388px|mini|Lauf des Scharmbecker Bachs und der Hamme von der Langen Heide ins Teufelsmoor bis zur Mündung in die Lesum Die Geschichte von Osterholz-Scharmbeck behandelt die Chronologie und Geschichte der Stadt Osterholz-Scharmbeck und zum Teil des Landkreises Osterholz.
Wenn andere übergeordnete Ereignisse oder Ortschaften des Landkreises oder der Umgebung genannt werden, dann nur zur Erläuterung relevanter Vorgänge für Osterholz-Scharmbeck. Schwerpunkt ist die Kreisstadt Osterholz-Scharmbeck.
Vorzeit: 480.000 v. Chr. bis 1000 v. Chr. Zeittafel Vorzeit: 480.000 v. Chr. bis 1000 v. Chr. 480.000–430.000 v. Chr. Elster-Kaltzeit 237.000–183.000 v. Chr. Saale-Kaltzeit 121.000–20.000 v. Chr. Weichsel-Kaltzeit 20.000–12.000 v. Chr. „Abschmelzeiszeit“ (wird aber in der Regel der Weichseleiszeit zugerechnet). 12.000 v. Chr. Besiedelungsbeginn auf der Geest 10.000 v. Chr. Glockenbecherkultur 4000–2000 v. Chr. Trichterbecherkultur: Errichtung der Großsteingräber Hünenstein 1800–700 v. Chr. Besiedelung durch germanische Chauken. 1000 v. Chr. Erste Erschließung der Randmoore durch Knüppelwege.
Geest und Moor Nach der letzten Eiszeit 12.000 v. Chr. begannen die Urstromtäler der Weser und der Hamme zu versanden und zu verschlicken. Die aufgeschobenen und zurückgelassenen Sandflächen der Gletscher werden heute als Geest bezeichnet. Dabei ist die Osterholzer Geest ein Teilgebiet der Stader Geest, mit der das Gebiet zwischen Weser- und Elbemündung bezeichnet wird, weil es größtenteils durch den Regierungsbezirk Stade eingenommen ist. Im Gegensatz zu der südlicheren Lüneburger Heide ist die Geest ein Niederungsgebiet mit zahlreichen Mooren und Wiesenflächen, die sich an den Rändern und in den Vertiefungen der Geest bildeten.
Aus diesen Mooren entwickelten sich etwa 1000 v. Chr. die späteren Hochmoore und damit auch das Teufelsmoor. Nur einzelne Bergkuppen, wie etwa Wingst (74 m), Westerberg (63 m), Lohberg (42 m) bei Stade und Weyerberg (50 m) überragen die flache Landschaft. Das Gebiet wird durch die Hamme-Oste-Niederung in die östliche Zevener Geest und die westliche Osterholzer Geest unterteilt und war ursprünglich durch die Randmoore relativ schwer zugänglich.
Einerseits bot sich damit der Geestrücken als sicheres Siedlungsgebiet an: der Stadtkern von Osterholz-Scharmbeck liegt selbst auf der Geest, und östlich befindet sich bereits die Hammeniederung mit dem alten Dorf Teufelsmoor sowie den alten Moorkolonien Neuenfelde, Altenbrück, Ahrensfelde, Altendamm und Niedersandhausen. Andererseits ergab sich daraus (geradezu zwingend) die in späteren Siedlungsorten auszudrückende Linie Ritterhude-Osterholz-Scharmbeck – Bremervörde – Gnarrenburg – Stade, die den Geestrücken noch heute abbildet, auf dem das Gebiet passiert werden konnte. (Dieser Linie folgen letztendlich auch die Bahnstrecke Bremervörde–Osterholz-Scharmbeck und große Teile der Bundesstraße 74, wobei vor allem bei Gnarrenburg die „Passage“ eine Art „Engpass“ bildet; früher ein guter Grund, dort eine Burg zu errichten.)
Wirtschaftliche Bedeutung hat die Geest ferner aufgrund der großen Vorkommen an reinem Bausand, die heute großflächig oberirdisch im Tagebau abgebaut werden können, was zum Beispiel schon zur Entstehung der Ohlenstedter Quellseen geführt hat. Durch die relativ großen Höhenunterschiede (etwa 45 auf ) verleiht der hohe Geestrücken den abfließenden Gewässern eine hohe Fließgeschwindigkeit, deren Energie an Bächen wie dem Scharmbecker Bach, Wienbeck oder dem Mühlenbach für Wassermühlen aller Art genutzt werden konnte.
Erste Besiedelung Die Siedlungsgeschichte des Gebietes geht bis in die Jungsteinzeit zurück. Um 10.000 v. Chr. streiften Fischer, Jäger und Sammler über die Osterholzer Geest und die angrenzenden Moore; ihre Anwesenheit ist durch die zahlreichen Funde von Spanmessern und Pfeilspitzen belegt, die zum Beispiel im Heimatmuseum Osterholz ausgestellt sind. Einige von diesen frühen Besuchern der Geest wurden nachweisbar sesshaft, da bei zahlreichen Ausgrabungen auch Spuren eines primitiven Ackerbaus (zum Beispiel Äxte) gefunden worden sind. Offensichtliches Zeugnis der Besiedlung ist das etwa 2000 v. Chr. errichtete Großsteingrab, ein beeindruckendes Steingrab an der heutigen Osterholzer Straße im Stadtzentrum von Osterholz-Scharmbeck. Dieses Hünenstein oder Hünengrab genannte, gut erhaltene Kammergrab wird auf ein Alter von etwa 4000 Jahren datiert.
Eine Anzahl weiterer Grabhügel aus der Bronzezeit finden sich im Stadtteil Garlstedt. Den beeindruckendsten Fund in einem dieser Grabhügel stellt wohl die Garlstedter Lure dar. Die 1830 bei Straßenarbeiten entdeckten Bruchstücke dieses bronzezeitlichen germanischen Blasinstruments ist zurzeit der südlichste Fund eines derartigen Instrumentes.
Naturgemäß war die Siedlungstätigkeit auf der Geest zwischen 1800 und 700 v. Chr. wesentlich größer als auf den nassen Gebieten der Moore und Flusslandschaften am Rande der Geest. Bei den Sippschaften, die in die Weite des Raumes mit seinen Wäldern vordrangen, hat es sich um Indogermanen gehandelt, die später von Tacitus als Chauken klassifiziert wurden. Ab 1000 v. Chr. wurden schließlich auch die Nassgebiete der Vor- und Randmoore durch Knüppelwege als Weideflächen erschlossen.
Erst 200–300 verlagerten die Chauken ihren Siedlungsschwerpunkt weiter an die Küste, und die Sachsen drangen 400 – wohl im Zuge der Völkerwanderung – aus Süden nach.
12 v. Chr.–600 n. Chr. Zeit 12 v. Chr.–600 n. Chr. 12 v. Chr. Eroberung Germaniens: Römische Schiffsexpedition unter Drusus entdeckt die Wesermündung. 200–300 Chauken ziehen zur Küste (siehe Friesen). 375 Beginn der Völkerwanderung in Nordeuropa. 400 Sachsen rücken den Chauken ins Siedlungsgebiet nach.
Dass es von dieser Zeit keine schriftlichen Aufzeichnungen gibt, liegt auf der Hand. Ohnehin stellt sich die Frage nach einer beständigen Besiedelung, die wohl verneint werden muss. Das Klima war vergleichsweise unfreundlich, die landwirtschaftliche Technik für Ackerbau oder Milchviehhaltung unter solchen Bedingungen musste erst noch entwickelt werden. So blieb die Osterholzer Geest dünn besiedelt und eher Durchzugsgebiet, das zudem teilweise mehr als nur schwer zugänglich war. Nicht umsonst geschah die römische Expedition unter Drusus 12 v. Chr. per Schiff und die Römer zeigten keinerlei Ambitionen, eine Siedlung zu begründen und weiter in das Gebiet einzudringen.
Gerade das küstennahe Gebiet war dabei von Sturmfluten geprägt, die Mitauslöser der Völkerwanderung an den Küsten gewesen sind. Insbesondere das Fluss-System Hamme-Wümme mit dem Teufelsmoor war dabei mit null Meter über NN der Tide der Nordsee ständig ausgesetzt. Ein neuzeitlicher Einblick war 1996 möglich, als große Gebiete der Hammeniederung derartig überschwemmt waren, dass Teile des Ufers der Hamme nur noch an den Baumreihen zu erkennen waren. Wären die entsprechenden Verkehrswege nicht auf höheren Dämmen errichtet worden, wäre auch heute Bremen direkt nicht mehr zu erreichen; und dabei handelte es sich nur um nichtabfließendes Regen- und Grundwasser, das nicht durch das wegen Hochwassers geschlossene Sperrwerk bei Ritterhude abfließen konnte.
Zieht man den Umstand heran, dass eine hohe Flutwelle sich damals – über die Weser kommend – im Prinzip ungebremst in die Niederung der Hamme drücken konnte, ist es offensichtlich, dass sich Siedler lieber einen freundlicheren Ort für eine Dauerbesiedelung gesucht haben und das Gebiet nur durchwanderten.
Frühmittelalter 600–1100 Zeittafel Frühmittelalter 600–1100 768 Die Gründung einiger Bauernhöfe bildete die erste Grundlage von Scirnbeci (Scharmbeck) 782 Karl der Große 'massakrierte' angeblich 4500 Sachsen im Blutgericht von Verden. 787 Bremen: Gründung des Bistums, das Bistum wurde Ausgangspunkt der Christianisierung 796 Karl der Große überschritt die Weser. 800 Krönung Karls des Großen in Rom durch Papst Leo III. 804 Die christlichen Franken unter Karl dem Großen besiegten die Sachsen. 808–810 Errichtung der „Nordmark“ gegen die Dänen. 845 Normannen zerstörten die damalige 'Kleinsiedlung' Hamburg. 850 Errichtung von Taufkapellen in Wigmodien, unter anderem entstand daraus Scharmbeck. 1024 Normannen landeten bei Vegesack und plünderten die Ostseite der Weser. 1043 Erste urkundliche Erwähnung von Scharmbeck („Scirnbeci“)
Sachsen und Franken Mit den Sachsen wurde ein neues Bodenrecht eingeführt; das heißt, Besitz an Boden, dem wichtigsten Produktionsfaktor der damaligen Zeit, wurde nun zentralistisch durch den Landesherrn vergeben, der damit eine Bündnispolitik nach innen betreiben konnte. Insbesondere die Erschließung weiterer Ackerflächen musste vorangetrieben werden; so siedelten die Bremer 1106 an beiden Ufern der Weser Holländer (daher Hollerland) an, die damals schon als Spezialisten für Nasswiesen und Deichbau galten, um auch diese Gebiete zu erschließen. Wichtige Grundlage für die Christianisierung der Sachsen wurde durch den fränkischen Kaiser Karl den Großen (768–814) geschaffen, der in der „Capitulare Deportibus Saxoniae“ folgendes bestimmte: „Die Kirchen Christi, welche in Sachsen erbaut werden, sollen nicht kleinere, sondern größere Ehren genießen als bis dahin die heidnischen Heiligtümer“.
Die Christianisierung durch die Franken, welche bereits 499 den christlichen Glauben angenommen hatten, stieß allerdings auf sächsischen Widerstand, und die Amtszeit des fränkischen Kaisers (Karl der Große) war durch seinen dreijährigen Kampf gegen die Sachsen unter Wittekind (auch Widukind) bestimmt. Selbst nach der endgültigen militärischen Niederlage der Sachsen von 804 kam es weiterhin noch zu lokalen Aufständen.
Die friedliche Christianisierung des hiesigen Gebietes begann bereits 787 mit der Gründung des Bistums Bremen; die Einteilung der Bistümer schuf dabei eine erste „verwaltungstechnische“ Erfassung der Gebiete, wenngleich dabei die altsächsischen Gaue als Grundlage dienten; das heutige Stadtgebiet gehörte demnach zum Gau Wigmodien. Bei seiner Niederwerfung der Sachsen hat der Kaiser aber die Osterholzer und Stader Geest wohl nicht betreten. Nachweislich hat er 796 die Weser mit seiner Armee überschritten, und bereits 782 soll das Blutgericht von Verden an 4500 sächsischen Aufständischen in Verden stattgefunden haben, weshalb Karl der Große auch den landläufigen Titel als „Sachsenschlächter“ trug (vermutlich zu Unrecht; denn neuere Forschungen belegen vielmehr die Deportation aufständischer Sachsen nach Franken, wo heute noch Anhäufungen sächsischer Bezeichnungen im fränkischen Gebiet offensichtlich sind und an den Ortsbezeichnungen abgelesen werden können).
Normannen Im Jahre 845 wurde Hamburg (damals nur eine dörfliche Ansiedlung) durch Normannen zerstört, weshalb das bereits befestigte größere Bremen 847 Sitz des Erzbischofs geworden war. 850 wurde auf dem späteren Scharmbecker Gebiet eine erste hölzerne Taufkapelle errichtet, und die Grundlage der späteren Wilhadi-Kirche am Marktplatz in Scharmbeck bildete, welche nach dem ersten Bischof von Bremen Willhad(i) (781) benannt wurde, der die Christianisierung in Wigmodien betrieben hatte.
Die Besiedelung mit bäuerlichen Höfen muss nach prähistorischen Funden etwa ab 768 eingesetzt haben (heute Baustraße, Am Weißen Sande und An der Loge), für deren Bewohner hölzerne Taufkapellen errichtet worden waren. Ab 1000 waren diese ersten Siedlungen dabei stark durch eine weitere Welle der Normannen gefährdet, die zeitweise mit 20.000 Bewaffneten Norddeutschland erneut heimsuchten.
Zur Abwehr der Normannengefahr wurde das Gau Wigmodien mit dem nördlich angrenzenden Hadeln zur Grafschaft Lesum zusammengefasst. Adam von Bremen berichtet, dass das Gebiet im Jahr 994 von einer Flotte Wikinger („Askomannen“) heimgesucht wurde. Ein Kontingent, das in die Weser und die Geeste eindrang, wurde aber von den Einheimischen im Glindesmoor, unweit des späteren Bremervörde, bis auf den letzten Mann erschlagen.