Arvigo ist ein Dorf in der Gemeinde Calanca im italienischsprachigen Teil des Schweizer Kantons Graubünden. Bis zum 31. Dezember 2014 bildete Arvigo eine eigenständige Gemeinde, bevor sie mit drei weiteren Gemeinden zur neuen Gemeinde Calanca fusionierte.
Geographie mini|links|Freundschaftsbrücke Arvigo liegt im unteren Teil des Calancatals auf einem Schuttkegel, den der Bach Rià di Arvigo aufgeschüttet hat. Vom gesamten Gemeindegebiet von 1701 ha sind 909 ha von Wald und Gehölz bedeckt, 563 ha unproduktive Fläche (meist Gebirge), 203 ha landwirtschaftliche Nutzfläche (fast 90 % davon Alpsässen) und nur 26 ha Siedlungsareal.
Arvigo grenzt im Westen an den Kanton Tessin.
Geschichte mini|links|180px|Kirche San Lorenzo, erwähnt 1453 mini|Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2015 mini|Kreisgericht des Kreises Calanca Eine erste Erwähnung findet das Dorf im Jahre 1453 unter dem damaligen Namen Arvicho. Seit dem 12. Jahrhundert stand das Dorf unter der Herrschaft der Freiherren von Sax. Diese verkauften ihre Rechte 1480 an Gian Giacomo Trivulzio von Mailand. Als dieser in Streit geriet mit dem Herzog Ludovico Sforza von Mailand, trat Arvigo 1496 in den Grauen Bund als achtes Hochgericht bei. Das Calancatal wurde zu einer der vier Squadre und Arvigo erhielt den Status einer halben Degagna.
Die 1590 errichtete Kaplanei wurde 1611 zur Pfarrei erhoben. Im 17. und 19. Jahrhundert wurde die 1453 erwähnte Pfarrkirche S. Lorenzo umgebaut. Weitere Sakralbauten in Arvigo sind die Kapellen Madonna Addolorata aus dem 17. Jahrhundert und S. Giovanni Nepomuceno (um 1710).
Die Bevölkerung von Arvigo lebte hauptsächlich von Weide- und Viehwirtschaft. In den vergangenen Jahrhunderten wanderten viele Bewohner als Glaser und Harzer nach Bayern und Österreich aus. 1920 begann der Abbau des grünen Schiefers (Paragneis). 2001 beschäftigten zwei Granit-Firmen ca. 60 Personen.
Bis am 31. Dezember 2014 war Arvigo eine eigene politische Gemeinde. Am 1. Januar 2015 fusionierte sie mit den Gemeinden Braggio, Cauco und Selma zur neuen Gemeinde Calanca. 1980 war ihr die bis anhin selbständige Gemeinde Landarenca angegliedert worden.
Wappen
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Jahr 1691 1733 1850 1900 1902Arvigo. In: Geographisches Lexikon der Schweiz, Erster Band, Aa - Emmengruppe, Gebrüder Attinger, Neuenburg 1902 1950 2000 2010 2014 Einwohner 400 352 110 226 118 152 92 97 72 Bemerkung mit Landarenca
Von den 97 Bewohnern Ende 2010 waren 63 Schweizer Staatsangehörige und 34 Zuwanderer. Die Minderung ist mitunter auf die Abwanderung junger Bürger zurückzuführen, die ihre berufliche Zukunft in einer anderen Region sehen.
Wirtschaft mini|Il ponte dell’amicizia (11. Jh.) mit Dorfteil De la del Pont und Granit-Steinbruch Neben dem Tourismus wird diese durch den Abbau und die Verarbeitung von Naturstein, dem sog. Calancagneis, bestimmt. Dieser wird unterhalb der ehemaligen Gemeinde in einem grossen Steinbruch gewonnen.
Politik Arvigo ist als Hauptort des Calancatals zugleich Sitz des Kreisgerichts. Gemeindepräsident war bis 2014 Rodolfo Keller.
Sehenswürdigkeiten in Arvigo und Landarenca mini|Beinhaus
Die katholische Pfarrkirche San Lorenzo in ArvigoSimona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 518, ISBN 978-88-7713-482-0 das Beinhaus (17. Jahrhundert) Freundschaftsbrücke in Arvigo die Pfarrkirche Santi Bernardo e Nicola erbaut 1626 in der Ortschaft Landarenca
Persönlichkeiten Stefano a Silva (1798–1863), war ein Italienischer Priester, Schulmeister, Freimaurer und Pfarrer in Arvigo.
Literatur Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 518. Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Band VI: Die italienischbündnerischen Talschaften Puschlav, Misox und Calanca (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 17). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1945, ISBN 978-3-906131-55-9. Balser Puorger: Calanca. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 5: Brusino – Caux. Attinger, Neuenburg 1921, S. 473 (Digitalisat).
Verschiedene Autoren: Arvigo. In: Storia dei Grigioni. 3 Bände. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2000.
Weblinks
Comune di Calanca Offizielle Website der Gemeinde (italienische Sprache) Arvigo auf wegwandern.ch/listing Arvigo auf schweizmobil.ch Bundesinventar ISOS: Arvigo, Landarenca (italienisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Calancatal Kategorie:Ehemalige politische Gemeinde in der Schweiz Kategorie:Calanca Kategorie:Ersterwähnung 1453 Kategorie:Gemeindeauflösung 2014