mini|Anneliese Knoop-Graf, 2007 Anneliese Knoop-Graf (* 30. Januar 1921 in Euskirchen; † 27. August 2009 in Bühl) war eine deutsche Publizistin zur Thematik Widerstand gegen den Nationalsozialismus und Schulleiterin. Sie war die Schwester von Willi Graf, der Mitglied der Widerstandsbewegung der Weißen Rose war.

Leben Nach der Verhaftung der Geschwister Scholl wurde auch sie gemeinsam mit ihrem Bruder Willi, der auch zum Kern der Weißen Rose gehörte, am 18. Februar 1943 verhaftet. Sie wurden in München von der Gestapo inhaftiert. Im April 1943 wurde Willi Graf zum Tod verurteilt und im Oktober 1943 hingerichtet. Anneliese saß nach ihrer Verhaftung im Gefängnis und wurde im Juli 1943 freigelassen. Sie war nicht in den Widerstand involviert und auch nicht über die Aktivitäten ihres Bruders informiert.

In der Nachkriegszeit wurde der Auftrag ihres Bruders, dessen Vermächtnis, „weiterzutragen, was wir begonnen haben“, zu ihrem Lebenswerk. Knoop-Graf engagierte sich durch eine umfangreiche Publikations- und Vortragstätigkeit über die Geschichte des Widerstands gegen den Nationalsozialismus.

Knoop-Graf trat 1975 der FDP bei, war Mitglied im Kreisvorstand der FDP Rastatt und im Bezirksvorstand tätig. Sie war Delegierte auf Bezirksebene und beim Landesparteitag der FDP Baden-Württemberg. Bis 1988 war sie stellvertretende Kreisvorsitzende und danach noch länger Beisitzerin im Kreisvorstand des Kreisverbands Rastatt. Sie war Mitglied im Vorstand der FDP Bühl und bei den Liberalen Frauen.Nach Unterlagen im Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Gummersbach.

Ihr zu Ehren wurde zu ihrem 80. Geburtstag 2001 eine Festschrift herausgegeben mit Beiträgen u. a. von Inge und Walter Jens, Rudolf von Thadden, Hildegard Hamm-Brücher, Jürgen Reulecke, Peter Steinbach und Johannes Tuchel.

Seit 1987 war sie stellvertretende Vorsitzende der Weiße Rose Stiftung e. V. in München.

Schulleitung des Landerziehungsheims Marienau Ihr späterer Ehemann, der Lehrer Bernhard Knoop S. 3 unten., übernahm am 2. April 1937 im Einvernehmen mit der nationalsozialistischen Reichsregierung den Besitz und die Führung der „Schulgemeinde auf Gut Marienau“ in Niedersachsen. Aus der „Schulgemeinde“ wurde dann noch im Jahr 1937 offiziell das „Niederdeutsche Landerziehungsheim Marienau“, um „äußerlich die Abkehr von der bisherigen liberalistischen, reformpädagogischen Tradition („Schulgemeinde“) deutlich zu machen“. Der jüdische reformpädagogische Gründer des Landerziehungsheimes Max Bondy und dessen Frau Gertrud waren vorher zwangsenteignet worden und überlebten in den USA.

Ab 1946 führte Bernhard Knoop zusammen mit seiner zweiten Frau Anneliese Knoop-Graf das Landerziehungsheim Marienau bis 1969.Jens Bergmann: Das Lebenswerk des Max Bondy. In: Hamburger Morgenpost. vom 29. September 1999. Die reformjüdisch-reformpädagogische Geschichte der Schule blieb nach dem Krieg jedoch bis 1985 weitgehend unbeachtet..

Auszeichnungen 1992: Bundesverdienstkreuz 1. KlasseChristian Ernst: Die Weiße Rose – Die öffentliche Erinnerung an den Widerstand in beziehungsgeschichtlicher Perspektive (= Schriften des Erich Maria Remarque-Archivs. Bd. 34). V&R unipress GmbH, Göttingen 2018, ISBN 978-3-84710909-9, S. 426 (als Vorschau online bei Google Books). 1996: Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg 2001: (gemeinsam mit Hélène Viannay): Adenauer-de-Gaulle-PreisListe der bisherigen Preisträger des Adenauer-de Gaulle-Preises bei www.france-allemagne.fr. – Unrichtige Jahresangabe 2002 bei Christian Ernst: Die Weiße Rose – Die öffentliche Erinnerung an den Widerstand in beziehungsgeschichtlicher Perspektive (= Schriften des Erich Maria Remarque-Archivs. Bd. 34). V&R unipress GmbH, Göttingen 2018, ISBN 978-3-84710909-9, S. 426 (als Vorschau online bei Google Books). 2002: Verdienstorden des Saarlandes 2006: Ehrenbürgerin der Stadt Bühl 2006: Ehrendoktorwürde der Universität KarlsruheEhrendoktortitel für Anneliese Knoop-Graf bei Informationsdienst Wissenschaft, Nr. 30 / 11. April 2006.

Schriften 1976: Geschlechtserziehung im Schrifttum – neue Bücher und Schriften zur Geschlechtserziehung 1977: Internate – Aufgaben und Angebote der Heimschulerziehung 1978: Sexualerziehung im Vor- und Grundschulalter 1983: Sexualerziehung in Schule und außerschulischer Jugendarbeit 1991: Jeder Einzelne trägt die ganze Verantwortung – Willi Graf und die Weiße Rose 2006: „Du weißt, dass ich nicht leichtsinnig gehandelt habe…“ – Willi Graf und die Weiße Rose 2005: Wissen ist Macht 2007: „… weitertragen. Anneliese Knoop-Graf über Willi Graf und die Weiße Rose. Einführung von Peter Steinbach“; Live-Mitschnitt eines Vortrages am 2. Dezember 2006 in München; Yeotone: Karlsruhe o. J. ISBN 978-3-9811526-0-9.

Literatur Weitertragen. Studien zur „Weißen Rose“. Festschrift für Anneliese Knoop-Graf zum 80. Geburtstag. Herausgegeben von Michael Kißener und Bernhard Schäfers, UVK, Konstanz 2001, ISBN 3-87940-727-4. Martin Walter: Die Bühler Ehrenbürgerin Dr. Anneliese Knoop-Graf. Ein Leben zur Erinnerung an die deutsche Widerstandskultur. In: Heimatbuch Landkreis Rastatt, 48. Jahrgang (2009), S. 53–60. Sibylle Bassler: Die Weiße Rose – Zeitzeugen erinnern sich. Reinbek bei Hamburg 2006, S. 62–93, ISBN 978-3-498-00648-8. Peter Goergen: Willi Graf – Ein Weg in den Widerstand. Röhrig Universitätsverlag. Sankt Ingbert 2009, ISBN 978-3-86110-458-2.

Weblinks

Interview auf amnesty.de Nachruf bei n-tv.de

Einzelnachweise und Anmerkungen

Kategorie:Person der Weißen Rose Kategorie:Schulleiter (Deutschland) Kategorie:FDP-Mitglied Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg Kategorie:Träger des Saarländischen Verdienstordens Kategorie:Ehrendoktor des Karlsruher Instituts für Technologie Kategorie:Ehrenbürger von Bühl (Baden) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1921 Kategorie:Gestorben 2009 Kategorie:Frau