mini|Die brennende Sultana, Stahlstich aus Harpers Magazine vom 20. Mai 1865

Die Sultana war ein Raddampfer, der im Sezessionskrieg als Truppentransporter eingesetzt wurde. Ihr Untergang am 27. April 1865 mit etwa 1700 Toten war die schwerste Schiffskatastrophe in der Geschichte der USA.

Geschichte Die Kapitulation der Konföderierten im April 1865 war das Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges. Tausende befreite Kriegsgefangene, die in den Streitkräften der Union gedient hatten, saßen in den Südstaaten fest. Die meisten von ihnen waren so geschwächt, dass die offiziellen Stellen sie möglichst schnell in ihre Heimat zurückführen wollten. Man brachte sie nach Vicksburg, Mississippi, von wo sie mit Dampfschiffen auf dem Mississippi nach Norden in Richtung Cairo, Illinois, verschifft wurden.

Die 1863 in Cincinnati, Ohio, erbaute Sultana gehörte zu den zahlreichen Schiffen, die normalerweise Passagiere, Post und Güter zwischen New Orleans, Louisiana, und St. Louis, Missouri, beförderten und nun als Truppentransporter fungierten.

Die Katastrophe Am 26. April 1865 um 2.00 Uhr legte die Sultana mit etwa 85 Besatzungsmitgliedern, 70 Reisenden und ungefähr 2300 heimkehrenden Soldaten in Vicksburg ab. Eigentlich war sie nur für 356 Personen (Mannschaft und Passagiere) zugelassen, doch unter den gegebenen Umständen wurden die Vorschriften ignoriert. Stark überladen fuhr sie stromaufwärts und erreichte nach 17 Stunden, etwa um 19.00 Uhr, Memphis, Tennessee. Das Schiff besaß vier der damals neu entwickelten Großwasserraumkessel, welche spezielles Kesselspeisewasser benötigten, aber auf der Sultana vom schlammigen Flusswasser zugesetzt wurden, so dass sie in Vicksburg und Helena, Arkansas, gereinigt werden mussten. In Memphis bunkerte die Sultana Kohle und setzte ihre Reise stromaufwärts fort.

Am 27. April, um 2.40 Uhr, explodierte ein Dampfkessel der Sultana, 13 Kilometer flussaufwärts von Memphis. Scharfkantige glühende Stahlteile durchschlugen die mit schlafenden Soldaten überfüllten Decks. Innerhalb weniger Minuten explodierten zwei weitere Kessel, das angeschlagene Schiff samt Passagieren geriet in Brand, wodurch die darüber liegenden Decks einstürzten. Hunderte Menschen sprangen ins Wasser, wo einige von den umstürzenden Schornsteinen erschlagen wurden. Der Explosionslärm alarmierte andere Boote, die jedoch nicht helfen konnten. Aufgrund der vorherrschenden Panik ist bis heute nicht bekannt, um welche Uhrzeit die Sultana unterging, es muss jedoch bereits nach Sonnenaufgang gewesen sein. Genaue Berichte liegen nicht vor, doch kamen schätzungsweise 1700 Menschen um – etwa 200 Personen mehr als 47 Jahre später beim Untergang der Titanic. Heute existiert in Knoxville, Tennessee, ein Mahnmal zum Gedenken an die Todesopfer der Sultana.

Spekulation über Sabotage Bereits kurz nach dem Untergang gab es Spekulationen über Sabotage als mögliche Unglücksursache. Im Brennstoffvorrat seien „Höllenmaschinen“ (als Steinkohlenklumpen getarnte Sprengladungen) versteckt gewesen.

Siehe auch Liste von Unfällen der Binnenschifffahrt

Weblinks

Literatur Alan Huffman: Sultana: Surviving the Civil War, Prison, and the Worst Maritime Disaster in American History. Smithsonian Books, New York 2009, ISBN 978-0-06-147054-7. Jerry O Potter: The Sultana Tragedy: America's Greatest Maritime Disaster. Pelican Pub., Gretna [La.] 1992, ISBN 0-88289-861-2.

Einzelnachweise

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