Die Gams ist eine Ortschaft auf dem Gebiet der gleichnamigen Katastralgemeinde in der Stadtgemeinde Frohnleiten im österreichischen Bundesland Steiermark. Die Gams zählt Bewohner auf einer Fläche von (Stand ). Der Gamsbach fließt durch das Dorf. Der Großteil des Gebiets besteht aus Wäldern, die zum Großteil der Familie Mayr-Melnhof gehören.

Geographie Die Gams ist viereinhalb Kilometer vom Ortszentrum Frohnleitens entfernt. Die Katastralgemeinde wird umgrenzt vom Hauptkamm der Gleinalpe zwischen einer Kuppe an der Fensteralpe und dem Almwirtsattel im Westen, vom Verlauf des Gamsbachs im Norden, vom Höhenrücken Fensteralm-Sadningkogel-Zöllerkogel-Fuchskogel-Haneggkogel im Süden sowie einer das Tal querenden Linie zwischen den Ortschaften Gams und Vordere Gams (letztere bereits KG Rothleiten) im Osten. Von der Straßengabelung in der Gams führen Schotterstraßen in den Ratlosgraben, Pöllagraben und auf den Schenkenberg. Gamsgraben hingegen ist in administrativer Hinsicht kein weiterer Seitengraben der Gams oder etwa deren enger Westteil, der zum Almwirtsattel führt, sondern bezeichnet die Gebiete nördlich des Gamsbachs – auch wenn diese Unterscheidung im alltäglichen Gebrauch keine Rolle spielt.

Bevölkerung Die Tabelle zeigt die Bevölkerungsveränderung der Ortschaft Gams im 21. Jahrhundert.http://www.statistik.at/blickgem/vz2/g60610.pdfhttp://www.statistik.at/blickgem/rg3/g60610.pdf Ortschaft 15.05.2001 31.10.2011 01.01.2015 Gams 277 269 284 Historische Einwohnerzahlen sind: 523 Einwohner im Jahr 1770, 523 Einwohner im Jahr 1782, 395 Einwohner im Jahr 1812, 387 Einwohner im Jahr 1846.

Geschichte Vermutlich erhielt das Stift Göß bei seiner Gründung im Jahr 1004 das Gebiet als Dotation. Der sogenannte Diebsweg von Göss durch den Gößgraben, über den Almwirtsattel und schließlich durch den Gamsgraben und die Gams war in der Vergangenheit ein bedeutender Verkehrsweg zwischen der Obersteiermark und Graz. Der früheste bekannte urkundliche Nennung der Gams erfolgte im Jahr 1230 als Gemze, weitere historische Nennungen sind u. a. 1302 Gempcze, 1366 die Gembs, 1409 Gaemcz und 1449 Gems. Dem Namen liegt offenbar nicht die im Dialekt als Gams bezeichnete Gämse (mhd. gemeze) zugrunde, sondern das slawische Wort kamenica, das „steinig“ bzw. als Toponym „Steingraben“, „Steinbach“ o. ä. bedeutet.

Seit 1459 ist eine Mühle namens Roggmühle bzw. Rockmühle am Gamsbach belegt, die seit etwa 1700 auch als Gasthof geführt wurde. Dieser Gasthof Rockmüllner an der Adresse Gams 2 bestand unter wechselnden Namen bis ins 21. Jahrhundert. Bedingt durch Sommerfrischler kam es im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zur Gründung weiterer Gasthäuser und Ferienunterkünfte. Für die Geschichte der Gams von großer Bedeutung war ein bald nach 1635 errichtetes Hammerwerk (siehe dazu im Abschnitt Kultur und Sehenswürdigkeiten). Seit etwa 1820 fand Schulunterricht in Räumlichkeiten verschiedener Privathäuser statt, in den 1830er Jahren stellte die Gewerkin Egger von Eggenwald ein Gebäude als Schulhaus zur Verfügung, der Unterricht wurde von den Frohnleitener Redemptoristen geleitet. Die nachfolgende Gewerkenfamilie Lilienthal ermöglichte 1862 den Neubau eines Schulhauses. 50 bis 60 Kinder besuchten damals diese einklassige Volksschule, ab 1903 wurde die Schule zweiklassig geführt, 1973 wurde sie schließlich aufgelassen.

Nach der Auflösung des Stifts Göss durch Joseph II. 1782 fielen dessen weitläufige Besitzungen an den Staat, danach wurden sie von der Vordernberger Radmeisterkommunität (ein Verband von Hochofenbesitzern aus Vordernberg) ersteigert. 1888 kaufte Franz Mayr von Melnhof diese Besitzungen und damit auch weite Teile der Gams.

Das Institut für Geophysik der Montanuniversität Leoben betreibt in der Gams ein Labor für Paläomagnetismus.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Hammerherrenhaus mini|Hammerherrenhaus und Kapelle Das seit 1635 bestehende Hammerwerk kam um 1650 in Besitz der Gewerkenfamilie Egger, die es für rund 200 Jahre erfolgreich betrieb. Nach dem Aussterben der Familie Egger 1857 kam das Hammerwerk für einige Jahre in den Besitz der Familie Lilienthal, die es jedoch aufließen. Zu diesem Zeitpunkt verfügte das Werk über vier Hammerschläge, fünf Zerrennfeuer und ein Streckfeuer. Franz Mayr von Melnhof versuchte 1867 nochmals kurzfristig den Betrieb. In der Nähe des barocken Hammerherrenhauses mit seiner Kapelle (s. u.) befindet sich auch noch das ehemalige Verweserhaus, heute ein repräsentatives Jagdhaus. Zwei alte Rosskastanien neben dem Gebäude sind als Naturdenkmal ausgewiesen (vgl. Liste der Naturdenkmäler im Bezirk Graz-Umgebung).

Josefskapelle Gams Neben dem ehemaligen Hammerherrenhaus befindet sich die spätbarocke Privatkapelle der Familie Mayr-Melnhof (Haus und Kapelle liegen nördlich des Gamsbachs und damit streng genommen in der benachbarten KG Gamsgrabem). Die Kapelle wurde vom Hammergewerken Joseph Paul von Egger errichtet und am 15. November 1753 Josef von Nazaret geweiht. Der Bau hat einen ungewöhnlichen, ovalen Grundriss, das Deckengemälde in der Kuppel der Kapelle zeigt die Krönung Marias zur Königin des Himmels, flankiert von den vier Evangelisten. Über dem hölzernen Altar hängt ein großes Gemälde des heiligen Josef mit Jesuskind auf dem Arm. Der tiefblaue Baldachin über dem Altar stammt von dem Frohnleitener Maler Edwin Eder († 2013). An den Seitenwänden sind 14 hochwertige Kreuzwegbilder angebracht.

Werwitz-Kreuz mini|links|Das Werwitzkreuz im Pöllagraben Vorbei an dieser Josefskapelle führt ein lokaler Pilgerweg in den Pöllagraben. An diesem Weg befindet sich das Werwitz-Kreuz, das wohl um 1800 als Hauskapelle errichtet wurde. Das Kreuz dient als Treffpunkt für Wallfahrer zur Jordankreuzkapelle in Pöllagraben, die die letzten 2000 Schritte bis dorthin in einer gemeinsamen Prozession gehen.

Jordankreuzkapelle mini|Die Jordankreuzkapelle im Pöllagraben Tief im Pöllagraben befindet sich seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (1834: „seit mehr als 90 Jahren“) ein Andachtsort für Johannes den Täufer. Gegenüber der kleinen, nur teilweise gemauerten Kapelle stand eine große Buche, an der ein Bildnis des Johannes und eine Kanzel angebracht waren. Überliefert ist, dass die Anwohner während des Fünften Koalitionskrieges ihre Habseligkeiten an diesem versteckten Ort unter den Schutz des Heiligen stellten.

1833 wurde die bestehende Kapelle durch ein Hochwasser beschädigt und daraufhin der bereits zuvor angedachte Neubau einer größeren Kapelle umgesetzt. Die Weihe dieses Baus erfolgte 1834, er entwickelte sich zu einem beliebten Wallfahrtsziel. 1877 zogen rund 3000 Wallfahrer zum Fest des Hl. Johannes (24. Juni) zu der Kapelle. Gegenwärtig finden vier Mal im Jahr Gottesdienste in der Kapelle statt. Unter ihrem schlichten Altar befindet sich ein Brunnen, zu dem bei Gottesdiensten das Wasser einer angeblich wundertätigen Quelle geleitet wird. Es soll bei Fußkrankheiten helfen, Votivtafeln und Gehhilfen geheilter Pilger wurden in und bei der Kapelle aufgestellt.

Literatur Othmar Pickl: 700 Jahre Marktgemeinde Frohnleiten. Marktgemeinde Frohnleiten, 1996.

Weblinks

Einzelnachweise

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