Die Karsthöhle Hohler Fels liegt etwa einen Kilometer östlich des Stadtkerns von Schelklingen im baden-württembergischen Alb-Donau-Kreis in Deutschland.

Sie ist seit dem 19. Jahrhundert einer der bedeutendsten archäologischen Fundplätze des Jungpaläolithikums in Mitteleuropa. Seit der Zeit ist außerdem der zusammengeschriebene Name Hohlefels belegt,Gustav Jäger, Wendelin Förster: Encyklopaedie der Naturwissenschaften. Band 9. Verlag E. Trewendt, 1886.Oscar Peschel: Völkerkunde. Duncker & Humblot, Leipzig 1897, S. 41. neuerdings auch getrennt und ohne Deklination des Adjektivs als Hohle Fels (vgl. Absatz Namensgeschichte).

Die Höhle besteht aus einem 30 Meter langen Gang und der darauffolgenden Halle, aus der zu beiden Seiten ein jeweils etwas über 20 m langer Gang auszweigt. Die Höhlenhalle ist mit bis zu 30 m Höhe, 500 m² Grundfläche und einem Rauminhalt von 6000 m³ eine der größten der Schwäbischen Alb. Aufgrund der charakteristischen Form wird der Hohle Fels als Backofenhöhle bezeichnet. Der Eingang liegt in einem Schwammstotzen des Weißen Jura, am rechten Hangfuß des heutigen Achtals.Ewa Dutkiewicz, Zeichen – Markierungen, Muster und Symbole im Schwäbischen Aurignacien, Kerns Verlag, Tübingen 2021, S. 26, ISBN 978-3-935751-34-6

2017 wurde die Höhle als Bestandteil der Weltkulturerbestätte Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Der Hohle Fels ist als herausragendes Geotop seit 2017 als Geopoint des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb ausgezeichnet.

Forschungsgeschichte mini|Der „Hohlefels“ (unten rechts), spätes 19. Jahrhundert

1830 stieß der Töpfer Karl Friedrich Rixinger in der Höhle beim Graben nach Lehm und Tonerde auf Knochen von Höhlenbären, die er ohne Fundortangabe dem Ulmer Kreisforstrat Friedrich von Mandelsloh, einem passionierten Sammler von paläontologischen Fundstücken der Alb, verkaufte.

1844 verwertete Georg Reichenbach, Baumwollfabrikant in Urspring, Fledermausguano und andere Ablagerungen aus der Höhle in größerem Umfang als Dünger. Ohne Kenntnis davon ließ Oscar Fraas vom Königlichen Naturalienkabinett 1870 den Höhlenlehm untersuchen. Infolge des hohen Gehalts an verwittertem organischen Material (Guano, Knochen) stellte er einen Phosphatanteil von rund 19 Prozent fest.

Eine Grabung von Oscar Fraas und Pfarrer Josef Hartmann erbrachte 1870/71 Reste von Höhlenbär, Ren, Mammut und Wildpferd. Der Anthropologische Verein führte 1872 zusammen mit dem Gründer der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, Rudolf Virchow, am Rande einer Tagung eine Begehung der Höhle durch. Im Vorfeld der Tagung wurde die Höhle mit einem Gittertor versperrt und mit Holztreppen und -stegen begehbar gemacht. Die Tagungsteilnehmer durften sich aus den Funden der Grabung von 1870/1871 Souvenire mitnehmen. Die restlichen Funde, ein ganzer Eisenbahnwaggon voll, wurden ins Königliche Naturalienkabinett nach Stuttgart gebracht.

Später ordnete der Tübinger Prähistoriker Robert Rudolf Schmidt die bei der Grabung von Oscar Fraas gefundenen Werkzeuge dem Aurignacien und Magdalénien (jüngere Altsteinzeit) zu. Im Jahre 1906 untersuchte Schmidt die Höhle nochmals, jedoch ohne auf archäologische Schichten zu treffen.

1958 bis 1960 führten Gertraud Matschak und Gustav Riek archäologische Grabungen durch. Im Jahre 1966 wurde die Höhle durch Bernhard Mangold, Andreas Pöhler und Helmut Frank vermessen. Ab 1977 erfolgten Ausgrabungen durch das Institut für Urgeschichte der Universität Tübingen unter Leitung von Joachim Hahn († 1997), die vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg und zeitweilig durch den Sonderforschungsbereich 53 der Universität Tübingen finanziert wurden.

Seit 1997 werden die jährlichen Grabungen von Nicholas Conard (Universität Tübingen) geleitet. Bis 2016 waren aus der Höhle mehr als 80.000 Steinartefakte und fast 300 Schmuckobjekte geborgen worden.Georg Hiller, Stefanie Kölbl: Welt-Kult-Ur-Sprung. Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2016, ISBN 978-3-7995-1168-1, S. 35.

Archäologische Funde mini|Haupthalle mini|Ab 1977 grub Joachim Hahn systematisch in der Höhle, brachte viele Funde zu Tage und dokumentierte seine Forschungsarbeit

Mittelpaläolithikum Im Jahr 2020 wurde im mittelpaläolithischen archäologischen Horizont X eine bifaziell bearbeitete Blattspitze aus lokalem Jurahornstein geborgen. Der Fundhorizont liegt etwa 1,2 Meter unterhalb der Basis der Aurignacien-Schichten und ist mehr als 60.000 Jahre alt. Eine Gebrauchsspurenanalyse ergab, dass die Blattspitze am weniger spitzen Ende geschäftet und als Jagdwaffe verwendet worden war. Die festgestellten Beschädigungen sprechen am ehesten für die Verwendung als Spitze einer Stoßlanze; die genaue Art der Waffenführung lässt sich jedoch nicht sicher bestimmen.Veerle Rots, Justin Coppe, Nicholas J. Conard: A Leaf Point Documents Hunting with Spears in the Middle Paleolithic at Hohle Fels, Germany. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Urgeschichte. Band 30, 2021, doi:10.51315/mgfu.2021.30004.

Aurignacien Die jungpaläolithische Kleinkunst aus dem Aurignacien der Schwäbischen Alb gehört zu den ältesten bekannten figürlichen Kunstwerken und zu den frühesten Belegen mobiler Kunst. Ältere gegenständliche Darstellungen sind inzwischen unter anderem durch mindestens 51.200 Jahre alte Höhlenmalereien auf Sulawesi belegt.Adhi Agus Oktaviana u. a.: Narrative cave art in Indonesia by 51,200 years ago. In: Nature. Band 631, 2024, S. 814–818, doi:10.1038/s41586-024-07541-7. Neben dem Hohle Fels stammen aurignacienzeitliche Elfenbeinfigurinen aus dem nahegelegenen Geißenklösterle sowie aus der Vogelherdhöhle und dem Hohlenstein im Lonetal. Zu den Funden aus dem Hohle Fels gehören Kunstwerke und Musikinstrumente ebenso wie aufwendig bearbeitete Geräte aus Mammutelfenbein. 1999 wurde der Kopf einer Tierfigurine aus Mammutelfenbein geborgen, der zunächst als Pferdekopf gedeutet wurde.N. J. Conard: Paleolithic ivory sculptures from southwestern Germany and the origins of figurative art. In: Nature. Band 426, 2003, S. 830–832. doi:10.1038/nature02186 Ein 2022 gefundenes und anpassendes Körperfragment führte zu einer Neubewertung; heute werden vor allem eine Darstellung eines Höhlenbären oder eines Höhlenlöwen diskutiert, ohne dass eine sichere Bestimmung möglich ist. 2001 und 2002 wurden zwei zusammenpassende Fragmente einer 4,7 Zentimeter langen Vogelfigurine aus Mammutelfenbein gefunden. Die langgestreckte Form und die Körperhaltung werden als Darstellung eines Wasservogels interpretiert. 2002 eine 2,5 cm große menschliche Gestalt aus Elfenbein. Diese trägt möglicherweise einen Felidenkopf, daher die Bezeichnung „Löwenmenschle“ (in Anlehnung an den Löwenmensch vom Hohlensteinstadel); 2008 in der Schicht V (älteres Aurignacien) die 6 cm große „Venus vom Hohlefels“ mit einem Mindestalter von 32.000 BP (entspricht mindestens 35.000 cal BC), neben der Venus vom Galgenberg die bisher älteste geborgene Venusfigurine der Menschheit. 2008 wurde in der Schicht Va die Gänsegeierflöte vom Hohlefels, eine fast vollständige Flöte aus der Speiche eines Gänsegeiers, gefunden. Die Knochenflöte ist auf einer Länge von 21,8 cm erhalten und hat einen Durchmesser von etwa 0,8 cm. Die Aurignacien-Schicht Va ist auf mindestens 35.000 cal BC zu datieren.Nicholas J. Conard, Maria Malina, Susanne C. Münzel: New flutes document the earliest musical tradition in southwestern Germany. In: Nature. Band 460, 2009, S. 737–740, doi:10.1038/nature08169idw-online.de vom 24. Juni 2009: „Früheste Musiktradition in Südwestdeutschland nachgewiesen“ Zwei weitere Flötenbruchstücke (Flöte 2 und 3) sind aus Mammutelfenbein, wahrscheinlich in derselben Technik wie Flöte 3 vom Geißenklösterle, hergestellt worden. 2014 wurden zwei aneinanderpassende Bruchstücke aus Mammutelfenbein gefunden, die zu einem verzierten figürlichen Fragment zusammengesetzt werden konnten. Aufgrund formaler Ähnlichkeiten mit der Venus vom Hohle Fels deuteten die Ausgräber das Fragment als möglichen Teil einer zweiten Frauenfigurine.Es muss eigentlich eine Frau sein. Pressemitteilung Universität Tübingen vom 22. Juli 2015.Nicholas J. Conard, Maria Malina: Eine mögliche zweite Frauenfigurine vom Hohle Fels und Neues zur Höhlennutzung im Mittel- und Jungpaläolithikum. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2014. 2015, S. 54–59. 2017 wurden 40 neu geborgene, perlenförmige Schmuckobjekte aus Mammutelfenbein vorgestellt. Die Funde umfassen unterschiedliche Stadien der Herstellung und Nutzung, darunter Rohlinge, unfertige Stücke und getragene Perlen. Unter den Funden befinden sich mehrfach durchlochte Perlenformen, die bislang nur aus dem Hohle Fels bekannt sind. mini|Lochstab aus Mammutelfenbein

2023 wurde in den unteren Aurignacien-Schichten der Körper einer 5,9 Zentimeter langen Figurine aus Mammutelfenbein geborgen, die als Darstellung eines Fischotters gedeutet und 2024 als „Fund des Jahres“ vorgestellt wurde. Der Kopf der Figur ist nicht erhalten.Nicholas J. Conard, Alexander Janas: Funde aus dem Mittelpaläolithikum und eine neue Elfenbeinfigurine aus dem Aurignacien vom Hohle Fels. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2023. 2024, S. 58–63.

2024 wurde ein vierfach durchbohrter Lochstab aus Mammut-Elfenbein wissenschaftlich beschrieben, von dem bereits im August 2015 insgesamt 15 zusammengehörige Fragmente entdeckt worden waren. Die Rekonstruktion des 20,4 cm langen, 3,6 cm breiten und 1,5 cm dicken Stabs sowie Experimente zu seiner Nutzung ergaben, – gestützt durch Anhaftungen von Pflanzenfasern und feine Riffelungen an seiner Oberfläche – dass es sich vermutlich um ein Werkzeug zum Verdrillen von Fasern zu einem Seil handelt.Nicholas J. Conard und Veerle Rots: Rope making in the Aurignacian of Central Europe more than 35,000 years ago. In: Science Advances. Band 10, Nr. 5, 2024, doi:10.1126/sciadv.adh5217. Im Juli 2024 wurde ein 24,7 Zentimeter langes und 168 Gramm schweres Gerät aus Mammutelfenbein geborgen und 2025 der Öffentlichkeit vorgestellt. Es handelt sich um ein ursprünglich andersartiges Werkzeug unbekannter Funktion, das später zu einem Meißel umgearbeitet worden war. Das etwa 39.000 Jahre alte Stück ist das bislang größte rundum formbearbeitete Elfenbeingerät aus dem Hohle Fels. 2025 wurden in den unteren Aurignacien-Schichten zwei etwa 40.000 Jahre alte Vogelfiguren aus Mammutelfenbein geborgen und 2026 vorgestellt. Eine Figur zeigt einen ruhenden, möglicherweise brütenden Vogel.Nicholas J. Conard, Alexander Janas, Mohsen Zeidi: Hochwertige Funde aus dem Mittelpaläolithikum und zwei aurignacienzeitliche Vogeldarstellungen aus dem Hohle Fels bei Schelklingen. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2025. 2026, S. 46–52. Die zweite Figur zeigt einen Vogel mit ausgebreiteten Flügeln; der linke Flügel ist abgebrochen. Parallele Ritzlinien stellen das Federkleid dar. Mit einer Länge von etwa zwei Zentimetern gilt sie als das kleinste bislang bekannte Eiszeitkunstwerk der UNESCO-Welterberegion.

Neben der neu zusammengesetzten Tierfigurine, dem Wasservogel und der Venusfigur werden in der Dauerausstellung des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren auch die Flötenfunde aus dem Hohle Fels und dem Geißenklösterle gezeigt.

Gravettien mini|Der Phallus von Schelklingen, der dem Gravettien zuzuweisen ist