mini|hochkant=1.4|US-amerikanische Curlingspieler in Aktion bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin mini|Curlingspielfelder mini|Rollstuhlcurling mini|Curling bei den Olympischen Jugend-Winterspielen 2012 in Innsbruck
Curling [] ist eine auf dem Eis gespielte Wintersportart, die dem Eisstockschießen ähnelt und Parallelen zu den Kugelsportarten Boule-Spiel und Boccia aufweist. Zwei Mannschaften zu je vier Spielern versuchen, ihre Curlingsteine näher an den Mittelpunkt eines Zielkreises auf einer Eisbahn zu spielen als die gegnerische Mannschaft. Curling ist besonders in Kanada, Schottland, Skandinavien und der Schweiz populär und wird wegen seiner komplexen taktischen Möglichkeiten auch als Schach auf dem Eis bezeichnet. Es gehört zu den Präzisions- und Mannschaftssportarten.
Geschichte Entwicklung seit dem 16. Jahrhundert
Das Wort Curling stammt vom schottischen Verb tae curl („drehen“) ab und beschreibt die Bewegung der Steine, während sie über das Eis gleiten.duden.de – Stichwort „Curling“.
Der älteste erhaltene Curlingstein stammt aus dem Jahr 1511. Dieser trug die Inschrift St. Js B Stirling, weshalb der Stein auch Stirlingstein genannt wird. Das Spiel entwickelte sich dann schrittweise im späten Mittelalter und verbreitete sich in Europa. Die erste schriftliche Erwähnung eines Spiels mit Steinen auf dem Eis erfolgte im Februar 1541 auf einem Dokument, das im Kloster von Paisley in der Grafschaft Renfrewshire geschrieben wurde: Ein schottischer Admiral hatte begonnen, seinen Talisman, eine plattgedrückte Kanonenkugel, über das Eis zu schieben.
Eine Art von Curling wurde im 16. Jahrhundert auch in den Niederlanden gespielt, wie das Gemälde Die Jäger im Schnee von Pieter Bruegel dem Älteren (1565) belegt.Christian Gräf: Die Winterbilder Pieter Bruegels d. Ä. VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2009, ISBN 978-3-639-12775-1, S. 52. Henry Adamson verwendete das Wort curling erstmals 1620 in einem Gedicht.
Der erste Curlingclub gründete sich 1716 in Kilsyth, dazu wurden auch erste Spielregeln aufgestellt. Die Steine waren damals weder in der Größe noch im Gewicht genormt, sodass ein Wettbewerb zwischen den Clans um den größten Curlingstein stattfand. Je schwerer der Stein war, desto schlechter ließ er sich durch die gegnerische Mannschaft wegschießen. So ist heute in einem Museum in Schottland ein Stein von 58,5 kg ausgestellt., abgerufen am 12. Januar 2018. Die Steine waren meist unbehandelte, flache Steine, die aus Flüssen oder von Meeresufern stammten. Der Werfer hatte nur wenig Kontrolle über den Weg des Steins und verließ sich mehr auf Glück statt auf sein Können; Taktik war im Gegensatz zu heute nur Nebensache.
Im Jahr 1795 wurde in Edinburgh die Duddingston Curling Society gegründet. 1838 entstand der Grand Caledonian Curling Club (heute Royal Caledonian Curling Club genannt). Dieser stellte Regeln auf „zur Regulierung des alten schottischen Spiels Curling durch die allgemeine Gesetzgebung“.
Durch enge Beziehungen Schottlands mit Kanada kam diese winterliche Betätigung nach Übersee, wo bald viele Menschen begeistert curlten. So ist der Curlingsport in Kanada im 21. Jahrhundert auch am meisten verbreitet (gegen 2005 waren rund 800.000 in Clubs organisierte Curler registriert), davon viele als Profisportler. Außerdem gibt es spezielle Eisstadien nur für Curling-Wettbewerbe.
Auf dem europäischen Kontinent begann der Curlingsport in Boulogne-sur-Mer (Frankreich), wo Zöllner von einreisenden Schotten dieses Vergnügen gezeigt bekamen. – Andere Quellen geben an, dass Curling vor mehr als 400 Jahren in den Niederlanden entstanden sein soll.Website Sport komplett, abgerufen am 1. Januar 2018.
Der kanadische Royal Montreal Curling Club, der älteste noch bestehende Sportverein Nordamerikas, wurde 1807 gegründet. Der erste Curlingclub in den USA folgte 1832, und Ende des 19. Jahrhunderts erreichte der Curlingsport Schweden und die Schweiz. Inzwischen wird Curling in vielen europäischen Ländern gespielt und erfreut sich ebenso in Japan, Australien und Neuseeland wachsender Beliebtheit.
Wettkämpfe mini|Curlingpartie 1898 Im Jahr 1880 fand ein erstes internationales Curling-Turnier in St. Moritz (Schweiz) statt; 1884 folgte ein Wettkampf zwischen den USA und Kanada.
1959 gab es die erste Weltmeisterschaft (Scotch Cup) der Männer in Falkirk und Edinburgh, an denen nur Männermannschaften teilnahmen. Seit 1979 nehmen auch Frauen-Teams an Weltmeisterschaften teil.
mini|Curlingfeld im Jahr 1965 in Grindelwald – die Häuser sind mit feinen Linien markiert
Im Dezember 1975 fanden im schweizerischen Grindelwald erste Europameisterschaften (EM) statt, an denen 21 Männer- und 18 Frauen-Teams teilnahmen.TV Eurosport (Videotext), 3. Dezember 2002. Die EM zählen seit etwa 1990 gleichzeitig als Qualifikation für die Teilnahme an den Weltmeisterschaften. Im Jahr 2003 war zu sehen, dass die internationalen Vergleiche auch Namen eines Hauptsponsors tragen dürfen, es gab die La Gruyère-Curling-EM.TV Eurosport, Dezember 2003, die Kommentare der EM-Übertragungen. Die Weltmeisterschaften des Jahres 2005 hießen beispielsweise Ford World Championship.
1966 gründete sich in Vancouver der Weltverband International Curling Federation (ICF), der 1991 in World Curling Federation (WCF) umbenannt wurde. Erst 1979 wurde die Weltmeisterschaft auch für Frauen geöffnet, während die Europameisterschaften seit der Erstausrichtung 1975 für beide Geschlechter offenstehen. Zwischen 1989 und 2004 wurden die Wettbewerbe der Männer und Frauen gleichzeitig ausgetragen, seit 2005 aus kommerziellen und terminlichen Gründen wieder getrennt. Jeweils eine der beiden jährlich ausgetragenen Weltmeisterschaften findet in Kanada statt.
Bereits bei den Olympischen Winterspielen 1924 in Chamonix war ein Curlingturnier ausgetragen worden. Dieses galt aber lange Zeit als Vorführwettbewerb, obwohl damals keine Differenzierung in Demonstrations- und originäre Wettbewerbe erfolgte. Im Februar 2006 entschied das Internationale Olympische Komitee, dass Curling 1924 ein offizieller Wettbewerb gewesen war und erklärte Großbritannien nachträglich zum Olympiasieger.Briten nachträglich Sieger. In: Berliner Zeitung, 18/19. Februar 2006. In den Jahren 1932, 1988 und 1992 war Curling Demonstrationswettbewerb ohne offiziellen Status.
Dass Curling eine olympische Sportart wurde, ist nicht zuletzt dem damaligen Präsidenten der World Curling Federation (WCF) Günther Hummelt zu verdanken, unter dessen Amtszeit (1990–2000) Curling als offizielle olympische Wintersportart anerkannt wurde und bei den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano erstmals als 7. olympische Wintersportart dabei war. Um die Anzahl der teilnehmenden Mannschaften bei den Olympischen Winterspielen überschaubar zu halten und gleichzeitig ein hohes Niveau zu garantieren, werden die Ergebnisse der Weltmeisterschafts-Platzierungen aus den Zwischenjahren addiert. Die besten zehn Frauen- bzw. zwölf Männermannschaften werden zum olympischen Wettbewerb eingeladen.
Seit 1998 wird Curling auch für Rollstuhlfahrer angeboten. 2002 fand die erste Rollstuhlcurling-Weltmeisterschaft statt, und 2004 wurde es in die paralympischen Sportarten aufgenommen. Rollstuhlcurling wird mittlerweile von ca. 25 Nationen gespielt (Stand 2015) und ist von der World Curling Federation (WCF) anerkannt.
Seit den Winterspielen 2018 in Pyeongchang ist ein Gemischtes Doppel (Mixed Doubles) im olympischen Programm, was auf die Initiative der Vorstandsmitglieder des Curling-Weltverbandes unter der schottischen Präsidentin Kate Caithness zurückzuführen ist., auf: tagblatt.ch, vom 7. Februar 2018.
Verbände Als oberstes Gremium gibt es die World Curling Federation mit Sitz in Edinburgh, Schottland, die 1966 gegründet wurde. In Deutschland agiert der Deutsche Curling-Verband mit Sitz in Füssen als oberster Verband.
Spielregeln / Spielprinzip mini|Möglichst viele Steine im Ziel Es spielen immer zwei Mannschaften mit – von einigen Ausnahmen abgesehen – vier Spielern und einem Ersatzspieler gegeneinander. (PDF-Download)
Ziel des Spiels Ziel des Spiels ist es, bei mehreren Durchgängen, Ends genannt, jeweils möglichst viele eigene Steine näher an die Zielmarke (Tee, Button oder Dolly genannt) zu platzieren als der nächstgelegene Stein der anderen Mannschaft. Dazu werden diese von einem Ende des langgestreckten Spielfelds aus in Bewegung gesetzt, wobei sich die Mannschaften abwechseln. Die Zielmarke befindet sich am anderen Ende des Feldes im Zentrum eines von konzentrischen Kreisen gebildeten Zielbereichs, welcher Haus genannt wird.
Grundregel Jedes End besteht in der Abgabe von acht Steinen pro Mannschaft. Jeder Spieler darf daher hintereinander im Wechsel mit einem Gegenspieler zwei Steine abgeben (setzen). In dieser Reihenfolge werden die Spieler Lead, Zweiter, Dritter und Vierter genannt.
Spielfeld
mini|hochkant=1|Detail des Curling-Spielfelds: Der 12-Fuß-Kreis überlagert die Backline Das Spielfeld (genannt sheet, engl. ice sheet = „Eisdecke“) ist eine Eisfläche, welche sorgfältig präpariert wird, sodass sie möglichst eben ist. Dadurch sollen sich die Steine mit so wenig Reibung wie möglich fortbewegen. Der Eismeister besprüht die Fläche mit feinen Wassertropfen (genannt pebble, engl. „Geröll“). Aufgrund der Reibung zwischen dem Stein und den Wassertropfen dreht sich der Stein je nach Loslassbewegung nach innen oder außen, d. h., er „curlt“. Die Drehbewegung verändert sich im Verlauf des Spiels, da die Wassertropfen durch das Gleiten der Steine allmählich abgehobelt werden. Das Spielfeld ist sowohl in Längs- als auch Querachse symmetrisch aufgebaut und hat folgendes Aussehen:
Das Feld hat standardmäßig eine Länge von 150 Fuß (′) (45,72 m) und eine Breite von maximal 16′ 5 (5,00 m), meistens 16′. Steht nicht ausreichend Platz zur Verfügung, so kann die Länge auf das Minimum von 146′ (44,50 m) und die Breite auf das Minimum von 14 Fuß 6″ (4,42 m) reduziert werden. Auf jeder Hälfte des Spielfelds befinden sich im Eis klar sichtbare allermeist schwarze Linien, von einer Längsseite bis zur anderen: Die „Teeline“, Strichbreite maximal 1/2 Inch (″) (1,27 cm), 57′ (17,38 m) von der Mitte des Spielfelds entfernt. Die „Backline“, Strichbreite maximal 1/2″, so platziert, dass der äußere Linienrand 6′ (1,83 m) von der Strichmitte der Teeline entfernt ist. Die „Hogline“, Strichbreite 4″ (10,16 cm), so platziert, dass der innere (teeseitige) Linienrand 21′ (6,40 m) von der Strichmitte der Teeline entfernt ist. Eine „Centreline“ (Mittellinie), Strichbreite maximal 1/2″, welche die Mitten der Teelines verbindet und diese um jeweils 12′ (3,66 m) in Richtung der Bahnenden überragt. Eine „Hackline“, Strichbreite maximal 1/2″, 1′ 6″ lang, parallel zur Teeline, an jedem Ende der Centreline. Eine „Courtesyline“, Strichbreite maximal 1/2″, 6″ (15,24 cm) lang, platziert 4′ (1,22 m) außerhalb und parallel zu den Hoglines, auf jeder Seite des Felds. Für Austragungen mit Rollstühlen gibt es an jedem Ende des Spielfelds zwei „Wheelchairlines“, eine auf jeder Seite und parallel zur Centreline, von der „Hogline“ zum äußersten Rand des innersten Kreises, mit einem Abstand von 18″ zwischen Centreline und der Außenkante der Strichlinie. An jedem Schnittpunkt von Teeline und Centreline befindet sich ein Mittelloch (Tee). Mit diesem Loch als Mittelpunkt werden an jedem Ende des Spielfelds vier konzentrische Kreise gezogen. Diese haben mit dem Außenrand des äußersten Kreises einen Radius von 6′ (1,83 m), der nächste Kreis einen Radius von 4′ (1,22 m), der nächste Kreis einen Radius von 2′ (0,61 m) und der innerste Kreis hat einen Radius von 6″ (15,24 cm).