm für ungültig erklären lässt. Dies würde aber gleichzeitig ihre Tochter Elizabeth für illegitim erklären. Anne weigert sich, in die Annullierung der Ehe einzuwilligen. Sie ist eher bereit zu sterben, als Elizabeth zu verraten. Heinrich ohrfeigt sie, bevor er ihr mitteilt, dass dieser Ungehorsam ihren Tod bedeuten werde.
Die Rückblende endet hier; Heinrich unterzeichnet das Todesurteil, einige Tage später tritt Anne Boleyn den Gang zum Schafott an und wird, da sie stets die französische Art so liebte, von einem französischen Scharfrichter elegant mit dem Schwert enthauptet statt von einem englischen Scharfrichter mit dem Beil. Heinrich VIII. macht sich auf, Jane Seymour zu ehelichen, während die letzten Filmsequenzen Annes Tochter Elizabeth gewidmet sind, die im Garten herumtollt, als sie plötzlich Kanonenfeuer hört, das der Bevölkerung Annes Tod verkündet.
Entstehungsgeschichte Königin für tausend Tage basiert auf dem 1947 entstandenen Theaterstück Anne of the Thousand Days des US-amerikanischen Dramatikers Maxwell Anderson (1888–1959). Das Drama, in Blankversen verfasst, wurde 1948 mit Rex Harrison als König Heinrich VIII. und Joyce Redman als Anne Boleyn auf dem New Yorker Broadway uraufgeführt und mit zwei Tony Awards ausgezeichnet. Den renommierten US-amerikanischen Theaterpreis erhielten 1949 Harrison als Bester Darsteller (Drama), sowie Jo Mielziner für die beste Choreographie. Eine Leinwandadaption des Bühnenstücks ließ dagegen auf sich warten. Anne of the Thousand Days konnte erst mehr als zwanzig Jahre später im Jahre 1969 für die Leinwand adaptiert werden. Gründe dafür sind die offenen Diskussionen die in dem Stück über Ehebruch, Illegitimität und Inzest geführt werden, sowie der bis 1967 bestehende Hays Code, der auf die moralisch akzeptable Darstellung von Kriminalität und Geschlechtsverkehr in US-amerikanischen Kinos Wert legte.
Für die Produktion zeigte sich der US-Amerikaner Hal B. Wallis verantwortlich. Der Produzent von Filmen wie Die Spur des Falken (1941) oder Casablanca (1942) realisierte den Film mit seiner nach ihm benannten Produktionsfirma Hal Wallis Productions. Für die Regie wurde der britisch-kanadische Regisseur Charles Jarrott verpflichtet, der mit Königin für tausend Tage nach einer Reihe von TV-Filmen und -Serien sein Kinodebüt feierte. Für das Drehbuch waren John Hale und Bridget Boland verantwortlich, die Maxwell Andersons Stück nach einer Adaption von Richard Sokolove bearbeiteten, wobei das Blankversformat Andersons nicht in das finale Filmskript einfloss. Zum Teil überschneidet sich die Thematik des Filmes mit dem vier Jahre zuvor realisierten, nicht minder erfolgreichen Historiendrama Ein Mann zu jeder Jahreszeit. Hier stand jedoch Thomas More (gespielt von Paul Scofield) und dessen Konflikt mit Heinrich VIII. im Mittelpunkt des Films und Anne Boleyn, dargestellt von Vanessa Redgrave, fungierte nur als Randfigur.
Für die Besetzung der Titelrolle war ursprünglich die argentinisch-britische Schauspielerin Olivia Hussey erste Wahl gewesen. Hussey hatte 1968 mit gerade einmal siebzehn Jahren in Franco Zeffirellis Verfilmung der Shakespeare-Tragödie Romeo und Julia ihren internationalen Durchbruch als Schauspielerin gefeiert, musste aber aufgrund von persönlichen Problemen die Rolle der Anne Boleyn ablehnen. Die 20-jährige französische Schauspielerin Claude Jade, die gerade mit Truffauts Geraubte Küsse (1968) bekannt geworden war und für Hitchcocks Topaz einen Sieben-Jahres-Vertrag mit Universal abgeschlossen hatte, stand ebenfalls zur Wahl. Die 28-jährige US-Amerikanerin Faye Dunaway, der ein Jahr zuvor in Hollywood als Titelheldin in Arthur Penns Bonnie und Clyde für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, lehnte die weibliche Hauptrolle in Königin für tausend Tage ab. Als Ersatz konnte die Schauspielerin Geneviève Bujold für den Part der Anne Boleyn gewonnen werden. Die charismatische 26-jährige frankophone Kanadierin hatte sich vor allem durch ihre Zusammenarbeit mit Alain Resnais für dessen Film Der Krieg ist vorbei (1966) einen Namen im französischen Kino gemacht. Dem amerikanischen Publikum war Bujold kaum bekannt, hatte sie in den USA und Kanada doch vorrangig in TV-Produktionen vor der Kamera gestanden, so u. a. in einer Episode der NBC-Serie Hallmark Hall of Fame, für die sie als Johanna von Orléans 1968 eine Nominierung für den US-amerikanischen Fernsehpreis Emmy erhalten hatte. Für die Rolle von König Heinrich VIII. konnte der renommierte britische Film- und Theaterschauspieler Richard Burton gewonnen werden. Weitere internationale Schauspieler wie Irene Papas, Anthony Quayle und John Colicos ergänzten das Schauspielensemble.
Die Dreharbeiten fanden in London sowie in den bekannten Pinewood Studios in Buckinghamshire und den Shepperton Studios in Surrey statt. Gedreht wurde auf branchenüblichen 35-mm-Film in Technicolor-Farben und Kameras von Panavision.
Rezeption